Philosophie der Sprache: Grundbegriffe und Theorien

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Umfassendes Karteikartenset zu den Kernbegriffen, Theorien und Debatten der modernen Sprachphilosophie auf Grundlage von William G. Lycans 'Philosophy of Language: A Contemporary Introduction' (3. Auflage).

61 Terms

1
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Referenztheorie der Bedeutung (Referential Theory of Meaning)

Die traditionelle Auffassung, dass sprachliche Ausdrücke ihre Bedeutung dadurch erhalten, dass sie für reale Gegenstände in der Welt stehen (Bedeutung als Referenzobjekt), und dass das Verstehen von Sätzen im Wissen darüber besteht, worauf die einzelnen Wörter referieren.

2
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Bradleys Regress (Bradley's Regress)

Das von F. H. Bradley aufgezeigte unendliche Regressproblem: Versucht man die Verknüpfung von Individuum und Eigenschaft (wie in „Ralph ist fett“) dadurch zu erklären, dass die Kopula „ist“ für eine eigenständige Relation des Habens steht, benötigt man eine weitere Relation, um diese Relation mit dem Individuum zu verbinden, und so fort ad infinitum.

3
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Singulärer Terminus (Singular Term)

Ein sprachlicher Ausdruck, der darauf abzielt, eine einzelne bestimmte Person, einen Ort oder einen einzelnen Gegenstand zu bezeichnen (z. B. Eigennamen, bestimmte Kennzeichnungen oder Demonstrativpronomina), im Unterschied zu Allgemeinbegriffen.

4
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Bestimmte Kennzeichnung (Definite Description)

Ein komplexer singulärer Ausdruck der Form „der/die/das FF“ (z. B. „der Autor von Waverley“ oder „der gegenwärtige König von Frankreich“), der aus einem bestimmten Artikel und einem prädikativen Ausdruck zusammengesetzt ist.

5
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Russells Kennzeichnungstheorie (Theory of Descriptions)

Bertrand Russells Analyse, wonach Sätze mit bestimmten Kennzeichnungen („Das FF ist GG“) auf der Ebene der logischen Form keine echten Subjekt-Prädikat-Sätze sind, sondern eine Konjunktion aus drei quantifizierten Einzelaussagen darstellen: mindestens ein Ding ist FF, höchstens ein Ding ist FF, und jedes Ding, das FF ist, ist GG.

6
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Problem des scheinbaren Bezugs auf Nichtexistierendes (Apparent Reference to Nonexistents)

Das semantische Rätsel, wie ein Subjekt-Prädikat-Satz wie „James Moriarty ist kahl“ sinnvoll sein kann, obwohl der Subjektterminus auf kein real existierendes Individuum verweist.

7
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Problem negativer Existenzaussagen (Problem of Negative Existentials)

Das Paradoxon, dass eine wahre Aussage wie „Pegasus hat nie existiert“ scheinbar von Pegasus handeln muss; existiert Pegasus jedoch nicht, gibt es nichts, worüber die Aussage wahr sein könnte, und existiert Pegasus, so ist die Aussage falsch.

8
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Freges Identitätsrätsel (Frege's Puzzle about Identity)

Die Frage, wie eine wahre Identitätsaussage zwischen zwei koreferentiellen Termini (a=ba = b) informativ und kontingent sein kann (wie „Mark Twain ist Samuel Langhorne Clemens“), während eine Identitätsaussage mit identischen Termini (a=aa = a) rein trivial und a priori ist.

9
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Referenzielle Opazität (Referential Opacity)

Eine Eigenschaft von Satzpositionen (häufig nach epistemischen Operatoren wie „glaubt, dass“), in denen die Ersetzung eines singulären Terminus durch einen koreferentiellen Terminus den Wahrheitswert des Gesamtsatzes verändern kann.

10
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Kompositionalitätsprinzip / Fregesches Prinzip (Principle of Compositionality)

Das Prinzip, wonach die Bedeutung eines komplexen sprachlichen Ausdrucks eindeutig und ausschließlich durch die Bedeutungen seiner elementaren Bestandteile und die Art ihrer grammatischen Zusammensetzung bestimmt wird.

11
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Präsupposition (Presupposition nach Strawson)

Eine Voraussetzung für das Gelingen einer Aussage: Fehlt einer Kennzeichnung der Referent (wie in „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl“), so ist der Satz nach P. F. Strawson nicht falsch, sondern die Äußerung missglückt („presupposition failure“) und besitzt keinen Wahrheitswert.

12
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Referentieller vs. attributiver Gebrauch (Donnellan's Distinction)

Keith Donnellans Unterscheidung für Kennzeichnungen: Beim attributiven Gebrauch wird eine Aussage über denjenigen getroffen, wer immer die Kennzeichnung erfüllt; beim referentiellen Gebrauch dient die Kennzeichnung lediglich als Werkzeug, um die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes, vor Augen stehendes Objekt zu lenken.

13
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Semantischer Referent vs. Sprecherreferent (Semantic Referent vs. Speaker-Referent)

Der semantische Referent ist der Gegenstand, der die sprachliche Kennzeichnung wörtlich und eindeutig erfüllt. Der Sprecherreferent ist das Individuum, auf das der Sprecher im konkreten Verwendungsakt die Aufmerksamkeit des Publikums richten möchte.

14
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Anaphorischer Ausdruck (Anaphoric Expression)

Ein sprachlicher Ausdruck (oft ein Pronomen), dessen Referenz und Bedeutung von einem anderen Ausdruck – seinem Antezedens – abhängt, welcher üblicherweise an früherer Stelle im Diskurs steht.

15
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Sinn (Sense nach Frege)

Die objektive, abstrakte „Art des Gegebenseins“ eines Referenten, die ein Ausdruck zusätzlich zu seiner Referenz (Bedeutung) ausdrückt und die den kognitiven Wert des Ausdrucks bestimmt.

16
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Millianischer Name (Millian Name)

Ein Eigenname im Sinne von John Stuart Mill, der ausschließlich als reines Etikett fungiert und außer der Einführung seines Trägers in den Diskurs keinen weiteren begrifflichen Inhalt zur Satzbedeutung beiträgt.

17
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Russells Namensbehauptung (Name Claim)

Die These von Bertrand Russell, dass gewöhnliche Eigennamen auf der Ebene der logischen Form keine echten Eigennamen sind, sondern verkürzte bzw. getarnte bestimmte Kennzeichnungen darstellen.

18
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Bündeltheorie der Eigennamen (Searle's Cluster Theory)

John Searles Modifikation der Kennzeichnungstheorie, nach der ein Name nicht einer einzelnen festen Beschreibung entspricht, sondern lose mit einem vagen Bündel identifizierender Beschreibungen verknüpft ist und auf dasjenige Objekt referiert, das eine hinreichende Anzahl davon erfüllt.

19
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Mögliche Welt (Possible World)

Ein vollständiger, alternativer globaler Zustand oder ein Universum, das den unendlich vielen verschiedenen Weisen entspricht, wie die Realität im Gegensatz zur aktuellen Welt hätte beschaffen sein können.

20
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Starrer Designator (Rigid Designator)

Ein Begriff nach Saul Kripke für einen singulären Terminus, der in jeder möglichen Welt, in der das Individuum existiert, dasselbe Individuum bezeichnet (während ein schlaffer Designator / „flaccid designator“ seinen Referenten von Welt zu Welt wechselt).

21
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Theorie der direkten Referenz (Direct Reference Theory)

Die von Ruth Barcan Marcus, David Kaplan und anderen entwickelte Auffassung, dass Eigennamen und Pronomina streng millianisch sind und ihr semantischer Beitrag zu einer Proposition ausschließlich im Referenzobjekt selbst besteht.

22
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Kausal-historische Theorie des Referierens (Causal-Historical Theory)

Kripkes Auffassung, dass die Äußerung eines Eigennamens dadurch auf eine Person referiert, dass eine historische Kette von Referenzübertragungen („passage of communication“) besteht, die bis zum ursprünglichen Taufakt des Individuums zurückreicht.

23
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Qua-Problem (Qua-Problem)

Der Einwand gegen rein kausale Bezugstheorien (formuliert von Devitt und Sterelny), wonach der Taufende bei einer Namensgebung intendieren muss, das Objekt unter einer bestimmten kategorialen Eigenschaft (als Ding, Mensch etc.) zu benennen, was ein deskriptives Element erfordert.

24
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Zwillingserde (Twin Earth)

Hilary Putnams Gedankenexperiment über einen Planeten, auf dem die oberflächlich wasserähnliche Substanz chemisch XYZ\text{XYZ} statt H2O\text{H}_2\text{O} ist; es demonstriert, dass physisch identische Sprecher Unterschiedliches meinen und Bedeutungen folglich „nicht im Kopf“ liegen.

25
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Ideationelle Bedeutungstheorien (Ideational Theories)

Traditionelle semantische Theorien (wie jene von John Locke), die postulieren, dass die Bedeutungen sprachlicher Ausdrücke konkrete mentale Ideen, Vorstellungen oder Gedanken im Geist einzelner Sprecher sind.

26
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Propositionstheorie (Proposition Theory)

Die Theorie, dass Sätze Bedeutungen haben, indem sie Propositionen ausdrücken – abstrakte, zeitlose, geist- und sprachunabhängige Entitäten, die die primären Träger von Wahrheit und Falschheit darstellen.

27
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Gebrauchstheorie der Bedeutung (Use Theory of Meaning)

Die auf Ludwig Wittgenstein zurückgehende Auffassung, dass die Bedeutung eines Wortes oder Satzes durch seine Funktion und seine Rolle innerhalb konventioneller, regelgeleiteter menschlicher Handlungsmuster bestimmt wird.

28
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Sprachspiel (Language-Game)

Wittgensteins Begriff für die ineinander verwobene Gesamtheit aus sprachlichen Äußerungen und praktischen Tätigkeiten, die ähnlich den Zügen in einem Brettspiel von sozialen Konventionen und impliziten Regeln gesteuert werden.

29
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Inferentialismus (Inferentialism)

Die von Wilfrid Sellars und Robert Brandom formulierte Variante der Gebrauchstheorie, nach der die Bedeutung von Sätzen primär durch die normativen Regeln des Folgerns (inferential roles) sowie Verpflichtungen und Berechtigungen im sozialen Begründen begründet ist.

30
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Sprecherbedeutung (Speaker-Meaning nach Grice)

Dasjenige, was ein Sprecher mit einer Äußerung meint, definiert über die Absicht, beim Adressaten einen mentalen Zustand (z. B. eine Überzeugung) hervorzurufen, und zwar gerade dadurch, dass der Adressat eben diese Absicht erkennt.

31
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Verifikationismus (Verificationism)

Das Grundprinzip des logischen Positivismus, wonach ein Satz genau dann kognitiv bedeutungsvoll ist, wenn er empirisch verifizierbar ist; die Bedeutung eines Satzes fällt mit seiner Verifikationsbedingung zusammen.

32
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Analytizität (Analyticity)

Die Eigenschaft von Sätzen, allein aufgrund der Bedeutungen der in ihnen enthaltenen Wörter und logischen Partikel ausnahmslos wahr zu sein (wie „Kein Junggeselle ist verheiratet“), ohne empirischen Sachgehalt zu besitzen.

33
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Duhem-Quine-These (Duhem-Quine Thesis)

Die These von Pierre Duhem und W. V. Quine, dass einzelne empirische Sätze keine isolierten Verifikationsbedingungen besitzen, da theoretische Aussagen stets nur als ganzes Gefüge zusammen mit einem Netz von Hilfsannahmen überprüft werden können.

34
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Unbestimmtheit der Übersetzung (Indeterminacy of Translation)

Quines These, dass selbst die Gesamtheit aller physikalischen und verhaltensbezogenen Tatsachen nicht ausreicht, um zwischen rivalisierenden, untereinander inkompatiblen Übersetzungshandbüchern eine eindeutig richtige Übersetzung festzulegen.

35
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Wahrheitsbedingungstheorie (Truth-Condition Theory)

Donald Davidsons semantisches Programm, das die Bedeutung eines Satzes mit seiner Wahrheitsbedingung gleichsetzt – also mit den Bedingungen, unter denen der Satz tatsächlich wahr ist oder wäre.

36
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T-Satz / Tarski-Bikonditional (T-Sentence)

Ein von Alfred Tarskis Wahrheitsdefinition inspirierter Satz der kanonischen Form „‚ss‘ ist wahr genau dann, wenn pp“, der deduktiv aus einer Wahrheitsdefinition abgeleitet wird, um die Wahrheitsbedingungen des Zielsatzes festzuhalten.

37
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<p>Phrasenstrukturbaum (Phrase Marker)</p>

Phrasenstrukturbaum (Phrase Marker)

Eine hierarchische Baumstruktur in der theoretischen Syntax, die visualisiert, wie grammatische Kategorien (wie Det, N, V, NP, VP) nach formalen Formierungsregeln zu komplexen wohlgeformten Sätzen verknüpft werden.

38
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Intensionale Semantik (Intensional Semantics)

Ein System der Semantik (von Carnap, Montague u. a.), das Fregesche Sinne als mathematische Intensionen rekonstruiert: Die Intension eines Prädikats ist eine Funktion von möglichen Welten auf Extensionen, die eines Satzes eine Funktion von möglichen Welten auf Wahrheitswerte.

39
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Intensionale Isomorphie (Intensional Isomorphism)

Rudolf Carnaps Kriterium für vollkommene Synonymie: Zwei Sätze sind intensional isomorph, wenn sie nicht nur dieselbe Intension besitzen, sondern zudem auf exakt dieselbe Weise aus denselben atomaren Intensionen aufgebaut sind.

40
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Semantische Pragmatik vs. pragmatische Pragmatik (Semantic vs. Pragmatic Pragmatics)

Max J. Cresswells Unterscheidung: Semantische Pragmatik untersucht, wie kontextuelle Faktoren den propositionalen Wahrheitsgehalt bestimmen (z. B. Deixis); pragmatische Pragmatik untersucht die sozialen Verwendungen und Handlungen eines Satzes bei bereits fixiertem Gehalt.

41
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Charakter vs. Inhalt (Kaplan's Character vs. Content)

David Kaplans Analyse indexikalischer Ausdrücke: Der Charakter ist die feste sprachliche Funktion, die einem Kontext einen Inhalt zuordnet; der Inhalt ist die propositionale Komponente (Funktion von möglichen Welten zu Wahrheitswerten).

42
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Semantischer Minimalismus (Semantic Minimalism)

Die These von H. Cappelen und E. Lepore, dass es nur eine feste und kleine Basismenge echt kontextsensitiver Ausdrücke gibt und der Kontext darüber hinaus keinen Einfluss auf die semantisch ausgedrückte Proposition ausübt.

43
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Performative Äußerung (Performative Utterance)

J. L. Austins Bezeichnung für eine Äußerung (wie „Ich taufe dieses Schiff …“ oder „Ich verspreche …“), die keinen Sachverhalt beschreibt oder wahrheitswertfähig abbildet, sondern selbst einen konventionellen sozialen Akt vollzieht.

44
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Illokutionäre Kraft vs. lokutionärer Gehalt (Force vs. Content)

Die Differenzierung zwischen dem, was ein Satz wörtlich aussagt (sein lokutionärer Gehalt / Wahrheitsbedingung), und der Art und Weise des Vollzugs oder der konventionellen Funktion der Äußerung als Behauptung, Warnung, Befehl etc. (illokutionäre Kraft).

45
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Perlokutionärer Akt (Perlocutionary Act)

Die tatsächliche kausale Wirkung, die eine sprachliche Äußerung auf die mentalen Zustände, Gefühle oder Verhaltensweisen des Adressaten ausübt (wie z. B. jemanden erschrecken, überzeugen oder irritieren).

46
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Konstitutive vs. regulative Regeln (Constitutive vs. Regulative Rules nach Searle)

Regulative Regeln regulieren eine bereits unabhängig existierende Form des Verhaltens (z. B. Etikette). Konstitutive Regeln definieren und erschaffen eine neue Praxis überhaupt erst (wie Spielregeln beim Schach); ihre Verletzung vereitelt den Akt vollständig.

47
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Infelizität (Infelicity)

Der von Austin geprägte Oberbegriff für das Missglücken, die Defektheit oder Unangemessenheit eines Sprechakts infolge der Verletzung prozeduraler, institutioneller oder sincerity-bezogener Bedingungen.

48
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Cohens Problem (Cohen's Problem)

Das von L. Jonathan Cohen aufgeworfene semantische Dilemma explizit performativer Sätze: Sieht man die performative Einleitung („Ich warne dich …“) bloß als Kraftsignal, ignoriert man deren grammatische und modifizierende Wörter; sieht man sie als Teil des Satzgehalts, wäre der Satz trivial selbsterfüllend wahr.

49
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Kooperationsprinzip (Cooperative Principle nach Grice)

Die oberste Konversationsnorm: „Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es die anerkannte Zielrichtung des Gesprächs erfordert“, aufgeteilt in die Maximen der Quantität, Qualität, Relation (Relevanz) und Modalität.

50
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Konversationelle Implikatur (Conversational Implicature)

Eine pragmatische Bedeutungskomponente, die ein Hörer durch rationales Schließen unter Rückgriff auf das Kooperationsprinzip und die Maximen aus der Äußerung ableitet; sie ist typischerweise annullierbar (cancelable).

51
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Konventionelle Implikatur (Conventional Implicature)

Eine nicht-wahrheitsfunktionale Bedeutungskomponente, die fest an die konventionelle Bedeutung bestimmter lexikalischer Wörter gebunden ist (wie der Kontrast bei „aber“ oder die Begründung bei „daher“); sie wird unmittelbar verstanden und ist nicht annullierbar.

52
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Relevanztheorie (Relevance Theory)

Die von Sperber und Wilson begründete kognitive Pragmatiktheorie, nach der menschliche Kommunikation primär durch das Streben nach maximaler kognitiver Effizienz (optimales Verhältnis aus positivem kognitivem Nutzen und Verarbeitungsaufwand) gesteuert wird.

53
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Explikatur (Explicature)

Ein Begriff der Relevanztheorie für den Gehalt, der durch pragmatische Ausarbeitung (wie Desambiguierung, Sättigung und freie Anreicherung) aus der unvollständigen logischen Form des Satzes explizit entwickelt und als „gesagt“ verstanden wird.

54
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Freie Anreicherung (Free Enrichment)

Ein pragmatischer Prozess, bei dem der propositionale Gehalt eines Satzes im Kontext um begriffliche Bestandteile erweitert wird, ohne dass in der syntaktischen logischen Form eine grammatisch vorgegebene Leerstelle dafür existiert.

55
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Indirekte Kraft (Indirect Force)

Das Phänomen, dass eine Äußerung standardmäßig mit einer anderen illokutionären Kraft verstanden wird als jener, die ihrem grammatischen Modus wörtlich entspricht (z. B. „Kannst du das Salz reichen?“ als Bitte statt als Frage nach der physischen Fähigkeit).

56
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Expressivum (Expressive nach Kaplan)

Sprachliche Ausdrücke (wie „verdammt“, „aua“ oder „hurra“), die vollwertige Wörter einer Sprache und syntaktisch eingebunden sein können, jedoch keine Wahrheitsbedingungen tragen, sondern rein emotionale Einstellungen oder mentale Zustände ausdrücken.

57
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Bedeutungsinversion (Meaning Inversion nach Camp)

Elizabeth Camps Bestimmung des Sarkasmus: Der Sprecher evoziert eine normative Bewertungsskala und tut so, als ginge er eine Festlegung ein, kommuniziert dadurch jedoch die Inversion dieser Verpflichtung auf propositionaler, lexikalischer oder illokutionärer Ebene.

58
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Kausaltheorie der Metapher (Davidson's Causal Theory)

Donald Davidsons radikale These, dass Metaphern ausschließlich ihre wörtliche Bedeutung haben und es keine „metaphorische Bedeutung“ gibt; Metaphern wirken vielmehr rein psychologisch-kausal wie ein Stoß („bump on the head“), der uns Ähnlichkeiten bemerken lässt.

59
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Figurative Vergleichstheorie (Figurative Simile Theory nach Fogelin)

Robert Fogelins Theorie, dass Metaphern verkürzte Vergleiche (Similes) sind, die jedoch selbst nicht wörtlich wahr, sondern figürlich zu verstehen sind, indem der Hörer den relevanten Merkmalsraum an die salienten Eigenschaften des Subjekts anpasst.

60
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Pragmatische Theorie der Metapher (Searle's Pragmatic Theory)

John Searles Auffassung, dass die Bedeutung von Metaphern ein Sonderfall von Sprecherbedeutung ist: Der Satz bleibt wörtlich defekt oder unwahr, aber der Hörer rekonstruiert über Ähnlichkeits- und Kontextprinzipien, was der Sprecher metaphorisch meint.

61
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Unendliche Polysemie (Infinite Polysemy)

Die linguistische These, wonach fast jedes Wort durch systematische Mechanismen der Analogiebildung im jeweiligen Satz- und Diskurskontext prinzipiell unbegrenzt viele neue, distinkte, aber untereinander verwandte lexikalische Bedeutungen annehmen kann.