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Ständegesellschaft
Gesellschaft aufgebaut aus gesellschaftlichen Grossgruppen (=Ständen), die sich durch jeweils eigenes Recht, Einkommensart, politische Stellung, Lebensführung und Ansehen unterscheiden, und die die Gesellschaftsordnung des Mittelalters und der frühen Neuzeit prägen
Generalstände
Aus dem Mittelalter stammende Versammlung der drei Stände Klerus (1. Stand), Adel (2. Stand) und 3. Stand (Bürger, Bauern) in Frankreich mit beratender Funktion v.a. in Steuerfragen
Emmanuel-Joseph «Abbé» Sieyès (1748-1836)
Priester und politischer Schriftsteller, Abgeordneter des Dritten Standes in den Generalständen, ebnete mit seiner Flugschrift «Was ist der Dritte Stand?» den Weg zur ständelosen Nationalversammlung; bis in die Regierungszeit Napoleons auf verschiedenen Posten politisch tätig
Ballhausschwur
Teil der Revolution der Abgeordneten des 3. Standes in Versailles, die sich zuvor zur Nationalversammlung erklärt hatten und nun an ihrem neuen Versammlungsort, dem Ballspielhaus, schworen, sich niemals zu trennen bis Frankreich eine Verfassung habe
Nationalversammlung
Im Streit um die Abstimmungsfrage in den Generalständen (nach Ständen oder Köpfen?) erklärte sich der 3. Stand zusammen mit einzelnen Abgeordneten der beiden anderen Stände zur alleinigen Vertretung der Nation
Jacques Necker (1732-1804)
Aus Genf stammender Bankier, versuchte als Generaldirektor der Finanzen die Einnahmen und Ausgaben des französischen Staates ins Gleichgewicht zu bringen, im Volk sehr populär, wurde er am 11. Juli 1789 vom König entlassen, u.a. weil er die Verdoppelung der Stimmenzahl des Dritten Standes an den Generalständen zugelassen hatte
Bastille
Festungsanlage in Paris, von den Königen als Gefängnis für politische Häftlinge genutzt, am 14. Juli 1789 von Teilen der Stadtbevölkerung als Symbol der Unterdrückung gestürmt und zerstört; im Andenken daran ist heute der 14. Juli der französische Nationalfeiertag
La Grande Peur
Bauernunruhen auf dem Land, ausgelöst durch die Ereignisse in Paris im Sommer 1789; Bauern verbrannten die feudalen Rechtsdokumente und plünderten die Schlösser ihrer Gutsherren, die teilweise auch umgebracht wurden
Marie-Joseph Marquis de Lafayette (1757-1834)
Französischer Adliger und Offizier, kämpfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf Seite der Kolonisten; zurück in Frankreich, wurde er zu Beginn der Revolution Kommandant der Nationalgarde, entwarf die Bürger- und Menschenrechtserklärung nach amerikanischem Vorbild, war aber trotzdem ein Anhänger der (konstitutionellen) Monarchie
Olympe de Gouges (1748-1793)
Autodidaktin aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, Schriftstellerin und Publizistin; während der Revolution engagierte sie sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter, u.a. mit ihrer «Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin», während der Terrorphase als Kritikerin der Jakobiner verhaftet und hingerichtet
Girondisten
Gemässigte Republikaner, vertraten v.a. das liberale und wohlhabende Bürgertum aus dem Süden und Westen Frankreichs; der Name geht zurück auf das Departement Gironde, wo die Anführer herkamen; gerieten in Gegensatz zu den Jakobinern, denen viele Girondisten zum Opfer fielen
Jakobiner
Ursprünglich politischer Klub reformorientierter Kräfte, benannt nach dem Versammlungsort, dem Pariser Kloster St. Jacques; radikalisierten sich im Lauf der Revolution und begründeten unter Robespierre die Diktatur des Wohlfahrtausschusses, verantwortlich für die Terrorphase der Revolution
Maximilien Robespierre (1758-1794)
Rechtsanwalt aus dem Südwesten Frankreichs, Abgeordneter der Generalstände, ab 1790 Anführer der Jakobiner; stark von Rousseau geprägt, war er verantwortlich für den Terror des Wohlfahrtausschusses, mit dem er und seine Anhänger eine «Republik der Tugend» herbeizwingen wollten; als er im Nationalkonvent eine neue Säuberungswelle ankündigte, wurde er verhaftet und hingerichtet
Georges Danton (1759-1794)
Rechtsanwalt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, führender Politiker und Redner während der Revolution; als Jakobiner und Mitglied des Wohlfahrtsausschusses mitverantwortlich für den Terror; als er nach dem Sieg der Revolutionstruppen für Friedensverhandlungen und ein Ende des Terrors eintrat, wurden er und seine Anhänger auf Betreiben Robespierres hingerichtet
Sansculotten
Politische Gruppierung des Pariser Kleinbürgertums, verkörperten als Anhänger der Republik, der direkten Demokratie und der materiellen Gleichheit den «Druck der Strasse» auf die Nationalversammlung; machten sich durch ihre Kleidung (lange Hosen, Jakobinermütze, Kokarde) nach aussen sichtbar und stützten die Politik Robespierres
Hébertisten
Gruppierung radikaler Sansculotten unter Jacques-René Hébert, erstrebten eine egalitär-sozialistische und vor allem absolut atheistische Gesellschaft, übertrafen in ihrem Fanatismus sogar Robespierre
Trikolore
Ursprünglich eine Kokarde (rundes Abzeichen an der Kleidung) aus den Farben Weiss (für das Königtum) sowie Blau und Rot (die Farben der Stadt Paris), bekam ihre definitive Form als Nationalflagge erst 1794 durch Beschluss des Nationalkonvents in der Reihenfolge Blau - Weiss - Rot
La Marseillaise
Ursprünglich vom Komponisten und Dichter Claude Joseph Rouget de Lisle 1792 im elsässischen Strassburg als Kriegslied für die französische Rheinarmee verfasst; erhielt ihren Namen durch französische Soldaten aus Marseille, die beim Einzug in Paris dieses Lied gesungen haben, daraufhin erhielt es den Namen Marseillaise und wurde am 14. Juli 1795 zur französischen Nationalhymne erklärt
Wohlfahrtsausschuss
1793 zur Überwindung der inneren und äusseren Kriege von den Jakobinern gegründete «Kriegsregierung» mit umfassenden Vollmachten; durch radikale Massnahmen (Todesstrafe für unzählige Delikte, Massenhinrichtungen von Gegnern, Festlegung von Höchstpreisen, allgemeine Wehrpflicht) gelang die Rettung der Revolution; entwickelte sich zum Instrument der Diktatur Robespierres
Direktorium (1795-1799)
Regierungsform Frankreichs nach der Schreckensherrschaft und vor Napoleons Staatsstreich, 5 Direktoren als Exekutive, nach Zensuswahlrecht bestimmtes Parlament als Legislative
Joséphine de Beauharnais (1763-1814)
Eigentlich Rose de Tascher de la Pagerie, geboren auf Martinique als Tochter eines Plantagenbesitzers, die erste Ehe mit Alexandre de Beauharnais verlief unglücklich; nach der Hinrichtung ihres ersten Mannes 1794 heiratete sie 1796 Napoleon (er nannte sie Joséphine), der sich aber 1810 von ihr scheiden liess, da ein männlicher Thronfolger ausblieb; Napoleon blieb ihr aber zeitlebens freundschaftlich verbunden
Code Civil
1804 in Kraft getretenes, von Napoleon veranlasstes französisches Gesetzbuch, in Grundzügen bis heute gültig; modern, klar und systematisch verfasst, wurde es zum Vorbild für die Gesetzgebung in ganz Europa; Grundgedanken sind die Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht auf Eigentum und die Trennung von Kirche und Staat
Koalitionskriege
Kriege europäischer Staaten in wechselnden Bündnissen gegen die Vorherrschaft Napoleons, in den Schlachten bei Leipzig 1813 und Waterloo 1815 schliesslich erfolgreich
Kontinentalsperre
Von Napoleon veranlasste wirtschaftliche Absperrung des europäischen Festlandes gegen Grossbritannien als Teil eines Wirtschaftskrieges, der Grossbritannien zu einem Abkommen mit Frankreich zwingen sollte; beide Seiten litten stark, wobei sich Grossbritannien neue Märkte u.a. in Südamerika erschliessen konnte
Schlacht bei Austerlitz (1805)
Legendäre sog. «Dreikaiserschlacht» in der heutigen Tschechei, in der Napoleon die vereinigten Armeen der Österreicher und Russen vernichtend schlug
Schlacht bei Waterloo (1815)
Letzte Schlacht und Niederlage Napoleons im heutigen Belgien, die Briten unter Wellington und die Preussen unter Blücher schlugen den aus Elba zurückgekehrten Kaiser endgültig; Napoleon wurde in der Folge auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt
Helvetische Republik (1798-1803)
Bezeichnung des schweiz. Staatswesens zwischen dem Untergang der Alten Eidgenossenschaft durch den Einmarsch der Franzosen und der von Napoleon auferlegten Mediation; zentralistisches System nach dem Vorbild Frankreichs mit weitgehenden, z.T., aber gescheiterten Reformen (Abschaffung der Leibeigenschaft und der Untertanenverhältnisse, einheitliches Strafgesetzbuch, Einheitswährung usw.); von einer Mehrheit der Bevölkerung auch aufgrund der Nebenerscheinungen (Einquartierung fremder Truppen, Niederschlagung des Aufstandes in Nidwalden) abgelehnt, endete die H.R. im Chaos
Mediation (1803-1814)
Teilweise Restauration der Alten Eidgenossenschaft durch Napoleon, die Schweiz wurde ein Staatenbund souveräner Kantone mit gemeinsamer Aussen- und Militärpolitik, Zentralorgan wurde wieder die traditionelle Tagsatzung, ein Landammann vertrat die Schweiz nach aussen; die Schweiz blieb ein französischer Satellitenstaat und musste 16'000 Soldaten für Napoleons Feldzüge stellen