1/28
Pflegetheorien und -modelle mit Schwerpunkt auf Orems Selbstpflegedefizit-Theorie sowie Pflegebedürftigkeit und Begutachtung nach NBA. Ergänzt durch kultursensible Pflege und Besonderheiten bei pflegebedürftigen Kindern. Ideal zur Prüfungsvorbereitung.
Name | Mastery | Learn | Test | Matching | Spaced | Call with Kai | Chat |
|---|
No analytics yet
Send a link to your students to track their progress
Pflegetheorie: Definition und Bedeutung
Sie bilden die wissenschaftliche Basis. Es ist ein System aus logisch verknüpften und definierten Aussagen, die beschreiben, was professionelle Pflege ist und welche spezifischen Aufgaben sie hat. Dient dazu, Pflegephänomene zu beschreiben, Beziehungen zwischen ihnen zu erklären, Folgen vorherzusehen o. konkrete Handlungen vorzuschreiben.
Pflegemodelle: Definition und Bedeutung
Ist eine vereinfachte, schematische Darstellung der Pflegerealität. Modelle leiten sich aus Theorien ab. Sie beschreiben das Zusammenspiel der vier Schlüsselkonzepte der Pflege: Person (PK / Pat.), Umwelt (Einflüsse), Wohlbefinden (Gesundheit / Krankheit) und pflegerisches Handeln (Ziele und Maßnahmen).
= theoretische Leitfäden und praxisnahe Konzepte für den Beruf des Pflegepersonals. Fokus auf Ressourcen. (z. B. ABEDL Monika Krohwinkel, ATL Liliane Juchli, Modell der Lebensaktivität Roper-Logan-Tierney, Selbstpflegedefizit Orem)
Konzepte: Definition und Bedeutung
Sind die kleinsten Bausteine einer Theorie o. eines Modells und dienen dazu, bestimmte Aspekte greifbar zu machen. = Konkrete Umsetzung in der Praxis (Bsp. Kinästhetik, Bobath-Konzept).
Merksatz: Die Theorie denkt nach, das Modell plant vor, das Konzept packt an.
Klassifikation nach Meleis
1) Bedürfnistheorie („Was tun Pflegende?“): Fokus = Identifikation und Befriedigung von Defiziten und Bedürfnissen des pflegebedürftigen Menschen, um dessen Wohlbefinden zu sichern (Orem, Nancy Roper).
2) Interaktionstheorie („Wie tun Pflegende, das was sie tun?“): Schwerpunkt liegt auf der professionellen Beziehung und Kommunikation zwischen PK u. Pat. (Peplau).
3) Ergebnistheorie („Warum pflegen wir?“): Konzentriert sich auf das Endergebnis o. das Ziel der pflegerischen Intervention, z. B. die Anpassung an veränderte Lebensumstände (Martha Rogers).
Konkreter Nutzen in der Praxis
Schaffen ein gemeinsames, einheitliches Pflegeverständnis und eine fachliche Sprache unter Kollegen.
Geben klare Regeln u. Orientierung für das praktische Handeln vor.
Sichern die Pflegequalität.
Liefern strukturierte Frage[n] für die Pflegeforschung.
Selbstpflegedefizit-Theorie nach Dorothea Orem: Überblick
Entwickelt die Theorie, welche den Grad der Pflegebedürftigkeit ins Zentrum rückt. Das Gesamtwerk besteht aus drei miteinander verknüpften Teiltheorien:
T1: Wie versorgt sich der Mensch selbst? Was braucht er?
T2: Wo reicht die eigene Kompetenz nicht mehr aus?
T3: Wie müssen Pflegende helfen u. kompensierend tätig werden?
T1: Theorie der Selbstpflege – Menschenbild
Orem geht von einem Menschenbild aus, bei dem Personen das grundlegende Bestreben haben, gesund, unabhängig und selbstbestimmt zu bleiben.
T1 – Was bedeuten Selbstpflege, Dependenzpflege und Selbstpflegebedarf?
Selbstpflege
Die bewussten, erlernten und zielgerichteten Handlungen, die eine Person täglich an sich selbst durchführt, um das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit aufrechtzuerhalten (z. B. eigenständige Körperpflege, Essen).
Dependenzpflege
Wenn Menschen nicht in der Lage sind, ihre Selbstpflege durchzuführen, übernehmen andere Personen (Eltern, Angehörige, Freunde).
Selbstpflegebedarf
Die Gesamtheit der Handlungen, die zur Deckung der Selbstpflegeerfordernisse notwendig sind. Ergänzung: „die Summe aller Tätigkeiten, die ein Mensch im Alltag selbstständig ausführen muss, um gesund, lebensfähig und beschwerdefrei zu bleiben.“
T1 – 3 Arten von Selbstpflegeerfordernissen
Allgemeine Selbstpflegeerfordernisse (Grundbedürfnisse): Zufuhr von Sauerstoff, Wasser, Nahrung; Aufrechterhaltung der Ausscheidung; Balance Aktivität / Soziale Interaktion; Abwendung von Gefahr.
Entwicklungsbedingte Selbstpflegeerfordernisse: Spezifisches Erfordernis, die sich aus den 6 Stadien des Lebenszyklus ergeben
- > (intrauterines Stadium / Geburt, neonatales Stadium, frühe Kindheit, Jugend / Eintritt Erwachsenenalter, Erwachsenenalter, Schwangerschaft).
Ziel: Entwicklungsfördernde Bedingungen zu gewährleisten, sich selbst zu entwickeln o. negative Lebenssituationen vorzubeugen.
Gesundheitsbedingte Selbstpflegeerfordernisse: Erfordernisse, die durch Krankheiten, Verletzungen o. therapeutische Maßnahmen entstehen.
T1 – Was versteht Orem unter dem situativen Selbstpflegebedarf und wodurch wird er beeinflusst?
Konkrete Summe aller Handlungen, die in einer bestimmten Situation zur Deckung der Erfordernisse nötig sind. Ergänzung: „was ein Mensch tun muss, um für sich selbst zu sorgen, ist völlig individuell. Es hängt davon ab, wer der Mensch ist (Alter, Geschlecht), wie es ihm geht (Gesundheit) und wo er sich gerade befindet (Umfeld).“
Dieser Bedarf wird durch die grundlegenden Bedingungsfaktoren (Alter, Geschlecht, Entwicklungsstand, Gesundheitszustand, soziokulturelle Orientierung, Umwelt, Ressourcen, Familienstruktur) beeinflusst.
T2: Theorie des Selbstpflegedefizits
Hier wird ermittelt, ob und in welchem Ausmaß professionelle Pflege eingreifen muss.
T2 – Wann entsteht ein Selbstpflegedefizit und welche Kompetenzen sind dabei relevant?
Selbstpflegekompetenz
Erworbene Fähigkeit des Menschen, seine eigenen Erfordernisse einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und Handlungen durchzuführen.
Dependenzpflegekompetenz
Die Fähigkeit einer Bezugsperson, die Erfordernisse einer anderen Person zu erkennen und zu erfüllen.
Selbstpflegedefizit
Liegt vor, wenn der situative Selbstpflegebedarf die Selbstkompetenz übersteigt. Defizite können teilweise o. vollständig sein.
T3: Theorie des Pflegesystems
PK nutzen ihre spezialisierte Pflegekompetenz, um ein passendes Pflegesystem zu gestalten. Orem unterscheidet 3 Varianten von Pflegesystemen.
T3 – Welche drei Varianten von Pflegesystemen unterscheidet Orem und wie unterscheiden sie sich?
Vollständig kompensatorisches System
PK führt fast alle Handlungen für den Pat. durch, weil dieser nicht in der Lage ist, bewusst zu handeln o. ihm das motorische Vermögen gänzlich fehlt.
Teilweise kompensatorisches System
Sowohl PK als auch Pat. führen Handlungen aus. Einschränkungen werden kompensiert, vorhandene Ressourcen aktiv genutzt.
Unterstützend-erzieherisches (anleitendes) System
Pat. besitzt motorische Fähigkeit, benötigt jedoch Unterstützung in Form von Beratung, Anleitung, Motivation o. Unterricht, um die Selbstpflege (wieder) zu erlernen (Bsp. Demenz-Pat.).
Pflegebedürftigkeit und das Begutachtungsinstrument (NBA)
Im Zentrum der Pflegebedürftigkeit steht nicht mehr der reine Zeitaufwand, sondern der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen.
Das Neue Begutachtungsinstrument (NBA)
Um den PG einzuschätzen, untersucht der MD die Selbstständigkeit in 6 definierten Modulen. Jedes Modul fließt mit einer festgelegten prozentualen Gewichtung in das Gesamtergebnis ein.

NBA Modul 1: Mobilität
Positionswechsel im Bett, stabiles Sitzen, Fortbewegen im eigenen Bereich, Treppensteigen. Gewichtung: 10%.
NBA Modul 2: Kognitive & Kommunikative Fähigkeiten
Person aus dem Umfeld erkennen, Post/Orientierung. Gewichtung: 15% (zusammen mit Modul 3 gewertet). Ergänzung: „Modul 2 + 3 = nur das Modul mit der höheren Punktzahl wird genommen.“
NBA Modul 3: Verhaltensweise & psychische Probleme
Aggressives / ängstliches Verhalten. Gewichtung: –. Ergänzung: „Modul 2 + 3 = nur das Modul mit der höheren Punktzahl wird genommen.“
NBA Modul 4: Selbstversorgung
Körperpflege, An-/Auskleiden, WC, Essen. Gewichtung: 40%.
NBA Modul 5: Bewältigung & selbstständiger Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen (KH)
Unterstützung bei Medieinnahme, Arztbesuche. Gewichtung: 20%.
NBA Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens & sozialer Kontakte
Tagesablauf, Schlafzeit, Beschäftigung, Freunde. Gewichtung: 15%.
Besonderheiten der Pflegebedürftigkeit bei Kindern
Wenn ein Kind schwer erkrankt ist, ist Pflege immer Familienangelegenheit. Fast alle pflegebedürftigen Kinder werden zu Hause von der Familie gepflegt, Dienste werden nur selten in Anspruch genommen.
Herausforderung für die Familie
Enormer zeitlicher und pflegerischer Aufwand, der oft rund um die Uhr erbracht werden muss.
Psychosoziale Belastung: Soziale Isolation + Einschränkung der Berufstätigkeit der Eltern, finanzielle Sorgen und eine verringerte Lebensqualität.
Bürokratische Barriere: System der rechtlichen Leistung und Hilfen ist komplex und schwer zu durchschauen, wodurch Familien Hilfe, die ihnen zusteht, nicht abrufen. Es fehlt an kontinuierlicher, spezialisierter Pflegeberatung für Kinder.
Besonderheit bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
Vergleich mit dem altersentsprechenden Entwicklungsstand
Man zieht die normale Unselbstständigkeit gesunder Kinder ab und bewertet nur den krankheitsbedingten Extra-Aufwand.
Sonderregel für Kleinkinder unter 18 Monaten
Kriegen als Ausgleich immer einen Pflegegrad geschenkt (höher gestuft).
Spezialmodul
Prüfberichte sind extra an das Kindesalter angepasst (Verhalten & Therapie).
Transkulturelle und kultursensible Pflege
Kultursensible Pflege beschreibt eine Pflege, die sich an den kulturellen Hintergründen und individuellen Bedürfnissen des Einzelnen orientiert.
Begriffliche Unterscheidung nach Kulturkonzept
Multikulturalität (= Nebeneinander) „Getrennt“
Kultur lebt nebeneinander, klar voneinander getrennt. Es gibt kein Austausch, nur reine Koexistenz.
Interkulturalität (= Miteinander) „Austausch“
Kultur treten in den Dialog und interagieren. Ziel = gegenseitiges Verständnis und Brückenbauen.
Transkulturalität (= Ineinander) „verschmolzen“
Kulturen vermischen und durchdringen sich. Es gibt keine klare Grenzen mehr, Identitäten werden hybrid (gemischt).
Welche 3 Schritte müssen PK durchlaufen, um das Konzept der transkulturellen Pflege (kulturkongruente Pflege) umzusetzen?
Selbstreflexion (= Eigene Vorurteile prüfen): bewusstes Hinterfragen der eigenen Kultur, Werte & Vorurteile gegenüber andere Kulturen.
Hintergrundwissen und Erfahrung (= Wissen & Kontakt): Aneignen von Fachwissen kombiniert mit vorurteilsfreiem Austausch in der Praxis.
Empathie (= Perspektivenwechsel): die Fähigkeit, die Situation durch die „Kulturbrille“ des Pflegeempfängers sehen und respektvoll handeln.
Pflegerische Herausforderungen in der Praxis
Sprachbarrieren (= Verständnis-Problem)
Führen zu Fehlern bei der Schmerz- & Therapieaufklärung. Lösung: Dolmetscher nutzen.
Umgang mit Schmerz und Scham (= Ausdruck & Tabus)
Schmerz wird nach Kultur extrem laut geäußert o. völlig unterdrückt. Scham erfordert oft die strikte Trennung der Geschlechter bei der Körperpflege.
Religiöse Rituale o. Vorschriften (= Individualität)
Gebete, Waschungen und Speisegesetze müssen beachtet werden. Wichtig: Niemals pauschalisieren, immer Pat. fragen.