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Vokabel-Flashcards zu den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, der evidenzbasierten Physiotherapie (EbP), diagnostischen Gütekriterien und Studiendesigns.
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Evidenzbasierte Praxis (EbP)
Klinisches Handeln und Entscheidungsfindung, welche auf der Integration von bester verfügbarer klinischer Forschung (Evidenz), individueller klinischer Expertise der Behandelnden und den Werten sowie Präferenzen der Patientinnen und Patienten basieren.
Drei Bausteine der EbP
Evidenzbasierte Physiotherapie (nach Herbert et al.)
Das therapeutische Handeln, das durch relevante, möglichst qualitativ hochwertige klinische Forschung gestützt wird.
Jan Baptist van Helmont (1662)
Wissenschaftler, der erstmals das Konzept einer kontrollierten klinischen Studie im Zusammenhang mit dem Aderlass beschrieb, indem er vorschlug, Erkrankte mit Pleuritis oder Fieber per Los in zwei Gruppen (mit und ohne Aderlass) aufzuteilen.
James Lind (1753)
Verfasste die erste publizierte kontrollierte klinische Studie an Bord der HMS Salisbury, in welcher er Skorbut-Erkrankte in sechs Behandlungsgruppen einteilte und die Wirksamkeit von Zitronen und Orangen belegte.
Alvan Feinstein (1967)
Veröffentlichte das Werk „Clinical Judgement“, in dem er die klinische Entscheidungsfindung thematisierte und auf den negativen Einfluss kognitiver Verzerrungen („cognitive bias“) hinwies.
Archibald Cochrane
Schottischer Arzt, der sich in den 1970er-Jahren international maßgeblich für die Etablierung randomisierter Kontrollstudien einsetzte und das Buch „Effectiveness and Efficacy“ verfasste.
Gordon Guyatt (McMaster University)
Prägte und definierte mit einer Forschergruppe in Hamilton den Begriff „Evidenzbasierte Medizin“ in einer Publikation des Journal of the American Medical Association im Rahmen einer neuen Facharztausbildung.
Cochrane Collaboration (gegründet 1992)
Weltweite Organisation zur Erstellung, Pflege und Verbreitung hochwertiger systematischer Übersichtsarbeiten (systematischer Reviews), gegliedert in 54 Review Groups und diverse Center.
PEDro (Physiotherapy Evidence Database)
Seit 1999 bestehende Datenbank, die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten den Zugang zu randomisierten Studien, systematischen Übersichtsarbeiten und evidenzbasierten Praxisleitlinien ermöglicht.
Klinische Expertise
Die Fähigkeit, klinische Fertigkeiten und praktisches Erfahrungswissen zu nutzen, um den Gesundheitszustand, individuelle Risiken und Patientenwerte schnell zu erfassen und externe Evidenz situationsgerecht zu integrieren.
Patientenpräferenzen
Spezifische Einstellungen, Anliegen, persönliche Werte und Erwartungen, die Patientinnen und Patienten in die klinische Konsultation einbringen und die gemeinsam mit dem Behandler abgewogen werden.
Fünf Schritte des evidenzbasierten Vorgehens
Sensitivität
Statistisches und diagnostisches Gütemaß, das angibt, wie zuverlässig ein Test tatsächlich erkrankte Personen als krank erkennt (Sensitivita¨t=RP+FNRP).
Spezifität
Diagnostisches Gütemaß, das angibt, wie zuverlässig ein Test gesunde Personen korrekt als gesund bzw. verletzungsfrei identifiziert (Spezifita¨t=RN+FPRN).
McMurray-Test
Klinischer Meniskustest in Rückenlage mit maximal gebeugtem Knie: Durch Außenrotation des Unterschenkels bei Streckung wird der mediale Meniskus getestet; durch Innenrotation bei Streckung der laterale Meniskus. Positiv bei hörbarem/spürbarem Klicken oder Schmerz.
Steinmann-I-Test
Klinischer Meniskustest in Rückenlage bei 90°-Kniebeugung: Bei fixiertem Oberschenkel erfolgt eine rasche, passive Rotation des Unterschenkels (Außenrotation für den Innenmeniskus, Innenrotation für den Außenmeniskus).
Boolesche Operatoren
Logische Verknüpfungen (AND, OR, NOT) in der computergestützten Recherche, um Suchbegriffe präzise einzuschränken, zu kombinieren oder zu erweitern.
Phrasensuche
Suchmethode in wissenschaftlichen Datenbanken, bei der Suchbegriffe in Anführungszeichen („…“) gesetzt werden, um nach der exakten Wortfolge statt nach getrennten Einzelwörtern zu suchen.
Myofaszialer Triggerpunkt
Palpabler, schmerzhafter Knoten oder Punkt im Skelettmuskel bzw. dessen Faszie, der lokale Druckschmerzen verursacht und typische übertragene Schmerzen („referred pain“) in entfernte Regionen projizieren kann.
Studie
Systematische und methodische wissenschaftliche Untersuchung oder Datenerhebung zur Beantwortung spezifischer Fragen, Prüfung von Hypothesen oder Generierung neuer Erkenntnisse.
Forschungsfrage
Die präzise formulierte Kernfrage einer wissenschaftlichen Arbeit, die das Erkenntnisinteresse definiert und den gesamten Untersuchungsprozess strukturiert und lenkt.
Hypothese
Eine begründete, prüfbare, jedoch vorläufig unbewiesene Annahme über einen Zusammenhang oder Sachverhalt (häufig formuliert als „Wenn-dann“-Aussage).
Peer Review
Begutachtungs- und Kontrollverfahren zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Manuskripte durch unabhängige Fachkollegen desselben Wissenschaftsgebiets vor der Veröffentlichung.
Quantitative Forschung
Empirischer Forschungsansatz basierend auf Messung, standardisierter Erfassung und statistischer Auswertung numerischer Daten an größeren Fallzahlen zur Überprüfung von Hypothesen.
Qualitative Forschung
Nicht-numerischer, interpretativer Forschungsansatz, der anhand von Beobachtungen, Texten oder subjektiven Erfahrungen Sinnzusammenhänge rekonstruiert und neue Theorien bildet.
Querschnittstudie
Studiendesign, bei dem die Datenerhebung bei den untersuchten Probanden zu einem einzigen definierten Zeitpunkt stattfindet.
Längsschnittstudie
Untersuchungsdesign, bei dem dieselben Probanden über einen längeren Zeitraum hinweg wiederholt zu mehreren Messzeitpunkten untersucht werden.
Kohortenstudie
Beobachtungsstudie, bei der zwei oder mehr definierte Personengruppen (Kohorten) mit unterschiedlichen Expositionen über eine festgelegte Zeitspanne hinsichtlich des Auftretens von Endpunkten verfolgt werden.
Stichprobe
Ausgewählte Teilmenge von Personen oder Objekten aus einer definierten Grundgesamtheit, die für eine Untersuchung herangezogen wird.
Sampling
Das methodische Verfahren bzw. der Prozess zur gezielten Auswahl einer Stichprobe aus einer Grundgesamtheit.
Repräsentativität
Eigenschaft einer Stichprobe, die wesentlichen Merkmale und die Zusammensetzung der Zielpopulation hinreichend genau abzubilden.
Reliabilität
Gütekriterium für die Zuverlässigkeit und formale Messgenauigkeit eines Instruments, ausgedrückt durch die Wiederholbarkeit identischer Ergebnisse unter gleichbleibenden Bedingungen.
Validität
Gütekriterium für die Gültigkeit einer Messung, das angibt, ob ein Verfahren tatsächlich das theoretische Konstrukt oder Merkmal erfasst, das es messen soll.
Objektivität
Gütekriterium, das gewährleistet, dass Durchführung, Auswertung und Interpretation einer Messung unabhängig von der Person des Forschenden bzw. Untersuchers sind.
Triangulation
Die Kombination verschiedener Forschungsmethoden, Datenquellen, Forschender oder theoretischer Ansätze zur ganzheitlichen Untersuchung eines wissenschaftlichen Phänomens.
Primärquelle
Wissenschaftliche Quelle, die originale Forschungsdaten oder Erstinformationen unmittelbar aus erster Hand beschreibt.
Sekundärquelle
Quelle, die Primärquellen zitiert, interpretiert, analysiert oder auf ihnen aufbaut.
Tertiärquelle
Zusammenfassende Quelle (z. B. Enzyklopädie, Lexikon oder Lehrbuch), die Informationen aus Primär- und Sekundärquellen konsolidiert darstellt.
Paraphrase
Die sinngemäße Wiedergabe fremder Aussagen oder Ideen in eigenen Worten unter korrekter Kennzeichnung der Originalquelle.
Plagiat
Die unrechtmäßige Übernahme fremden geistigen Eigentums, Ideen oder Texte ohne Nennung und Kennzeichnung der ursprünglichen Urheberschaft.
Placebo
Eine Scheinintervention oder ein wirkstofffreies Präparat, das in Studien eingesetzt wird, um spezifische Therapieeffekte von unspezifischen Begleiteffekten abzugrenzen.
Randomisierung
Zufallsmäßige Zuteilung von Studienteilnehmenden auf verschiedene Interventions- und Kontrollgruppen zur Minimierung von systematischen Verzerrungen (Selektionsbias).
Meta-Analyse
Statistisches Verfahren, das die quantitativen Ergebnisse mehrerer unabhängiger Primärstudien zu einer gemeinsamen Fragestellung zusammenfasst und neu berechnet.
Abstract
Strukturierte, kurze und prägnante Zusammenfassung der wichtigsten Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse und Schlussfolgerungen einer wissenschaftlichen Publikation.
Medizinische Leitlinie
Systematisch entwickelte und wissenschaftlich begründete Entscheidungshilfe für Behandelnde und Patientinnen/Patienten zur angemessenen Vorgehensweise bei spezifischen Gesundheitsproblemen.