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Wie sieht die empirische Forschung in der Personalökonomie aus?
Nutzt oft firmenspezifische Daten - sogenannte Insider Econometrics
Früher: Fokus auf korrelative Zusammenh¨ange in Beobachtungsdaten.
Seit den 2000er Jahren: Credibility Revolution in der empirischen VWL.
▶ Ziel: kausale Effekte statt nur Korrelationen identifizieren
Das fundamentale Problem kausaler Inferenz
Das fundamentale Problem der kausalen Inferenz (The Fundamental Problem of Causal Inference) besteht darin, dass es unmöglich ist, zur selben Zeit beide potenziellen Zustände (Potential Outcomes) für dieselbe Beobachtungseinheit zu beobachten
Homeoffice und psychische Gesundheit: Was sagt die Evidenz?
Homeoffice erhöht die psychische Belastung deutlich, am stärksten bei Alleinlebenden. (Exkurs: Difference in difference design)

Warum kommen wir zu so vielen unterschiedlichen Schlussfolgerungen, obwohl wir dieselben Daten betrachten?
Korrelation impliziert nicht Kausalität
Korrelation
Beobachten, was geschieht.
Korrelationen können ausreichen, um Dinge in der Welt vorherzusagen.
Kausalität
Verstehen, warum es geschieht
Aber um Dinge in der Welt zu verändern, müssen wir wissen, warum!
Methoden um kausale Effekte zu Messen
Experimente und RCTs
⇒Werden immer popul¨arer in der ¨okonomischen Forschung!
⇒In der Personal¨okonomik insbesondere in Kooperation mit Firmen.
Andere Methoden: Kontrollvariablen in lin Regression
Quasi/natürliche Experimente
Labor Experimente
Wie funktionieren RCTs in der Personalökonomie
Massnahme ist nur für zufällig ausgewählte Mitarbeiter/Filialen. Die nicht ausgewählten dienen als Kontrollgruppe
Wieso zufällige Auswahl für RCTs?
Freiwillige selbstwahl hat bei Homeoffice effekt 22% steigerung vs RCT von 13%. Daher hat es eine omitted Variable die nicht beachtet wird
Führt Homeoffice zu mehr Produktivität (REsult)

Lazear (2000) Studie (Einführung)
HBS-Fallstudie
Okonometrische Analyse (AER 2000)
Safelite: gr¨osster Installateur von Autoglas in den USA.
1997: rund 500 Filialen und ¨uber 3.000 Monteure innerhalb von 19 Monaten.
Installation in Filialen und direkt beim Kunden.
Ausgangspunkt Lazear Studie
Fixe stundenlohn (10-12 DOllar)
Hohe Fluktuation der Beschäftigten (saisonale Nachfrageschwankung. Rate 48%)
Einführung des Perforamcne Pay Plan PPP 1993
Bezahlung pro installierte Windschutzscheibe (20 dollar)
Aber: Garantierter Stundenlohn bleibt als Minimum
Ursprungplicher Plan: 30% Senkung des garnatierten Lohns → Verworfen wegen WIderstand der Beschäftigten
Produktivität und Löhne nach PPP

Ist der Anstieg wirklich ein Effekt des PPP?
Wenn ja, gibt es zwei m¨ogliche Gründe:
▶ Anreiz-Effekt: Jeder einzelne Mitarbeiter hat mehr Anreize, sich anzustrengen.
→Gleicher Mitarbeiter arbeitet fleissiger.
▶ Selektions-Effekt: Das Unternehmen wird für sehr produktive Mitarbeiter attraktiver.
→Im Durchschnitt sind bessere Leute im Team.
Ökonometrischer Ansatz

Resultate der Lazear Studie
Von Links nach rechts kommen immer mehr effects dazu, die den PPP Dummy Wert beeinflussen.
Mit Worker Fixed effects ist der PPP Effekt fast die hälfte von allen Mitarbeiter. → Selektionseffekt
Die Leute die nach der Einführung angestellt wurden sind im Durchschnitt auch produktiver → Selektonseffekt
Fazit: Rund 44% mehr Produktivität
Beim selben mitarbetier 22% höhere Leistung
Neue Mitarbeitende nach Einf¨uhrung produktiver: ≈24 %.
4 Fazit: Sowohl Anstrengungs- als auch Selektionseffekt

Reminder: Modell und mögliche Selektions-Erklärung

Potenzieller Publikationsbias bei Anreizsystem
Studien mit positiven Effekten haben höhere Publikationschancen
Studien ohne Effekt erscheinen seltener
Folge: Effekte von variabler Vergütung in Literatur tendenziell überschätzt
Für die Praxis: Variable Vergütung wirkt oft, aber nicht immer
⇒Grenzen im Hinterkopf behalten
Absolute zu relativer Vergütung. Wieso der Wechsel jetzt?

Absolute Vergütung
Lohn hängt am eigenen absolut gemessenen Output (Stücklohn, Bonus)
Relative Vergütung
die Leistung wird im Vergleich zu anderen bewertet.
Wieso sind Beförderungen wichtig? Turniere und relative Vergütung
▶ nur wenige oder einzelne Mitarbeitende können aufsteigen
▶ Beförderung bringt mehr Einkommen, Verantwortung und Status
=⇒ Das Streben nach Beförderung schafft Arbeitsanreize
Wettbewerb um Beförderungen: Promotion tournaments
Wo schaffen Karrierechancen starke Arbeitsanreize
Wo die Chance aufzusteigen oder Entlohnung aufzusteigen immens sind
Was kann passieren. wenn Karriere das grösste Motiv ist?
Der jetzige Lohn könnte tief oder gar nichts sein, da die Chance aufzusteigen sich schon lohnt. Kann aber auch zu Burnout und unkooperativen Verhalten führen
Teamanreize 1
In vielen Kontexten, ist eine Messung der individuellen Leistung m¨oglich.
▶ Beispiele: Anzahl eingebauter Windschutzscheiben, Anzahl verkaufter St¨ucke, . . .
Aber in vielen Jobs ist nur eine Team-Leistung messbar:
▶ Team arbeitet gemeinsam an einem bestimmten Output.
▶ Messbar ist nur der Erfolg des gesamten Projekts.
Beispiele:
▶ F&E-Teams
▶ Fliessbandproduktion
▶ Unternehmenserfolg / Gewinne
In diesen F¨allen k¨onnen Teamanreize eine Alternative sein.
Freerider Problem: Das Grundproblem
Bei Teamentlohnung wird der gemeinsame Output (bzw. Bonus) auf alle n Mitglieder aufgeteilt.
Wer sich anstrengt, tr¨agt die vollen Kosten, erh¨alt aber nur einen Bruchteil (1/n) des
zus¨atzlichen Ertrags.
Aus individueller Sicht lohnt sich Anstrengung zu wenig: jeder w¨ahlt ein zu niedriges Niveau
(Trittbrettfahren)
Ergebnis: individuell rational, aber kollektiv ineffizient

Was tut das Freerider Problem Abschwächen
Kleine Gruppen: bei kleinem n ist der eigene Ertragsanteil grösser ⇒weniger Trittbrettfahren.
Beobachtbarkeit der Beiträge: Transparenz ermöglicht Peer-Monitoring und Sanktionen (oft
teuer).
Soziale Normen & Reziprozität: Teamidentität und Fairness stützen freiwillige Kooperation.
Wiederholte Interaktion: langfristige Zusammenarbeit kann Kooperation selbsttragend machen.
Kombination mit individuellen Leistungsanreizen.
Teamanreize und Produktionsfunktion. Wie stark wirkt der Anreiz?
Hängt davon ab, wie Einzelbeiträge zum Team-Outpout werden. Additiv, Komplementär oder Extremfälle Min/Max

Empirische Ergebnisse von Teamanreizen?
Gemischte Ergebnisse.
Hamilton et al. (2003) – Textilfabrik, Wechsel vom Einzelakkord zum Team-Akkord: wirkt.
▶ Produktivit¨at +14 %: gegenseitige Hilfe und Lernen (Komplementarit¨aten) ¨uberwiegen das
Free-Riding.
Friebel et al. (2017) – B¨ackereikette, Team-Bonus (gleich im Detail): wirkt.
▶ Umsatz +3 %: kleine Teams, komplement¨are Aufgaben, bessere Kooperation in Stosszeiten.
Delfgaauw et al. (2020) – Einzelhandelskette, Team-Bonus: wirkt nicht.
▶ Kein Effekt, weder auf Aufgabenverteilung noch auf Verk¨aufe – vermutlich wenig Spielraum, den
Umsatz zu steigern.
Delfgaauw et al. (2022) – Einzelhandelskette, Team-Bonus: wirkt nur bedingt.
▶ Im Durchschnitt kein signifikanter Effekt; positiver Effekt nur in Teams mit hoher sozialer Koh¨asion
(weniger Free-Riding).
RCT zur Untersuchung von Motvation durch Teamanreize

Können Mitarbeiter gemeinsam produktiver werden?
Ja, für Textilfabrik und Bäckerei welche auf Teamwork switchen steigung von 14% bzw. 3% mehr umsatz
Welche Rolle spielt der Zusammenhalt im team
Teams mit gutem Zusammenhalt sind erfolgreicher
Was sucht Personalökonomie?
Die Auswahl geeigneter Mitarbeitender
DIe Motivation im Arbeitsalltag
Was sind die Fragen bezüglich Auswahl von geeigneten Mitarbeitenden
Welche Mitarbeitenden sollen Unternehmen anstellen
Wie gewinnen Unternehmen passende Bewerber
Wie gelingt es, gute Mitarbeitende zu binden
Was sind die Fragen bezüglich Motivation
Wie kann ich Mitarbeitende motivieren - intrinsisch oder extrinsisch?
Welche Anreize sind effektiv?
Wie fördere ich Kooperation und Engagement im Team?
Personalökonomie vs HRm
Thematisch nah am klassischem HR, aber analytischer Zugang.
Fokus auf Anreize, Selektion Effizienz
Ursprung der Personalökonomik
Ausgangspunkt: Personalfragen wurden lange vor allem von Psychologen und Betriebswirten untersucht.
Edward Lazear begründete die Personalökonomik mit grundlegenden Arbeiten in den 1970er- und 1980er-Jahren.
Grundidee: Okonomische Theorie erkl¨art, wie Mitarbeiter auf Anreize reagieren; Unternehmensdaten ermöglichen die Uberprüfung.
Positive Aussage
Beschreibt, was ist oder wie etwas wirkt (empirisch überprüfbar).
Beispiel: “Stücklohn erhöht die Produktivität.”
Normative Aussage
Sagt, was sein soll (wertend; nicht allein durch Daten entscheidbar)
Beispiel: “Unternehmen sollten Stücklöhne zahlen.
Was unterscheidet die Personal¨okonomie von klassischem HRM?
Schwerpunkt auf positiver Analyse
▶ Warum setzen Unternehmen bestimmte Praktiken ein? ▶ Wie wirken Anreize auf Mitarbeitende?
Zunehmend normative Fragestellungen
▶ Wann ist ein Instrument nicht nur wirksam, sondern auch sinnvoll?
Starke Nutzung ökonomischer Theorie und Methoden
▶ Fokus auf Kausalität statt Korrelation ▶ Formelle Modellierung mit Mikro-Logik und Anreiztheorie
Warum ist Personalökonomie relevant?
Arbeit gegen Bezahlung ist eine der zentralen wirtschaftlichen Transaktionen
▶ F¨ur Unternehmen: Personalkosten sind h¨aufig der gr¨osste Kostenfaktor
Jedes Unternehmen muss Mitarbeitende ausw¨ahlen, motivieren und halten
Fast alle Menschen sind direkt betroffen
▶ Berufswahl, Einkommen, Zufriedenheit – alles h¨angt mit Personalentscheidungen zusammen
Wandel der Arbeitswelt
▶ Wissens- und innovationsintensive Tätigkeiten nehmen zu (z.B. Softwareentwicklung) ▶ Routinetätigkeiten verlieren an Bedeutung
Unternehmen erkennen: Talentstrategie = Erfolgsstrategie
Theoretische Modelle
▶ Strukturierte Erklärung und Prognose von Verhalten
▶ Ableitung von Hypothesen ¨uber Anreize und Entscheidungen
Empirische Analysen
▶ Uberprüfung theoretischer Vorhersagen mit Daten ¨
▶ Evidenzbasierte Bewertung von Massnahmen
Wozu brauchen wir Theorie?
Prognosen
Rationalisierung ex post
Wozu brauchen wir Empirie?
Test von Hypothesen
Explorative Analyse
das Prinzipal-Agenten-Modell
Es beschreibt, wie ein Auftraggeber (der Prinzipal) einen Vertrag so gestaltet, dass ein Beauftragter (der Agent) in seinem Sinne handelt
Modellannahmen: Anstrengung und Kosten des Prinzipal Agenten Modell
Agent wählt Anstrengung e ∈ {0, 1}
▶ e = 1: hohe Anstrengung, Kosten c > 0
▶ e = 0: keine Anstrengung, keine Kosten
Kostenfunktion: c(e = 1) = c, c(e = 0) = 0 3
Anstrengung ist nicht beobachtbar (Informationsasymmetrie)
Output und Erfolg des Prinzipal Agenten Modell
Output y ∈ {0, 1} ist beobachtbar
Erfolgswahrscheinlichkeit hängt von Anstrengung ab: Pr(y = 1|e = 1) = p > q = Pr(y = 1|e = 0)
Interpretation:
▶ y = 1: Erfolg / Auftrag erfolgreich erledigt
▶ y = 0: kein Erfolg
nutzenfunktion des Agenten (Prinzipal Agenten Modell)
Lohn hängt vom Output ab: w(y)
Erwarteter Nutzen des Agenten: U = E[w(y)] − c · e
Der Agent wählt e, um U zu maximieren
Wann greift das Prinzipal-Agent-Modell?
Delegation: Prinzipal überträgt eine Aufgabe an den Agenten
Zielkonflikt: Agent trägt die Kosten der Anstrengung, Prinzipal erntet den Nutzen
Informationsasymmetrie: Aufwand nicht beobachtbar, Ergebnis auch von äusseren Einflüssen abhängig
Wann greift das Prinzipal-Agent-Modell NICHT?
Aufwand beobachtbar: direkt vertraglich regelbar
Interessen gleichgerichtet: kein Konflikt (intrinsische Motivation)
Nebenwirkungen: Multitasking-Verzerrung, Crowding-out intrinsischer Motivation
Anreizgestaltung im Prinzipal Agent Modell
Zwei Relevante Bedingungen
Individuelle Rationalität (IR): E[w(y)] − c ≥ 0
Anreizkompatibilität (IC): E[w(y)|e = 1] − c ≥ E[w(y)|e = 0]
Um die hohe Anstrengung zu induzieren, muss der Prinzipal w(y) (also den Vertrag) so wählen, dass beide Bedingungen gelten
Fixlohn oder variabler Lohn?
Bei Fixlohn wird IC nie erfüllt w − c ≥ w
Warum gibt es trotzdem Fixlöhne?
Unser Modell ist stark vereinfacht.
Auch bei einem Fixlohn bestehen Leistungsanreize, zum Beispiel durch Bef¨orderungen und Karrierechancen.
Ein höherer Fixlohn führt nicht automatisch zu h¨oherer Leistung
Hidden Action:
Der Prinzipal kann das Verhalten des Agenten nicht vollst¨andig beobachten.
Moral Hazard:
Der Agent kann diesen Spielraum nach Vertragsabschluss zum eigenen Vorteil nutzen.
Wie können Vertr¨age helfen, unbekannte Eigenschaften der Bewerber zu erkennen?
Screening: Der Arbeitgeber bietet unterschiedliche Verträge an.
Selbstselektion: Die Bewerber wählen den für sie attraktiveren Vertrag.
Die Vertragswahl gibt Hinweise auf den jeweiligen Typ.