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Häufigkeit in DE Schlaganfall
ca. 270’000 Fälle/Jahr
Häufigkeit in DE Schädel-Hirn-Trauma
ca. 160’000 Fälle/Jahr
Häufigkeit in DE Hirntumore
ca. 8000 Fälle/Jahr
Anzahl Erkrankter in DE
Demenzen (1.4 Mio.)
Epilepsie (800’000)
Parkinson (300’000-400’000)
Multiple Sklerose (220’000)
Weitere Erkrankungen (auch mehrfach pro Person)
Schlafstörungen (sehr häufig)
Polyneuropathie (häufig, besonders diabetisch)
Rückenmarkserkrankungen (seltener)
Kopf-/Gesichtsschmerzen (Migräne/Spannungskopfschmerzen: 10-15%)
Infektiöse Erkrankungen (Hirnhautentzündung, selten)
Radikuläre Läsionen (durch Bandscheibenvorfall)
Läsionen peripherer Nerven (z.B. Karpaltunnelsyndrom)
Hirnnerverkrankungen (sehr selten)
Muskelerkrankungen (Myopathien, seltener)

Aufbau des Nervensystems

Bedeutung der Neurologie für die Ergotherapie
Grosser Anteil neurologischer Patienten in der ergotherapeutischen Praxis
Neurologische Funktionen bestimmen Alltagsfähigkeit (Motorik, Sensibilität, Kognition, Wahrnehmung)
Funktionelles Denken statt Diagnosefokus → bessere Befunderhebung & Interpretation
Grundlage für zielgerichtete Interventionen (Kompetenz, Kompensation, Adaption)
Wichtig für Sicherheit, Teilhabe & interprofessionelle Zusammenarbeit
Strukturierter diagnostischer Weg
Symptom → Funktion → Syndrom → Ätiologie
Ziel der neurologischen Untersuchung
System → Lokalisation → Mechanismen
Denken in Funktionsbereichen
Nervensystem ist funktionell organisiert
Neurologische Funktionsbereiche: → Motorik, Sensibilität, Koordination, Reflexe, Hirnnerven, Bewusstsein und Neuropsychologie
In welchem Funktionssystem zeigt sich der Ausfall?
Lokalisation der Läsion (Störung) bestimmt, welche Funktion ausfällt
Syndrom - was ist das?
Syndrom = Symptomkomplex
mehrere klinische Zeichen (Schmerz, Lähmung, Sensibilitätsstörung)
Klinische Zeichen werden zusammen beobachtet
Primär Beschreibung eines charakteristischen Krankheitsbildes, nicht unbedingt einer eindeutig bekannten Ursache (z.B. Kleinhirnsyndrom oder Down-Syndrom)

Gleiche Symptome - Unterschiedliche Ursachen
Gleiche betroffene Struktur
Pyramidenbahn = Spastik + Babinski
Begrenztes Symptomrepertoire des Nervensystems
Hemiparese: 10+ Ursachen möglich!
Gemeinsame Funktionsnetzwerke
Syndromprinzip statt Einzeldiagnose
Kompensation und neuronale Reserve
Gleiches Syndrom heisst nicht gleiche Prognose
Verlaufscharakter als Differenzialkriterium
Hauptursachen neurologischer Erkrankungen
Kardiovaskulär: Ischämie, Blutung, Aneurysmen, Mikroangiopathien
Entzündlich: autoimmun, MS
Infektiös: Meningitis, Enzephalitis
Metabolisch: Diabetische Polyneuropathie, Vitaminmangel, Leber-/Nierenversagen
Medikamentös-Toxisch: Alkoholabusus, Medikamente, Toxine, Schwermetalle
Neoplastisch (Tumore, Metastasen, Raumforderungen): Glimme, Meningeome
Neuro-Degenerativ: Morbus Parkinson, ALS, Alzheimer
Traumatisch: SHT, Rückenmarksverletzungen, periphere Nervenverletzungen

Einteilung der neurologischen Syndrome nach betroffenen Funktionssystemen
Motorische Syndrome
Sensible Syndrome
Koordinations- und Gleichgewichtsyndrome
Sprach- und kognitive Syndrome
Vegetative und Bewusstseinsstörungen
Spinale Syndrome
Motorische Syndrome Definition
Muster von Bewegungsstörungen, die auf eine bestimmte Läsion oder Funktionsstörung im motorischen System (z.B. Pyramidenbahn, extrapyramidale Systeme, Kleinhirn, peripherer Nerv) hinweisen.
Typische motorische Syndrome
Pyramidenbahn
Zentrale Paresh (spastische Lähmung, gesteigerte Reflexe, Babinski (+))
Periphere Parese (schlaffe Lähmung, Reflexerlöschen, Atrophien)
Extrapyramidale Syndrome (z.B. Parkinson-Syndrom, Chorea, Dystonie, Bradykinesie)
Kleinhirnmotorische Syndrome (Ataxie, Dysmetrie, Zieltremor, Gangunsicherheit)
Motoneuronen-Syndrom (ALS, spinale Muskelatrophie mit progredienter Muskelschwäche/Atrophie)
Sensible Syndrome Definition
neurologische Muster von Störungen der Wahrnehmung von Berührung, Schmerz, Temperatur, Druck, Vibration, Lage und Bewegung
Typische sensible Syndrome
Zentrale sensible Syndrome
Hemisensorische Störung (nach Schlaganfall z.B.)
Periphere sensible Syndrome
Dermatom-gebundene Störung (z.B. Radikulopathie)
Polyneuropathie (z.B. diabetisch)
Plexus-/Nervenläsion (Handschuh-/strumpfförmige Störung)
Hinter-. Vorderstrang- und dissoziierte sensible Störung
Koordinations- und Gleichgewichts- Syndrome Definition
Störungen der Muskelkoordination und Haltungskontrolle (postorale Instabilität)
Klinisch: ungenaue/überschiessende/zittrige Bewegungen; breitbeiniger Gang, Standunsicherheit
Hauptursachen/Lokalisationsarten (Koordinations- und Gleichgewichts- Syndrome)
Zerebellär (Kleinhirnsyndrom): Ataxie, Dysmetrie, Zieltremor, skandierende Sprache
Vestibulär (Innenohr, Vestibularisbahn): Schwindel, Nystagmus, Fallneigung zur betroffenen Seite
Spinal/propriozeptiv: Ataxie, Romberg (+), Verschlechterung bei Augenschluss
Sprach-Syndrome
Aphasie (Broca-, Wernicke): gestörtes Verstehen/Sprechen
Dysarthrie: gestörte Artikulation durch Lähmung/Rigor
Sprechapraxie: Planungsstörung der Sprechbewegungen
Kognitive Syndrome
Gedächtnisstörungen und Syndrome von Amnesie
Aufmerksamkeitsstörung
Alertness, Orientierung, geteilte Aufmerksamkeit
Neglect
Vigilanz
Störungen der Exekutivfunktionen: Störung von Planung, Impulskontrolle, Flexibilität
Störungen der Handlung (Apraxien)
Störungen Wahrnehmung (Agnosien)
Vegetative und Bewusstseinsstörungen Definition
Störungen des autonomen Nervensystems (Dysregulation von Kreislauf, Atmung, Verdauung, Thermoregulation, Schweiss/Speichel, Sexualfunktion) und/oder des Bewusstseinszustands (Wachheit, Wahrnehmung, Reagibilität)
Autonome Dysfunktion (Vegetative Syndrome)
Orthostatische Regulationsstörung: Synkopen bei Aufstehen
Querschnittlähmung: Blasen-/Darm-Störung, Blutdruck-/Pulsschwankungen, Schwitzstörung
Dysautonomie-Syndrome: Störung von Herz-Kreislauf, Verdauung, Schweiss-/Hautregulation
Bewusstseins-Syndrome
Somnolenz: verminderte Wachheit, Benommenheit, schnelle Erschöpfung
Stupor/Koma: keine Reizantwort, meist schwere zerebrale Läsion
Delir: Verwirrtheit, Halluzinationen, Hyper-/Hypoaktivität
Spinale Syndrome Definition
Komplettes Querschnittsydrom: alle Funktionen des RM unterhalb der Läsion aufgehoben
Inkomplettes Querschnittssyndrom: Funktionen des RM teilweise erhalten
Spinaler Schock: Plötzliches Querschnittssyndrom: komplette Plegie, Muskeltonus schlaff, MER erloschen
Spinale Syndrome Beispiele
Halsmarkläsion: Tetraparese, Sensibilität unterhalb, Blase/Darm gestört, Atem-/Rumpfmuskulatur betroffen
Brustmarkläsion: Paraparese der Beine, Sensibilität unterhalb, Blase/Darm gestört
Lumbalmarkläsion: unterhalb LWK 1 periphere Parese der Beine
Konus- und Kaudaläsion: Reithosenanästhesie, Blasen-/Mastdarmstörung; Paresen, Reflexausfälle und starke Schmerzen beim Kaudasyndrom
Brown-Sequard: Parese und Druck/Vibration ipsilateral; Schmerz/Temperatur kontralateral
Syndrome - Fallbeispiel: Lähmung des rechten Arms, hängender rechter Mundwinkel, Sprachstörung
Syndrom: Linkshemisphärisches Schlaganfallsyndrom mit rechtsseitiger Hemiparese und Aphasie.
Läsionsort: Linke Grosshirnhemisphäre, wahrscheinlich im Versorgungsgebiet der linken A. Cerebri media
Verdachtsdiagnose/Ätiologie/DD: Akuter Schlaganfall (Apoplex), Ischämischer Insultieren durch Verschluss eines Hirngefässes, z.B. durch Thrombus oder Embolus, DD: Intrazerebrale Blutung, epileptischer Anfall mit Todd-Parese, Hypoglykämie oder seltener Migräne mit Aura