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Lernkartei zu den Grundlagen der Linguistik, historischen Sprachwissenschaftlern, Strömungen (Junggrammatiker, Strukturalismus) und Formen der Sprachtypologie auf Basis der Vorlesungsunterlagen.
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Linguistik / Sprachwissenschaft
Eine im 19. Jahrhundert etablierte, relativ junge Wissenschaft (abgeleitet von lat. lingua), die alle Aspekte der menschlichen Sprache als komplexes Phänomen untersucht.
Synchronie
Betrachtung der Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt (in der Zeit).
Diachronie
Betrachtung der Sprachentwicklung im Verlauf der Zeit (durch die Zeit).
Mikrolinguistik
Die "reine" Sprachwissenschaft, die sich auf das Sprachsystem selbst konzentriert.
Makrolinguistik
Interdisziplinäre Untersuchungen der Sprache, wie vor allem Psycholinguistik und Soziolinguistik.
Deskriptive Linguistik
Synchrone Untersuchung einer einzelnen Sprache.
Kontrastive Linguistik
Der synchrone, theorieverbundene Vergleich zweier Sprachen oder deren Subsysteme (z. B. Deutsch und Serbisch heute) mit dem Ziel, Unterschiede zu beschreiben.
Komparative Linguistik (diachron)
Der diachrone Vergleich zweier oder mehrerer Sprachzustände bzw. Sprachstufen (z. B. AHD zu MHD) zur Darstellung sprachlicher Veränderungen.
Allgemeine Linguistik
Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit allgemeinen Sprachgesetzen beschäftigt.
Angewandte Linguistik
Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit der Sprache in der Praxis beschäftigt.
Systemlinguistik
Linguistische Disziplin, die die Grammatik untersucht (Phonetik/Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexikologie, Textgrammatik).
Psycholinguistik
Interdisziplinäre Disziplin, die das Verhältnis von Sprache und geistigen Prozessen erforscht.
Pragmalinguistik
Linguistische Disziplin, die untersucht, wie Sprache im Kontext verwendet wird.
Soziolinguistik
Disziplin, die den Zusammenhang von Sprache und sozialen Faktoren untersucht.
Textlinguistik
Linguistische Disziplin, die sich mit der Struktur und Funktion von Texten befasst.
William Jones (1785)
Äußerte 1785 die Vermutung über die Verwandtschaft alter europäischer Sprachen mit dem altindischen Sanskrit und einer nicht mehr existierenden Ursprache.
Rasmus Kristian Rask (1814)
Führte 1814 Untersuchungen über den Ursprung der alten nordischen oder isländischen Sprache durch.
Franz Bopp (1816)
Erbrachte 1816 den Beweis der Verwandtschaft verschiedener indogermanischer Sprachen durch den Vergleich des Konjugationssystems der Sanskritsprache mit dem Griechischen, Lateinischen, Persischen und Germanischen.
Jacob Grimm (1819)
Veröffentlichte 1819 die „Deutsche Grammatik“ als historische Grammatik, die zeigte, dass auch die germanischen Sprachen miteinander verbunden sind.
Ergon vs. Energeia (Wilhelm von Humboldt)
Konzept von Wilhelm von Humboldt, wonach menschliche Sprache nicht als fertiges Werk (ergon), sondern als selbstschöpferische Kraft (energeia) zu sehen ist, die ständig neu im Denken und Sprechen entsteht.
Innere Sprachform
Begriff nach Wilhelm von Humboldt: Jede Sprache besitzt eine eigene innere Denkweise und Struktur, die zeigt, wie ein Volk denkt.
Junggrammatiker
Linguistische Strömung (u. a. Karl Verner, Hermann Paul, Karl Brugmann, Hermann Osthoff, Eduard Sievers, Karl Luick, Friedrich Kluge), die Lautgesetze als ausnahmslos betrachtet; Kritik an ihnen betraf ihre zu mechanische Sichtweise ohne allgemeine Sprachtheorie (Atomismus).
Strukturalismus
Von Ferdinand de Saussure begründete Richtung (Genfer Schule, Prager Schule, Kopenhagener Schule); definiert Sprache als ein System von Zeichen, bei dem jedes Zeichen seine Bedeutung nur durch die Beziehung zu anderen Zeichen erhält.
Konfrontativ (Zabrocki)
Von Zabrocki geprägter Begriff als Oberbegriff für Kontraste und Gemeinsamkeiten verglichener Sprachen in doppelter Hinsicht (kontrastiv und synchron); hat sich als Terminus nicht durchgesetzt.
Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft
Diachronisch orientierte, nicht anwendungsorientierte Disziplin, die Verwandtschaftsverhältnisse beschreibt, Veränderungen als Lautgesetze zusammenfasst und frühere Sprachstufen rekonstruiert.
Sprachtypologie
Nicht anwendungsorientierte Disziplin, die Sprachen wegen ihrer grammatischen Eigenschaften (nicht genetisch, geschichtlich oder geographisch) vergleicht und in Typen oder Gruppen einteilt.
Genetische Typologie
Vergleich von zweier genetisch verwandten Sprachen mit gemeinsamer Ursprache, wodurch genetische Sprachfamilien (wie die Indogermanische Sprachfamilie mit Deutsch und Latein) entstehen.
Areale Typologie
Untersuchung und Vergleich von Sprachen mit gemeinsamem Kontakt, woraus areale Gruppen (wie z. B. balkanische Sprachen) entstehen.
Flektierende Sprachen
Sprachtyp (z. B. Arabisch, Deutsch, Russisch, Latein), bei dem grammatische Ausdrücke durch Änderungen des Wort-Stammes mittels Ablaut, Umlaut oder grammatischen Wechsels erfolgen.
Agglutinierende Sprachen
Sprachtyp (z. B. Ungarisch, Türkisch), bei dem grammatische Kategorien wie Person, Zeit und Kasus durch das Anfügen von Affixen kenntlich gemacht werden.
Isolierende Sprachen
Sprachtyp (z. B. Vietnamesisch, Chinesisch) ohne Flexionsendungen, der grammatische Verhältnisse im Satz durch Hilfswörter oder Wortstellung ausdrückt.
Polysynthetische (inkorporierende) Sprachen
Sprachtyp (z. B. Aztekisch, Baskisch, Eskimo), bei dem eine Vielzahl von Morphemen zu komplexen Wörtern zusammengesetzt wird, die als Einwort-Sätze fungieren können.