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Lernkarteikarten im Vokabel-Stil zur Vorlesung 'Gesellschaftliche Grundlagen der Digitalisierung' über Medientechnologischen Wandel, Netzwerkgesellschaft, Konvergenz, Beschleunigung, Globalisierung, Individualisierung und Singularisierung.

4-Säulen-Modell (Medialer und gesellschaftlicher Wandel)
Strukturmodell, das die wechselseitigen Beziehungen und Interdependenzen zwischen den vier Kernbereichen Technologie, Ökonomie, Politik sowie Kultur und Alltag beschreibt, welche durch digitale Vernetzung verknüpft sind und von Konvergenzen, Beschleunigung, Globalisierung und Individualisierung beeinflusst werden.
Universalität (Merkmal der Digitalisierung)
Grundlegendes Merkmal der Digitalisierung, das auf der einheitlichen Speicherung und Verarbeitung durch digitalen Code basiert und zu einer universellen Anwendbarkeit sowie allgegenwärtigen Durchdringung aller Lebens- und Gesellschaftsbereiche führt.
Hypertextualität
Strukturprinzip digitaler Informationen, das auf Nicht-Linearität beruht und Inhalte über Links vernetzt (theoretisch begründet unter anderem durch Vannevar Bush und Ted Nelson).

Sektorale Konvergenz
Das Zusammenwachsen der traditionell getrennten Wirtschaftssektoren Telekommunikation, Medien sowie Informationstechnologie/Unterhaltungselektronik zu einem gemeinsamen multimedialen Konvergenzsektor.

Dreistufiges lineares Prozessmodell für Konvergenz (Stone/Bierhoff 2002)
Phasenmodell des Medienwandels von den 1980er Jahren (Diversifikation, Koexistenz, analoge Medienunternehmen mit Text, Sound, Video) über die 1990er Jahre (Konvergenz, Kooperation, analog & digital mit Print, Rundfunk, Online) bis in die 2000er Jahre (Integration, Synergie, volldigitale Information Engines mit Multimedia-Newsrooms).
De-Konvergenz (De-Convergences)
Gegenläufige Entwicklungstendenzen und Brüche zum Konvergenztrend, bei denen zuvor zusammenwachsende mediale oder technologische Bereiche wieder divergieren oder sich eigenständig differenzieren.
Ambient Computing
Technologische Entwicklung, bei der Rechenleistung, Sensoren und das Internet der Dinge (IoT) unsichtbar und kontextsensibel in die alltägliche Umgebung eingebettet sind und personalisiert, adaptiv sowie antizipativ agieren.
Netzwerkgesellschaft (Manuel Castells)
Gesellschaftsform, deren Struktur maßgeblich durch digitale Informations- und Kommunikationsnetzwerke konstituiert wird; hervorgegangen aus dem ökonomischen Flexibilitätsbedarf, technologischen Innovationen der Digitalisierung und gesellschaftlichen Rufen nach individueller Freiheit.
Informationelle Ökonomie
Von Manuel Castells definiertes Leitprinzip der globalen Wirtschaft, in dem Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit grundlegend von der Fähigkeit abhängen, wissensbasierte Informationen effizient zu erzeugen, zu verarbeiten und anzuwenden.
Spaces of Flow
Konzept von Manuel Castells für die räumliche Neuorganisation der Netzwerkgesellschaft durch weltweite, simultane Ströme von Informationen, Kapital und Technologie, welche feste territoriale Orte zunehmend überlagern.
Timeless Time
Begriff nach Castells für die Auflösung traditioneller linearer und biologischer Zeitordnungen durch ständige Echtzeit-Verfügbarkeit und synchrone digitale Kommunikation.
Mass-Self-Communication
Kommunikationsform nach Castells, bei der Individuen mithilfe digitaler Netzwerke Inhalte eigenständig produzieren, auswählen und potenziell an ein globales Publikum übermitteln können.
Technikdeterminismus
Theoretischer Erklärungsansatz mit linearer Kausalität, der postuliert, dass technologische Neuerungen den sozialen Wandel und die gesellschaftlichen Strukturen einseitig bestimmen und vorgeben (Technological changes→social changes).

Mutual Shaping of Technologies (Boszkowski 1999)
Modell einer vollständig rekursiven Kausalität ("totally recursive causality"), nach dem technische Innovationen und gesellschaftliche Veränderungen sich über kontinuierliche Vermittlungsprozesse ("mediation processes") gegenseitig beeinflussen, ermöglichen und einschränken.

Kondratieff-Zyklen (Lange Wellen)
Wirtschaftswissenschaftliches Modell (nach Leo A. Nefiodow 2001) über langfristige Konjunktur- und Entwicklungswellen, die jeweils von technologischen Basisinnovationen angestoßen werden: 1. Dampfmaschine/Textil, 2. Eisenbahn/Stahl, 3. Elektrotechnik/Chemie, 4. Automobil/Petrochemie, 5. Informationstechnik, 6. Biotechnologie/Gesundheit.

Diffusion of Innovations (Everett Rogers)
Theorie zur zeitlichen Verbreitung von Neuerungen in sozialen Systemen entlang einer Normalverteilung mit den Gruppen: Innovatoren (2,5%), Early Adopters (13,5%), Early Majority (34%), Late Majority (34%) und Laggards/Nachzügler (15% bis 16%).

Ko-Evolution der Medien und der Gesellschaft (Schrape 1996)
Modell, das die historische Parallelentwicklung und wechselseitige Beschleunigung gesellschaftlicher Epochen und Medientechnologien nachzeichnet (vom Buchdruck 1450 über Druckschriftlichkeit, Telegrafie, Rundfunk und Fernsehen bis zu digitalen Medien und der Weltinformationsgesellschaft).
Emergenz (Medienwandel nach Latzer 2015)
Perspektive der Komplexitätstheorie, nach der im techno-sozialen Medienwandel durch die Kombination von adaptiven Innovationszyklen und Ko-Evolution unvorhersehbare, neuartige Systemstrukturen entstehen.
Cultural Lag (William Ogburn 1922)
Theoretisches Konzept, das besagt, dass sich der materielle, technologische Wandel schneller vollzieht als die Anpassung der immateriellen Kultur (Werte, Normen, Gesetze und Institutionen), was zu Phasen gesellschaftlicher Fehlanpassung führt.
Mediatisierung (Friedrich Krotz)
Metaprozess des sozialen Wandels, der beschreibt, wie mediale Technologien zunehmend den Alltag, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Bereiche durch Ubiquität, Konnektivität und Entgrenzung von Raum und Zeit durchdringen und transformieren.
Algorithmische Sozialität (Lehner 2018)
Konzept zur Beschreibung neuer Mensch-Maschine-Verhältnisse, in denen Algorithmen und automatisierte Entscheidungssysteme maßgeblich steuern, wie soziale Kontakte geknüpft, Inhalte vermittelt und gesellschaftliche Interaktionen organisiert werden.
GAFAM
Akronym für die fünf marktdominierenden US-amerikanischen Digitalkonzerne Google, Apple, Facebook (Meta), Amazon und Microsoft.

Vier Dimensionen der Globalisierung (Mills & Blossfeld 2005)
Modell der Globalisierungsauswirkungen entlang ökonomischer (Märkte, Steuerwettbewerb), (sozio-)technischer (IKT-Netzwerke, Wissenstransfer), kultureller (Werte- und Normendiffusion) und politischer Dimensionen, welche zu beschleunigtem Wandel, Marktinstabilität und Unsicherheit führen.

Beschleunigungszirkel (Hartmut Rosa 2005)
Soziologischer Erklärungszirkel dreier Dimensionen sozialer Beschleunigung: Technische Beschleunigung (ökonomischer Motor: "Zeit ist Geld"), Beschleunigung des sozialen Wandels (struktureller Motor: funktionale Differenzierung) und Beschleunigung des Lebenstempos (kultureller Motor: Verheißung der Beschleunigung).
Rasender Stillstand (Paul Virilio)
Zustand, bei dem trotz maximaler technologischer und informationsbezogener Beschleunigung keine echte gesellschaftliche Entwicklung oder Sinnstiftung mehr stattfindet, sondern eine Orientierungslosigkeit und Erstarrung eintritt.
Bastel-Biografie (Ulrich Beck 1986)
Bestandteil der Individualisierungstheorie, wonach Individuen durch die Freisetzung aus traditionellen Bindungen (Klasse, Familie, Religion) ihren Lebensweg unter Entscheidungsdruck eigenverantwortlich aus disparaten Möglichkeiten konstruieren müssen.

Networked Individualism (Barry Wellman 2002)
Strukturwandel sozialer Gemeinschaften von geschlossenen Gruppen ("Little Boxes") über lokalisierte Netzwerke ("Glocalization") hin zu vernetzten Individuen, bei denen die einzelne Person selbst zum personenzentrierten Portal ihrer weltweiten Netzwerke wird.
Überwachungskapitalismus (Shoshana Zuboff)
Wirtschaftsform digitaler Plattformen, bei der individuelle Verhaltens- und Aktivitätsspuren von Nutzerinnen und Nutzern als Rohstoff erfasst und verwertet werden, um zukünftige Verhaltensweisen vorherzusagen und zu steuern.
Singularisierung (Andreas Reckwitz)
Gesellschaftstheoretisches Konzept aus "Die Gesellschaft der Singularitäten", das den Übergang von der Standardisierungslogik der industriellen Moderne zur gesellschaftlichen Fabrikation und Aufwertung des Einzigartigen, Authentischen und Nicht-Austauschbaren beschreibt.
Micro-Targeting
Verfahren zur hochgradig personalisierten Ansprache einzelner Nutzerinnen und Nutzer oder homogener Kleinstgruppen, basierend auf aggregierten Tracking-Daten und individuellen Verhaltensprofilen.
Micro Publics
Kleine, affektiv aufgeladene digitale Teilöffentlichkeiten, die sich auf Online-Plattformen um eng definierte Themen, Werte oder Identitäten herum formieren und zur gesellschaftlichen Fragmentierung beitragen.
Media Life (Mark Deuze)
Medientheoretische These, die besagt, dass Medien den menschlichen Alltag so lückenlos durchdringen, dass Individuen nicht mehr bloß "mit" den Medien leben, sondern vollständig "in" den Medien ("We do not live with the media – but in the media").