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Vokabel-Lernkarten zum Modell der produktiven Realitätsverarbeitung (MpR) nach Klaus Hurrelmann und Ulrich Bauer basierend auf den Mitschriften.
Modell der produktiven Realitätsverarbeitung (MpR)
Ein von Klaus Hurrelmann und Ulrich Bauer entwickeltes sozialisationstheoretisches Modell, das beschreibt, wie Identität und Persönlichkeit durch die aktive und produktive Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Realität entstehen.
Innere Realität
Die intrapersonalen, körpereigenen Bedingungen der Persönlichkeitsentwicklung, wie Gene, Intelligenz, körperliche Fähigkeiten sowie psychische und biologische Ausstattung.
Äußere Realität
Die sozial-ökologischen Umweltfaktoren der Persönlichkeitsentwicklung, wie Familie, Freundeskreis, Lebensumfeld, Bildungsinstitutionen und gesellschaftliche Bedingungen.
Jugendalter (Definition)
Eine eigenständige Übergangsphase zum Erwachsenenalter, die ca. die Lebensjahre von 11 bis 27 umfasst. Ihre Qualität und Quantität hängen von kulturell-gesellschaftlichen Bedingungen ab.
Persönlichkeit (nach Hurrelmann)
Ein spezifisch organisiertes Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften und Einstellungen einer Person. Sie basiert auf biologisch-psychischer Ausstattung und ist das Ergebnis der Bewältigung von Lebensanforderungen.
Persönlichkeitsentwicklung
Die sequenzhafte und langfristige Veränderung wesentlicher Elemente des Merkmalgefüges einer Person im Laufe ihres Lebens.
Produktive Realitätsverarbeitung
Die aktive, individuelle und wertfreie Auseinandersetzung einer Person mit ihren inneren (z. B. Fähigkeiten) und äußeren (sozialen, materiellen) Bedingungen.
Prinzipien des MpR
Sich wechselseitig beeinflussende Grundannahmen über die Rahmenbedingungen der Persönlichkeitsentwicklung im Modell der produktiven Realitätsverarbeitung.
Grundsatz zum Verhältnis von innerer und äußerer Realität: Persönlichkeitsentwicklung ist ein dynamischer, lebenslanger Prozess der aufeinander bezogenen Verarbeitung beider Realitäten.
Grundsatz zur Produktion der eigenen Persönlichkeit: Der Mensch agiert als schöpferischer Konstrukteur seiner eigenen Entwicklung durch aktive Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung der Realität.
Grundsatz zur Bewältigung lebenslaufspezifischer Anforderungen: Die Auseinandersetzung führt zu einem ständigen Spannungsverhältnis zwischen Individuation und Integration.
Individuation
Der Prozess des Aufbaus einer individuellen, unverwechselbaren Persönlichkeitsstruktur zur Ausbildung der personalen Identität.
Integration
Der Prozess der Übernahme gesellschaftlicher Werte, Normen und verantwortlicher Rollen zur Ausbildung der sozialen Identität.
Grundsatz zur Bildung der Ich-Identität: Die Synthese bzw. der Spannungsausgleich zwischen Individuation und Integration führt zu einer stabilen Ich-Identität.
Qualifizieren
Lebenslaufspezifische Anforderung zur Entwicklung intellektueller und sozialer Kompetenzen mit dem Ziel der Einnahme der Gesellschaftsrolle des Berufstätigen.
Binden
Lebenslaufspezifische Anforderung der emotionalen/sozialen Ablösung von den Eltern, Rollenfindung und Partnerfähigkeit mit dem Ziel der Bindungsfähigkeit und gesellschaftlichen Reproduktion.
Konsumieren
Lebenslaufspezifische Anforderung zur Nutzung des Waren-, Freizeit- und Medienangebots sowie des Geldes mit dem Ziel der eigenständigen Haushaltsführung und Erholung.
Partizipieren
Lebenslaufspezifische Anforderung zur Entwicklung eines Werte- und Normensystems sowie politischer Handlungsfähigkeit zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Risikowege der Identitätsentwicklung
Fehlformen der Bewältigung bei gestörter Ich-Identität, aufgeteilt in externalisierende Varianten (z. B. Aggression), internalisierende Varianten (z. B. Rückzug, Depression) und evadierende Varianten (z. B. Sucht, Fluchtverhalten).
Personale Ressourcen
Individuelle, innere Bewältigungspotenziale wie flexibles Temperament, Intelligenz, positives Selbstbild, Kontrollüberzeugung und funktionale Handlungsstrategien.
Soziale Ressourcen
Äußere Bewältigungshilfen aus dem Umfeld wie hoher sozialer Status, gebildete Eltern, enge Geschwisterbeziehungen, sichere Bindungen und Unterstützungssysteme.

Strukturierung von Lebensphasen zu vier historischen Zeitpunkten
Historische Veränderung der Lebensphasen (Kindheitsalter, Jugendalter, Erwachsenenalter, Seniorenalter) im Verlauf der Jahre 1900, 1950, 2000 und prognostiziert für 2050.

Zusammenhang Individuations- und Integrationsprozesse
Das Wechselspiel zwischen Individuation (Entwicklung zur unverwechselbaren Persönlichkeit) und Integration (Übernahme verantwortlicher Rollen), das über den Ausgleich von personaler und sozialer Identität die Ich-Identität bildet.

Persönliche Identität vs. Soziale Identität
Die Gegenüberstellung des Versuchs, unverwechselbar man selbst zu sein (Persönliche Identität), und des Versuchs, normierten Erwartungen anderer zu entsprechen und nicht aufzufallen (Soziale Identität).