Klausur Philosophie Q2: Hobbes & Rousseau

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Lernkarteikarten im Vokabelstil zur Vorbereitung auf die Philosophieklausur in der Q2 zu Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, inklusive Fachbegriffen, Abitur-Operatoren und Kriterien zur Urteilsbildung.

38 Terms

1
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Kontraktualismus

Vertragstheorie der neuzeitlichen Staatsphilosophie, wonach der Staat und seine Herrschaftsordnung durch einen hypothetischen, gedachten Vertrag aller Beteiligten legitimiert werden.

2
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Naturzustand

Ein gedachter, hypothetischer Zustand der Menschheit ohne staatliche Gewalt und übergeordnete Gesetze; dient als Gedankenexperiment zur Begründung staatlicher Legitimation und ist keine historische Epoche.

3
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Anthropologie / Menschenbild

Die grundlegenden philosophischen Annahmen über das Wesen und die Natur des Menschen (z. B. pessimistisch bei Hobbes, optimistisch bei Rousseau).

4
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Prämisse

Eine methodische Voraussetzung bzw. grundlegende Annahme, von der eine philosophische Argumentation oder Theorie logisch ausgeht.

5
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Legitimation

Die ethische und rationale Rechtfertigung von Herrschaft, staatlichen Gesetzen und Zwangsbefugnissen.

6
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Souveränität

Die höchste, ungeteilte und letztentscheidende Herrschaftsgewalt innerhalb eines staatlichen Gemeinwesens.

7
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Selbsterhaltung (Hobbes)

Das oberste Gut des menschlichen Strebens bei Thomas Hobbes, dessen Gefährdung durch einen gewaltsamen Tod das größte Übel darstellt.

8
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Bellum omnium contra omnes

Der von Hobbes postulierte „Krieg eines jeden gegen jeden“ im Naturzustand, der nicht zwingend ununterbrochenen Kampf, sondern ständige Kriegsbereitschaft und Todesfurcht bedeutet.

9
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Drei Konfliktursachen nach Hobbes

Konkurrenz (Streben nach individuellem Gewinn), Misstrauen (Streben nach persönlicher Sicherheit) und Ruhmsucht (Streben nach gesellschaftlichem Ansehen).

10
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Naturrecht (ius naturale)

Nach Thomas Hobbes die angeborene Freiheit eines jeden Menschen, alle Mittel einzusetzen, die ihm zur Sicherung der eigenen Selbsterhaltung notwendig erscheinen (Recht auf alles).

11
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Erstes Naturgesetz (lex naturalis)

Ein von der Vernunft erkanntes Gebot bei Hobbes, welches besagt: Suche Frieden und halte ihn ein.

12
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Zweites Naturgesetz (lex naturalis)

Das Vernunftgebot bei Hobbes: Verzichte auf das naturgegebene Recht auf alles, sofern auch alle anderen zu demselben Rechtsverzicht bereit sind (angelehnt an die Goldene Regel).

13
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Leviathan

Metapher von Hobbes (nach dem biblischen Seeungeheuer) für den durch den Gesellschaftsvertrag geschaffenen allmächtigen Staat, der die Einzelwillen vereint und durch Schrecken den Frieden sichert.

14
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Autorisierung / Autorschaft (Hobbes)

Das Rechtsprinzip, nach dem alle Untertanen als Urheber aller Handlungen und Entscheidungen des Souveräns gelten und diese ausnahmslos als ihre eigenen anerkennen müssen.

15
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Zweck des Gehorsams (Hobbes)

Der Schutz der Individuen; die Pflicht der Untertanen zum Gehorsam erlischt genau dann, wenn der Souverän die physische Selbsterhaltung des Einzelnen nicht mehr gewährleisten kann.

16
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Absolutismus (Hobbes)

Eine politische Ordnung, in der ein einzelner Herrscher oder eine Versammlung uneingeschränkte, unteilbare Macht besitzt und von den von ihm gesetzten Gesetzen selbst losgelöst ist (absolvere).

17
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Amour de soi / Selbstliebe

Nach Rousseau das ursprüngliche, gesunde und friedfertige Selbsterhaltungsstreben des Menschen im Naturzustand, das vor jeder Vernunft existiert.

18
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Amour propre / Eigenliebe

Nach Rousseau ein erst im Gesellschaftszustand erzeugter, negativer Egoismus, der auf Konkurrenz, Eitelkeit und ständigen sozialen Vergleichen beruht.

19
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Mitleid (pitié)

Ein von Rousseau beschriebenes natürliches Gefühl, das vor jeder Reflexion wirkt, die Selbstliebe (amour de soi) mäßigt und der Erhaltung der gesamten Art dient.

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Zivilisationskritik (Rousseau)

Die philosophische Grundthese, dass der Mensch von Natur aus frei und gut ist, jedoch durch gesellschaftliche Entwicklung, Reflexion, Arbeitsteilung und Eigentum korrumpiert und versklavt wird.

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Entäußerung (aliénation totale)

Die fundamentale Vertragsklausel bei Rousseau: Die vollständige Übergabe aller Rechte und der gesamten Person jedes Bürgers an die Gemeinschaft.

22
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Sonderwille (volonté particulière)

Das private, partikulare Eigeninteresse eines Einzelmenschen, das sich nach der Frage „Was ist gut für mich?“ richtet und dem Gemeinwohl widersprechen kann.

23
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Gesamtwille (volonté de tous)

Die bloße quantitative Addition aller privaten Sonderwillen; erfragt eine Summe von Einzelinteressen und kann sich im Gegensatz zum Gemeinwillen irren.

24
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Gemeinwille (volonté générale)

Der Wille der Bürgerschaft, der stets auf das objektive Gemeinwohl abzielt („Was ist gut für alle?“); nach Rousseau unfehlbar und „immer auf dem rechten Weg“.

25
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Doppelrolle des Bürgers (Rousseau)

Die Identität jedes Individuums als Privatperson mit einem eigenen Sonderwillen („Mensch“) und zugleich als Träger und Miturheber des Gemeinwillens („Bürger“).

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Autonomie (Rousseau)

Sittliche und bürgerliche Freiheit als Selbstgesetzgebung: Das Individuum ist frei, weil es nur jenem Gesetz gehorcht, das es sich als Bürger selbst gegeben hat.

27
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Zwang zur Freiheit („zwingen, frei zu sein“)

Rousseaus Paradigma: Verweigert ein Bürger den Gehorsam gegenüber dem Gemeinwillen, zwingt ihn der Staatskörper zur Befolgung, um ihn vor persönlicher Abhängigkeit zu schützen und seine wahre Freiheit zu sichern.

28
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Teilgesellschaften (Rousseau)

Interessengruppen, Parteien oder Faktionen im Staat, die von Rousseau abgelehnt werden, weil sie partikulare Interessen bündeln und das Erkennen des ungetrübten Gemeinwillens verfälschen.

29
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Volkssouveränität (Rousseau)

Das Prinzip, dass die oberste legislative Macht unteilbar und unveräußerlich beim gesamten Volk liegt, welches sich in direkter Demokratie selbst Gesetze gibt.

30
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Isonomie

Der Begriff für die Gleichheit aller Vollbürger vor dem Gesetz und die Gleichheit der politischen Mitbestimmungsrechte (historisches Vorbild: Athen).

31
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Direkte vs. Repräsentative Demokratie

Verfassungsunterschied: In einer direkten Demokratie stimmen die Bürger unmittelbar über Gesetze ab; in einer repräsentativen Demokratie wählen sie Vertreter, die für sie entscheiden.

32
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Gewaltenteilung

Die institutionelle Trennung von Legislative, Exekutive und Judikative zur Verhinderung von Machtmissbrauch (z. B. Montesquieu/Locke), welche sowohl von Hobbes als auch von Rousseau abgelehnt wird.

33
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Tyrannei der Mehrheit

Die demokratiefeindliche Gefahr, dass eine regierende oder abstimmende Mehrheit ihre Macht nutzt, um die Rechte von Minderheiten und Andersdenkenden systematisch zu unterdrücken.

34
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Pluralismus

Das moderne Leitbild, wonach eine Vielfalt unterschiedlicher Meinungen, Interessengruppen und Parteien im politischen Diskurs legitim und notwendig ist.

35
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Rechtsstaat

Ein Staatsmodell, in dem alle staatliche Gewalt und auch die Regierenden streng an Verfassung, Gesetz und einklagbare Grundrechte gebunden sind.

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Widerstandsrecht bei Thomas Hobbes

Grundsätzlich nicht existent; Untertanen dürfen keinen Widerstand leisten, es sei denn, der Souverän verliert die Fähigkeit, ihr physisches Leben zu schützen.

37
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Innere Stimmigkeit (Klausurkriterium)

Prüfkriterium für staatsphilosophische Theorien: Untersucht, ob das Staatsmodell logisch und widerspruchsfrei aus den getroffenen Prämissen des Naturzustands abgeleitet ist.

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Tragfähigkeit (Klausurkriterium)

Prüfkriterium für staatsphilosophische Entwürfe: Bewertet, inwieweit die historische Theorie auf aktuelle politische Herausforderungen (z. B. Terror, Krisen, Digitalisierung) anwendbar und heute noch wünschenswert ist.