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Lernkarteikarten im Vokabelstil zur Vorbereitung auf die Philosophieklausur in der Q2 zu Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, inklusive Fachbegriffen, Abitur-Operatoren und Kriterien zur Urteilsbildung.
Kontraktualismus
Vertragstheorie der neuzeitlichen Staatsphilosophie, wonach der Staat und seine Herrschaftsordnung durch einen hypothetischen, gedachten Vertrag aller Beteiligten legitimiert werden.
Naturzustand
Ein gedachter, hypothetischer Zustand der Menschheit ohne staatliche Gewalt und übergeordnete Gesetze; dient als Gedankenexperiment zur Begründung staatlicher Legitimation und ist keine historische Epoche.
Anthropologie / Menschenbild
Die grundlegenden philosophischen Annahmen über das Wesen und die Natur des Menschen (z. B. pessimistisch bei Hobbes, optimistisch bei Rousseau).
Prämisse
Eine methodische Voraussetzung bzw. grundlegende Annahme, von der eine philosophische Argumentation oder Theorie logisch ausgeht.
Legitimation
Die ethische und rationale Rechtfertigung von Herrschaft, staatlichen Gesetzen und Zwangsbefugnissen.
Souveränität
Die höchste, ungeteilte und letztentscheidende Herrschaftsgewalt innerhalb eines staatlichen Gemeinwesens.
Selbsterhaltung (Hobbes)
Das oberste Gut des menschlichen Strebens bei Thomas Hobbes, dessen Gefährdung durch einen gewaltsamen Tod das größte Übel darstellt.
Bellum omnium contra omnes
Der von Hobbes postulierte „Krieg eines jeden gegen jeden“ im Naturzustand, der nicht zwingend ununterbrochenen Kampf, sondern ständige Kriegsbereitschaft und Todesfurcht bedeutet.
Drei Konfliktursachen nach Hobbes
Konkurrenz (Streben nach individuellem Gewinn), Misstrauen (Streben nach persönlicher Sicherheit) und Ruhmsucht (Streben nach gesellschaftlichem Ansehen).
Naturrecht (ius naturale)
Nach Thomas Hobbes die angeborene Freiheit eines jeden Menschen, alle Mittel einzusetzen, die ihm zur Sicherung der eigenen Selbsterhaltung notwendig erscheinen (Recht auf alles).
Erstes Naturgesetz (lex naturalis)
Ein von der Vernunft erkanntes Gebot bei Hobbes, welches besagt: Suche Frieden und halte ihn ein.
Zweites Naturgesetz (lex naturalis)
Das Vernunftgebot bei Hobbes: Verzichte auf das naturgegebene Recht auf alles, sofern auch alle anderen zu demselben Rechtsverzicht bereit sind (angelehnt an die Goldene Regel).
Leviathan
Metapher von Hobbes (nach dem biblischen Seeungeheuer) für den durch den Gesellschaftsvertrag geschaffenen allmächtigen Staat, der die Einzelwillen vereint und durch Schrecken den Frieden sichert.
Autorisierung / Autorschaft (Hobbes)
Das Rechtsprinzip, nach dem alle Untertanen als Urheber aller Handlungen und Entscheidungen des Souveräns gelten und diese ausnahmslos als ihre eigenen anerkennen müssen.
Zweck des Gehorsams (Hobbes)
Der Schutz der Individuen; die Pflicht der Untertanen zum Gehorsam erlischt genau dann, wenn der Souverän die physische Selbsterhaltung des Einzelnen nicht mehr gewährleisten kann.
Absolutismus (Hobbes)
Eine politische Ordnung, in der ein einzelner Herrscher oder eine Versammlung uneingeschränkte, unteilbare Macht besitzt und von den von ihm gesetzten Gesetzen selbst losgelöst ist (absolvere).
Amour de soi / Selbstliebe
Nach Rousseau das ursprüngliche, gesunde und friedfertige Selbsterhaltungsstreben des Menschen im Naturzustand, das vor jeder Vernunft existiert.
Amour propre / Eigenliebe
Nach Rousseau ein erst im Gesellschaftszustand erzeugter, negativer Egoismus, der auf Konkurrenz, Eitelkeit und ständigen sozialen Vergleichen beruht.
Mitleid (pitié)
Ein von Rousseau beschriebenes natürliches Gefühl, das vor jeder Reflexion wirkt, die Selbstliebe (amour de soi) mäßigt und der Erhaltung der gesamten Art dient.
Zivilisationskritik (Rousseau)
Die philosophische Grundthese, dass der Mensch von Natur aus frei und gut ist, jedoch durch gesellschaftliche Entwicklung, Reflexion, Arbeitsteilung und Eigentum korrumpiert und versklavt wird.
Entäußerung (aliénation totale)
Die fundamentale Vertragsklausel bei Rousseau: Die vollständige Übergabe aller Rechte und der gesamten Person jedes Bürgers an die Gemeinschaft.
Sonderwille (volonté particulière)
Das private, partikulare Eigeninteresse eines Einzelmenschen, das sich nach der Frage „Was ist gut für mich?“ richtet und dem Gemeinwohl widersprechen kann.
Gesamtwille (volonté de tous)
Die bloße quantitative Addition aller privaten Sonderwillen; erfragt eine Summe von Einzelinteressen und kann sich im Gegensatz zum Gemeinwillen irren.
Gemeinwille (volonté générale)
Der Wille der Bürgerschaft, der stets auf das objektive Gemeinwohl abzielt („Was ist gut für alle?“); nach Rousseau unfehlbar und „immer auf dem rechten Weg“.
Doppelrolle des Bürgers (Rousseau)
Die Identität jedes Individuums als Privatperson mit einem eigenen Sonderwillen („Mensch“) und zugleich als Träger und Miturheber des Gemeinwillens („Bürger“).
Autonomie (Rousseau)
Sittliche und bürgerliche Freiheit als Selbstgesetzgebung: Das Individuum ist frei, weil es nur jenem Gesetz gehorcht, das es sich als Bürger selbst gegeben hat.
Zwang zur Freiheit („zwingen, frei zu sein“)
Rousseaus Paradigma: Verweigert ein Bürger den Gehorsam gegenüber dem Gemeinwillen, zwingt ihn der Staatskörper zur Befolgung, um ihn vor persönlicher Abhängigkeit zu schützen und seine wahre Freiheit zu sichern.
Teilgesellschaften (Rousseau)
Interessengruppen, Parteien oder Faktionen im Staat, die von Rousseau abgelehnt werden, weil sie partikulare Interessen bündeln und das Erkennen des ungetrübten Gemeinwillens verfälschen.
Volkssouveränität (Rousseau)
Das Prinzip, dass die oberste legislative Macht unteilbar und unveräußerlich beim gesamten Volk liegt, welches sich in direkter Demokratie selbst Gesetze gibt.
Isonomie
Der Begriff für die Gleichheit aller Vollbürger vor dem Gesetz und die Gleichheit der politischen Mitbestimmungsrechte (historisches Vorbild: Athen).
Direkte vs. Repräsentative Demokratie
Verfassungsunterschied: In einer direkten Demokratie stimmen die Bürger unmittelbar über Gesetze ab; in einer repräsentativen Demokratie wählen sie Vertreter, die für sie entscheiden.
Gewaltenteilung
Die institutionelle Trennung von Legislative, Exekutive und Judikative zur Verhinderung von Machtmissbrauch (z. B. Montesquieu/Locke), welche sowohl von Hobbes als auch von Rousseau abgelehnt wird.
Tyrannei der Mehrheit
Die demokratiefeindliche Gefahr, dass eine regierende oder abstimmende Mehrheit ihre Macht nutzt, um die Rechte von Minderheiten und Andersdenkenden systematisch zu unterdrücken.
Pluralismus
Das moderne Leitbild, wonach eine Vielfalt unterschiedlicher Meinungen, Interessengruppen und Parteien im politischen Diskurs legitim und notwendig ist.
Rechtsstaat
Ein Staatsmodell, in dem alle staatliche Gewalt und auch die Regierenden streng an Verfassung, Gesetz und einklagbare Grundrechte gebunden sind.
Widerstandsrecht bei Thomas Hobbes
Grundsätzlich nicht existent; Untertanen dürfen keinen Widerstand leisten, es sei denn, der Souverän verliert die Fähigkeit, ihr physisches Leben zu schützen.
Innere Stimmigkeit (Klausurkriterium)
Prüfkriterium für staatsphilosophische Theorien: Untersucht, ob das Staatsmodell logisch und widerspruchsfrei aus den getroffenen Prämissen des Naturzustands abgeleitet ist.
Tragfähigkeit (Klausurkriterium)
Prüfkriterium für staatsphilosophische Entwürfe: Bewertet, inwieweit die historische Theorie auf aktuelle politische Herausforderungen (z. B. Terror, Krisen, Digitalisierung) anwendbar und heute noch wünschenswert ist.