08 Kognitive Kontrolle & Metakognition

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Wie lauten die Begriffsbestimmungen für Kognition und Kognitive Kontrolle (Exekutive Funktionen) im Kontext höherer mentaler Funktionen?


  • Kognition (lat. cognoscere, griech. gignoskein – bemerken, erkennen): Oberbegriff für innere Strukturen, Prozesse und Kapazitäten (höherer) mentaler Funktionen wie Wahrnehmen, Erkennen, Denken, Beurteilen, Bewerten, Verstehen, Problemlösen, Lernen, Erinnern, Erwarten etc.


  • Kognitive Kontrolle (Exekutive Funktionen): Sammelbegriff, unter dem übergeordnete kognitive Prozesse zusammengefasst werden, die sensorische, motorische, emotionale und kognitive Prozesse so modulieren bzw. verändern, dass eine optimale Anpassung an aktuelle Aufgabenanforderungen oder Zielsetzungen möglich ist.


2
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Welche zwei theoretischen Modelle zur Struktur der kognitiven Kontrolle werden unterschieden (inklusive zentraler Komponenten wie Arbeitsgedächtnis, Inhibition und Flexibilität)?

  • Das Konstrukt der kognitiven Kontrolle ist sehr komplex und heterogen und beinhaltet Inhibitionsprozesse, Aspekte des Arbeitsgedächtnisses, der kognitiven Flexibilität sowie der Handlungplanung und -überwachung.

  • I. Einheitliche Kontrollinstanz:

    • Nimmt eine zentrale Instanz an, die mit Gedächtnissystemen interagiert (vgl. u. a. Baddeley, 2010 mit neuronaler Verortung im frontalen Kortex).

  • II. Übergeordnetes Kontrollnetzwerk & diskrete Kontrollfunktionen:

    • Ein kognitives Kontrollnetzwerk steuert spezifische, diskrete Funktionen wie das Arbeitsgedächtnis, Inhibition und Flexibilität an (vgl. Cole et al., 2014; Niendam et al., 2012; unterteilt u. a. in fronto-parietale, cingulo-operkulare und dorsale Aufmerksamkeitsnetzwerke).


3
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Welche fünf kognitiven Kontrollfunktionen werden in die Basisfunktionen und die komplexeren Funktionen unterteilt?

  • Basisfunktionen:

    1. Arbeitsgedächtnis

    2. Inhibition

    3. Kognitive Flexibilität

  • Komplexere Funktionen: 4. Koordination multipler Aufgaben 5. Handlungslenkung bzw. Handlungsplaung


4
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Wie funktioniert die AX-kontinuierliche Leistungsaufgabe („continuous performance task“) zur Erfassung des Arbeitsgedächtnisses, und wie verläuft die Entwicklung bzw. Leistung über die Lebensspanne?

  • Aufgabenprinzip: Probanden drücken immer eine bestimmte Taste, wenn der Zielreiz „X“ einem Hinweisreiz „A“ folgt (AX-Durchgang), und sonst eine andere Taste.

  • Funktion: Sie dient der Untersuchung der Fähigkeit zur Repräsentation und Aufrechterhaltung (Updating) relevanter Aufgabeninformationen.

  • Entwicklung & Lebensspanne:

    • Es zeigen sich Entwicklungsfortschritte bereits im Vorschulalter (altersgerechte Aufgaben).

    • Die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung relevanter Informationen nimmt bis ins frühe Erwachsenenalter zu (z. B. sind Reaktionen 12-jähriger Kinder in AY-Durchgängen langsamer als in AX- oder BX-Durchgängen; Steigerung in der Adoleszenz).

    • Es kommt zu einer Abnahme der Aufrechterhaltung relevanter Informationen ab ca. 65 Jahren.


5
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Wie funktioniert die Stroop-Aufgabe zur Erfassung der Inhibition (Hemmung automatisierter Handlungstendenzen), und wie verändert sich der Stroop-Interferenzeffekt über die Lebensspanne?

  • Aufgabenprinzip: Probanden sollen so schnell und genau wie möglich die Farbe von geschriebenen Wörtern beurteilen. Dabei werden kognitive Kontrollprozesse benötigt, die die Aufgabeninstruktion aktiv halten und die dominante Gewohnheitstendenz (das automatische Lesen des Wortes) unterdrücken.

  • Stroop-Interferenzeffekt: Vergleicht die Leistung in inkruongruenten Bedingungen (z. B. das Wort „Gelb“ ist in roter Farbe geschrieben) mit kongruenten oder neutralen Bedingungen. Dies misst die Fähigkeit zur Unterdrückung automatisierter Handlungstendenzen.

  • Entwicklung über die Lebensspanne: Der Interferenzeffekt zeigt eine Abnahme im Kindesalter (zunehmende inhibitorische Kontrolle) und eine Zunahme im höheren Lebensalter.


6
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Wie funktioniert die Go-/No-Go-Aufgabe zur Erfassung von Inhibition (Unterdrückung bereits begonnener Handlungen), und wie entwickelt sich diese Fähigkeit über die Lebensspanne?

  • Aufgabenprinzip: Probanden sollen möglichst schnell auf häufig dargebotene Reize reagieren, nicht jedoch auf einen relativ seltenen Reiz (z. B. bei Buchstaben soll nach Vokal oder Konsonant beurteilt werden, nur bei einem seltenen „P“ soll keine Taste gedrückt werden).

  • Funktion: Sie misst die Fähigkeit zur Unterbrechung bereits initiierter Reaktionen.

  • Entwicklung & Lebensspanne:

    • Die Fähigkeit zur Unterbrechung bereits initiierter Reaktionen nimmt im Laufe der Kindheit deutlich zu.

    • In den meisten Studien zeigt sich im höheren Lebensalter nur eine geringe Verschlechterung.


7
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Was versteht man unter kognitiver Flexibilität, wodurch zeichnet sich mangelnde Flexibilität aus, und wie misst der Karten-Sortiertest mit dimensionaler Veränderung diese Fähigkeit in der frühen Kindheit?

  • Definition: Die Fähigkeit zur effizienten Anpassung an wechselnde Aufgabenanforderungen.

  • Mangelnde Flexibilität: Wird häufig durch eine Neigung zur sogenannten Perseveration sichtbar – der Tendenz, bei einer Aufgabe zu verharren, obwohl die Bearbeitung einer neuen Aufgabe erforderlich ist.

  • Karten-Sortiertest mit dimensionaler Veränderung:

    • Misst die kognitive Flexibilität in der frühen Kindheit.

    • Kinder sollen Testkarten erst nach einer Dimension (z. B. Farbe) und dann nach einer anderen Dimension (z. B. Form) auf Zielkarten legen, wodurch wechselnde Sortierregeln bei bivalenten Testkarten angewendet werden müssen (ab ca. 5 Jahren gemeistert).


8
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Wie funktioniert der Aufgabenwechsel („task switching paradigm“) als Methode zur Erfassung der kognitiven Flexibilität, was messen Wechselkosten und ab welchem Alter ist die Aufgabe einsetzbar?

  • Aufgabenprinzip: Probanden wechseln zwischen zwei meist einfachen Aufgaben A und B (z. B. in Aufgabe A Reize danach beurteilen, ob Zahlen gerade oder ungerade sind, und in Aufgabe B, ob Buchstaben Vokale oder Konsonanten sind).

  • Wechselkosten: Durch den Vergleich der Leistung in Wechseldurchgängen (A→BA \rightarrow B, B→AB \rightarrow A) und Wiederholungsdurchgängen (A→AA \rightarrow A, B→BB \rightarrow B) werden Reaktionszeit und Fehlerrrate als Wechselkosten ermittelt, die ein direkter Indiz für kognitive Flexibilität sind.

  • Altersstufe: Die Aufgabe ist grundsätzlich ab dem Grundschulalter (aufgrund der erforderlichen Lesekompetenz) geeignet; bei vereinfachten Aufgaben ohne Lesekompetenz zeigen sich Entwicklungsfortschritte bereits ab dem Ende des Vorschulalters.


9
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Was versteht man unter der Koordination multipler Aufgaben (Doppelaufgaben/Multitasking) als komplexerer kognitiver Kontrollfunktion, wie entwickelt sie sich über die Lebensspanne und was zeigt sich bei der Kombination von sensomotorischen und kognitiven Aufgaben?

  • Definition: Mehrere unterschiedliche Aufgaben werden simultan bearbeitet, um mehrere Ziele gleichzeitig zu verfolgen und die Abfolge der Bearbeitung zu koordinieren (z. B. Aufgaben beenden, wiederaufnehmen, Prioritäten setzen). Die Koordinationsfähigkeit ergibt sich aus dem Vergleich der Leistung beim Multitasking im Vergleich zu Einzelaufgaben.

  • Entwicklung & Lebensspanne:

    • Die Koordinationsfähigkeit nimmt in der Kindheit deutlich zu.

    • Im höheren Alter zeigen sich zum Teil Beeinträchtigungen im Multitasking.

  • Sensomotorische & kognitive Kombination: Bei der Kombination beider Aufgabenbereiche (wie etwa Gleichgewicht halten und gleichzeitig eine Gedächtnisaufgabe lösen) zeigt sich sowohl bei Kindern als auch bei älteren Erwachsenen eine Präferenz für den Erhalt der sensomotorischen Leistungen.


10
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Was versteht man unter Handlungsplanung, wie misst der Turm von London diese Fähigkeit, welche Kompetenzen sind erforderlich und wie entwickelt sie sich über die Lebensspanne?

  • Definition: Generieren von neuen Handlungsschritten durch Kombination bekannter Teilhandlungen.

  • Turm von London: Ein Test, bei dem ein Ausgangszustand durch eine bestimmte Anzahl von Zügen in einen Zielzustand umgewandelt werden soll (z. B. farbige Kugeln auf Stifte stecken).

  • Erforderliche Kompetenzen:

    • Ergebnisse von Teilhandlungen antizipieren.

    • Zwischenziele formulieren, um ein übergeordnetes Ziel erreichen zu können.

  • Lebensspanne & Korrelation:

    • Zunahme der Planungsfähigkeit bis zur Adoleszenz bzw. ins frühe Erwachsenenalter, gefolgt von einer Abnahme im höheren Lebensalter.

    • Zeigt in manchen Studien eine Korrelation mit dem Arbeitsgedächtnis und der inhibitorischen Kontrolle.


11
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Wie verhalten sich die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Aufgabentypen in der frühen Ontogenese (Vorschulalter vs. Schulalter), und was zeigt die Würzburger Längsschnittstudie?

  • Im Vorschulalter zeigen sich eher niedrige Korrelationen zwischen den verschiedenen Aufgabentypen.

  • Die Würzburger Längsschnittstudie (mit 180 Vorschulkindern) ergab mäßige Interkorrelationen (von .20 bis .35) für Maße der kognitiven Kontrolle wie Go-/No-Go und Stroop-Aufgabe, weshalb hierzu teils höhere Interkorrelationen in anderen Studien und weiterer Forschungsbedarf bestehen.

  • Erst ab dem Schulalter zeigen sich robustere und höhere Interkorrelationen zwischen den unterschiedlichen Indikatoren kognitiver Kontrolle (vgl. Hughes, 1998).


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Karteikarte

  • Frage: Wie lautet die Begriffsbestimmung für Selbstregulation, und wie veranschaulicht das angeführte Beispiel (Lesen in der Schule) diesen Prozess?


  • Definition: Selbstregulation umfasst ganz allgemein Prozesse, die eine Diskrepanz zwischen einem aktuellen Zustand und einem intendierten Zustand (z. B. einem Wunsch oder Ziel) verringern oder beseitigen.

  • Beispiel: Ein Kind liest in der Schule vor und möchte Lesefehler vermeiden. Da es sich bereits zweimal versprochen hat, führt dies zu einer selbstregulatorischen Handlung: Es liest langsamer.


13
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Welche zwei theoretischen Ansätze der Entwicklungspsychologie befassen sich mit der Entwicklung der Selbstregulation (nach Rothbart bzw. Zelazo & Müller)?

  • I. Konzept der selbstregulierenden Kontrolle („effortful control“): Im Modell der Temperamentsentwicklung nach Rothbart (2007).

  • II. Modell der „heißen“ und „kühlen“ Dimensionen exekutiver Kontrolle: Nach Zelazo u. a. (z. B. Zelazo & Müller, 2002).


14
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Durch welche drei Dimensionen ist das kindliche Temperament in Rothbarts Temperamentsmodell gekennzeichnet, wie unterscheiden sich reaktive und aktive Aspekte, und wie verläuft deren Entwicklung?

  • Dimensionen des Temperaments:

    1. Extraversion

    2. Negativer Affekt

    3. Selbstregulierende Kontrolle

  • Reaktiv vs. Aktiv:

    • Reaktiv (Extraversion und Negativer Affekt): Sensibilität gegenüber sozialen Reizen und durch die Umwelt ausgelöste Emotionen (positiv und negativ).

    • Aktiv (Selbstregulierende Kontrolle): Dominante Handlungstendenz verzögern oder unterdrücken, um ein aktuelles Ziel zu erreichen, Aufmerksamkeitslenkung, Pläne für die Zukunft machen sowie Fehler entdecken.

  • Entwicklung:

    • Das reaktive Temperament zeigt sich bereits pränatal und stabilisiert sich in der mittleren Kindheit.

    • Das aktive Temperament entwickelt sich später im Vorschulalter, wobei Kleinkinder Aufgaben z. T. länger Aufmerksamkeit schenken können (hierbei gibt es große individuelle Differenzen).

    • Eine erfolgreiche Entwicklung basiert auf dem Zusammenspiel von aktiven und reaktiven Aspekten des Temperaments (z. B. Wünsche zurückstellen, nicht präferierte Aktivitäten beginnen).


15
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Worauf fokussiert sich Zelazos Modell der exekutiven Kontrolle, und wie werden „heiße“ im Vergleich zu „kühlen“ exekutiven Funktionen definiert und unterschieden?

  • Fokus: Das Modell konzentriert sich auf das Zusammenspiel von Kognition („kalt“) und Emotion („heiß“).

  • „Heiße“ exekutive Funktionen (emotionale Selbstregulation):

    • Situationen, in denen Emotionen reguliert werden müssen, die mit Belohnung oder Bestrafung einhergehen (z. B. der Belohnungsaufschuf wie im Marshmallow-Test).

  • „Kühle“ exekutive Funktionen (kognitive Selbstregulation):

    • Werden in abstrakteren bzw. komplexeren Situationen eingesetzt, in denen ein Ziel erreicht werden soll, das nicht unmittelbar an Belohnung oder Bestrafung gebunden ist.

  • Entwicklungsübergang: Zelazo beschreibt die Entwicklung intentionaler Handlungssteuerung als Übergang von einer relativ emotionalen zu einer kognitiven Steuerung.


16
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Wie lautet die Begriffsbestimmung für Metakognition, welche Merkmale zeichnen dieses Konstrukt aus und was impliziert das klassische Verständnis?

  • Definition: Metakognition (griech. „Meta“ – übergeordnet) bedeutet Kognitionen über Kognitionen, Denken über Denken, Wissen über Wissen sowie ganz allgemein das Wissen über kognitive Zustände und Prozesse.

  • Merkmale & Überlappung:

    • Es handelt sich um ein breit gefasstes Konstrukt, das auch Überwachungsaktivitäten und kognitive Selbstregulation beinhaltet.

    • Es besteht ein hoher Überlappungsgrad zwischen Metakognition und Teilkomponenten der kognitiven Kontrolle bzw. Selbstregulation.

  • Klassisches Verständnis: Metakognition impliziert, dass sich das Individuum der eigenen Denkprozesse bewusst ist („explizite Metakognition“).


17
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Wie verläuft die Entwicklung des deklarativen metakognitiven Wissens (Metagedächtnis) von der Endphase der Kindergartenzeit bis zum Ende der Grundschulzeit?

  • Ende Kindergartenzeit:

    • Verständnis, dass Dinge vergessen werden können.

    • Oberflächliche Merkmale (wie Kleidung, Haarfarbe) sind unerheblich für die Gedächtnisleistung.

    • Menge der Lernmaterialien beeinflusst das Erinnerungsvermögen.

    • Externe Gedächtnishilfen werden als sinnvoll erachtet.

  • Beginn Grundschulzeit:

    • Erkenntnis, dass die Lernzeit die Gedächtnisleistung beeinflusst.

    • Wiedererkennen wird als leichter als Reproduktion verstanden.

    • Bewusstsein, dass Ablenkung die Gedächtnisleistung beeinträchtigen kann.

  • Ende Grundschulzeit:

    • Nach Oberbegriffen kategorisierbare Begriffe lassen sich leichter lernen als nicht kategorisierbare.

    • Gegensatzpaare sind leichter zu lernen als zufällig verknüpfte Wortpaare.

    • Wiederholungs- und Organisationsstrategien werden als hilfreich erkannt.


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Karteikarte

  • Frage: Wie beschreiben Nelson und Narens (1994) das Zusammenspiel von Überwachung und Kontrollvorgängen (prozedurales metakognitives Wissen) im Metakognitionsmodell, und welche spezifischen Maße bzw. Phasen lassen sich unterscheiden?


  • Grundprinzip: Das Modell beschreibt das Zusammenspiel von Selbstüberwachung (Monitoring) und Selbstregulation (Control) in Relation zu einem Ziel.

  • Überwachung (Monitoring):

    • Beobachtung und Reflexion eigener kognitiver Vorgänge (z. B. in Relation zu einem Ziel).

    • Ease-of-learning-judgments (EoW/EOL): Leistungsprognose vor dem Lernprozess über die Leichtigkeit des Lernens („Das schaffe ich in wenigen Minuten!“).

    • Judgments of learning (JoL): Einschätzung während des Lernens („Das weiß ich später alles noch!“).

    • Feeling of knowing (FoK): Einschätzung beim Behalten/Erinnern, ob spontan nicht erinnerte Namen von Objekten dennoch wiedererkannt werden können („Wenn ich es sehe, erkenne ich es wieder!“).

  • Kontrolle/Regulation (Control):

    • (Un-)bewusste Entscheidungen, die aufgrund der Ergebnisse der Überwachung getroffen werden.

    • Umfasst während des Lernprozesses die Zuteilung der Lernzeit (Allocation of study time) und die Beendigung des Lernens (Termination of study).

    • Umfasst beim Erinnern die Suche nach Gedächtnisinhalten, die Strategiewahl (Selection of search strategy) sowie die Beendigung der Suche (Termination of search).


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Wie verläuft die Entwicklung des prozeduralen metakognitiven Wissens im Hinblick auf Einschätzungen, Lernzeitallokation und das Zusammenspiel von Überwachung und Selbstregulation bei Kindern?

  • Einschätzungen (Judgments): Vorschulkinder überschätzen ihre eigene Leistung bei ease of learning judgments (glauben z. B., dass sie sehr viele Bilder perfekt erinnern können), während Grundschulkinder realistischer sind. Zudem spielen motivationale Faktoren (z. B. Wunschdenken) neben der Metakognition eine entscheidende Rolle.

  • Wiedererkennen: Ab dem Grundschulalter besteht ein Gespür dafür, welche erlangten Begriffe für Objekte man später wiedererkennen oder erinnern wird.

  • Lernzeitallokation:

    • Jungere Grundschulkinder verwenden gleich viel Lernzeit bei schwierigen versus leichten Aufgaben, obwohl sie wissen, welche Aufgabe schwieriger ist. Hier liegt ein Defizit in der Umsetzung von Wissen in Selbstregulationsvorgänge vor.

    • Ältere Grundschulkinder differenzieren hierbei stärker.

  • Gesamtentwicklung: Eine verbesserte Allokation der Lernzeit ergibt sich durch ein besseres Zusammenspiel zwischen Überwachungs- und Selbstregulationsvorgängen.


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Wie wird selbstreguliertes Lernen (auch selbstgesteuertes, -bestimmtes, -organisiertes, autonomes Lernen) definiert, und welche drei Komponenten des Lernens lassen sich dabei unterscheiden?

  • Definition: Es handelt sich um das vom Lernenden aktiv initiierte Vorgehen, das eigene Lernverhalten unter Einsatz verschiedener Strategien zu steuern und zu regulieren.

  • Kognitive Komponenten: Informationsverarbeitung, das konzeptionelle und strategische Wissen sowie die Fähigkeit, entsprechende Strategien (z. B. kognitive Lernstrategien wie Wiederholen) anzuwenden.


  • Motivationale Komponenten: Aktivitäten, die der Initiierung (z. B. Selbstmotivierung) und dem Aufrechterhalten (volitionale Steuerung) des Lernens dienen, sowie handlungsfördernde Attributionen von Erfolgen und Misserfolgen und Selbstwirksamkeitsüberzeugung.


  • Metakognitive Komponenten: Planung, Selbstbeobachtung, Reflexion und adaptive Anpassung des Lernverhaltens in Bezug auf das angestrebte Lernziel.



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Welche zwei grundlegenden Modelltypen des selbstregulierten Lernens lassen sich unterscheiden und wodurch zeichnen sie sich aus?

  • I. Prozessmodelle:

    • Betonen den phasen- bzw. prozessbezogenen Charakter der Selbstregulation.

    • Verstehen Selbstregulation als iterativen (schrittweisen) und regelkreisähnlichen Prozess.

  • II. Schichtenmodelle:

    • Betonen die verschiedenen Ebenen der Selbstregulation.


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Welche drei Phasen umfasst das Prozessmodell des selbstregulierten Lernens nach Schmitz, Landmann & Perels (2007), und welche zentralen Prozesse und Handlungen finden in jeder Phase statt?

  • 1. Präaktionale Phase:

    • Umfasst Aufgabenanalyse, Handlungsplanung und Lernvorbereitung.

    • Je nach Situation, Aufgabe und den Überzeugungen des Lernenden werden Ziele definiert, geeignete Strategien ausgewählt und Handlungen geplant.

  • 2. Aktionale Phase:

    • Beinhaltet die eigentliche Lernhandlung, die Strategieumsetzung sowie die Handlungsüberwachung und -kontrolle.

  • 3. Postaktionale Phase:

    • Umfasst die Bewertung der Handlungsergebnisse und den Abgleich mit dem gesetzten Ziel.

    • Beinhaltet Folgerungen für zukünftiges Handeln sowie die Reflexion über Ergebnisursachen und den Handlungsverlauf (z. B. Umgang mit Hindernissen, erfolgreiche Strategien), was wiederum den Planungsprozess der präaktionalen Phase des folgenden Lernzyklus speist


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Welche drei Schichten umfasst das Drei-Schichten-Modell des selbstregulierten Lernens nach Boekaerts (1999), und durch welche Aufgaben bzw. Regelungsbereiche zeichnen sie sich aus?

  • I. Kognitive Schicht (Regulation des Informationsverarbeitungsprozesses):

    • Umfasst den Umgang mit Lerninhalten durch die Wahl von kognitiven Primärstrategien für die Bearbeitung der Aufgabe.

    • Beinhaltet, dass sich Lernende Fragen über den Lerngegenstand und die Herangehensweise stellen.

  • II. Metakognitive Schicht (Regulation der Lernprozesse):

    • Beinhaltet die Wahl und den Einsatz kognitiver Strategien sowie deren Überwachung und Regulation.

    • Die Überwachung erfolgt durch metakognitives Wissen und Strategien, wodurch der Lernende beobachtet, ob die Aufgabe so wie (kognitiv) geplant bearbeitet wird.

  • III. Übergeordnete Schicht (Regulation des Selbst):

    • Konzentriert sich insbesondere auf motivationale Aspekte.

    • Beinhaltet die Zielformulierung sowie die Überprüfung entsprechender Ressourcen (wie Zeit und Ruhe).


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Welche fünf diagnostischen Verfahren bzw. Methoden zur Erfassung von Selbstregulation im Kontext des Lernens lassen sich unterscheiden, und wodurch zeichnen sie sich aus?

  • 1. Fragebögen:

    • Meist Abfragen von kognitiven, metakognitiven und bisweilen von ressourcenbezogenen Strategien.

  • 2. Lerntagebücher:

    • Erfassen den aktuellen Strategieeinsatz, oft standardisiert durch eine Abfolge identischer Fragen und Antwortmöglichkeiten.

  • 3. Beobachtungsverfahren:

    • Erfassen das tatsächliche Verhalten und sind auch bei jüngeren Kindern anwendbar.

  • 4. Interviews:

    • Beleuchten den prospektiven oder retrospektiven Strategieeinsatz mithilfe offener oder geschlossener Fragen.

  • 5. Denkprotokolle (≈\approx lautes Denken):

    • Probanden sprechen Gedanken aus, die sie während der Bearbeitung einer Aufgabe beschäftigen, was einen Einblick in die spontane Strategieanwendung gibt.


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Wie lautet das zentrale Fazit hinsichtlich der Konstrukte kognitive Kontrolle, Selbstregulation, Metagestaltung bzw. selbstreguliertes Lernen, ihrer Bedeutung und ihrer Entwicklung?

  • Konstrukte: Kognitive Kontrolle, Selbstregulation, Metakognition und selbstreguliertes Lernen sind eng verwobene und z. T. überlappende Konstrukte.

  • Bedeutung: Sie sind wichtig in vielen Lebensbereichen (schulische und außerschulische Kontexte), für viele Kompetenzen (schulische Leistungen, soziale Kompetenz, prosoziales Verhalten etc.) sowie für die Gesundheit (psychisch und physisch).

  • Entwicklung: Entwicklung und individuelle Differenzen sind hierbei bereits früh zu verzeichnen.