CE 3.1 - Eigene Emotionen in Pflegealltag wahrnehmen und verarbeiten

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Was unterscheidet eine Emotion von einem Gefühl?

Eine Emotion ist ein komplexer, durch Reize ausgelöster Prozess mit physiologischen Veränderungen, während ein Gefühl das bewusste, subjektive Erleben und Benennen dieser Erregung ist.

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Was unterscheidet eine Stimmung von einer Emotion?

Eine Stimmung ist eine länger anhaltende, diffuse emotionale Grundtönung, wohingegen eine Emotion meist kurzfristig und akut auftritt.

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Welche drei Schritte beschreiben das Entstehen von Emotionen nach Hornung/Lächler?

  • Auslöser (Reiz) – Umweltreize, Körperempfindungen oder Gedanken.

  • Innere Prozesse – Physiologische Erregung und kognitive Bewertung.

  • Ausdruck im Verhalten – Mimik/Gestik/Stimme und Handlungsbereitschaft.


4
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Welche drei Reizarten können als Auslöser für Emotionen dienen?

  • Umweltreize (äußere Reize)

  • Physiologische Regungen (Körperempfindungen)

  • Kognitive Reize (Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen)


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Welche körperlichen Reaktionen zählen zur physiologischen Erregung bei Emotionen?

Herzklopfen, schneller Atem, Muskelanspannung und erhöhter Blutdruck.

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Welche zwei Komponenten gehören zum verhaltensbezogenen Ausdruck einer Emotion?

Die Ausdrucksweise (Mimik, Gestik, Stimmqualität, Haltung) und die Handlungsbereitschaft (zielgerichtetes Verhalten wie Flucht oder Angriff).

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Welche 5 Funktionen erfüllen Gefühle nach Lückert?

  1. Regulieren – Anpassung des Organismus an Situationen.

  2. Selektieren – Filterung der Wahrnehmung.

  3. Bewerten – Einschätzung von Situationen als nützlich oder schädlich.

  4. Motivieren – Antrieb zu bestimmten Handlungen.

  5. Signalisieren – Mitteilung des inneren Zustands an Mitmenschen.


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Warum führt die Selektionsfunktion von Gefühlen zu einer veränderten Wahrnehmung?

Weil Gefühle unsere Wahrnehmung filtern, wodurch wir Dinge, die uns emotional berühren, intensiver wahrnehmen.

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Wie hilft die kognitive Kontrolle bei der Beeinflussung von Emotionen?

Durch die bewusste Veränderung der Einschätzung einer Situation (Reframing).

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Warum hat das offene Äußern eigener Gefühle durch Pflegende eine Vorbildfunktion?

Es ermutigt Patient*innen, ebenfalls über ihr eigenes emotionales Befinden zu sprechen.

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Was versteht man unter Gefühlsarbeit nach Wittneben?

Den bewussten Umgang mit eigenen Emotionen und den Gefühlen der Patient*innen als professionelle, anstrengende Pflegeleistung, die Arbeitszeit und Energie kostet.

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Welche 6 Kernbereiche der Gefühlsarbeit beschreibt Wittneben?

  • Identitätsarbeit – Unterstützung beim veränderten Selbstbild.

  • Fassungsarbeit – Stärkung der Selbstkontrolle in Krisen.

  • Trost- & Behaglichkeitsarbeit – Positive Beeinflussung von Stimmungen.

  • Vertrauensarbeit – Herstellung und Erhalt von Vertrauen.

  • Ablenkungsarbeit – Bewusstes Lenken der Gedanken auf andere Themen.

  • Trauer- & Sterbearbeit – Begleitung von Sterbenden und Angehörigen.


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Was ist das Ziel der Identitätsarbeit nach Wittneben?

Die Unterstützung von Patient*innen bei der Bewältigung eines veränderten Selbstbildes (z. B. nach einer Amputation).

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Was beschreibt die Fassungsarbeit in der Pflege?

Die Stärkung der Selbstkontrolle bei Patient*innen, die emotional aus der Fassung geraten sind (z. B. bei Panikanfällen).

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Welche pflegerische Funktion hat die Berührungsarbeit?

Die professionelle Pflegeleistung durch beruhigende oder stimulierende Körperberührung.

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Woraus entsteht das pflegerische Dilemma bei der Gefühlsarbeit?

Aus dem Widerspruch, dass Gefühlsarbeit ökonomisch unsichtbar ist und unter Zeitdruck bei ausführlicher Dokumentation Zeit für Sacharbeit fehlt, sie wegzulassen aber Patient*innen schadet.

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Warum macht das dauerhafte Vorspielen unechter Gefühle im Pflegealltag krank?

Weil das Vortäuschen emotionaler Reaktionen zu Burnout führt; nur die ehrliche Auseinandersetzung mit eigenen Gefühlen und das Gleichgewicht aus Nähe und professioneller Distanz schützen die Gesundheit.

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Was ist Ekel?

Ein stark unlustbetontes Gefühl des Widerwillens und Abscheus bei ungewollter, aufgedrängter Nähe.

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Welche biologische Schutzfunktion hat Ekel?

Er dient dem Schutz vor Infektionsquellen, Schmutz und verdorbener Nahrung.

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Inwiefern unterscheidet sich die Anlage von Ekel von konkreten Ekelreizen?

Die Fähigkeit zu Ekel ist angeboren, während die konkreten Ekelreize im Laufe der Sozialisation und Kultur erlernt werden.

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Welche 5 professionellen Bewältigungsstrategien helfen bei Ekel in der Pflege?

  • Kognitive Umdeutung – Entpersonalisierung des Reizes („Ich pflege den Menschen, nicht die Ausscheidung“).

  • Schutzausrüstung nutzen – Erzeugen physischer und psychologischer Barrieren.

  • Körperliche Techniken – Gezielte Atemtechniken (z. B. Mundatmung).

  • Desensibilisierung & Distanzierung – Gewöhnung und mentale Distanz.

  • Team-Austausch – Reflexion im kollegialen Gespräch.


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Was ist Scham?

Ein unlustbetontes Gefühl des Unwohlseins oder der Fremdheit in sozialen Situationen bei Verletzung der Privatsphäre.

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Welche Schutzfunktion erfüllt das Gefühl der Scham?

Es schützt die Personenwürde und sichert die Grenzen der Intim- und Privatsphäre

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Welche vier fundamentalen Inhalte können Scham auslösen?

Schwäche, physische oder geistige Defekte, Schmutzigkeit und Intimität.

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Welche 3 Entwicklungsstadien der Körperscham entstehen nach Pernlochner-Kügler im 2.–3. Lebensjahr?

  • Ich-Gefühl – Unterscheidung zwischen dem Ich und anderen.

  • Spiegelstadium – Wahrnehmung des eigenen Körpers als beobachtbares Objekt.

  • Trotzphase – Durchsetzen des eigenen Willens und Erfahren sozialer Grenzen.


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Warum entsteht in der Pflegebeziehung häufig eine geteilte Scham?

Weil die Pflege zur Enthüllung des Intimbereichs zwingt, wodurch nicht nur der Patient Scham empfindet, sondern auch die Pflegekraft durch das gezwungene Zusehen.

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Was besagt das Modell des „Inneren Teams“ nach Schulz von Thun?

Dass in der menschlichen Psyche verschiedene innere Anteile existieren, die wie ein Team zusammenarbeiten oder in Konflikt stehen können.

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Warum führt das fehlende Bewusstsein für das „Innere Team“ zu Problemen im Pflegehandeln?

Weil man ohne Bewusstsein unbewusst von dominanten inneren Stimmen gesteuert wird, statt klare, professionelle Entscheidungen zu treffen.

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Welche vier Grundbedürfnisse beschreibt das Riemann-Thomann-Modell?

  1. Nähe (Miteinander & Geborgenheit)

  2. Distanz (Unabhängigkeit & Abgrenzung)

  3. Dauer (Ordnung & Zuverlässigkeit)

  4. Wechsel (Spontaneität & Veränderung)


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Wie äußert sich ein starkes Nähe-Bedürfnis bei Patient*innen im Pflegealltag?

Durch häufiges Klingeln aus Angst vor dem Alleinsein und der Suche nach Zuwendung und Schutz.

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Warum wählen Pflegende das Verhalten der Distanz nach dem Riemann-Thomann-Modell?

Um eine strikt professionell-sachliche Ebene zu wahren und sich vor emotionaler Überforderung zu schützen.

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Wie zeigt sich das Bedürfnis nach Dauer im pflegerischen Handeln?

Durch striktes Einhalten von Pflegeplänen und Arbeitsstrukturen sowie Unruhe bei unvorhergesehenen Änderungen.

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Welchen Vorteil bietet die Ausrichtung am Bedürfnis Wechsel in der Pflege?

Sie ermöglicht kreative, spontane Lösungswege und hohe Flexibilität bei unvorhergesehenen Problemen.

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Welche 4 Grundmotivationen für prosoziales Verhalten werden unterschieden?

  • Altruismus – Helfen rein aus Sorge um das Wohl anderer.

  • Egoismus – Helfen zum eigenen Nutzen oder Vorteil.

  • Kollektivismus – Helfen zur Förderung der eigenen Gruppe.

  • Prinzipien – Helfen zur Einhaltung persönlicher, moralischer Maβstäbe.


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Was unterscheidet altruistisches von egoistischem Helfen?

Altruismus erfolgt ohne Belohnungserwartung rein für andere, während Egoismus auf den eigenen Nutzen oder Anerkennung abzielt.

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Welche vier Phasen der Trauer beschreibt Verena Kast?

  • Nicht-Wahrhaben-Wollen

  • Aufbrechende Emotionen

  • Suchen und sich trennen

  • Neuer Selbst- und Weltbezug


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Welche vier emotionalen Aufgaben der Trauerverarbeitung nennt Worden?

  • Den Verlust als Realität akzeptieren.

  • Den Trauerschmerz erfahren.

  • Sich an eine Welt anpassen, in der der Verstorbene fehlt.

  • Emotionale Energie abziehen und neu investieren.


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Wie sollten Pflegende in Phase 1 der Trauer (Nicht-Wahrhaben-Wollen) reagieren?

Aushalten von Schweigen, Da-Sein, Verleugnung nicht gewaltsam korrigieren sowie Anbieten von Rückzug und Grundbedürfnissen.

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Welche pflegerische Haltung ist in Phase 2 der Trauer (Aufbrechende Emotionen) essenziell?

Emotionen wie Wut, Schuld oder Angst absolut bewertungsfrei zulassen und Raum zum Weinen und Klagen geben.

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Wie unterstützen Pflegende die Traueraufgabe „Sich anpassen an eine Welt ohne den Verstorbenen“ (Phase 3)?

Durch aktives Zulassen von Erinnerungen und Fotos, Sprechen über den Verstorbenen und Hilfe bei alltäglichen Aufgaben.

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Was kennzeichnet die vierte Phase der Trauer nach Kast (Neuer Selbst- & Weltbezug)?

Die Akzeptanz des Verlusts, das Begreifen des Verstorbenen als innerer Begleiter und das Entstehen neuer Lebensperspektiven.

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Welche 5 Schritte umfasst der Reflexionskreislauf nach Korthagen?

  1. Action – Klarheit über die ursprüngliche Intention.

  2. Looking back on the Action – Rückblick auf Handlungen, Gedanken und Gefühle.

  3. Awareness of essential aspects – Bewusstwerden der Kernprobleme und Lernerfahrungen.

  4. Creating alternative methods of action – Entwickeln und Abwägen von Handlungsalternativen.

  5. Trial – Praktisches Ausprobieren der Alternativen in neuen Situationen.


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Was wird im ersten Schritt („Action“) des Korthagen-Zirkels analysiert?

Die eigene ursprüngliche Intention und das angestrebte Ziel in der Situation.

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Was geschieht im fünften Schritt („Trial“) des Reflexionskreislaufs nach Korthagen?

Das praktische Ausprobieren der erarbeiteten Lösungswege in der nächsten realen Situation, womit der Kreislauf auf höherer Stufe neu startet.