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Etymologischer Ursprung von „Historie“
Stammt aus dem antiken Griechisch und bedeutet ursprünglich „Erkundung“ oder „Untersuchung“; diente primär der Bewahrung ruhmreicher Taten für die Nachwelt ohne chronologische Verlaufsanalyse.
Exempla (Antike Geschichtsschreibung)
Historische Erzählungen über Vorbilder und Heldentaten, die als moralische Lehrstücke zur Verhaltensleitung in der Gegenwart dienen.
Res gestae
Berichte über tatsächlich vollbrachte Taten und historische Handlungen mit dem Charakter von Rechenschaftsberichten für die jeweilige Gegenwart.
Historiae (Tacitus)
Geschichtswerk von Tacitus, das die zeitnahe Vergangenheit der römischen Kaiserzeit (die rund 30 Jahre des eigenen Erwachsenenlebens des Verfassers) behandelt.
Annales (Tacitus)
Späteres Geschichtswerk von Tacitus, das chronologisch weiter zurückliegende Ereignisse der julisch-claudischen Dynastie (ca. 100 bis 150 Jahre vor seiner Epoche) darstellt.
Sine ira et studio
Lateinische Formulierung von Tacitus („Ohne Zorn und Eifer“), die Distanz zur aktuellen Tagespolitik forderte und heute als Neutralitätsgebot der Geschichtswissenschaft gilt.
Unterschied zwischen Annalen und Chroniken
Annalen verzeichnen punktuelle Daten und Ereignisse jahrweise ohne Kausalerklärungen, während Chroniken Ereignisse auf einem fortlaufenden Zeitstrahl mit kommentierenden Erläuterungen zusammenhängend darstellen.
Septem artes liberales (Sieben Freie Künste)
Propädeutischer Fächerkanon der mittelalterlichen Artistenfakultät, dessen Absolvierung als universitäre Vorbildung für die höheren Studienfächer (Theologie, Jurisprudenz, Medizin) fungierte.
Trivium
Die drei sprachlichen Disziplinen der Sieben Freien Künste: Grammatik, Rhetorik und Dialektik (bzw. Logik).
Quadrivium
Die vier mathematisch-exakten Disziplinen der Sieben Freien Künste: Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.
Studia humanitatis
Im 15. Jahrhundert durch den italienischen Humanismus etablierter Bildungskanon, bestehend aus Grammatik, Rhetorik, Poetik, Geschichte und Ethik.
Maria-Theresianische Universitätsreform (1774)
Reform der Universität Wien, die erste Lehrstühle für „Pragmatische Universalgeschichte“ und „Historische Hilfsmittel“ an der Philosophischen Fakultät schuf, vor allem als Vorbereitungsfächer für Juristen.
Thun-Hohenstein'sche Universitätsreform (1849)
Wegweisende Reform der Universitäten und Gymnasien im Habsburgerreich, die den Fakultäten Gleichberechtigung einräumte und den Grundstein für moderne historische Fachinstitute legte.
Institut für Österreichische Geschichtsforschung (IfÖG)
1854 gegründetes Institut an der Universität Wien zur methodischen Schulung in den historischen Hilfswissenschaften und zur Erschließung von Primärquellen.
Zulassungsetappen an der Universität Wien
Öffnung des Studiums für Protestanten im Jahr 1778, für jüdische Studierende in Jus und Medizin 1872 sowie für Frauen an der Philosophischen Fakultät im Studienjahr 1897/98.
Universitäts-Organisationsgesetz (UOG) 1975
Gesetzliche Neuregelung der österreichischen Universitäten, die eine erweiterte demokratische Mitbestimmung für den akademischen Mittelbau und Studierende einführte (Drittelparität).
Sattelzeit (Reinhart Koselleck)
Epochenschwelle um ca. 1750 bis 1850, in der sich im Zuge des Übergangs zur Moderne zentrale Leitbegriffe veränderten und vom beschreibenden Plural zum reflexiven Singular abstrahiert wurden (z. B. von „Geschichten“ zu „Geschichte“).
Geschichtswissenschaftliches Ideal nach Leopold von Ranke
Auf Göttingen bezogene Maxime des 19. Jahrhunderts, die Vergangenheit rein quellengestützt und sachlich darzustellen, „wie es eigentlich gewesen“, unter Verzicht auf gegenwärtige Urteile.
Geschichtsauffassung nach Johann Gustav Droysen
Historischer Ansatz, der Rankes bloße Faktendarstellung kritisierte und postulierte, dass Geschichte eine methodisch begründete Antwort auf formulierte Fragestellungen sein müsse.
Dreischritt der historisch-kritischen Methode
Überreste (Materialeinteilung nach Droysen)
Materialien, die unmittelbar aus vergangenen Verwaltungsprozessen, Handlungen oder dem Alltagsleben hervorgegangen sind, ohne primäre Tradierungsabsicht an die Nachwelt (z. B. Rechnungen, Gesetze, Werkzeuge).
Denkmale (Materialeinteilung nach Droysen)
Historische Zeugnisse, die für die Gegenwart sowie ausdrücklich für das Gedenken künftiger Zeiten geschaffen wurden (z. B. Inschriften, Grabmäler, Münzen, Wappen).
Quellen im engeren Sinne (nach Droysen)
Historische Zeugnisse, die gezielt dafür verfasst wurden, der Nachwelt über Vorgänge Bericht zu erstatten (z. B. Memoiren, Chroniken, Briefe, Tagebücher).
Annales-Schule
Französische historische Strömung ab den 1920er Jahren (u. a. Marc Bloch, Lucien Febvre, Fernand Braudel), die statt punktueller Ereignisse langfristige sozioökonomische Strukturen, Mentalitäten und serielle Quellen (z. B. Getreidepreise) untersucht.
Äußere Quellenkritik
Überprüfung der formalen Rahmenbedingungen („Hard Facts“) eines historischen Zeugnisses, darunter Echtheit, Erhaltungszustand, Schreibstoff, Entstehungszeit, Ort und Urheber.
Innere Quellenkritik
Inhaltliche und analytische Prüfung einer Quelle („Soft Facts“), insbesondere hinsichtlich Absichten des Autors, Adressatenkreis, Glaubwürdigkeit, Sprachgebrauch, Widersprüchen und Auslassungen.
Vetorecht der Quelle
Erkenntnistheoretischer Grundsatz (nach Reinhart Koselleck), der besagt, dass Quellen Forschenden zwar keine eindeutigen Interpretationen vorschreiben, unzulässige Deutungen bei Quellengegenbeweis jedoch zwingend untersagen.
Primärquelle vs. Sekundärquelle
Eine Primärquelle ist ein direktes, zeitgenössisches Originalzeugnis, während eine Sekundärquelle eine spätere Abschrift oder unvollständige Bearbeitung eines solchen Originals darstellt.
Methodischer Status von Quelleneditionen
Wissenschaftlich transkribierte, typografisch aufbereitete und textkritisch kommentierte Druckausgaben, die in der historischen Forschung methodisch wie Primärquellen behandelt werden.
Sekundärliteratur
Wissenschaftliche Forschungsbeiträge und Darstellungen von Historiker:innen über historische Themen (wird erst dann zur Quelle, wenn die eigene Fach- oder Wissenschaftsgeschichte Gegenstand der Untersuchung ist).
Genuin digitale Internetquelle
Ein Zeugnis, das originär im Internet publiziert wurde und ausschließlich im Netz existiert (z. B. Webseiten oder Online-Kampagnen zur rezenten Zeitgeschichte), im Unterschied zu digitalisierten analogen Archivbeständen.
Historische Hilfswissenschaften
Spezialisierte Fachdisziplinen wie Paläographie (Schriftenkunde), Diplomatik (Urkundenlehre), Numismatik (Münzkunde) oder Chronologie (Zeitrechnung), die methodische Prüf- und Entzifferungstechniken bereitstellen.
Standortgebundenheit („Sehepunckt“ nach Chladenius)
Das erkenntnistheoretische Prinzip, wonach jede historische Wahrnehmung und Interpretation unausweichlich durch die Zeit, Kultur und den soziokulturellen Standort der urteilenden Person geprägt ist.
Verstehen vs. Erklären (Wilhelm Dilthey)
Wissenschaftstheoretische Differenzierung: Geisteswissenschaften streben nach dem sinnerschließenden Verstehen menschlicher Handlungen im Kontext, während Naturwissenschaften Phänomene kausal durch Gesetze erklären.
Linguistische und kulturalistische Wende
Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften ab dem 20. Jahrhundert, der die Konstituierung von Wirklichkeit durch Sprache, Begriffsordnungen, Symbole und narrative Diskursstrukturen hervorhebt.