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Umfassende Sammlung grundlegender Fachbegriffe, Theorien, Modelle und Methoden aus dem IU-Modul Einführung in die Psychologie (DLBPSEP01).
Deduktion
Wissenschaftliche Schlussfolgerungsmethode, bei der von einer allgemeinen Aussage auf den Einzelfall geschlossen wird; sie ist wahrheitsbewahrend und reicht niemals über den Gehalt der Prämissen hinaus.
Induktion
Methode der Erkenntnisgewinnung, die ausgehend von vielen beobachteten Einzelfällen zu einer Verallgemeinerung führt; sie ermöglicht gehaltserweiternde Schlussfolgerungen auf zukünftige Fälle.
Abduktion
Von Charles Sanders Peirce eingeführter Schlussfolgerungsprozess, bei dem zur Erklärung von Beobachtungen eine neue, klärende Hypothese gebildet wird, die zu einer echten Erkenntniserweiterung führt.
Aristotelisches Begründungsnetzwerk
Hierarchisches System von Aussagen, an dessen Basis unbegründete, evidente Grundsätze (Prämissen) stehen, von denen alle weiteren wissenschaftlichen Begründungen ausgehen.
Basisziele der Wissenschaft
Die vier methodischen Grundaufgaben jeder Wissenschaft: Beschreiben (Benennen, Klassifizieren, Definieren, Häufigkeiten erfassen), Erklären, Vorhersagen (Prognostizieren) und Verändern.
Subsumptionserklärung
Erklärungsmodell, bei dem ein konkreter Sachverhalt (Explanandum) erklärt wird, indem man ihn über Antezedensbedingungen einem allgemeingültigen Gesetz (Explanans) unterordnet.
Operationalisierbarkeit
Verfahrensvorschrift in der empirischen Forschung, die festlegt, wie ein theoretisches Konstrukt (wie Intelligenz oder Zufriedenheit) in beobachtbare und messbare Merkmale überführt wird.
Common-Sense-Psychologie
Alltagspsychologie mit umgangssprachlichen Begriffen und Vorstellungen zur Erklärung menschlichen Verhaltens, die durch Wahrnehmungsfehler, mangelnde Prüfung und fehlerhaften Umgang mit Wahrscheinlichkeiten gekennzeichnet ist.
Gegenstand der Psychologie
Verhalten, Erleben und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne sowie deren innere (im Individuum) und äußere (in der Umwelt) Bedingungen und Ursachen.
Verhaltenskontrolle
Ziel der Psychologie, Verhalten gezielt auftreten oder nicht auftreten zu lassen, es zu initiieren, zu beenden sowie dessen Auftretenswahrscheinlichkeit, Form und Stärke zu beeinflussen.
Eponym
Fachausdruck, der auf den Eigennamen einer realen oder fiktiven Person zurückzuführen ist (z. B. gaußsche Normalverteilung, Alzheimer-Krankheit, Werther-Syndrom).
Sprachregister (nach Halliday)
Situationsabhängige Sprachvariationen innerhalb einer Gesellschaft, gegliedert in Alltagssprache, Bildungssprache, Fachsprache und Berufssprache.
Problemgeschichte
Perspektive der Wissenschaftsgeschichte, die sich inhaltlich-systematisch mit der historischen Entwicklung wiederkehrender Grundthemen und Leitfragen über die Zeit befasst.
Ideengeschichte
Chronologische Rekonstruktion der Wissenschaftsgeschichte, die den Entwicklungsweg von ersten geistigen Strömungen und Leitideen im Zeitgeist bis hin zu formalen Denkschulen nachzeichnet.
Hermeneutischer Zirkel
Interpretationsprinzip der Text- und Quellenauslegung, dem das Paradox zugrunde liegt, dass das Ganze aus dem Einzelnen und das Einzelne nur aus dem Ganzen verstanden werden kann.

Gesetz des Effektes (Law of Effect)
Von Thorndike im Problemkastenversuch formuliertes Prinzip: Folgt auf ein bestimmtes Verhalten ein positiver Effekt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten bei demselben Reiz wiederholt wird.
Völkerpsychologie
Historische Strömung (begründet von Lazarus und Steinthal, strukturiert von Wundt), die geistige Erzeugnisse ganzer Gemeinschaften (Sprache, Mythen, Sitten, Kunst) als Ausdruck eines übergreifenden Volksgeistes untersucht.
Schrittmacherphänomen (Social Facilitation)
Sozialpsychologisches Leistungsphänomen, erstmals von Norman Triplett beobachtet: Die bloße Anwesenheit von Artgenossen oder Konkurrenten steigert infolge emotionaler Erregung die Leistung.
Phänomenales Bewusstsein (Qualia)
Art des Bewusstseins in der analytischen Philosophie, die den rein subjektiven Erlebnisgehalt mentaler Zustände beschreibt (wie sich eine individuelle Wahrnehmung oder Empfindung für die Person anfühlt).
Introspektion
Systematische Selbstbeobachtung, die nach innen gerichtet ist, um eigenes Erleben, Bewusstseinsinhalte und psychische Prozesse verbal zu beschreiben und zu analysieren.

Black Box (Behaviorismus)
Behavioristische Modellvorstellung, nach der alle internen mentalen Prozesse zwischen Reiz (S) und Reaktion (R) als wissenschaftlich unzugänglich ausgeklammert und ignoriert werden.
Substanzdualismus
Philosophische Position (z. B. nach René Descartes), wonach Körper (res extensa) und Geist (res cogitans) zwei grundverschiedene, voneinander unabhängige Substanzen sind.
Eigenschaftsdualismus
Philosophische Theorie, nach der das Gehirn die einzige physikalische Substanz ist, diese jedoch sowohl physikalische als auch nicht-physikalische (mentale) Eigenschaften hervorbringt.
Reifung
Biologisch determinierte, endogen gesteuerte Entfaltung und Ausreifung neuroanatomischer und physiologischer Strukturen, welche die notwendige Grundvoraussetzung für Lernprozesse bildet.

Galtonbrett
Von Sir Francis Galton entwickeltes mechanisches Modell mit Hindernissen zur Veranschaulichung der Entstehung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen und der gaußschen Normalverteilung.
Nomothetische Forschung
Von Wilhelm Windelband geprägter Forschungsansatz, der mittels quantitativ-experimenteller Methoden die Formulierung und Prüfung allgemeingültiger Naturgesetze anstrebt.
Idiografische Forschung
Forschungsansatz, der auf das Verstehen und die detaillierte, ganzheitliche Beschreibung einmaliger, historischer oder personenspezifischer Phänomene und Einzelfälle abzielt.
Between-Subjects-Design
Experimenteller Versuchsplan, bei dem jede Versuchsperson genau einer Stufe oder Bedingung der unabhängigen Variable (UV) zugewiesen wird (Vergleich zwischen Gruppen).
Within-Subjects-Design
Experimenteller Versuchsplan, bei dem jede einzelne Versuchsperson nacheinander alle Stufen oder Bedingungen der unabhängigen Variable (UV) durchläuft.
Sedimentationshypothese
Grundannahme des lexikalischen Ansatzes, nach der sich alle wesentlichen und bedeutsamen Persönlichkeitsmerkmale über die Zeit im Wortschatz der Alltagssprache niedergeschlagen haben.
Positivismus
Von Auguste Comte begründete philosophische Strömung, die fordert, dass gesicherte Erkenntnis ausschließlich auf direkt sinnlich wahrnehmbaren, beobachtbaren und bewertungsfreien Daten basieren darf.

Eimertheorie des Denkens
Von Karl Popper formulierte metaphernhafte Kritik am Positivismus, wonach der menschliche Geist passiv wie ein Eimer betrachtet wird, der rein über die Sinnesorgane mit Wissen befüllt wird.
Kritischer Rationalismus
Von Karl R. Popper begründete Erkenntnistheorie, die Induktion ablehnt und stattdessen die vorläufige Annahme von Theorien über die Deduktion und den Versuch ihrer systematischen Falsifikation fordert.

Scheinwerfertheorie des Denkens
Poppers Gegenmodell zur Eimertheorie, demzufolge jede Beobachtung aktiv von vorher bestehenden theoretischen Erwartungen und Hypothesen geleitet und beleuchtet wird.
Strukturalistische Wissenschaftskonzeption
Auch „Non-Statement View“ genannt; methodologischer Ansatz (u. a. Sneed, Stegmüller), der Theorien nicht als Aussagensysteme, sondern als mathematisch-strukturelle Gefüge ohne infinite Regresse definiert.
Theoretischer Pluralismus
Erkenntnistheoretische Haltung (u. a. Paul Feyerabend mit „anything goes“), die universelle Regelkataloge ablehnt und die Koexistenz verschiedener wissenschaftlicher Paradigmen für den Fortschritt betont.
Strukturalismus (Leipziger Schule)
Von Wilhelm Wundt 1879 begründete Denkschule, die den menschlichen Geist über Laboruntersuchungen und Introspektion in seine kleinsten elementaren Bausteine und Empfindungen zerlegen wollte.
Funktionalismus (in der Psychologie)
Gegenbewegung zum Strukturalismus (geprägt von William James und John Dewey), die nach dem Zweck und der Anpassungsfunktion geistiger Prozesse und Gewohnheiten an die Umwelt fragt.

Drei-Instanzen-Modell (Psychoanalyse)
Persönlichkeitsmodell von Sigmund Freud, bestehend aus dem triebgesteuerten Es (Lustprinzip), der moralischen Instanz des Über-Ichs (Sollprinzip) und dem vermittelnden Ich (Realitätsprinzip).

Gestaltpsychologie (Berliner Schule)
Psychologische Richtung (Wertheimer, Koffka, Köhler) unter dem Leitsatz „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, die Wahrnehmung anhand ganzheitlicher Gestaltgesetze erforscht.
Kognitive Wende
Wissenschaftlicher Paradigmenwechsel in den 1950er- und 1960er-Jahren von der reaktiven Reiz-Reaktions-Betrachtung des Behaviorismus hin zur Erforschung aktiver Informationsverarbeitungsprozesse.
Humanistische Psychologie
Als „dritte Kraft“ bezeichnete Hauptströmung (Bühler, Rogers, Maslow), die den Menschen als Wesen mit freiem Willen, angeborener Selbstaktualisierungstendenz und Streben nach Selbstverwirklichung begreift.

Bedürfnissystem nach Maslow
Hierarchisches Motivationsmodell, das zwischen drängenden Defizitbedürfnissen (körperlich, Sicherheit, sozial, Anerkennung) und erfüllenden Wachstumsbedürfnissen (Selbstverwirklichung, Transzendenz) unterscheidet.
Allgemeine Psychologie
Grundlagendisziplin der Psychologie, die allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten grundlegender seelischer Funktionen erforscht (Wahrnehmung, Kognition, Emotion, Motivation, Lernen, Gedächtnis).
Differenzielle und Persönlichkeitspsychologie
Grundlagendisziplin, die sich als Gegenstück zur Allgemeinen Psychologie mit interindividuellen Unterschieden und zeitlich stabilen Merkmalen im Erleben und Verhalten befasst.

Diagnostisches Dreieck
Modell nach Hossiep und Wottawa, das die Psychologische Diagnostik als Querschnittsdisziplin zwischen Methodenlehre, psychologischen Grundlagenfächern und Anwendungsfächern positioniert.

Biopsychosoziales Modell
Ganzheitliches Modell der WHO, das Gesundheit und Krankheit als dynamisches Geschehen auf der Grundlage autoregulativer Kompetenzen von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren darstellt.
Aufdeckende Psychotherapie
Therapeutischer Ansatz, der verdrängte, unbewusste Konflikte bewusst macht und zur Reorganisation des Erlebens führt; grenzt sich von der rein stützend-stabilisierenden klinischen Beratung ab.

Differenzierung interdisziplinärer Zusammenarbeit
Systematische Abstufung wissenschaftlicher Kooperation nach Integrationsgrad: von Disziplin über Multidisziplinarität, Crossdisziplinarität und Interdisziplinarität bis hin zur Transdisziplinarität.
Crossdisziplinarität
Form der wissenschaftlichen Kooperation, bei der eine Fachdisziplin Methoden oder Fragestellungen einer anderen übernimmt, ohne dass es zu einer echten Verknüpfung oder Neubildung von Fächern kommt.
Transdisziplinarität
Besonders weitreichende Form der Kooperation, die disziplinäre Grenzen überschreitet, um praxisrelevante, außerwissenschaftliche Problemstellungen von öffentlichem Interesse zu bearbeiten.
Professionszentrismus
Haltung, bei der die eigene wissenschaftliche oder berufliche Disziplin als überlegen wahrgenommen wird, was durch Vorurteile und Stereotype die interdisziplinäre Zusammenarbeit behindert.

Professionelles Selbst
Autopoetisches soziales Teilsystem der Persönlichkeit, das sich im Berufskontext durch Erfahrung, Teamreflexion und das Zusammenspiel von Bottom-up- und Top-down-Prozessen herausbildet.