04. The Lexical Approach (Michael Lewis)

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Grundidee des Lexical Approach

Der Lexical Approach wurde von Michael Lewis entwickelt und stellt die traditionelle Sicht auf Sprache infrage.

Traditionelle Sicht

Sprache =

  • Grammatik (Struktur)

  • Wortschatz (Vokabeln)

Lexical Approach

Sprache besteht hauptsächlich aus Chunks (mehr oder weniger feste sprachliche Einheiten), die kombiniert werden, um bedeutungsvolle Kommunikation zu ermöglichen.

Zentrale Annahme

Sprachliche Flüssigkeit (fluency) entsteht nicht primär durch Grammatikkenntnisse, sondern durch den Erwerb einer großen Anzahl von festen und halb-festen sprachlichen Mustern (= Chunks).

Grammatik dient vor allem dazu, bereits bekannte Chunks kreativ zu kombinieren.

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Was ist Lexis

Lexis umfasst mehr als einzelne Wörter.

Vier Arten von Chunks

1. Words (Einzelwörter)

Beispiele:

  • open, certainly, book

2. Collocations

Wörter, die typischerweise zusammen auftreten.

Beispiele:

  • make a mistake (nicht: do a mistake), catch a cold, miss the bus

Collocations sind für natürliche Sprache entscheidend.

3. Fixed Expressions

Vollständig feste Ausdrücke.

Beispiele:

  • Good morning!, No thank you., Can you tell me the way to ...?, Idioms

4. Semi-fixed Expressions (Frames and Slots)

Feste Muster mit variablen Elementen.

Beispiele:

  • Could you pass ___, please?, I haven't seen you for ___., What was really interesting was ___.

Diese Muster erleichtern flüssiges Sprechen und Schreiben.

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Warum sind Chunks wichtig?

Lewis argumentiert:

Menschen produzieren Sprache nicht Wort für Wort, sondern greifen auf bereits gespeicherte sprachliche Bausteine zurück.

Konsequenz

Flüssigkeit entsteht durch:

  • häufige Wortverbindungen

  • Routinen

  • Formeln

  • Satzmuster

nicht durch isoliertes Vokabellernen.

Wichtiges Zitat

Conversational fluency comes from a repertoire of phrases and expressions made of the most common words.


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Lexis und Grammatik

Der Lexical Approach kehrt die traditionelle Reihenfolge um.

Traditionelle Annahme

  1. Grammatik lernen

  2. Wörter einsetzen

Lewis

  1. Chunks lernen

  2. Grammatische Muster darin erkennen

  3. Chunks kreativ verwenden


Grammatik wird also häufig aus bereits bekannten Chunks heraus entdeckt.

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Rolle der Muttersprache (L1)

Der Lexical Approach sieht die Erstsprache nicht als Problem, sondern als Ressource.

Vorteile von Übersetzung

  • fördert Sprachbewusstheit

  • macht Unterschiede sichtbar

  • hilft bei Collocations

Beispiel:

  • take your time

  • water under the bridge

Solche Ausdrücke können oft nicht wortwörtlich übersetzt werden.

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Didaktische Konsequenzen (mehr Fokus auf:)

✓ Chunks

  • Collocations

  • Phrasen

  • feste Wendungen

✓ Listening und Reading

Authentische Texte liefern natürliche Chunks.

✓ Wörterbücher

Nicht nur einzelne Wörter nachschlagen, sondern Wortverbindungen entdecken.

✓ Wahrscheinliches Englisch

Nicht nur grammatisch korrektes Englisch, sondern natürliches Englisch.

✓ Muster erkennen

Lernende sollen Sprachmuster wahrnehmen und speichern.

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Didaktische Konsequenzen (weniger Fokus auf:)

✗ isolierte Grammatikübungen

z.B. Gap-fills, Transformation exercises

✗ isolierte Nomenlisten

✗ wahlloses Vokabellernen

Neue Wörter sollten immer im Kontext von Chunks gelernt werden.

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Organisation von Lexis

Lewis schlägt verschiedene Organisationsprinzipien vor.

a) Topic/Situation

z.B.

Food

  • have breakfast, order food, I'm starving

b) Collocations

Beispiele: severe criticism, attract criticism, withdraw an objection

c) Keywords

Häufige Verben: get, take, make, have

bilden viele Chunks.

d) Notions

Sprachliche Handlungen: apology, comparison, reassurance

Beispiel „Apology“:

  • I'm sorry, It wasn't my fault., I hope you'll forgive me.

e) Narration

Menschen organisieren Sprache häufig als Geschichten.

f) Metaphor

Viele Chunks beruhen auf Metaphern.

Beispiel:

ANGER = FIRE

  • She was fuming.

  • They had a blazing row.

g) Politeness

Typische Höflichkeitsmuster.

Beispiele: Would you like to come?, That's very kind of you.


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Unterrichtsbeispiel: „Have You Ever Worn a Diving Suit?“

Christoph Suter

Ziel

Lernende verwenden das Chunk-Muster:

Have + past participle

mit den lexikalischen Markern:

  • ever, never, before

Beispiele:

  • Have you ever worn a diving suit?

  • I have never seen a real diving suit.

  • I have worn a top hat before.


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Unterrichtsbeispiel: „Have You Ever Worn a Diving Suit?“: Lernziel

Die Lernenden sollen:

  1. Chunks verstehen

  2. Chunks verwenden

  3. Grammatik aus den Chunks heraus entdecken


→ Focus on Form statt isolierter Grammatikunterricht.

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Unterrichtsablauf (Christoph Suter)

Phase 1: Schüler bringen ungewöhnliche Kleidungsstücke oder Fotos mit. Beispiel: diving suit, clown wie, top hat, ballet shoes

Phase 2: Aktivität: “If you ever wore a ___, get up and change chairs. Dadurch werden relevante Chunks aktiviert.

Phase 3: Gruppen diskutieren: unusual clothing, where worn, why worn; Sprachliche Unterstützung: I think…, I wore it when…, I usually wear it…

Phase 4: Umfrage: Schüler interviewen Mitschüler.

Fragen: Have you ever worn…?, Have you ever seen…? Have you ever tried on…?; Informationen werden gesammelt und präsentiert.

Phase 5: Language awareness Beispiele analysieren: Rosie has tried on a pair of high-heeled shoes before. Schüler entdecken: have + past participle+ ever/never/before als wiederkehrendes Chunk-Muster.

Phase 6: Quiz Jeder schreibt zwei wahre & zwei falsche Aussagen, die Klasse errät die falsche Aussage.

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Warum ist dieses Beispiel typisch für den Lexical Approach?

Die Unterrichtssequenz folgt genau den Prinzipien von Lewis:

Lexical Approach

Umsetzung im Unterricht

Chunks zuerst

Have you ever..., I have never..., before

Meaning vor Form

Erst kommunizieren, dann analysieren

Authentische Kommunikation

Gespräche über echte Erfahrungen

Focus on Form

Grammatik wird später entdeckt

Wiederholung von Chunks

Interviews, Diskussionen, Quiz

Lexis als Grundlage

Chunk steht im Zentrum


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Zusammenfassung: The Lexical Approach (Michael Lewis)

  • Sprache besteht aus Chunks, nicht primär aus Grammatik + Einzelwörtern.

  • Fluency entsteht durch einen großen Vorrat an festen und halb-festen Ausdrücken.

  • Wichtige Chunk-Arten:

    • Words

    • Collocations

    • Fixed Expressions

    • Semi-fixed Expressions

  • Grammatik unterstützt die kreative Kombination bereits bekannter Chunks.

  • Lernen erfolgt über noticing, Wiederholung und Verwendung authentischer Chunks.

  • L1 und Übersetzung können beim Lernen helfen.

  • Fokus liegt auf natürlicher, wahrscheinlicher Sprache statt auf isolierter Grammatik.


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Zusammenfassung Unterrichtsbeispiel

  • ermittelt den Chunk have + past participle + ever/never/before.

  • Unterricht beginnt mit Bedeutung und Kommunikation.

  • Chunks werden mehrfach verwendet.

  • Grammatik wird erst anschließend bewusst gemacht.

  • Typisches Beispiel für Focus on Form innerhalb des Lexical Approach.