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20 Vokabel-Karteikarten zur Vorlesung ĂŒber Paratuberkulose (Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis), Taxonomie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik und Tierseuchenrecht.
Paratuberkulose (Johne'sche Krankheit)
Weltweit verbreitete, chronisch-progressive, produktive Enteritis bei WiederkÀuern, die durch Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP) hervorgerufen wird.
Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP)
SÀurefestes, obligat aerobes, unbewegliches und nicht-sporenbildendes StÀbchenbakterium mit sehr langsamer Vermehrung, hoher UmweltstabilitÀt und mycobactinabhÀngigem Wachstum.
Mycobactin
Ein essenzieller eisenbindender Wachstumsfaktor, dessen Zusatz zu Kulturmedien (z. B. Löwenstein-Jensen-Medium) fĂŒr das In-vitro-Wachstum von MAP zwingend erforderlich ist.
Mykobakterien-Zellwand
Komplex aufgebaute Zellwandstruktur mit MycolsĂ€uren, Glycolipiden und Lipoarabinomannan, die die SĂ€urefestigkeit, Widerstandskraft und FĂ€rbeeigenschaften der Mykobakterien begrĂŒndet.
TierSeuchMeldV (Einstufung Paratuberkulose)
Rechtliche Einstufung der Paratuberkulose als meldepflichtige Tierkrankheit gemÀà § 3 (Anlage 2) der Tierseuchenmeldeverordnung in Deutschland.
Animal Health Law (AHL - Paratuberkulose)
Kategorisierung der Paratuberkulose in Kategorie E fĂŒr WiederkĂ€uer (Bison ssp., Bos ssp., Bubalus ssp., Ovis ssp., Capra ssp., Camelidae, Cervidae) nach EU-Tiergesundheitsrecht.
BestandsprÀvalenz in Deutschland
GeschĂ€tzter Durchseuchungsgrad, wonach etwa 20â40% der MilchrinderbestĂ€nde in Deutschland von MAP betroffen sind.
Ăbertragungswege bei KĂ€lbern
HauptsĂ€chlich perorale Infektion ĂŒber erregerhaltigen Kot, Kolostrum oder Milch; zusĂ€tzlich ist auch eine intrauterine Ăbertragung möglich.
Enterozyten und M-Zellen
Darmepithelzellen, ĂŒber die MAP nach der oralen Aufnahme ins Wirtsgewebe und die Peyerschen Platten/Darmlymphknoten aufgenommen wird.
PaucibazillÀre Verlaufsform
Form der Paratuberkulose bei proinflammatorischer Immunantwort, gekennzeichnet durch geringe Erregerausscheidung im Kot, Gewebeverdickung und Riesenzellenbildung.
PluribazillÀre Verlaufsform
Verlaufsform bei immunologischer Toleranz, charakterisiert durch unkontrollierte MAP-Vermehrung in Makrophagen, deren zellulĂ€ren Zerfall (Burst) und massive Erregerausscheidung ĂŒber die Faeces.

Langhans-Riesenzellen
Vielkernige Riesenzellen mit hufeisenförmig angeordneten Randkernen, die histopathologisch durch Makrophagenfusion in tuberkuloiden Granulomen entstehen.

Pathomorphologie des Darms (MAP)
Chronisch-proliferative Enteritis mit markanter cerebriformer (hirnwindungsartiger) Verdickung der Schleimhaut und Zottenatrophie/Zottenfusion im DĂŒnndarm.
Finalstadium der Paratuberkulose
Klinische Endphase bei meist 2â6 Jahre alten Rindern mit therapieresistentem Durchfall, progredienter Kachexie trotz Appetits, Unterhautödemen und letalem Ausgang ohne Fieber.
âBottle Jawâ (Kehlgangsödem)
Durch schwere enterale Proteinverlustenteropathie und resultierende HypoproteinĂ€mie ausgelöstes Ădem im Unterkieferbereich bei fortgeschrittener Paratuberkulose.
Ziehl-Neelsen-FĂ€rbung
Histologische und mikroskopische SpezialfÀrbung zur Identifizierung sÀurefester StÀbchenbakterien, bei der MAP leuchtend rot vor blauem Hintergrund erscheint.
Subklinische MAP-Diagnostik (Limitierung)
Grundsatz, dass subklinisch infizierte Tiere aufgrund niedriger Erregerlast, intermittierender Ausscheidung und verzögerter Immunantwort mit keinem Test zuverlÀssig identifizierbar sind.
MAP-Kultur
Direkter Erregernachweis auf Spezialmedien wie Löwenstein-Jensen mit Mycobactin-Zusatz, der sehr sensitiv und spezifisch ist, jedoch eine BebrĂŒtungszeit von bis zu 12 Wochen erfordert.
Antikörper-ELISA (Serum/Milch)
Serologischer MAP-Suchtest mit hoher SpezifitĂ€t (â„97â99%), dessen diagnostische SensitivitĂ€t jedoch im kritischen Bereich von ca. 52â59% liegt.
Morbus Crohn (MAP-Zusammenhang)
Chronisch-entzĂŒndliche Darmerkrankung des Menschen, bei der eine zoonotische Beteiligung von MAP diskutiert wird, MAP jedoch bisher nicht als primĂ€re Krankheitsursache verifiziert werden konnte.
Paratuberkulose
Auch als Johne'sche Krankheit bezeichnete, unheilbare, chronisch-progressive und produktive Enteritis der WiederkÀuer.
Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP)
SÀurefestes, unbewegliches StÀbchenbakterium ohne Sporenbildung, das obligat aerob sowie mycobactin-abhÀngig wÀchst und sich fakultativ intrazellulÀr in Makrophagen vermehrt.
Mycobactin
Essentieller eisenbindender Wachstumsfaktor (Siderophor), auf dessen Zusatz MAP bei der kulturellen Anzucht in vitro obligat angewiesen ist.
MOTT / NTM
Akronyme fĂŒr âMycobacterium Other Than TBâ bzw. âNon TB Mycobacteriaceaeâ, die apathogene oder saprophytĂ€re Mykobakterienarten mit meist schnellem Wachstum bezeichnen.
M-Zellen und Enterozyten
Darmepithelzellen, ĂŒber welche die primĂ€re Aufnahme und Translokation von MAP aus dem Darmlumen in das darunterliegende Gewebe stattfindet.
PluribazillÀre Verlaufsform
Form der Paratuberkulose bei immunologischer Toleranz, die durch eine massive Erregerlast in Makrophagen und eine starke fÀkale Ausscheidung gekennzeichnet ist.
PaucibazillÀre Verlaufsform
Durch eine proinflammatorische Immunantwort geprÀgte Verlaufsform der Paratuberkulose mit Granulombildung, Riesenzellen, Wandverdickung und geringer Erregerausscheidung.
Zerstörung (Burst) infizierter Makrophagen
Vorgang im Infektionszyklus, bei dem mit MAP ĂŒberladene Makrophagen zugrunde gehen und groĂe Erregermengen zur massiven Ausscheidung ĂŒber den Kot freisetzen.
Bottle Jaw
Ădematöse Schwellung im Kehlgangsbereich des Rindes, die im Finalstadium der Paratuberkulose infolge von schwerem Proteinverlust (HypoproteinĂ€mie) auftritt.

Hirnwindungsartige Darmschleimhautverdickung
Pathomorphologisches Leitsymptom der chronischen Paratuberkulose im Darm, gekennzeichnet durch ausgeprÀgte Verdickung und starre Querfaltung der Mukosa.

Ziehl-Neelsen-FĂ€rbung
Mikroskopisches SpezialfÀrbeverfahren zur Darstellung sÀurefester StÀbchenbakterien, bei dem sich MAP rot vor blauem Gewebehintergrund darstellt.

Vielkernige Riesenzellen
Durch Fusion aktivierter Makrophagen gebildete Riesenzellen, die histopathologisch charakteristisch im entzĂŒndeten Darm- und Lymphknotengewebe bei Paratuberkulose zu finden sind.

Löwenstein-Jensen-Medium mit Mycobactin
Eigelbbasiertes Spezialkulturmedium zur Anzucht von MAP, auf dem Kolonien aufgrund des extrem langsamen Wachstums oft erst nach bis zu 12Wochen sichtbar werden.
Tierseuchenmeldeverordnung (§ 3)
Deutsche Verordnung, nach welcher die Paratuberkulose gemÀà Anlage 2 bei Rindern und allen anderen SÀugetieren der staatlichen Meldepflicht unterliegt.
Animal Health Law (AHL) Kategorie E
EU-Tierseuchenkategorie zur Ăberwachung, in welche die Paratuberkulose fĂŒr WiederkĂ€uer (Bison ssp., Bos ssp., Bubalus ssp., Ovis ssp., Capra ssp., Camelidae, Cervidae) eingestuft ist.
Diagnostische SensitivitÀt zugelassener MAP-ELISAs
TestgĂŒteparameter, der bei zugelassenen Serum- und Milch-Antikörper-ELISAs laut NRL mit Werten zwischen 52,8% und 59,1% kritisch gering ausfĂ€llt.
Diagnostische SpezifitÀt zugelassener MAP-ELISAs
TestgĂŒteparameter, der bei zugelassenen Serum- und Milch-Antikörper-ELISAs laut NRL mit Werten zwischen 97,4% und 99,3% sehr hoch liegt.
IS900
MAP-spezifische genetische Insertionssequenz, die als Zielregion fĂŒr standardisierte molekularbiologische Direktnachweise mittels Real-time-PCR genutzt wird.
GĂŒstzeitverlĂ€ngerung
Wirtschaftlicher Schadensfaktor bei MilchkĂŒhen, der infolge von Paratuberkulose laut Meta-Analysen im Schnitt 14,95Tage pro betroffenem Tier betrĂ€gt.
Merzungsbeihilfe (Tierseuchenkasse Bayern)
Finanzielle EntschĂ€digung fĂŒr ermittelte MAP-Reagenten in Höhe von 200⏠fĂŒr Rinder unter 2 Jahren bzw. 300⏠fĂŒr Tiere ĂŒber 2 Jahren.