Spezielle Bakteriologie: Paratuberkulose (Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis)

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20 Vokabel-Karteikarten zur Vorlesung ĂŒber Paratuberkulose (Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis), Taxonomie, Pathogenese, Klinik, Diagnostik und Tierseuchenrecht.

40 Terms

1
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Paratuberkulose (Johne'sche Krankheit)

Weltweit verbreitete, chronisch-progressive, produktive Enteritis bei WiederkÀuern, die durch Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP) hervorgerufen wird.

2
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Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP)

SÀurefestes, obligat aerobes, unbewegliches und nicht-sporenbildendes StÀbchenbakterium mit sehr langsamer Vermehrung, hoher UmweltstabilitÀt und mycobactinabhÀngigem Wachstum.

3
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Mycobactin

Ein essenzieller eisenbindender Wachstumsfaktor, dessen Zusatz zu Kulturmedien (z. B. Löwenstein-Jensen-Medium) fĂŒr das In-vitro-Wachstum von MAP zwingend erforderlich ist.

4
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Mykobakterien-Zellwand

Komplex aufgebaute Zellwandstruktur mit MycolsĂ€uren, Glycolipiden und Lipoarabinomannan, die die SĂ€urefestigkeit, Widerstandskraft und FĂ€rbeeigenschaften der Mykobakterien begrĂŒndet.

5
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TierSeuchMeldV (Einstufung Paratuberkulose)

Rechtliche Einstufung der Paratuberkulose als meldepflichtige Tierkrankheit gemĂ€ĂŸ § 3 (Anlage 2) der Tierseuchenmeldeverordnung in Deutschland.

6
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Animal Health Law (AHL - Paratuberkulose)

Kategorisierung der Paratuberkulose in Kategorie E fĂŒr WiederkĂ€uer (Bison ssp., Bos ssp., Bubalus ssp., Ovis ssp., Capra ssp., Camelidae, Cervidae) nach EU-Tiergesundheitsrecht.

7
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BestandsprÀvalenz in Deutschland

GeschĂ€tzter Durchseuchungsgrad, wonach etwa 20–40 %20\text{--}40\,\% der MilchrinderbestĂ€nde in Deutschland von MAP betroffen sind.

8
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Übertragungswege bei KĂ€lbern

HauptsĂ€chlich perorale Infektion ĂŒber erregerhaltigen Kot, Kolostrum oder Milch; zusĂ€tzlich ist auch eine intrauterine Übertragung möglich.

9
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Enterozyten und M-Zellen

Darmepithelzellen, ĂŒber die MAP nach der oralen Aufnahme ins Wirtsgewebe und die Peyerschen Platten/Darmlymphknoten aufgenommen wird.

10
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PaucibazillÀre Verlaufsform

Form der Paratuberkulose bei proinflammatorischer Immunantwort, gekennzeichnet durch geringe Erregerausscheidung im Kot, Gewebeverdickung und Riesenzellenbildung.

11
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PluribazillÀre Verlaufsform

Verlaufsform bei immunologischer Toleranz, charakterisiert durch unkontrollierte MAP-Vermehrung in Makrophagen, deren zellulĂ€ren Zerfall (Burst) und massive Erregerausscheidung ĂŒber die Faeces.

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<p>Langhans-Riesenzellen</p>

Langhans-Riesenzellen

Vielkernige Riesenzellen mit hufeisenförmig angeordneten Randkernen, die histopathologisch durch Makrophagenfusion in tuberkuloiden Granulomen entstehen.

13
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<p>Pathomorphologie des Darms (MAP)</p>

Pathomorphologie des Darms (MAP)

Chronisch-proliferative Enteritis mit markanter cerebriformer (hirnwindungsartiger) Verdickung der Schleimhaut und Zottenatrophie/Zottenfusion im DĂŒnndarm.

14
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Finalstadium der Paratuberkulose

Klinische Endphase bei meist 2–62\text{--}6 Jahre alten Rindern mit therapieresistentem Durchfall, progredienter Kachexie trotz Appetits, Unterhautödemen und letalem Ausgang ohne Fieber.

15
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„Bottle Jaw“ (Kehlgangsödem)

Durch schwere enterale Proteinverlustenteropathie und resultierende HypoproteinĂ€mie ausgelöstes Ödem im Unterkieferbereich bei fortgeschrittener Paratuberkulose.

16
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Ziehl-Neelsen-FĂ€rbung

Histologische und mikroskopische SpezialfÀrbung zur Identifizierung sÀurefester StÀbchenbakterien, bei der MAP leuchtend rot vor blauem Hintergrund erscheint.

17
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Subklinische MAP-Diagnostik (Limitierung)

Grundsatz, dass subklinisch infizierte Tiere aufgrund niedriger Erregerlast, intermittierender Ausscheidung und verzögerter Immunantwort mit keinem Test zuverlÀssig identifizierbar sind.

18
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MAP-Kultur

Direkter Erregernachweis auf Spezialmedien wie Löwenstein-Jensen mit Mycobactin-Zusatz, der sehr sensitiv und spezifisch ist, jedoch eine BebrĂŒtungszeit von bis zu 12 Wochen erfordert.

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Antikörper-ELISA (Serum/Milch)

Serologischer MAP-Suchtest mit hoher SpezifitĂ€t (≄97–99 %\ge 97\text{--}99\,\%), dessen diagnostische SensitivitĂ€t jedoch im kritischen Bereich von ca. 52–59 %52\text{--}59\,\% liegt.

20
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Morbus Crohn (MAP-Zusammenhang)

Chronisch-entzĂŒndliche Darmerkrankung des Menschen, bei der eine zoonotische Beteiligung von MAP diskutiert wird, MAP jedoch bisher nicht als primĂ€re Krankheitsursache verifiziert werden konnte.

21
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Paratuberkulose

Auch als Johne'sche Krankheit bezeichnete, unheilbare, chronisch-progressive und produktive Enteritis der WiederkÀuer.

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Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP)

SÀurefestes, unbewegliches StÀbchenbakterium ohne Sporenbildung, das obligat aerob sowie mycobactin-abhÀngig wÀchst und sich fakultativ intrazellulÀr in Makrophagen vermehrt.

23
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Mycobactin

Essentieller eisenbindender Wachstumsfaktor (Siderophor), auf dessen Zusatz MAP bei der kulturellen Anzucht in vitro obligat angewiesen ist.

24
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MOTT / NTM

Akronyme fĂŒr „Mycobacterium Other Than TB“ bzw. „Non TB Mycobacteriaceae“, die apathogene oder saprophytĂ€re Mykobakterienarten mit meist schnellem Wachstum bezeichnen.

25
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M-Zellen und Enterozyten

Darmepithelzellen, ĂŒber welche die primĂ€re Aufnahme und Translokation von MAP aus dem Darmlumen in das darunterliegende Gewebe stattfindet.

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PluribazillÀre Verlaufsform

Form der Paratuberkulose bei immunologischer Toleranz, die durch eine massive Erregerlast in Makrophagen und eine starke fÀkale Ausscheidung gekennzeichnet ist.

27
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PaucibazillÀre Verlaufsform

Durch eine proinflammatorische Immunantwort geprÀgte Verlaufsform der Paratuberkulose mit Granulombildung, Riesenzellen, Wandverdickung und geringer Erregerausscheidung.

28
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Zerstörung (Burst) infizierter Makrophagen

Vorgang im Infektionszyklus, bei dem mit MAP ĂŒberladene Makrophagen zugrunde gehen und große Erregermengen zur massiven Ausscheidung ĂŒber den Kot freisetzen.

29
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Bottle Jaw

Ödematöse Schwellung im Kehlgangsbereich des Rindes, die im Finalstadium der Paratuberkulose infolge von schwerem Proteinverlust (HypoproteinĂ€mie) auftritt.

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<p>Hirnwindungsartige Darmschleimhautverdickung</p>

Hirnwindungsartige Darmschleimhautverdickung

Pathomorphologisches Leitsymptom der chronischen Paratuberkulose im Darm, gekennzeichnet durch ausgeprÀgte Verdickung und starre Querfaltung der Mukosa.

31
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<p>Ziehl-Neelsen-FĂ€rbung</p>

Ziehl-Neelsen-FĂ€rbung

Mikroskopisches SpezialfÀrbeverfahren zur Darstellung sÀurefester StÀbchenbakterien, bei dem sich MAP rot vor blauem Gewebehintergrund darstellt.

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<p>Vielkernige Riesenzellen</p>

Vielkernige Riesenzellen

Durch Fusion aktivierter Makrophagen gebildete Riesenzellen, die histopathologisch charakteristisch im entzĂŒndeten Darm- und Lymphknotengewebe bei Paratuberkulose zu finden sind.

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<p>Löwenstein-Jensen-Medium mit Mycobactin</p>

Löwenstein-Jensen-Medium mit Mycobactin

Eigelbbasiertes Spezialkulturmedium zur Anzucht von MAP, auf dem Kolonien aufgrund des extrem langsamen Wachstums oft erst nach bis zu 12 Wochen12\,\text{Wochen} sichtbar werden.

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Tierseuchenmeldeverordnung (§ 3)

Deutsche Verordnung, nach welcher die Paratuberkulose gemĂ€ĂŸ Anlage 2 bei Rindern und allen anderen SĂ€ugetieren der staatlichen Meldepflicht unterliegt.

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Animal Health Law (AHL) Kategorie E

EU-Tierseuchenkategorie zur Überwachung, in welche die Paratuberkulose fĂŒr WiederkĂ€uer (Bison ssp., Bos ssp., Bubalus ssp., Ovis ssp., Capra ssp., Camelidae, Cervidae) eingestuft ist.

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Diagnostische SensitivitÀt zugelassener MAP-ELISAs

TestgĂŒteparameter, der bei zugelassenen Serum- und Milch-Antikörper-ELISAs laut NRL mit Werten zwischen 52,8 %52{,}8\,\% und 59,1 %59{,}1\,\% kritisch gering ausfĂ€llt.

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Diagnostische SpezifitÀt zugelassener MAP-ELISAs

TestgĂŒteparameter, der bei zugelassenen Serum- und Milch-Antikörper-ELISAs laut NRL mit Werten zwischen 97,4 %97{,}4\,\% und 99,3 %99{,}3\,\% sehr hoch liegt.

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IS900

MAP-spezifische genetische Insertionssequenz, die als Zielregion fĂŒr standardisierte molekularbiologische Direktnachweise mittels Real-time-PCR genutzt wird.

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GĂŒstzeitverlĂ€ngerung

Wirtschaftlicher Schadensfaktor bei MilchkĂŒhen, der infolge von Paratuberkulose laut Meta-Analysen im Schnitt 14,95 Tage14{,}95\,\text{Tage} pro betroffenem Tier betrĂ€gt.

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Merzungsbeihilfe (Tierseuchenkasse Bayern)

Finanzielle EntschĂ€digung fĂŒr ermittelte MAP-Reagenten in Höhe von 200 €200\,\text{€} fĂŒr Rinder unter 2 Jahren bzw. 300 €300\,\text{€} fĂŒr Tiere ĂŒber 2 Jahren.