Mitschrift FED 2/4

Information zur Zwischenreflexion / Prüfung: Text von Jörissen/Rosenberger (24 Seiten) lesen dann Zwischneprüfung mit Verständnisfragen.

Wissenschaftstheoretisch und Erkenntnistheoretische Grundlagen (Ziele der heutigen Lehrveranstaltung)

  • Woher kommt Wissen über die soziale Welt in unsere Theorien

  • Was sind überhaupt Theorien, was ist Wirklichkeit?

  • Wie korrespendieren Wirklichkeit und Theorie?

  • Regeln wissenschaftlicher ZUsammenhänge

  • legitimierte Methoden

  • quantitativ vs. rekonstruktiv

Drei Unterschiedliche Ansätze

Quantitativ-Nomologisch:
  • Erkenntnistheoretisch: Annahme einer objektiven Wirklichkeit.

  • Fokus auf Erklärung von Phänomenen durch quantitative Daten.

  • Ziel: Allgemeingültige Aussagen über die soziale Welt, unterstützt durch empirische Untersuchungen.

Qualitativ-Interpretativ-Rekonstruktiv:
  • Ziel: Tieferes Verständnis der sozialen Wirklichkeit.

  • Verwendung qualitativer Daten und Analyse von individuellen Erfahrungen und Perspektiven.

  • Annahme, dass Realität subjektiv ist und durch menschliche Wahrnehmungen geformt wird.

  • Methoden: Interviews, Fallstudien, ethnografische Ansätze.

Konstruktivistische Ansätze:
  • Fokus auf die soziale Konstruktion von Wirklichkeit.

  • Erkenntnistheorie: Wissen ist nicht objektiv und wird durch individuelle und kollektive Erfahrungen geformt.

  • Bedeutung von Kontext und Perspektive beim Verständnis sozialer Phänomene.

  • Methoden: Partizipative Forschung

Wissenschaftliche Theorie und Praxis

  • Grundlagenforschung:

    • Ziel: Erschließung neuer Erkenntnisse und Theorien ohne direkte praktische Anwendung

    • Fokus auf Verständnis der Prinzipien und Mechanismen einer Disziplin oder eines Phänomens

    • Beispiel: Untersuchung grundlegender Verhaltensmuster in der Psychologie.

  • Angewandte Forschung:

    • Ziel: Lösung konkreter Probleme und Entwicklung praktischer Anwendungen

    • Fokus auf Umsetzung von theoretischen Erkenntnissen in praxisrelevante Lösungen

    • Beispiel: Entwicklung therapeutischer Interventionen basierend auf psychologischen Theorien.

Unterschied zwischen Analytisch-nomologischer Empirie und Interpretativer Empirie

Analytisch-nomologische Empirie:

  • Erkenntnistheoretische Annahme: Objektive Wirklichkeit

  • Ziel: Erklärung von Phänomenen durch quantitative Daten

  • Methoden: Verwendung von quantitativen Daten und statistischen Analysen

  • Fokus: Allgemeingültige Aussagen über die soziale Welt, unterstützt durch empirische Untersuchungen

Interpretative Empirie:

  • Erkenntnistheoretische Annahme: Subjektive Realität

  • Ziel: Tieferes Verständnis der sozialen Wirklichkeit

  • Methoden: Verwendung qualitativer Daten, Interviews, Fallstudien, ethnografische Ansätze

  • Fokus: Analyse von individuellen Erfahrungen und Perspektiven, die Realität wird als durch menschliche Wahrnehmungen geformt verstanden.

Kritisch rationale Wissenschaft

Kritisch-rationale Wissenschaft: Diese Form der Wissenschaft basiert auf dem Gedanken, dass Wissen durch kritische Reflexion und Falsifizierbarkeit erlangt wird. Sie steht im Gegensatz zum positivistischen Ansatz, der hauptsächlich auf Bestätigung von Hypothesen ausgerichtet ist. Kritisch-rationale Wissenschaft fördert die ständige Überprüfung und Infragestellung von Theorien, um eine nähere Annäherung an die objektive Wahrheit zu erreichen. Der Philosoph Karl Popper ist ein zentraler Vertreter dieser Sichtweise.

Beispiel: Deduktiv Nomologisch Erklärung / Hempel-Oppenheim-Schema (HO-Schema)

1 allgemeines Gesetz / das erklärende (Explanans): wenn eine Person viel Sport betreibt wird sie alt.

2 Randbedingung: Person X betreibt Sport

3 das zu erklärende (Explanandum): Person X wird alt.

Empirische Gesetze der Sozialforschung

  • Aufstellung Sozialer Gesetze in der Sozialforschung ist schwierig

    • In der Sozialforschung sind kaum nomologische Aussagen kaum möglich

    • Wahrnehmungen sind Theoriebeladen

    • Basissatzproblem: Eine Hypothese kann nicht direkt mit der Realität verglichen werden.

    • geringe Aussagekraft: Aussagen mit eingeschränkter Reichweite haben geringeren Empirischen Informationsgehalt.

  • Lösungsideen:

    • Wahrscheinlichkeitsaussagen / Probalistische Aussagen

    • Aussagen mittlerer Reichweite (statt Allgemeingültig)

    • intersubjektive Nachvollziehbarkeit (Verfügbar machen wie mein Forschungsprozess war)

Forschungslogiken

Sequentielle Forschungslogik

  • theoretische Vorranahmen

  • Hypothesen

  • Design

  • Operationalisierung

  • Messung: Daten

  • statistische Auswertung

  • Interpretation

Iterativ-zyklische Forschungslogik

  • Thema Fragestellung

  • Theoriebildung

  • Konzeptspezifikation und Bestimmung der Untersuchungsform

  • Auswahl Untersuchungseinheit

  • Datenerhebung und Erfassung

  • Datenanalyse (mit Iteration auf Theoriebildung)

  • Publikation

Qualitativ-interpretative Methode

  • Axiome (Grundlegende Annahmen die nicht mehr bewiesen werden müssen)

kritischer Rationalismus

Pragmatimus / Konstruktivismus

Objektive Welt ist vorgegeben.

Menschen beeinflussen durch Handeln die Welt

  • subjektive Einfluss sind in der standarisierten Forschung Störfaktoren, in der qualitativ-interpretativen Forschung sind diese Bereichernd.

  • quantitative und qualitative Forschung bereichern sich gegenseitig.

Sozialwissenschaftliche Hermeneutik:

Der Ansatz der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik befasst sich mit der Interpretation von sozialen Phänomenen und zielt darauf ab, den tieferen Sinn und die Bedeutung menschlichen Handelns zu verstehen. Hier sind einige Schlüsselpunkte:

  • Ziele: Verständnis sozialer Wirklichkeit durch qualitative Analysen.

  • Methoden: Verwendung von Interviews, Textanalysen bzw. Gegenstandsanalysen und ethnografischen Methoden.

  • Erkenntnisansatz: Annahme, dass soziale Realität subjektiv ist und durch individuelle Perspektiven und Kontexte geformt wird.

  • Sinnkonstruktion (sozialwissenschaftliche Hermeneutik): erfolgt durch Biographische, soziohistorische, kulturelle und individuelle Daten

  • Verstehen: Universalität, Perspektivität, Unabschließbarkeit, Motiviertheit, Selektivität, Vorstrukturiert (Vorverständnis), Geschichtlichkeit, Soziohistorisches Apriori

Einzelfallanalyse

umfassende Forschungsstrategie welche auf einen Fall bezogen ist.

  1. Interessanter Fall: unbekanntes unerforschtes Phänomen (Auftrag und Evaluationsforschung)

  2. Theoriebasiertes Interesse: neuartiges wird mit bestehender Theorie verglichen (Hypothesentestend)

  3. Fallvergleich & Analyse: Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen zwei verschiedene Fälle (zwei max. ähnliche Fälle)

Forschungsdesign ist entweder linear oder interativ.

Verallgemeinerung: durch Interpretation