Virushepatitiden (Hepatitis A, B und C)

Definition

  • Virus-Hepatitiden = entzündliche Lebererkrankungen, ausgelöst durch verschiedene Viren (HAV, HBV, HCV)

  • Verlaufsformen

    • akut

    • chronisch (möglich bei HBV, HCV)

Erreger & Basisdaten

  • Hepatitis A → Hepatitis-A-Virus (HAV)

  • Hepatitis B → Hepatitis-B-Virus (HBV)

  • Hepatitis C → Hepatitis-C-Virus (HCV)

Übertragungswege

Hepatitis A
  • Schmierinfektion, fäkal-oral

    • Kontaminiertes Trinkwasser

    • Kontaminierte Nahrungsmittel (v. a. Fisch, Meeresfrüchte)

Hepatitis B
  • Parenteral

    • Intravenöser Drogenkonsum

    • Nadelstichverletzungen

    • Tätowierungen, Piercings

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr

  • Vertikale Transmission (perinatal)

Hepatitis C
  • Parenteral (wie HBV)

  • Teilweise sexuelle oder vertikale Übertragung

Inkubationszeiten

  • HAV: 2Wochen bis 2Monate2\,\text{Wochen} \text{ bis } 2\,\text{Monate}

  • HBV: 1 bis 6Monate1 \text{ bis } 6\,\text{Monate}

  • HCV: 2Wochen bis 6Monate2\,\text{Wochen} \text{ bis } 6\,\text{Monate}

Chronifizierungsraten

  • HAV: 0%0\% → keine Chronifizierung

  • HBV: 510%5\text{–}10\%

  • HCV: 6080%60\text{–}80\%

Klinische Symptome (Akutstadium)

  • Spektrum von asymptomatisch bis ausgeprägt

  • Häufige Manifestationen

    • Müdigkeit

    • Übelkeit/Erbrechen

    • Oberbauchschmerzen

    • Gliederschmerzen

    • Erhöhte Körpertemperatur/Fieber

    • Ikterus (Gelbfärbung Haut/Skleren)

    • Acholischer Stuhl (entfärbt)

    • Dunkler Urin

Symptome & Komplikationen bei Chronifizierung

  • Aszites (Flüssigkeit im Abdomen)

  • Lackzunge (glänzend, knallrot)

  • Spider naevi (Gefäßspinnen)

  • Caput medusae (Bauchwand-Krampfadern)

  • Palmarerythem

  • Leberzirrhose (knotige Vernarbung)

  • Leberzellkarzinom

Diagnostik

  1. Anamnese + körperliche Untersuchung

  2. Labordiagnostik

    • Antikörpernachweis

    • Antigene/virales Erbgut (Verlaufskontrolle)

  3. Bildgebung & Gewebe

    • Ultraschall

    • Leberbiopsie (v. a. bei chronischem Verlauf)

Therapie

Hepatitis A
  • Keine kausale Therapie

  • Schonung, symptomatische Maßnahmen

Hepatitis B / C
  • Akut: symptomatisch

  • Chronisch mit hoher Viruslast

    • Interferon

    • Virustatika (antivirale Substanzen)

Meldepflicht (Deutschland)

  • Akute Erkrankung, Verdachtsfälle, Todesfälle und Virusnachweis dem Gesundheitsamt melden

Epidemiologie

Hepatitis A
  • Endemisch in Südostasien, Russland, Vorderer Orient, Mittelmeerraum, Afrika, Mittel- & Südamerika

  • RKI-Daten (Deutschland)

    • 1994:54841994: 5484 Fälle

    • 2010:7882010: 788 Fälle

    • 2017:12172017: 1217 Fälle

  • Reiserückkehrer als häufigste Quelle lokaler Ausbrüche

Hepatitis B
  • Weltweit: 350Mio.\approx 350\,\text{Mio.} chronische Virusträger

  • 13\approx \tfrac{1}{3} der Weltbevölkerung mit Antikörpern (durchgemachte Infektion)

  • Asiatische Länder: Prävalenz 15%\approx 15\%

  • Deutschland

    • Inzidenz 1/100000/Jahr1/100{\,}000/\text{Jahr}

    • 2017:36092017: 3609 gemeldete Fälle (hohe Dunkelziffer)

    • Risikogruppen: i. v. Drogenabhängige, MSM, Personen aus arabischem Raum/Türkei

Hepatitis C
  • Weltweit: 130200Mio.130\text{–}200\,\text{Mio.} Infizierte

  • > 10\,\text{Mio.} Neuinfektionen/Jahr

  • Weltprävalenz: 2.6%2.6\%

  • Deutschland: Prävalenz 0.5%0.5\%

    • 400000500000400\,000 \text{–} 500\,000 Betroffene

    • 2017:47332017: 4733 gemeldete Fälle

Präventionsmaßnahmen

Hepatitis A
  • Impfung (z. B. Reisende in Endemiegebiete, MSM, Labor-/Kita-/Pädiatrie-/Infektionsmedizin-Personal)

  • Nahrungsmittel- & Wasserhygiene (keine Muscheln, Salate, Eiswürfel aus Leitungswasser)

  • Händehygiene, Handschuhe (medizinisches Personal)

  • Kontakt zu Ausscheidungen vermeiden

  • Flächendesinfektion

Hepatitis B
  • Impfung

    • Seit 19951995 Standard für Säuglinge

    • Empfehlung für Risikogruppen (sexuell aktiv ohne Schutz, Immundefizienz, medizinische Berufe)

  • Geschützter Sex (Kondome)

  • Kein Recapping von Kanülen, durchstechsichere Behälter

  • Hygienestandards in Tattoo-/Piercingstudios

  • Persönliche Schutzausrüstung: Handschuhe, ggf. Schutzbrille

  • Auf Infektion hinweisen (Tattoo, Pediküre etc.)

  • Kein Needle-Sharing

  • Aufklärungskampagnen (Impfung, Kondomnutzung)

  • Desinfektion

Hepatitis C
  • Keine Impfung verfügbar

  • Expositionsprophylaxe analog HBV, jedoch erhöhte Vorsicht (z. B. doppelte Handschuhe bei OP)

  • Seit 19911991 Testung aller Blutprodukte auf HCV

  • Mind. 11 Test/Jahr für Drogenkonsumierende

  • Drogenkonsumräume, Spritzentausch-Programme (niedrigschwellig)

  • Effektive Desinfektion

  • Aufklärungskampagnen

Verbindungen zu Grundlagen & globale Bedeutung

  • Hepatitis zeigt die Relevanz hygienischer Maßnahmen (fäkal-orale vs. parenterale Übertragung)

  • Chronische HBV/HCV = Hauptursachen für Leberzirrhose & hepatozelluläres Karzinom → hohe Krankheitslast

  • Präventive Impfprogramme (HAV, HBV) demonstrieren Erfolg gesundheitspolitischer Maßnahmen

  • WHO-Ziel: Eliminierung viraler Hepatitiden als Public-Health-Problem bis 20302030

Einteilung der Prävention universelle und zielgruppenspezifische Prävention

Die universelle Prävention versucht flächendeckend alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen, während die zielgrup-penspezifische Prävention sich nur auf bestimmte Bevöl-kerungsgruppen, meist Risikopopulationen, konzentriert.

Verhaltens- und Verhältnisprävention

Die Verhaltensprävention versucht durch Information, Übung und Training das Gesundheitsverhalten zu ändern.

Die Verhältnisprävention hingegen setzt an einer Veränderung der Arbeits- und Lebensbedingungen an.

Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention

Die Primärprävention setzt vor dem Eintreten einer Erkrankung an und soll das Entstehen von Erkrankungen von vornherein verhindern. Angesprochen werden daher ge-sunde, symptomlose Personen.

Die Sekundärprävention hat zum Ziel, Personen in einem Vor- oder Frühstadium einer Erkrankung zu identifizieren und die Entstehung einer manifesten Erkrankung zu verhindern (z. B. Verhinderung der Entstehung von Adipositas bei Ubergewichtigen, Entdeckung und Entfernung von Dickdarmpolypen). Die Sekundärprävention hat somit insbesondere Risikopopulationen im Blick.

Die Tertiärprävention soll bei bereits erkrankten Persone die Entstehung von Folgeschäden verhindern.