Virushepatitiden (Hepatitis A, B und C)
Definition
Virus-Hepatitiden = entzündliche Lebererkrankungen, ausgelöst durch verschiedene Viren (HAV, HBV, HCV)
Verlaufsformen
akut
chronisch (möglich bei HBV, HCV)
Erreger & Basisdaten
Hepatitis A → Hepatitis-A-Virus (HAV)
Hepatitis B → Hepatitis-B-Virus (HBV)
Hepatitis C → Hepatitis-C-Virus (HCV)
Übertragungswege
Hepatitis A
Schmierinfektion, fäkal-oral
Kontaminiertes Trinkwasser
Kontaminierte Nahrungsmittel (v. a. Fisch, Meeresfrüchte)
Hepatitis B
Parenteral
Intravenöser Drogenkonsum
Nadelstichverletzungen
Tätowierungen, Piercings
Ungeschützter Geschlechtsverkehr
Vertikale Transmission (perinatal)
Hepatitis C
Parenteral (wie HBV)
Teilweise sexuelle oder vertikale Übertragung
Inkubationszeiten
HAV:
HBV:
HCV:
Chronifizierungsraten
HAV: → keine Chronifizierung
HBV:
HCV:
Klinische Symptome (Akutstadium)
Spektrum von asymptomatisch bis ausgeprägt
Häufige Manifestationen
Müdigkeit
Übelkeit/Erbrechen
Oberbauchschmerzen
Gliederschmerzen
Erhöhte Körpertemperatur/Fieber
Ikterus (Gelbfärbung Haut/Skleren)
Acholischer Stuhl (entfärbt)
Dunkler Urin
Symptome & Komplikationen bei Chronifizierung
Aszites (Flüssigkeit im Abdomen)
Lackzunge (glänzend, knallrot)
Spider naevi (Gefäßspinnen)
Caput medusae (Bauchwand-Krampfadern)
Palmarerythem
Leberzirrhose (knotige Vernarbung)
Leberzellkarzinom
Diagnostik
Anamnese + körperliche Untersuchung
Labordiagnostik
Antikörpernachweis
Antigene/virales Erbgut (Verlaufskontrolle)
Bildgebung & Gewebe
Ultraschall
Leberbiopsie (v. a. bei chronischem Verlauf)
Therapie
Hepatitis A
Keine kausale Therapie
Schonung, symptomatische Maßnahmen
Hepatitis B / C
Akut: symptomatisch
Chronisch mit hoher Viruslast
Interferon
Virustatika (antivirale Substanzen)
Meldepflicht (Deutschland)
Akute Erkrankung, Verdachtsfälle, Todesfälle und Virusnachweis dem Gesundheitsamt melden
Epidemiologie
Hepatitis A
Endemisch in Südostasien, Russland, Vorderer Orient, Mittelmeerraum, Afrika, Mittel- & Südamerika
RKI-Daten (Deutschland)
Fälle
Fälle
Fälle
Reiserückkehrer als häufigste Quelle lokaler Ausbrüche
Hepatitis B
Weltweit: chronische Virusträger
der Weltbevölkerung mit Antikörpern (durchgemachte Infektion)
Asiatische Länder: Prävalenz
Deutschland
Inzidenz
gemeldete Fälle (hohe Dunkelziffer)
Risikogruppen: i. v. Drogenabhängige, MSM, Personen aus arabischem Raum/Türkei
Hepatitis C
Weltweit: Infizierte
> 10\,\text{Mio.} Neuinfektionen/Jahr
Weltprävalenz:
Deutschland: Prävalenz
Betroffene
gemeldete Fälle
Präventionsmaßnahmen
Hepatitis A
Impfung (z. B. Reisende in Endemiegebiete, MSM, Labor-/Kita-/Pädiatrie-/Infektionsmedizin-Personal)
Nahrungsmittel- & Wasserhygiene (keine Muscheln, Salate, Eiswürfel aus Leitungswasser)
Händehygiene, Handschuhe (medizinisches Personal)
Kontakt zu Ausscheidungen vermeiden
Flächendesinfektion
Hepatitis B
Impfung
Seit Standard für Säuglinge
Empfehlung für Risikogruppen (sexuell aktiv ohne Schutz, Immundefizienz, medizinische Berufe)
Geschützter Sex (Kondome)
Kein Recapping von Kanülen, durchstechsichere Behälter
Hygienestandards in Tattoo-/Piercingstudios
Persönliche Schutzausrüstung: Handschuhe, ggf. Schutzbrille
Auf Infektion hinweisen (Tattoo, Pediküre etc.)
Kein Needle-Sharing
Aufklärungskampagnen (Impfung, Kondomnutzung)
Desinfektion
Hepatitis C
Keine Impfung verfügbar
Expositionsprophylaxe analog HBV, jedoch erhöhte Vorsicht (z. B. doppelte Handschuhe bei OP)
Seit Testung aller Blutprodukte auf HCV
Mind. Test/Jahr für Drogenkonsumierende
Drogenkonsumräume, Spritzentausch-Programme (niedrigschwellig)
Effektive Desinfektion
Aufklärungskampagnen
Verbindungen zu Grundlagen & globale Bedeutung
Hepatitis zeigt die Relevanz hygienischer Maßnahmen (fäkal-orale vs. parenterale Übertragung)
Chronische HBV/HCV = Hauptursachen für Leberzirrhose & hepatozelluläres Karzinom → hohe Krankheitslast
Präventive Impfprogramme (HAV, HBV) demonstrieren Erfolg gesundheitspolitischer Maßnahmen
WHO-Ziel: Eliminierung viraler Hepatitiden als Public-Health-Problem bis
Einteilung der Prävention universelle und zielgruppenspezifische Prävention
Die universelle Prävention versucht flächendeckend alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen, während die zielgrup-penspezifische Prävention sich nur auf bestimmte Bevöl-kerungsgruppen, meist Risikopopulationen, konzentriert.
Verhaltens- und Verhältnisprävention
Die Verhaltensprävention versucht durch Information, Übung und Training das Gesundheitsverhalten zu ändern.
Die Verhältnisprävention hingegen setzt an einer Veränderung der Arbeits- und Lebensbedingungen an.
Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention
Die Primärprävention setzt vor dem Eintreten einer Erkrankung an und soll das Entstehen von Erkrankungen von vornherein verhindern. Angesprochen werden daher ge-sunde, symptomlose Personen.
Die Sekundärprävention hat zum Ziel, Personen in einem Vor- oder Frühstadium einer Erkrankung zu identifizieren und die Entstehung einer manifesten Erkrankung zu verhindern (z. B. Verhinderung der Entstehung von Adipositas bei Ubergewichtigen, Entdeckung und Entfernung von Dickdarmpolypen). Die Sekundärprävention hat somit insbesondere Risikopopulationen im Blick.
Die Tertiärprävention soll bei bereits erkrankten Persone die Entstehung von Folgeschäden verhindern.