Statistik für die Wirtschaftswissenschaft - Kapitel 3
Kapitel 3: Auswertung von eindimensionalen (univariaten) Daten
1. Ablauf statistischer Untersuchungen
- Phase 1: Planung
- Festlegung von: Wer oder was soll im Hinblick auf welche Eigenschaften wie untersucht werden?
- Phase 2: Datengewinnung und Datenaufbereitung
- Welche Daten sollen wie und in welcher Form erhoben werden?
- Phase 3: Statistische Analyse
- Auswertung des aufbereiteten Datenmaterials in systematischer Weise.
- Phase 4: Interpretation und Dokumentation
- Interpretation der Ergebnisse im Anwendungskontext.
2. Eindimensionale (univariate) Daten
- Beziehen sich auf nur ein Merkmal pro Merkmalsträger.
- Protokoll einer Erhebung = Urliste:
- Hält Merkmalsausprägungen und zugehörige Werte (Variablenwerte) fest.
- Statistische Reihe X:
- Reihenfolge der n festgestellten Variablenwerte x1, …, xn.
3. Häufigkeitsverteilung
- Grundlegende Darstellungsform statistischer Daten.
- Absolute Häufigkeit (ni): Anzahl der Merkmale einer bestimmter Merkmalsausprägung.
- Relative Häufigkeit (hi): Anteil der Merkmale mit einer bestimmten Merkmalsausprägung,
- gilt: 0 ≤ hi ≤ 1 und ∑i=1 k hi = 1.
3.1 Häufigkeitsverteilung für beliebig skalierte Merkmale
- Beispiel: Umfrage zu Büroarbeitsplatz:
- Licht: 710 (23%), Ruhe: 485 (15%), etc.
3.2 Häufigkeitsverteilung für mindestens ordinal skalierte Merkmale
- Kumulierte Häufigkeiten und Verteilungsfunktionen:
- Kumulierte absolute Häufigkeit (Hi): Anzahl der Merkmale, die kleiner oder gleich xi sind.
- Empirische Verteilungsfunktion (Fi) - monoton wachsende Funktion.
3.3 Häufigkeitsverteilung für kardinal skalierte Merkmale
- Beispiel: Alter der US-Präsidenten bei Amtsantritt.
- Absolute und relative Häufigkeiten nach Altersklassen.
3.4 Grafische Darstellung von Häufigkeiten
- Kreisdiagramm: für nominale Merkmale, keine Reihenfolge der Ausprägungen.
- Säulendiagramm: berücksichtigte Reihenfolge, für ordinale Merkmale oder diskrete Daten.
- Dotplot: für nominale Merkmale bei hoher Anzahl von Ausprägungen.
- Histogramm: für kontinuierliche, kardinale Daten, zeigt die relative Häufigkeitsverteilung mit Klassen.
4. Maßzahlen für Häufigkeitsverteilungen
- Maßzahlen charakterisieren die Verteilung.
- Lagemaße (Modus, Median, Arithmetisches Mittel, etc.)
- Modus: Wert mit maximaler Häufigkeit.
- Median: 50%-Punkt, teilt die Rangwertreihe in zwei Hälften.
- Arithmetisches Mittel: Durchschnittswert.
4.1 Lagemaße
- Der Modus (xM)
- Robust, kann unimodal, bimodal oder multimodal sein.
- Beispiel: Licht als häufigste Antwort in Umfrage.
- Der Median (xZ)
- Bestimmung: Rangwertreihe bilden, ermittelt über Position der mittleren Ausprägung.
4.2 Streuungsmaße
- Die Spannweite (SS): Differenz zwischen größter und kleinster Ausprägung.
- Die Varianz (s²): Durchschnittliche quadrierte Abweichung vom arithmetischen Mittel.
- Standardabweichung (s): Positive Quadratwurzel aus der Varianz.
- Variationskoeffizient (V): relative Streuung (s / x̅ * 100).
5. Quantile und die 5-Punkte-Zusammenfassung
- Quantil (xq): teilt Daten in Proportionen.
- Median (fällt unter Q2), Quartile (Q1, Q2, Q3).
- 5-Punkte-Zusammenfassung:
- Minimum
- Q1
- Median (Q2)
- Q3
- Maximum
5.1 Boxplot
- Grafische Darstellung der 5-Punkte-Zusammenfassung, ist eine modifizierte Form zur Anzeige der Verteilung und Ausreißer.
6. Selbstüberprüfung
- Kenntnis über Berechnungen und Interpretationen von Lagemaßen und Streuungsmaßen, Bau und Interpretation von Diagrammen und statistischen Graphiken.
Fazit
- Die Fähigkeit zur Auswertung univariater Daten ist grundlegend für die Anwendung statistischer Methoden in der Wirtschaftswissenschaft.