Islamische Geschichte
Methodentheoretische Prämissen:
Inshā Allāh → „So Gott will!“
- Allāhu aʽlam → „Gott weiß es besser bzw. nur Gott weiß es!“
Moderne Geschichtsforschung:
Abschied von angeblich „objektiver“ Geschichtsschreibung und Hinwendung zu
subjektiver/inter-subjektiver Darstellung
Darstellung nicht der Wahrheiten, sondern der Möglichkeiten: „Wie es gewesen sein
könnte“. Phänomenologisch und hermeneutisch: also wissenschaftlich
Rekonstruktion von Geschichte → Konstruktion von Geschichte
→ Historischer Positivismus bzw. Realismus vs. Postmoderne bzw. Konstruktivismus
konträren Vorstellungen vom materialistischen „Ding-an-sich“ und dem idealistischen „Ding-für-anderes“ im Sinne von (Kant & Hegel)
das Konzept des „offenen Kunstwerks“ → Kunstwerk spricht zu jedem Betrachter/in anders
Ernst Bloch spricht von der „Gleichzeitigkeit“ ungleichzeitig erwarteter Phänomene und Ereignisse → „... statt der Einlinigkeit [muss man] ein breites, elastisches, völlig dynamisches Multiversum [sich vorstellen].“
Zitate:
Jörg Baberowski:
→ Historik Organon der Selbsterkenntnis
→ Historiker Anthropologen die mit Texten sprechen geleitet der Interesse der Gegenwart in der sie leben
Hans-Jürgen Goertz:
→ »Weil die Vergangenheit kein Bereich menschlicher Erfahrung, kein Bereich innerhalb der Erfahrungswelt ist, bleiben historiographische Konstruktionen unsicher, hypothetisch, spekulativ«
→ Vergangenheit wird immer “unsichere Geschichte” bleiben
→ Beziehung zu Vergangenem ist ein Konstrukt, das mit der Konstruktion der Wirklichkeit entsteht → wie Wirklichkeit: aktuell, veränderlich, unsicher
Reinhard Schulze:
→ Mohammed (saw) als erzählte Figur
→ nur Erinnerungsgeschichte keine Reageschichte
Hartmut Bobzin:
→ erkannt als spezifisch bekenntnishafte Charakter des islamischen Quellenmaterials
→ Verzicht auf historisch “objektive” Darstellung Mohammeds (saw)
Marco Schöller:
→ Lücke von 70 - 100 Jahren zwischen Tod Mohammeds (saw) und Einsetzen der schriftlichen Überlieferung
→ Problem: frühe Überlieferung von/über Mohammed (saw) in innerislamischen Diskussionen & Interessenkonflikten → Worte & Taten Mohammeds dienten der Auslegung des Korans, Etablierung rechtlicher Regelungen, Klärung theologischer Fragen, Argumente für Auseinandersetzen zwischen Sunniten & Schiiten
→ westliche Orientalistik (19. und 20. Jahrhundert): Sozialreformer, genuin religiösen Menschen der neue Glaubenslehre verkündet, arabischen Nationalisten, jüdischen oder christlichen Sektierer. politischen Ideologen und Islamisten
→ keiner dieser Interpretationen stimmt mit islamischen Selbstsicht überein
→ Geschichte ist hypothetisch, spekulativ, veränderlich und unsicher. Man kann nie sagen, dass etwas so genau so geschehen ist. Jeder hat eine andere Sicht auf die Geschichte (Allahu A´lam). Man kann nur Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten über die Geschichte aussagen, keine Wahrheiten. Die Geschichte beziehungsweise Vergangenheit ist nicht objektiv, sondern subjektiv zu betrachten.
Der Prophet Mohammed ist eine erzählte Figur, es gibt nur eine Erinnerungsgeschichte von ihm keine Realgeschichte. Sein Leben wurde erst Jahrzehnte später verfasst. Subjektives Bild von dem Propheten-> Sozialreformer, Sektierer, arabischer Nationalist,Islamist.
Man muss auf eine historisch „objektive“ Darstellung verzichten.
1. Vormoderne muslimische Geschichtsschreiber (Historiographen)
a. Wahb b. Munabbih (gest. 732); Sanaa (Ṭābiʽūn)
b. Ibn Isḥāq (gest. 767-768); Medina, Alexandria, Bagdad
- Historiograph und Muhaddit (ḥadīṯ - Gelehrter)
c. Ibn Kalbī (gest. 819); Kufa und Bagdad
d. Al-Wāqidī (gest. 823); Medina und Bagdad
e. Ibn Hišām (gest. 830); Basra, später Ägypten
f. Ibn Saʽd (gest. 845); Medina, Basra, Bagdad
g. Al-Buḫārī (gest. 870); Buchara, Samarkand
- Historiograph als auch Muḥaddiṯ
h. Aṭ-Ṭabarī (gest. 923); Bagdad
-Ṭabarī zugleich Rechtswissenschaftler und Exeget
i. Qāḍī ‛Iyāḍ (gest. 1149); Cordoba, Marrakesch
j. Ibn Aṯīr (gest. 1233), Mosul
k. Abū l-Fidā (gest. 1331), Geograph und Historiograph; Damas
l. Ibn Kaṯīr (gest. 1373); Damaskus
m. Ibn Ḫaldūn (gest. 1406); Tunis, Kairo
n. Ḥāǧǧī Ḫalīfa/Kātip Çelebī (gest. 1657 o. 1658); Istanbul
o. Nāʼimā (gest.1716); Aleppo, Istanbul, Griechenland
p. Ahmet Cevdet (gest. 1895), Bulgarien, Istanbul
Historiographie verbunden mit anderen Disziplinen:
Exegese (tafsīr/taʼwīl) fragt nach den Offenbarungsanlässen (asbāb an-nuzūl)
Prophetische Tradition (sunna)
→ Jeder Bericht (ḥadīṯ/ḫabar/pl. aḫbār > aḫbārī) sollte eine Überliefererkette (sanad/pl. isnād) aufweisen
Recht (fiqh) und systematische Theologie (kalām), etc. erfordern auch historisches Wissen, müssen aber dann abstrahieren
3. Ursprünge der muslimischen Historiographie:
a. Oralität weit verbreitet → Niederschrift nur Gedächtnisstütze.
b. Administrationszwang: Verschriftlichung & Vereinheitlichung von Quellen (etwa bei Hārūn ar-Rašīd 786-809)
→ Legitimation von Macht
→ Genealogie und Geschichte wird (re)konstruiert
→ Ibn Sa‛ds Liste der Badr-Kämpfer ist merkwürdig
→ Al-Ṭabarī lässt die Vernichtung der ‛Umayyaden aus
c. Robinson: im Mittelalter ist die Alphabetisierungsrate im Orient viel höher als in Europa
→ Islamische Historiographie ist der byzantinischen weit überlegen
→ In China und islamischen Welt gibt es eine Art Büchermanie
→ Europa holt ab 1450 dank moderner Druckerpresse/Buchdruck (Johannes Gutenberg) schnell auf
4.Methoden der islamischen Historiographie
-hadith-gelehrsamkeit+imperialismus
-kritischer Umgang -> auslassen von Sachen, Handlungen, Hadithe
Man nimmt nicht alles auf
-Weitergabelizenz-> nicht jeder ist vertrauenswürdig
-Viele Bürokraten unter den Historiographen
-> manchen lassen die Isnad komplett weg
Muqaddima (Einleitung) von Ibn Haldun: Krönung der islamischen Historiographie
5. Themen der vormodernen Geschichtsschreibung
Leben des Propheten (sīra) und der vorherigen Propheten
→ Genealogie (nasab/ansāb)
→ Schlachten (maġāzī, ayyām al-‛arab)
Leben der Gefährten (ṣaḥābī/ṣaḥāba)
Leben der Überlieferer (‛ilm ar-riğāl)
Leben der Gelehrten
Leben der Sultane, Geschichte der Dynastien (archetypisch statt individuell)
Geschichte der Schlachten und der politischen Ereignisse
→ Chroniken/Chronographien (Chronisten)
6.Moderne Geschichtsschreibung ab 1900
kontexbezogen und kristische Analyse (historisch-kritische Text-/Quellenanalyse
Geschichte nicht mehr von Gott gemacht -> Säkularisierung
Abstand von der Ereignisgeschichtenschreibung (kings & battles) Bezug auf neue Gebiete:
→ Wirtschaft, Soziale Gruppen, Ideen, Religion, Frauen, Kultur, Mentalitäten, Individuen (Minderheiten, Randgruppen, Unterdrückte)
Zentrale Daten, Namen und Ereignisse in der islamischen Geschichte (Allāhu aʽlam):
569/570/571 Geburt Muhammads (saw) spätantiken Mekka → Kaufmannsstadt mit Pilgerzentrum Kaaba
Stammbaum: über Ismail und Abraham bis Adam
Vater Abdullah (Clan Hasim) stirbt kurz vor Geburt & Mutter Amina (Clan Zuhra) stirbt paar Jahre nach Geburt→ Stamm Qurays
Großvater Abd al-Muttalib b. Hasim zuständig für Speisung der Pilger
mit 8 Jahren kommt zu Onkel Abu Talib
bedeutenste Bezugsperson in Frühphase war Khadija (bot ihm die Ehe nachdem er ihre Karawane erfolgreich nach Syrien führte)
Kinder: 4 Töchter Zaynab (624), Ruqayya (624), Um Kultum (630), Fatima (632) 2 Söhne Qasim , Abdullah (beide im Kinderalter gestorben) + Adoptivsohn Zayd b. Harita
als Kaufmann guten Ruf “Vertrauenswürdiger” al-Amin
Mitglied der “Überkunft der Tugenden”
Erste Offenbarung (610)
Engel Gabriel erscheint überbringt ihm den Vers: Lies! Im Namen deines Herren der erschuf
Presste ihn 3 mal
Ging zitternd zu Hadiga, beruhigt ihm und war die erste Anhängerin und Muslimin
Waraqa der Cousin Hadigas „bestätigte“ sein Prophetentum
Nächsten Muslime Waraqa, Ali b.Abi Talib, Adoptivsohn Zayd b.Harita und Abu Bakr
Beginn des öffentlichen Auftretens: (613)
Grund 1: Charisma Mohammeds (saw)
Grund 2: Zauber des Qur’ans → Inhalt + Ästhetik (Bsp. Geschichte von Omars Konvertierung)
Auswanderung nach Äthiopien: (615)
Unterdrückung in Mekka → Auswanderung nach Abessinien (Äthiopien) geführt von Gafar b. Abi Talib unter Regierung Königs Nagasi
aufgrund von Omars (a.s) Konvertierung können Muslime frei an der Kaaba beten
Beginn des Boycotts der Banu Hasim: (616)
kein Handel & keine Eheschließungen (mit Onkel Abu Lahab)
Ende des Boykotts + Tod von Abu Talib & Khadija + erfolglose Reise nach Taif (619)
weitere Ehen nach Khadija aus diplomatischen Gründen → keine Kinder aus diesen Ehen (alle Frauen außer Aisha geschieden oder verwitwet)
Al Isra wa-l-mirag (Nachtreise und Himmelfahrt) von masjid al-haram bis zu al-aqsa mit Buraq
Lage in Mekka immer schwieriger → sucht weiter nach Verbündeten → findet sie in Medina bei zwei zerstrittenen Stämmen (Yatrib) → Prophet als Hakam (Schlichter)
zwei Treffen:
Erstes Treffen von Aqaba (621) → bei Mina mit 12 Medinensern
Zweites Treffen von Aqaba (622) → Beitritt zu Art neuer Stamm
Flucht der Muslime (higra) (622)
Beginn der islamischen Zeitrechnung
nicht mehr nur Prophet sondern auch Oberhaupt des medinensischen Stammesföderation
entkommt Mordkomplott mit Abu Bakr in der Höhle unter Führung von Abu Gahl dank Ali
Ankunft in Medina: 24.9.622 12. Rabi al-awwal 1
Veränderung der Inhalte der Offenbarung: vom religiösen, gesellschaftlichen zu politischen → Prophet (saw) als politisches & militärisches Oberhaupt
Neue Gesellschaft (ummah): ansar (helfer) , muhagirun (übersiedler) , juden , polytheisten → Gemeindeordnung jeder eigene religion: Abkommen gebrochen bei illoyalem Verhalten
Schlacht bei Badr (624)
Abu Sufyans Karawane aufm Weg von Gaza nach Mekka → erfährt vom Plan des Überfalls und weicht aus → Abu Gahl greift trotzdem an weil Muslime in Unterzahl 900 vs, 300
Abu Gahl stirbt
Prophet (saw) als Kommandant
Gefangene frei gelassen gegen Tribut → Abu Bakr Idee → Onkel Abbas tritt zum Islam und Abu Lahab stirbt aus “Kummer”
Schlacht von Uhud: (625)
3000 vs 700 Mann
Sieg für Muslime bis Bogenschützen Platz verlassen um Beute einzusammeln → Onkel Hamza greift an und stirbt mit Mus’ab
Prophet wird vermundet und tötet zum einzigen Mal Ubay aus Gegenwehr mit einem Speer
Rache der Qurays
Grabenkrieg (627)
12000 vs 3000 erschienen vor Medina
Muslime hören auf den Propheten (saw) → Defensivkampf
Salman Vorschlag Graben zu auszuheben → Pferde können nicht drüber springen → Mekkaner zogen bald wieder ab
alle Schlachten 216 Gegner und 138 Muslime gefallen → Islam nicht mit “Feuer und Schwert” verbreitet → Schlachten/Raubzüge damals üblich und Teil des Lebensunterhalts
Konflikte mit Juden:
Vertreibung des Qaynuqa aus Medina
Vertreibung der Nadir nach Haybar → Verrat vorgeworfen
Auseinandersetzung mit Qurayza → Männer hingerichten, Frauen & Kinder versklavt → Grund wegen Illoyalität (Vertragsbruch) → Prophet (saw) handelte im Interesse der Konsolidierung der Gemeinde (im Rahmen der damals üblichen Normen)
→ Lediglich Erzählungen historiographische Konstruktion der Menschen
Vertrag von Hudaybiyya: (628)
Prophet (saw) + kleine Truppe zieht unbewaffnet nach Mekka für Pilgerfahrt
keine Überfälle von Karawanen wenn Pilgerfahrt erlaubt wird → Ablehnung aber Angebot für nächstes Jahr
Prophet (saw) nimmt Angebot an doch Einwände von Mitstreiter → Waffenstillstand für 10 Jahre
Erste Wahlfahrt der Muslime nach Mekka ohne Prophet (saw): (629)
Belagerung der jüdischen Siedlung von Haybar (Stamm Nadir)
Offenbarung: erste Rechtssicherheit für religiöse Minderheiten (gizya) → Juden von Haybar akzeptieren die Tributzahlung/Sondersteuer → islamische Minderheitenmodell
Kampflose Einnahme Mekkas (630)
Muslime (10000) pilgern unbewaffnet nach Mekka
Abu Sufyan, Hind, Muawiya + mekkanische Oberhaupte treten von Polytheismus zum Islam über → Vergebung
Muhammed (saw) umkreist Kaaba 7 mal, berührt schwarzen Stein und zerbricht Götzen
13 Hinrichtungen in Mekka
Prophet (saw) kehrt nach Medina zurück
Abschiedswallfahrt (einzige echte Wallfahrt) Muhammads (saw) nach Mekka (632)
Abschiedspredigt 140000 Muslime → (viele ehemalige Christen, Juden, Polytheisten, Zoroastrier aus allen Schichten (Sklaven, Unterdrückte, Kaufleute, Soldaten etc))
keine Zwangsbekehrungen zum Islam
kurze Zeit nach Rückkehr erkrankt er (saw) und stirbt (Montag 7-9 Juni 632)
nach Tod des Propheten (saw):
gründen Muslime Großreich vom Antlantik bis zum Indus
Institutionen des vormodernen islamischen Staates werden ausgebildet
Grundlagen der klassischen islamischen Kultur geschaffen → arabische Hoch- und Literatursprache
die 4 Kalifen
-Kein Papsttum, sondern eine Art Adelsrepublik
-Rechtsstaatlichkeit: Kalif auch den Traditionen und Gesetzen unterworfen
Abu Bakr (632-634) → 2 Jahre
→ Vorschlag von Umar
→ Ali und Fatima kümmern sich um das Begräbnis -> enttäuscht erkennen Abū Bakr 6 Monate lang nicht an
→ Nach Fatimas Tod erkennt Ali die Wahl an
→ Abū Bakr festigt Reich durch geschickte Eroberungszüge und Diplomatie → holt abtrünnige Stämme zurück → Eroberungszüge führen bis nach Syrien & Mesopotamien
Umar (634-44) → 10 Jahre
→ Tochter Hafsa war mit dem Propheten (saw) verheiratet
635: Damaskus wird kampflos eingenommen → Muawiya als Statthalter
636: Hauptstadt Sasaniden & Seleukia wird eingenommen
640: Jerusalem wird erobert
Basra und Kufa werden Zentren der Militärverwaltung des Irak
639-642: Ägypten wird erobert
644: Umar wird ermordet durch persischen Kriegsgefangenen
Uthman (644-656) → 12 Jahre (Stamm der Umayyaden)
→ Schwiegersohn des Propheten
Eroberungen gehen weiter Nordafrika, Ost-Süd Iran
645: starke Seeflote → Gegnerschaft zu Byzanz größer wird
649: Eroberung Zyperns (Byzanz) → erste “europäische” Landnahme
650: Eroberung von Persepolis → Zentrum des Zoroastrismus
651: letzte Sasanide wird getötet
652: Armenien wird erobert
653: offiziele Redaktion des Korantextes
655: Vernichtung der byzantinischen Seeflotte vor Kleinasien
656: Uthman wird durch rebellen ermordet → lehnten sich gegen seine Personal- und Finanzpolitik auf
Ali (656-661) → 5 Jahre
→ wird von Muawiya nicht anerkannt; erster Imam der Schiiten
→ verlegt Sitz von Medina nach Kufa wegen großen Spannungen
656: Kamelschlacht bei Basra → Aisha wendet sich gegen Ali mit Unterstützung von Talha & Zubayr
→ Ali gewinnt und behandelt sie sehr respektvoll → Aisha hält sich aus der Politik raus
657: Schlacht bei Siffin gegen Muawiyas Truppen
→ keine eindeutige Entscheidung / keiner eigentlichen Schlacht (steckt Koranblätter auf Speere → erste Instrumentalisierung der Religion) → Schiedsgericht
Zeit des ersten Gegenkalisfats: Muawiya erklärt sich zum Kalifen
→ entstehung weiterer muslimischer Gruppe Harigiten (lehnen Schiedsgericht ab und wolllen kämpfen)
→ Ali will weiterkämpfen → Verrat
661: wird von Harigiten (heutige Ibaditen im Oman & Tunesien) in Kufa ermordet
→ Ende der Rechtgeleiteten Kalifen
Die Umayyaden Dynastie (661-750)
Muawiya (661-680)
→ zwingt Sunniten und unterstützer Alis sich ihm zu unterwerfen
→ zwingt Hasan auf das Kalifat zu verzichten (zuvor für 6 Monate anerkannter Kalif)
→ Damaskus wird neue Machtzentrale → Beginn von Zentralisierung, Bürokratisierung, Säkularisierung → Beginn der Monarchie / Ende der Adelsrepublik
667: besetzen Chalcedon, überfallen Sizilien
670: Eroberung in Nordafrika
672: Beginn siebenjähriger Belagerung von Konstantinopel
→ zwingt Sohn Yazid (680 - 683) gegen Willen nahezu sämtlicher Muslime Kalif → Erbmonarchie beginnt
→ taentiert in weltlichen (politischen) Dingen → weniger in religiösen gebildeterer Leute wie Hasan
680: Husayn (jüngerer Sohn Alis und Fatima) setzt sich an Spitze der Revolte gegen tyrannischen Kalifen
→ Kampf in Kerbela (heutiger Irak) 10 Muharram
→ wird von den Muslimen im Stich gelassen
→ irren in der Wüste herum bis sie fast alle getötet werden → Tod von Husayn, 3 Söhne Husayns, 2 Söhne Hasans + weitere mit dem Propheten verwandte Personen → Tag der Trauer
683: Zweiter Bürgerkrieg → Tod von Yazid, Abdullah b. Zubayrs erheben sich gegen Umayyaden → Gegenkalifat bis 692
→ 11 weitere umayyadische Kalifen
684-685: Marwaniden → Kalif Marwan → anderer Zweig der Ummayaden
685-705: Sohn Abdulmalik wird Kalif → Kontrolle üver alle Provinzen → Einheit gesichert
691: Bau des Felsendoms in Jerusalem
692: marwanidische Kommandanten “Unterdrücker” nimmt Mekka brutal ein → Statthalter des Iraks
705: Umbau Johanneskirche in Umayyaden Moschee
705-715: Sohn Walid wird Kalif → Größte Expansion des Islamischen Reiches
→ Steuerreform: Konvertiten (miwali) brauchen keine gizya mehr bezahlen → Fluch auf Imam Ali wird abgeschafft → nach Tod wieder Kämpfe gegen miwali
749: Dritter Bürgerkrieg: abbasidische Revolutionäre (+ mawali + schiitische Gruppen) gewinnen Entscheidungsschlacht → töten Mitglieder der Umayyaden Familie
Die Abbasiden Dynastie (750-1258)
→ Beginn des Kalifats der Nachkommen Abbas (Onkel des Propheten) bis 1258 (sunni)
→ Klassische islamische Kultur entsteht → Goldenes Zeitalter der islamischen Zivilisation
→ Kodifikation des Rechtswesens (Scharia) und Wissenschaft beginnt
→ Hauptstadt wird nach Bagdad verlegt (wird größte & wohlhabendste Stadt der Welt)
751: Erfolgreiche Schlacht am Talas gegen chinesische Armee → Papierproduktion in Samarkand begonnen
786-809: Kalif: Harun Al-Rashid (kultureller Höhepunkt)
Ab 9 Jahrjhundert: Verlust der Kontrolle über das Reich → lokale Dynastien gewinnen Macht → Kalife werden Symbolische Figuren → Multikulturalismus entsteht
Dezentralisierung: Buyiden und Fatimiden:
Buyiden: (945-1055)
→ persisische Schiiten erobern Iran & Irak und kontrollieren Bagdad lassen aber den abbasidischen Kalifen als symbolischen Herrscher bestehen
Fatimiden (909-1171)
→ Schiitische Dynastie (von Fatima) herrscht von Kairo aus über Nordafrika und Teile des Nahen Ostens
→ bauen al-Azhar-Moschee
Almoraviden/berberische Murābiṭūn 1050-1130:
erobern Westafrika,Marokko, Spanien
kein Gegenkalifat, Legitimierung als Sultan
sunnitische malikitische Gegenmacht
sunnitische Seldschucken:
→ sunnitische Türken übernehmen Bagdad und schützen Abbasiden vor schiitischen Fatimiden
→ Sieg der Schlacht von gegen byzantinische Armee (1071): Öffnung Anatoliens türkische Stämme → Hauptstadt der Rum-Seldschucken
→ Nizamulmulk gründet schafiitische Nizamiyya Madrasa in Bagdad und wird 1092 von ismailitischen Assassinen (Hasisiyyun “Haschischraucher”) ermordet → erste islamische Terrororganisation
1096: 1.Kreuzzug durchgeführt von „den Franken“ auf Befehl von Papst Urban ll
Ziel → Eroberung Jerusalems
1147- 1149: 2. Kreuzzug → Nicht erfolgreich, wurden zurückgeschlagen von Rum-Seldschuken
sunnitische Kurder Salahuddin: (1174-1193)
→ beendet Fatimiden Dynastie und erschafft die Ayyubiden Dynastie die über Ägypten und Syrien regierten
1187: Battle of Hattin → Erobert Jerusalem von den Kreuzrittern
1188- 1192: 3.Feldzug (Kreuzzug) durch den Fall von Jerusalem
1190 → Konya (seldschukische Hauptstadt) wird für kurze Zeit erobert
1202- 1204: 4.Kreuzzug → Eroberung Konstantinopels durch katholische Kreuzfahrer
Die Mongolen: (1215)
1215: Gingiz Khan erobert Peking und zieht in den Westen
1242/1243: Rum-Seldschuken unterliegen Mongolen
1250: Ayyubidische Herrschaft in Ägypten, Syrien wird durch die Mamluken abgelöst
Mamluken: (“türkische Militärssklaven”) (1250-1517)
→ Witwe des Sultans der von seinen “türkischen” Generälen ermordet wird heiratet einen von ihnen → Militäraristokratie
1260 besiegen Mongolen in Palästina
1265-1271 vertreiben fränkische Kreuzritter aus Syrien und Palästina
1258: Eroberung und Zerstörung Bagdads durch die Mongolen
→ Ende der Abbassiden
Osmanisches Reich: 1299-1924)
Gründer Osman b. Ertugrul zuerst Fürstentum
1326 Osman Ġāzī stirbt -> Sohn Orhan Ġāzī folgt
Bursa Hauptstadt wird erobert, militärische Verbündete mit Byzanz durch Ehe mit Theodora
1354 Eroberung Gelibolu
1360/61 Edirne wird erobert und wird zur Hauptstadt
1389 Machtanspruech in Suedosteuropa, Bayezid wird Sultan -> wird von abassidischen Kalifen der Titel Sultan von Rum gegeben
gewinnwn die schlacht von nikopolis
1402 Bayezid verliert den Kampf gegen Timur und stirbt in Gefangenschaft
1453 Fatih Sultan Mehmet erobert Konstantinopel=Ende Byzanz
Druckerpresse wird nicht eingefuehrt = Bayezid der 2. Umstritten
1516/17 Sultan Selim besiegt die Mamluken Ende der Herrschaft->bekommt die Schlüssel zur Kaaba und wird Kalif (von letzte abbasidischen Kalifen)
2 erfolglose Belagerungen von Wien 1529 und 1683
1699 Vertrag von Karlowitz -> beginn politisch und wirtschaftlich Niedergang
Tulpenerä mehr wert als Gold 1718-1730
1727 erste türkische Druckerpresse
1839 Grundrechte fuer alle egal welcher Glauben
1874 Finazieller Zusammenbruch
1924 osmanische kalifat wird aufgehoben -> Tuerkische Republik
→ Diyzanet wird gegr[ndet religioese Angelegenheiten
→ Reformen brachten nicht von Jungosmanen und Jungtuerken
1.Weltkrieg schwaechte sie-> Zusammenbruch
→ 1414 Islamisierung Malaysias -> Händler und Mystiker Islam
Schiitentum:
Imam Ali ibn Talib
Imam Hasan ibn Ali
Imam Husain ibn Ali
Imam Ali ibn Husain
733: 5 Imam (Muhammad al Baqir) stirbt → Zayditen erkennen nicht ihn sondern seinen Bruder Zayd an → Fünferschiiten (Jemen)
765: 6 Imam Ǧaʿfar Ṣadiq → Spiritualität, Bildung -> Universalgelehrter
799: 7 Imam Musa al Kazim → Ismailiten erkennen nicht ihn sondern Bruder Ismail an → Siebenerschiiten (Pakistan)
Fatimiden (ismailitische Siebenerschiiten)
818: ʿAlī ar-Riḍā 8.Imam (Schiiten) sollte der nächste Kalif werden
835: Muḥammad at-Taqī 9. Imam stirbt in Bagdad
865: ʿAli al-Ḥādī – an-Naqī 10. Imam -> stirbt in Irak
873: Ḥasan al-ʿAskarī 11.Imam in Samarra
→ Sohn Muhammad al-Mahdi (12 Imam)→ wird am Ende der Zeit auf die Erde zurückkehren
Rechtsschulen
767: Abu Hanifa stirbt im Gefängnis in Bagdad (Abbasiden) → Gründer der sunnitisch-hanafitischen Rechtsschule → unterstütze die Nachkommen des Propheten → widersetzte sich den Abbasiden und den Umayyaden 1. groesste Rechtsschule-> Hanfiten
795: Mālik b. Anas stirbt → Gründer der 2. größten sunnitischen Rechtsschule → Malikiten
820: Muḥammad aš-Šāfiʿī → Gründer 3. Rechtsschule → Schafiiten. Stirbt in Kairo
855: Aḥmad b. Ḥanbal → Gründer der 4.Rechtsschule → Hanbaliten → Opfer der miḥna
Muʿtazila: 1. Theologenschule → Rational → prägt: Al-Ašʿarī (935): 1. Sunnitische Theologenschule → versöhnt Ahl al-ḥadīṯ und Kalām (geprägt Muʿtazila)
Al-Māturīdī (944): 2. Sunnitische Theologenschule
Gelehrte
Muqātil b. Sulaymān (767): persischer Exeget 1.vollst. Koran-Exegese
Ibn Isḥaq (767/768): erste vollst. Propheten-Biografie
Rābiʿa al-Adawiyya (801): Begründerin der Liebesmystik und Liebestheologie, stirbt in Basra
Al-Ḫwārizmī-Algorismi (847):
Mathematiker (Algorithmus), Geograph und Universalgelehrter Haus der Weisheit
Muḥammad al-Buḥari (873): Ḥadiṯ- Autorität
Muslim b. Ḥaǧǧāǧ (875): Ḥadiṯ-Autorität, stirbt in Iran
Aṭ-Ṭabarī (923):
Autor Universalgeschichte, Exeget, Begründer einer sunn. Rechtschule (nicht mehr da), stirbt in Bagdad
Al-Ašʿarī (935):
1. Sunnitische Theologenschule -> versöhnt Ahl al-ḥadīṯ und Kalām (geprägt Muʿtazila)
Al-Māturīdī (944): 2. Sunnitische Theologenschule
Ibn Sīnā (1037): Aristoteliker und Universalgelehrter. Stirbt in Iran
Niẓāmulmulk:
persische Wesir, schafiitische Niẓamiyya-Madrasa, ermordet von ismailitischen Assassinen (Haschischraucher)
Al-Ġazālī ():
syst. sunn. Mystik, Professor an der Niẓamiyya, Versöhner zwischen Mystik, Theologie und Philosophie (griechisch).
Zamaḫšarī (1144): Muʿtazilitischer Exeget, stirbt in Turkmenistan
Abdulqādir Ġīlānī (1166): hanbalitischer Mystiker, Orden Qādiriyya -> Vorbild ritterliche Männer -Bünde (futuwwa)
Ibn Rušd (1198):
Aristoteliker, Arzt und malikitischer Oberrichter, stirbt in Marrakesch. 1277 werden seine Schriften in Paris verbrannt und ersetzt
Faḫruddīn ar-Razi (1209):
persischer Universalgelehrter, schafiitisch-ašʿaritischer Theologe, stirbt in Herat.
Ibn ʿArabī (1240):
Liebesmystiker, Gründer der Lehre -> Die Einheit des Seins. Stirbt in Damaskus aus
Andalusien
Mawlānā Rūmī (1273):
Liebesmystiker, Orden tanzende Derwische. Stirbt in Konya floh von den Mongolen aus Afghanistan
An-Nawawī (1277): puristischer Rechts- und Ḥadīṯ-Gelehrter. Schafiit
Ibn Baṭūta: bereist die Welt 1325-1353
Ibn Taymiyya (1328):
puristischer hanbalitischer Jurist und Theologe stirbt in Damaskus im Gefängnis wird von Salafisten und Dschihadisten instrumentalisiert
Ibn Haldun (1406): Staatsman, Richter, Kulturhistoriker, Universalgelehrter, stirbt in Kairo
Mulla Ṣadrā (1640): Philosoph von Ibn Sina und Mystik von Ibn Arabi, stirbt in Damaskus
Katip Celebi (1657/58): Historiograph, Geograph,
Nabulusī (1731): hanafitischer Gelehrte, Poesie, Mystik und Theologie vereint
Muḥammad b. ʿAbdalwahhāb (1791):
puristischer hanbalitischer Theologe -> Wahambismus und Salafismus