Islamische Geschichte

Methodentheoretische Prämissen:

  • Inshā Allāh → „So Gott will!“

  • -  Allāhu aʽlam → „Gott weiß es besser bzw. nur Gott weiß es!“

Moderne Geschichtsforschung:

  • Abschied von angeblich „objektiver“ Geschichtsschreibung und Hinwendung zu

    subjektiver/inter-subjektiver Darstellung

  • Darstellung nicht der Wahrheiten, sondern der Möglichkeiten: „Wie es gewesen sein

    könnte“. Phänomenologisch und hermeneutisch: also wissenschaftlich

  • Rekonstruktion von Geschichte → Konstruktion von Geschichte

    → Historischer Positivismus bzw. Realismus vs. Postmoderne bzw. Konstruktivismus

  • konträren Vorstellungen vom materialistischen „Ding-an-sich“ und dem idealistischen „Ding-für-anderes“ im Sinne von (Kant & Hegel)

  • das Konzept des „offenen Kunstwerks“ → Kunstwerk spricht zu jedem Betrachter/in anders

  • Ernst Bloch spricht von der „Gleichzeitigkeit“ ungleichzeitig erwarteter Phänomene und Ereignisse → „... statt der Einlinigkeit [muss man] ein breites, elastisches, völlig dynamisches Multiversum [sich vorstellen].“

Zitate:

Jörg Baberowski:

→ Historik Organon der Selbsterkenntnis

→ Historiker Anthropologen die mit Texten sprechen geleitet der Interesse der Gegenwart in der sie leben

Hans-Jürgen Goertz:

→ »Weil die Vergangenheit kein Bereich menschlicher Erfahrung, kein Bereich innerhalb der Erfahrungswelt ist, bleiben historiographische Konstruktionen unsicher, hypothetisch, spekulativ«

→ Vergangenheit wird immer “unsichere Geschichte” bleiben

→ Beziehung zu Vergangenem ist ein Konstrukt, das mit der Konstruktion der Wirklichkeit entsteht → wie Wirklichkeit: aktuell, veränderlich, unsicher

Reinhard Schulze:

→ Mohammed (saw) als erzählte Figur

→ nur Erinnerungsgeschichte keine Reageschichte

Hartmut Bobzin:

→ erkannt als spezifisch bekenntnishafte Charakter des islamischen Quellenmaterials

→ Verzicht auf historisch “objektive” Darstellung Mohammeds (saw)

Marco Schöller:

→ Lücke von 70 - 100 Jahren zwischen Tod Mohammeds (saw) und Einsetzen der schriftlichen Überlieferung

→ Problem: frühe Überlieferung von/über Mohammed (saw) in innerislamischen Diskussionen & Interessenkonflikten → Worte & Taten Mohammeds dienten der Auslegung des Korans, Etablierung rechtlicher Regelungen, Klärung theologischer Fragen, Argumente für Auseinandersetzen zwischen Sunniten & Schiiten

→ westliche Orientalistik (19. und 20. Jahrhundert): Sozialreformer, genuin religiösen Menschen der neue Glaubenslehre verkündet, arabischen Nationalisten, jüdischen oder christlichen Sektierer. politischen Ideologen und Islamisten

→ keiner dieser Interpretationen stimmt mit islamischen Selbstsicht überein

→ Geschichte ist hypothetisch, spekulativ, veränderlich und unsicher. Man kann nie sagen, dass etwas so genau so geschehen ist. Jeder hat eine andere Sicht auf die Geschichte (Allahu A´lam). Man kann nur Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten über die Geschichte aussagen, keine Wahrheiten. Die Geschichte beziehungsweise Vergangenheit ist nicht objektiv, sondern subjektiv zu betrachten.

 

Der Prophet Mohammed ist eine erzählte Figur, es gibt nur eine Erinnerungsgeschichte von ihm keine Realgeschichte. Sein Leben wurde erst Jahrzehnte später verfasst. Subjektives Bild von dem Propheten-> Sozialreformer, Sektierer, arabischer Nationalist,Islamist.

Man muss auf eine historisch „objektive“ Darstellung verzichten.

1. Vormoderne muslimische Geschichtsschreiber (Historiographen)

a. Wahb b. Munabbih (gest. 732); Sanaa (Ṭābiʽūn)

b.  Ibn Isḥāq (gest. 767-768); Medina, Alexandria, Bagdad

     - Historiograph und Muhaddit (ḥadīṯ - Gelehrter)

c.  Ibn Kalbī (gest. 819); Kufa und Bagdad

d. Al-Wāqidī (gest. 823); Medina und Bagdad

e. Ibn Hišām (gest. 830); Basra, später Ägypten

f. Ibn Saʽd (gest. 845); Medina, Basra, Bagdad

g. Al-Buḫārī (gest. 870); Buchara, Samarkand

  - Historiograph als auch Muḥaddiṯ

h. Aṭ-Ṭabarī (gest. 923); Bagdad

     -Ṭabarī zugleich Rechtswissenschaftler und Exeget

i. Qāḍī ‛Iyāḍ (gest. 1149); Cordoba, Marrakesch

j. Ibn Aṯīr (gest. 1233), Mosul

k. Abū l-Fidā (gest. 1331), Geograph und Historiograph; Damas

l. Ibn Kaṯīr (gest. 1373); Damaskus

m. Ibn Ḫaldūn (gest. 1406); Tunis, Kairo

n. Ḥāǧǧī Ḫalīfa/Kātip Çelebī (gest. 1657 o. 1658); Istanbul

o. Nāʼimā (gest.1716); Aleppo, Istanbul, Griechenland

p. Ahmet Cevdet (gest. 1895), Bulgarien, Istanbul

Historiographie verbunden mit anderen Disziplinen:

  • Exegese (tafsīr/taʼwīl) fragt nach den Offenbarungsanlässen (asbāb an-nuzūl)

  • Prophetische Tradition (sunna)

    → Jeder Bericht (ḥadīṯ/ḫabar/pl. aḫbār > aḫbārī) sollte eine Überliefererkette (sanad/pl. isnād) aufweisen

  • Recht (fiqh) und systematische Theologie (kalām), etc. erfordern auch historisches Wissen, müssen aber dann abstrahieren

3. Ursprünge der muslimischen Historiographie:

a. Oralität weit verbreitet → Niederschrift nur Gedächtnisstütze.

b. Administrationszwang: Verschriftlichung & Vereinheitlichung von Quellen (etwa bei Hārūn ar-Rašīd 786-809)

→ Legitimation von Macht

→ Genealogie und Geschichte wird (re)konstruiert

→ Ibn Sa‛ds Liste der Badr-Kämpfer ist merkwürdig

→ Al-Ṭabarī lässt die Vernichtung der ‛Umayyaden aus

c. Robinson: im Mittelalter ist die Alphabetisierungsrate im Orient viel höher als in Europa

→ Islamische Historiographie ist der byzantinischen weit überlegen

→ In China und islamischen Welt gibt es eine Art Büchermanie

→ Europa holt ab 1450 dank moderner Druckerpresse/Buchdruck (Johannes Gutenberg) schnell auf

4.Methoden der islamischen Historiographie

-hadith-gelehrsamkeit+imperialismus

-kritischer Umgang -> auslassen von Sachen, Handlungen, Hadithe

 Man nimmt nicht alles auf

-Weitergabelizenz-> nicht jeder ist vertrauenswürdig

-Viele Bürokraten unter den Historiographen

  -> manchen lassen die Isnad komplett weg

Muqaddima (Einleitung) von Ibn Haldun: Krönung der islamischen Historiographie

5. Themen der vormodernen Geschichtsschreibung

  1. Leben des Propheten (sīra) und der vorherigen Propheten

    → Genealogie (nasab/ansāb)

    → Schlachten (maġāzī, ayyām al-‛arab)

  2. Leben der Gefährten (ṣaḥābī/ṣaḥāba)

  3. Leben der Überlieferer (‛ilm ar-riğāl)

  4. Leben der Gelehrten

  5. Leben der Sultane, Geschichte der Dynastien (archetypisch statt individuell)

  6. Geschichte der Schlachten und der politischen Ereignisse

    → Chroniken/Chronographien (Chronisten)

6.Moderne Geschichtsschreibung ab 1900

  • kontexbezogen und kristische Analyse (historisch-kritische Text-/Quellenanalyse

  • Geschichte nicht mehr von Gott gemacht -> Säkularisierung

  • Abstand von der Ereignisgeschichtenschreibung (kings & battles) Bezug auf neue Gebiete:

    → Wirtschaft, Soziale Gruppen, Ideen, Religion, Frauen, Kultur, Mentalitäten, Individuen (Minderheiten, Randgruppen, Unterdrückte)


Zentrale Daten, Namen und Ereignisse in der islamischen Geschichte (Allāhu aʽlam):

  • 569/570/571 Geburt Muhammads (saw) spätantiken Mekka → Kaufmannsstadt mit Pilgerzentrum Kaaba

  • Stammbaum: über Ismail und Abraham bis Adam

  • Vater Abdullah (Clan Hasim) stirbt kurz vor Geburt & Mutter Amina (Clan Zuhra) stirbt paar Jahre nach Geburt→ Stamm Qurays

  • Großvater Abd al-Muttalib b. Hasim zuständig für Speisung der Pilger

  • mit 8 Jahren kommt zu Onkel Abu Talib

  • bedeutenste Bezugsperson in Frühphase war Khadija (bot ihm die Ehe nachdem er ihre Karawane erfolgreich nach Syrien führte)

  • Kinder: 4 Töchter Zaynab (624), Ruqayya (624), Um Kultum (630), Fatima (632) 2 Söhne Qasim , Abdullah (beide im Kinderalter gestorben) + Adoptivsohn Zayd b. Harita

  • als Kaufmann guten Ruf “Vertrauenswürdiger” al-Amin

  • Mitglied der “Überkunft der Tugenden”

Erste Offenbarung (610)

  • Engel Gabriel erscheint überbringt ihm den Vers: Lies! Im Namen deines Herren der erschuf

  • Presste ihn 3 mal

  • Ging zitternd zu Hadiga, beruhigt ihm und war die erste Anhängerin und Muslimin

  • Waraqa der Cousin Hadigas „bestätigte“ sein Prophetentum

  • Nächsten Muslime Waraqa, Ali b.Abi Talib, Adoptivsohn Zayd b.Harita und Abu  Bakr

  • Beginn des öffentlichen Auftretens: (613)

Grund 1: Charisma Mohammeds (saw)

Grund 2: Zauber des Qur’ans → Inhalt + Ästhetik (Bsp. Geschichte von Omars Konvertierung)

Auswanderung nach Äthiopien: (615)

  • Unterdrückung in Mekka → Auswanderung nach Abessinien (Äthiopien) geführt von Gafar b. Abi Talib unter Regierung Königs Nagasi

  • aufgrund von Omars (a.s) Konvertierung können Muslime frei an der Kaaba beten

Beginn des Boycotts der Banu Hasim: (616)

  • kein Handel & keine Eheschließungen (mit Onkel Abu Lahab)

Ende des Boykotts + Tod von Abu Talib & Khadija + erfolglose Reise nach Taif (619)

  • weitere Ehen nach Khadija aus diplomatischen Gründen → keine Kinder aus diesen Ehen (alle Frauen außer Aisha geschieden oder verwitwet)

  • Al Isra wa-l-mirag (Nachtreise und Himmelfahrt) von masjid al-haram bis zu al-aqsa mit Buraq

  • Lage in Mekka immer schwieriger → sucht weiter nach Verbündeten → findet sie in Medina bei zwei zerstrittenen Stämmen (Yatrib) → Prophet als Hakam (Schlichter)

  • zwei Treffen:

    • Erstes Treffen von Aqaba (621) → bei Mina mit 12 Medinensern

    • Zweites Treffen von Aqaba (622) → Beitritt zu Art neuer Stamm

Flucht der Muslime (higra) (622)

  • Beginn der islamischen Zeitrechnung

  • nicht mehr nur Prophet sondern auch Oberhaupt des medinensischen Stammesföderation

  • entkommt Mordkomplott mit Abu Bakr in der Höhle unter Führung von Abu Gahl dank Ali

  • Ankunft in Medina: 24.9.622 12. Rabi al-awwal 1

  • Veränderung der Inhalte der Offenbarung: vom religiösen, gesellschaftlichen zu politischen → Prophet (saw) als politisches & militärisches Oberhaupt

  • Neue Gesellschaft (ummah): ansar (helfer) , muhagirun (übersiedler) , juden , polytheisten → Gemeindeordnung jeder eigene religion: Abkommen gebrochen bei illoyalem Verhalten

Schlacht bei Badr (624)

  • Abu Sufyans Karawane aufm Weg von Gaza nach Mekka → erfährt vom Plan des Überfalls und weicht aus → Abu Gahl greift trotzdem an weil Muslime in Unterzahl 900 vs, 300

  • Abu Gahl stirbt

  • Prophet (saw) als Kommandant

  • Gefangene frei gelassen gegen Tribut → Abu Bakr Idee → Onkel Abbas tritt zum Islam und Abu Lahab stirbt aus “Kummer”

Schlacht von Uhud: (625)

  • 3000 vs 700 Mann

  • Sieg für Muslime bis Bogenschützen Platz verlassen um Beute einzusammeln → Onkel Hamza greift an und stirbt mit Mus’ab

  • Prophet wird vermundet und tötet zum einzigen Mal Ubay aus Gegenwehr mit einem Speer

  • Rache der Qurays

Grabenkrieg (627)

  • 12000 vs 3000 erschienen vor Medina

  • Muslime hören auf den Propheten (saw) → Defensivkampf

  • Salman Vorschlag Graben zu auszuheben → Pferde können nicht drüber springen → Mekkaner zogen bald wieder ab

  • alle Schlachten 216 Gegner und 138 Muslime gefallen → Islam nicht mit “Feuer und Schwert” verbreitet → Schlachten/Raubzüge damals üblich und Teil des Lebensunterhalts

Konflikte mit Juden:

  • Vertreibung des Qaynuqa aus Medina

  • Vertreibung der Nadir nach Haybar → Verrat vorgeworfen

  • Auseinandersetzung mit Qurayza → Männer hingerichten, Frauen & Kinder versklavt → Grund wegen Illoyalität (Vertragsbruch) → Prophet (saw) handelte im Interesse der Konsolidierung der Gemeinde (im Rahmen der damals üblichen Normen)

→ Lediglich Erzählungen historiographische Konstruktion der Menschen

 

Vertrag von Hudaybiyya: (628)

  • Prophet (saw) + kleine Truppe zieht unbewaffnet nach Mekka für Pilgerfahrt

  • keine Überfälle von Karawanen wenn Pilgerfahrt erlaubt wird → Ablehnung aber Angebot für nächstes Jahr

  • Prophet (saw) nimmt Angebot an doch Einwände von Mitstreiter → Waffenstillstand für 10 Jahre

Erste Wahlfahrt der Muslime nach Mekka ohne Prophet (saw): (629)

  • Belagerung der jüdischen Siedlung von Haybar (Stamm Nadir)

  • Offenbarung: erste Rechtssicherheit für religiöse Minderheiten (gizya) → Juden von Haybar akzeptieren die Tributzahlung/Sondersteuer → islamische Minderheitenmodell

Kampflose Einnahme Mekkas (630)

  • Muslime (10000) pilgern unbewaffnet nach Mekka

  • Abu Sufyan, Hind, Muawiya + mekkanische Oberhaupte treten von Polytheismus zum Islam über → Vergebung

  • Muhammed (saw) umkreist Kaaba 7 mal, berührt schwarzen Stein und zerbricht Götzen

  • 13 Hinrichtungen in Mekka

  • Prophet (saw) kehrt nach Medina zurück

Abschiedswallfahrt (einzige echte Wallfahrt) Muhammads (saw) nach Mekka (632)

  • Abschiedspredigt 140000 Muslime → (viele ehemalige Christen, Juden, Polytheisten, Zoroastrier aus allen Schichten (Sklaven, Unterdrückte, Kaufleute, Soldaten etc))

  • keine Zwangsbekehrungen zum Islam

  • kurze Zeit nach Rückkehr erkrankt er (saw) und stirbt (Montag 7-9 Juni 632)

nach Tod des Propheten (saw):

  • gründen Muslime Großreich vom Antlantik bis zum Indus

  • Institutionen des vormodernen islamischen Staates werden ausgebildet

  • Grundlagen der klassischen islamischen Kultur geschaffen → arabische Hoch- und Literatursprache


die 4 Kalifen

-Kein Papsttum, sondern eine Art Adelsrepublik

-Rechtsstaatlichkeit: Kalif auch den Traditionen und Gesetzen unterworfen

 

  1. Abu Bakr (632-634) → 2 Jahre

    → Vorschlag von Umar

    → Ali und Fatima kümmern sich um das Begräbnis -> enttäuscht erkennen Abū Bakr 6 Monate lang nicht an

    → Nach Fatimas Tod erkennt Ali die Wahl an

    → Abū Bakr festigt Reich durch geschickte Eroberungszüge und Diplomatie → holt abtrünnige Stämme zurück → Eroberungszüge führen bis nach Syrien & Mesopotamien

  1. Umar (634-44) → 10 Jahre

    → Tochter Hafsa war mit dem Propheten (saw) verheiratet

  • 635: Damaskus wird kampflos eingenommen → Muawiya als Statthalter

  • 636: Hauptstadt Sasaniden & Seleukia wird eingenommen

  • 640: Jerusalem wird erobert

    • Basra und Kufa werden Zentren der Militärverwaltung des Irak

  • 639-642: Ägypten wird erobert

  • 644: Umar wird ermordet durch persischen Kriegsgefangenen

  1. Uthman (644-656) → 12 Jahre (Stamm der Umayyaden)

    → Schwiegersohn des Propheten

  • Eroberungen gehen weiter Nordafrika, Ost-Süd Iran

  • 645: starke Seeflote → Gegnerschaft zu Byzanz größer wird

  • 649: Eroberung Zyperns (Byzanz) → erste “europäische” Landnahme

  • 650: Eroberung von Persepolis → Zentrum des Zoroastrismus

  • 651: letzte Sasanide wird getötet

  • 652: Armenien wird erobert

  • 653: offiziele Redaktion des Korantextes

  • 655: Vernichtung der byzantinischen Seeflotte vor Kleinasien

  • 656: Uthman wird durch rebellen ermordet → lehnten sich gegen seine Personal- und Finanzpolitik auf

  1. Ali (656-661) → 5 Jahre

    → wird von Muawiya nicht anerkannt; erster Imam der Schiiten

    → verlegt Sitz von Medina nach Kufa wegen großen Spannungen

  • 656: Kamelschlacht bei Basra → Aisha wendet sich gegen Ali mit Unterstützung von Talha & Zubayr

    → Ali gewinnt und behandelt sie sehr respektvoll → Aisha hält sich aus der Politik raus

  • 657: Schlacht bei Siffin gegen Muawiyas Truppen

    → keine eindeutige Entscheidung / keiner eigentlichen Schlacht (steckt Koranblätter auf Speere → erste Instrumentalisierung der Religion) → Schiedsgericht

  • Zeit des ersten Gegenkalisfats: Muawiya erklärt sich zum Kalifen

    → entstehung weiterer muslimischer Gruppe Harigiten (lehnen Schiedsgericht ab und wolllen kämpfen)

    → Ali will weiterkämpfen → Verrat

  • 661: wird von Harigiten (heutige Ibaditen im Oman & Tunesien) in Kufa ermordet

→ Ende der Rechtgeleiteten Kalifen


Die Umayyaden Dynastie (661-750)

  1. Muawiya (661-680)

→ zwingt Sunniten und unterstützer Alis sich ihm zu unterwerfen

→ zwingt Hasan auf das Kalifat zu verzichten (zuvor für 6 Monate anerkannter Kalif)

→ Damaskus wird neue Machtzentrale → Beginn von Zentralisierung, Bürokratisierung, Säkularisierung → Beginn der Monarchie / Ende der Adelsrepublik

667: besetzen Chalcedon, überfallen Sizilien

670: Eroberung in Nordafrika

672: Beginn siebenjähriger Belagerung von Konstantinopel

→ zwingt Sohn Yazid (680 - 683) gegen Willen nahezu sämtlicher Muslime Kalif → Erbmonarchie beginnt

→ taentiert in weltlichen (politischen) Dingen → weniger in religiösen gebildeterer Leute wie Hasan

680: Husayn (jüngerer Sohn Alis und Fatima) setzt sich an Spitze der Revolte gegen tyrannischen Kalifen

→ Kampf in Kerbela (heutiger Irak) 10 Muharram

→ wird von den Muslimen im Stich gelassen

→ irren in der Wüste herum bis sie fast alle getötet werden → Tod von Husayn, 3 Söhne Husayns, 2 Söhne Hasans + weitere mit dem Propheten verwandte Personen → Tag der Trauer

683: Zweiter Bürgerkrieg → Tod von Yazid, Abdullah b. Zubayrs erheben sich gegen Umayyaden → Gegenkalifat bis 692

→ 11 weitere umayyadische Kalifen

684-685: Marwaniden → Kalif Marwan → anderer Zweig der Ummayaden

685-705: Sohn Abdulmalik wird Kalif → Kontrolle üver alle Provinzen → Einheit gesichert

691: Bau des Felsendoms in Jerusalem

692: marwanidische Kommandanten “Unterdrücker” nimmt Mekka brutal ein → Statthalter des Iraks

705: Umbau Johanneskirche in Umayyaden Moschee

705-715: Sohn Walid wird Kalif → Größte Expansion des Islamischen Reiches

→ Steuerreform: Konvertiten (miwali) brauchen keine gizya mehr bezahlen → Fluch auf Imam Ali wird abgeschafft → nach Tod wieder Kämpfe gegen miwali

749: Dritter Bürgerkrieg: abbasidische Revolutionäre (+ mawali + schiitische Gruppen) gewinnen Entscheidungsschlacht → töten Mitglieder der Umayyaden Familie

Die Abbasiden Dynastie (750-1258)

→ Beginn des Kalifats der Nachkommen Abbas (Onkel des Propheten) bis 1258 (sunni)

→ Klassische islamische Kultur entsteht → Goldenes Zeitalter der islamischen Zivilisation

→ Kodifikation des Rechtswesens (Scharia) und Wissenschaft beginnt

→ Hauptstadt wird nach Bagdad verlegt (wird größte & wohlhabendste Stadt der Welt)

751: Erfolgreiche Schlacht am Talas gegen chinesische Armee → Papierproduktion in Samarkand begonnen

786-809: Kalif: Harun Al-Rashid (kultureller Höhepunkt)

Ab 9 Jahrjhundert: Verlust der Kontrolle über das Reich → lokale Dynastien gewinnen Macht → Kalife werden Symbolische Figuren → Multikulturalismus entsteht

Dezentralisierung: Buyiden und Fatimiden:

Buyiden: (945-1055)

→ persisische Schiiten erobern Iran & Irak und kontrollieren Bagdad lassen aber den abbasidischen Kalifen als symbolischen Herrscher bestehen

Fatimiden (909-1171)

→ Schiitische Dynastie (von Fatima) herrscht von Kairo aus über Nordafrika und Teile des Nahen Ostens

→ bauen al-Azhar-Moschee

Almoraviden/berberische Murābiṭūn 1050-1130:

  • erobern Westafrika,Marokko, Spanien

  • kein Gegenkalifat, Legitimierung als Sultan

  • sunnitische malikitische Gegenmacht

 

sunnitische Seldschucken:

→ sunnitische Türken übernehmen Bagdad und schützen Abbasiden vor schiitischen Fatimiden

→ Sieg der Schlacht von gegen byzantinische Armee (1071): Öffnung Anatoliens türkische Stämme → Hauptstadt der Rum-Seldschucken

→ Nizamulmulk gründet schafiitische Nizamiyya Madrasa in Bagdad und wird 1092 von ismailitischen Assassinen (Hasisiyyun “Haschischraucher”) ermordet → erste islamische Terrororganisation

1096:  1.Kreuzzug durchgeführt von „den Franken“ auf Befehl von Papst Urban ll

 Ziel → Eroberung Jerusalems

1147- 1149:  2. Kreuzzug → Nicht erfolgreich, wurden zurückgeschlagen von Rum-Seldschuken

 

sunnitische Kurder Salahuddin: (1174-1193)

→ beendet Fatimiden Dynastie und erschafft die Ayyubiden Dynastie die über Ägypten und Syrien regierten

1187: Battle of Hattin → Erobert Jerusalem von den Kreuzrittern

 1188- 1192: 3.Feldzug (Kreuzzug) durch den Fall von Jerusalem

 1190 → Konya (seldschukische Hauptstadt) wird für kurze Zeit erobert

1202- 1204: 4.Kreuzzug → Eroberung Konstantinopels durch katholische Kreuzfahrer

Die Mongolen: (1215)

1215: Gingiz Khan erobert Peking und zieht in den Westen

1242/1243: Rum-Seldschuken unterliegen Mongolen

1250: Ayyubidische Herrschaft in Ägypten, Syrien wird durch die Mamluken abgelöst

Mamluken: (“türkische Militärssklaven”) (1250-1517)

→ Witwe des Sultans der von seinen “türkischen” Generälen ermordet wird heiratet einen von ihnen → Militäraristokratie

  • 1260 besiegen Mongolen in Palästina

  • 1265-1271 vertreiben fränkische Kreuzritter aus Syrien und Palästina

 1258: Eroberung und Zerstörung Bagdads durch die Mongolen

→ Ende der Abbassiden

Osmanisches Reich: 1299-1924)

  • Gründer Osman b. Ertugrul zuerst Fürstentum

  • 1326 Osman Ġāzī stirbt -> Sohn Orhan Ġāzī folgt

Bursa Hauptstadt wird erobert, militärische Verbündete mit Byzanz durch Ehe mit Theodora

  • 1354 Eroberung Gelibolu

  • 1360/61 Edirne wird erobert und wird zur Hauptstadt

  • 1389 Machtanspruech in Suedosteuropa, Bayezid wird Sultan -> wird von abassidischen Kalifen der Titel Sultan von Rum gegeben

  • gewinnwn die schlacht von nikopolis

  • 1402 Bayezid verliert den Kampf gegen Timur und stirbt in Gefangenschaft

  • 1453 Fatih Sultan Mehmet erobert Konstantinopel=Ende Byzanz

  • Druckerpresse wird nicht eingefuehrt = Bayezid der 2. Umstritten

  • 1516/17 Sultan Selim besiegt die Mamluken Ende der Herrschaft->bekommt die Schlüssel zur Kaaba und wird Kalif (von letzte abbasidischen Kalifen)

  • 2 erfolglose Belagerungen von Wien 1529 und 1683

  • 1699 Vertrag von Karlowitz -> beginn politisch und wirtschaftlich Niedergang

  • Tulpenerä mehr wert als Gold 1718-1730

  • 1727 erste türkische Druckerpresse

  • 1839 Grundrechte fuer alle egal welcher Glauben

  • 1874 Finazieller Zusammenbruch

  • 1924 osmanische kalifat wird aufgehoben -> Tuerkische Republik

→ Diyzanet wird gegr[ndet religioese Angelegenheiten

→ Reformen brachten nicht von Jungosmanen und Jungtuerken

  • 1.Weltkrieg schwaechte sie-> Zusammenbruch

 

→ 1414 Islamisierung Malaysias -> Händler und Mystiker Islam


Schiitentum:

  1. Imam Ali ibn Talib

  2. Imam Hasan ibn Ali

  3. Imam Husain ibn Ali

  4. Imam Ali ibn Husain

733: 5 Imam (Muhammad al Baqir) stirbt → Zayditen erkennen nicht ihn sondern seinen Bruder Zayd an → Fünferschiiten (Jemen)

765: 6 Imam Ǧaʿfar Ṣadiq → Spiritualität, Bildung -> Universalgelehrter

799: 7 Imam Musa al Kazim → Ismailiten erkennen nicht ihn sondern Bruder Ismail an → Siebenerschiiten (Pakistan)

Fatimiden (ismailitische Siebenerschiiten)

818: ʿAlī ar-Riḍā 8.Imam (Schiiten) sollte der nächste Kalif werden

835: Muḥammad at-Taqī 9. Imam stirbt in Bagdad

865: ʿAli al-Ḥādī – an-Naqī 10. Imam -> stirbt in Irak

873: Ḥasan al-ʿAskarī 11.Imam in Samarra

→ Sohn Muhammad al-Mahdi (12 Imam)→ wird am Ende der Zeit auf die Erde zurückkehren


Rechtsschulen

767: Abu Hanifa stirbt im Gefängnis in Bagdad (Abbasiden) → Gründer der sunnitisch-hanafitischen Rechtsschule → unterstütze die Nachkommen des Propheten → widersetzte sich den Abbasiden und den Umayyaden 1. groesste Rechtsschule-> Hanfiten

 795: Mālik b. Anas stirbt → Gründer der 2. größten sunnitischen Rechtsschule → Malikiten

820: Muḥammad aš-Šāfiʿī → Gründer 3. Rechtsschule → Schafiiten. Stirbt in Kairo

855: Aḥmad b. Ḥanbal → Gründer der 4.Rechtsschule → Hanbaliten → Opfer der miḥna

 

Muʿtazila: 1. Theologenschule → Rational → prägt: Al-Ašʿarī (935): 1. Sunnitische Theologenschule → versöhnt Ahl al-ḥadīṯ und Kalām (geprägt Muʿtazila)

Al-Māturīdī (944): 2. Sunnitische Theologenschule


Gelehrte

  • Muqātil b. Sulaymān (767): persischer Exeget 1.vollst. Koran-Exegese

  • Ibn Isḥaq (767/768): erste vollst. Propheten-Biografie

  • Rābiʿa al-Adawiyya (801): Begründerin der Liebesmystik und Liebestheologie, stirbt in Basra

  • Al-Ḫwārizmī-Algorismi (847):

Mathematiker (Algorithmus), Geograph und Universalgelehrter Haus der Weisheit

  • Muḥammad al-Buḥari (873): Ḥadiṯ- Autorität  

  • Muslim b. Ḥaǧǧāǧ (875): Ḥadiṯ-Autorität, stirbt in Iran

  • Aṭ-Ṭabarī (923):

Autor Universalgeschichte, Exeget, Begründer einer sunn. Rechtschule (nicht mehr da), stirbt in Bagdad

  • Al-Ašʿarī (935):

1. Sunnitische Theologenschule -> versöhnt Ahl al-ḥadīṯ und Kalām (geprägt Muʿtazila)

  • Al-Māturīdī (944): 2. Sunnitische Theologenschule

  • Ibn Sīnā (1037): Aristoteliker und Universalgelehrter. Stirbt in Iran

  • Niẓāmulmulk:

 persische Wesir, schafiitische Niẓamiyya-Madrasa, ermordet von ismailitischen Assassinen (Haschischraucher)

  • Al-Ġazālī ():

syst. sunn. Mystik, Professor an der Niẓamiyya, Versöhner zwischen Mystik, Theologie und Philosophie (griechisch).

  • Zamaḫšarī (1144): Muʿtazilitischer Exeget, stirbt in Turkmenistan

  • Abdulqādir Ġīlānī (1166): hanbalitischer Mystiker, Orden Qādiriyya -> Vorbild ritterliche Männer -Bünde (futuwwa)

  • Ibn Rušd (1198):

Aristoteliker, Arzt und malikitischer Oberrichter, stirbt in Marrakesch. 1277 werden seine Schriften in Paris verbrannt und ersetzt 

  • Faḫruddīn ar-Razi (1209):

persischer Universalgelehrter, schafiitisch-ašʿaritischer Theologe, stirbt in Herat.

  • Ibn ʿArabī (1240):

Liebesmystiker, Gründer der Lehre -> Die Einheit des Seins. Stirbt in Damaskus aus

Andalusien

  • Mawlānā Rūmī (1273):

Liebesmystiker, Orden tanzende Derwische. Stirbt in Konya floh von den Mongolen aus Afghanistan

  • An-Nawawī (1277): puristischer Rechts- und Ḥadīṯ-Gelehrter. Schafiit

  • Ibn Baṭūta: bereist die Welt 1325-1353

  • Ibn Taymiyya (1328):

puristischer hanbalitischer Jurist und Theologe stirbt in Damaskus im Gefängnis wird von Salafisten und Dschihadisten instrumentalisiert

  • Ibn Haldun (1406): Staatsman, Richter, Kulturhistoriker, Universalgelehrter, stirbt in Kairo

  • Mulla Ṣadrā (1640): Philosoph von Ibn Sina und Mystik von Ibn Arabi, stirbt in Damaskus

  • Katip Celebi (1657/58): Historiograph, Geograph,  

  • Nabulusī (1731): hanafitischer Gelehrte, Poesie, Mystik und Theologie vereint

  • Muḥammad b. ʿAbdalwahhāb (1791):

puristischer hanbalitischer Theologe -> Wahambismus und Salafismus