Präanalytik und Untersuchungsmaterialien

 

Präanalytische Phase

  • Ärztliche Fragestellung
  • Testauswahl
  • Laboranforderung
  • Patientenidentifikation
  • Probenentnahme
  • Transport
  • Untersuchungsmaterial/-identifikation
  • Probenannahme/-beurteilung
  • Probenaufbereitung
  • Probenaliquotierung

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Einflussgrößen/Störfaktoren/Einflussfaktoren

 

Einflussgrößen
  • können Laborbefund verfälschen
  • führen in vivo zu Veränderung der Konzentration/Aktivität /Beschaffenheit des Analyten in Probe
  • unabhängig vom Analysenverfahren
  • unterschieden werden:
      * unveränderliche, unbeeinflussbare Einflussgrößen •
        * Geschlecht - Creatinkinase (bei Männern höher aufgrund höherer Muskelmasse)
        * Erbfaktoren - Personen mit Blutgruppe 0 = niedrigeren von Willebrand-Faktor
        * Ethnie - Schwarzafrikaner haben signifikant niedrigere Leukozytenanzahlen
      * veränderliche, beeinflussbare Einflussgrößen
        * Ernährung - vegetarische Ernährung kann zu Abnahme von Creatin führen, wenn Eigensynthese nicht mehr ausreicht
        * Alkohol - 2-4h nach Konsum Erhöhung von Harnsäure und Lactat, Glukose ist erniedrigt
        * diagnostische Maßnahmen - intramuskuläre Injektion erhöht Creatinkinase- und Myoglobinwert
Störfaktoren
  • Sind immer auf Analytik bezogen
  • endogene Störfaktoren können physikalisch-chemischen Eigenschaften einer Probe beeinflussen und führen zu Messergebnis, das nicht der in vivo-Konzentration entspricht
  • unterschieden werden:

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a) körpereigene Störfaktoren (endogen)

hämolytische Proben:

  • Erythrozyten wurden zerstört und Hämoglobin ist ausgetreten
  • weitere Stoffe treten aus: Kalium, Transaminasen, Laktatdehydrogenasen

→ führen zu verfälschten Untersuchungsergebnissen durch:

  • Einfluss der Stoffe auf Nachweisreaktionen

- Stoffe nehmen selbst an Reaktion teil und führen zu falsch positiven Ergebnissen

  • Ursachen hämolytischer Proben:
      * Alterung der Erythrozyten, hämolytische Anämie
      * Thermische oder osmotische Schädigung
      * Toxine (z.B. Arsen, Überdosierung Vit. K bei Neugeborenen)
      * Parasiten, bakterielle Toxine
      * Mechanische Überbeanspruchung (z.B. künstliche Herzklappen)

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ikterische Proben:

  • Ikterus: Gelbsucht
  • abnorme Erhöhung des Bilirubins
  • Bilirubin = Abbauprodukt des Hämoglobins
  • bewirkt in pathologischer Konzentration eine dunkelgelbe - braune Verfärbung von Körperflüssigkeiten/Haut
  • Interferenzen durch optische Veränderung der Probe bei verschiedenen Messverfahren
  • Ursachen ikterischer Proben:
      * prähepatisch z.B. Transfusionszwischenfälle
      * intrahepatisch z.B. Leberschäden
      * posthepatisch z.B. Abflussbehinderungen

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lipämische Proben:

  • weißliche Trübung des Blutserum bzw. -plasmas verursacht durch Fette
  • Interferenzen bei optischen Messungen
  • negativer Effekt auf Affinität von Antikörpern, wichtig bei Antigen-Antikörper-Reaktionen

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  • Ursachen lipämischer Proben:
      * Fettstoffwechselstörungen
      * Nahrungsaufnahme
      * Blutentnahme an nicht nüchternen Patienten

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b)     Körperfremde Störfaktoren

  • Infusionen
  • Antikoagulanzien im Monovettensystem
  • Kontaminationen (z.B. Bakterien, Pilze)

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Einflussfaktoren
  • beeinflussen Analysenergebnis

a) mechanisch:

  • zu lange Stauung
  • Starkes Pumpen vor der Abnahme
  • Zu schnelles aspirieren
  • Schütteln

b) Probennahme

  • Ungeeignete Entnahmesysteme (Kanülenvolumen zu gering)
  • Falscher Entnahmezeitpunkt
  • Unzureichende Durchmischung
  • Kontamination

c) Lagerung

  • Falsche Temperatur
  • Zu lange Lagerzeit

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  1. Blut
  2. Gewebe und Organe
  3. Urin
  4. Abstriche
  5. Stuhl
  6. Liquor

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UntersuchungsmaterialSerumPlasmaPlasmaPlasmaPlasmaPlasma
ZusätzekeineEDTACitratHeparin (Lithium)Heparin (NH+)Natriumfluorid
Farbeweiß/braunrot/lilagrünorangeblaugelb
Untersuchungenklinisch-chemischimmunologischinfektionsserologischBBDiff (Blutausstrich)HbA1cBGallg. Gerinnungsparameter (PTT, Quick, Fibrogen, D-Dimere)z.B. MetallanalytikGlukosebestimmung
Wirkung der Zusätze
Hinweis

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Untersuchungsmaterialien

  1. Blut
  2. Gewebe und Organe
  3. Urin
  4. Abstriche
  5. Stuhl
  6. Liquor
Urin
GewinnungsartZeitpunktGeeignet fürUngeeignet für
Mittelstrahlurin1.MorgenurinBakteriologie, Teststreifen, (Sediment), chem. Nachweise
2.MorgenurinTeststreifen, Sediment, Glukose, Proteine, chem. Nachweise, HormoneNitrit
Postprandial (2h nach KH-reicher Mahlzeit)GlukoseBakterien, Sediment
SpontanurinNotfallnachweise, ToxikologieBakterien, Sediment
SammelurinDefinierte SammelperiodeChem. Bestimmungen, Hormone
Blasenpunktions- /KatheterurinBakteriologie, Teststreifen, Sediment, chemische Nachweise

Mittelstrahlurin:

  • Sammeln des Urins in sterilem Gefäß
  • Erste & letzte Fraktion verwerfen
  • Harnstrahl darf nicht unterbrochen werden

24h-Sammelurin

  • Sammeln des Urins in entsprechenden Sammelbehälter
  • Sammlung beginnt nach 1. Morgenurin & endet nach 1.Morgenurin
  • Eliminierung tageszeitlicher Schwankungen einzelner Parameter
  • Für mikrobiologische Untersuchungen ungeeignet

Blasenkatheterurin:

  • Entnahme direkt aus Blase durch Katheter
  • Erste 200 ml verwerfen
  • Vorwiegend mikrobiologische Fragestellung

Blasenpunktionsurin:

  • Nach 24 Uhr Blase nicht entleeren
  • Morgens 0,5 l Tee trinken
  • 2-3h später suprapubische Blasenpunktion
  • Für mikrobiologische Fragestelllungen

Urintauchkulturen:

  • nach Gewinnung der Probe wird Nährboden vollständig mit Probe bedeckt
  • überflüssigen Urin abfließen lassen
  • für mikrobiologische Fragestellungen

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Blut

Vollblut

  • enthält korpuskuläre (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) und flüssige Bestandteile
  • → Vollblut = Blutzellen + Serum + Gerinnungsfaktoren

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Plasma

  • Vollblut + Antikoagulanzien
  • gerinnt nach der Abnahme nicht
  • durch Zentrifugation werden zelluläre Bestandteile von dem flüssigen Überstand getrennt
  • → Plasma = zellfreier, flüssiger Bestandteil des Vollblutes inkl. Gerinnungsfaktoren

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Serum

  • Vollblut ohne Zusätze
  • nachdem die Gerinnung abgeschlossen ist, wird das Serum durch Zentrifugation gewonnen
  • Blutkuchen und flüssige Bestandteile werden separiert
  • → Serum = zellfreier, flüssiger Bestandteil ohne Gerinnungsfaktoren

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Vorteile Plasma:

  • höhere Ausbeute
  • Zeitgewinn
  • keine Störung durch Nachgerinnung
  • bessere Darstellung des in vivo-Status

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Nachteile Plasma:

  • Störungen durch Fibrinogen
  • Störungen durch Antikoagulantien
  • Kontamination durch Kationen

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Abnahme erfolgt:

-          Venös/arteriell oder kapillar

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venöse Blutabnahme

Bedingungen:

  • möglichst zwischen 7.00 – 9.00 Uhr
  • nüchtern (12-14h Nahrungskarenz) à nicht immer erforderlich
  • vor Blutabnahme 5-10 min ruhig sitzen/liegen
  • veränderliche Einflussgrößen beachten
  • bei Medikamenteneinnahme im Tal abnehmen

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Technik:

  • am liegenden Patienten empfohlen (bei Verlaufskontrolle gleiche Position)
  • weitlumige Punktionskanülen
  • Stauungszeit 30 Sekunden
  • zu starke Aspiration  vermeiden

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keine Blutentnahme

  • an geröteten. geschwollenen, infizierten Hautstellen
  • in der Nähe von Ödemen
  • an vernarbten Venen
  • am Infusionsarm
  • aus Katheter

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Reihenfolge der Blutentnahme !

  1. Blutkulturen (Sterilität)
  2. Vollblut ohne Zusätze
  3. Citratblut für Gerinnungsuntersuchungen (wenn kein Serum gefordert, dann erste Fraktion verwerfen
  4. Heparinblut
  5. EDTA-Blut für hämatologische Untersuchungen
  6. Citratgepuffertes NaF für Glukose-, Laktat, Pyruvat

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Stuhl
  • bakterielle, virologische oder klinisch-chemische Untersuchung
  • ungewöhnliche Beimengungen gezielt entnehmen
  • haselnussgroße Menge
  • Lagerung bei 4° um Vermehrung der Bakterien zu vermeiden
Liquor
  • wichtig zur Diagnose von Erkrankungen des ZNS
  • zeitgleich muss immer eine Serum-Monovette mit abgenommen werden →wichtig für die Beurteilung best. Parameter
  • Polycarbonat- und Glasröhrchen sind wegen Adsorption von IgG ungeeignet
Monovettenarten

 

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