Umfassender Lernzettel: Marketing & Konsumentenverhalten

1. Konsumentenverhalten und Marktgrundlagen

  • Marktteilnehmer

    • Lieferanten: Rohstoffzulieferer, Dienstleister

    • Anbieter: Konkurrenten, Wettbewerber

    • Absatzhelfer: Logistikunternehmer, Banken, Versicherungen

    • Absatzmittler: Händler, Handelsvertreter

    • Nachfrager: Käufer, Konsumenten, Kunden, Verbraucher

  • Marktformen nach Anzahl der Anbieter

    • Monopol: Ein einziges Unternehmen beherrscht einen kompletten Markt. Es herrscht kein Wettbewerb, der Monopolist bestimmt Menge und Preis. Die Marktmacht des Anbieters ist maximal.

    • Oligopol: Wenige Anbieter dominieren den Markt. Es besteht eine starke gegenseitige Abhängigkeit der Unternehmen untereinander bei relativ hoher Marktmacht.

    • Polypol: Viele Anbieter stehen vielen Nachfragern gegenüber. Es herrscht freier Wettbewerb; kein einzelnes Unternehmen besitzt eine dominante Marktstellung.

  • Marktformen nach Leistungsart

    • Konsumgütermarkt: Materielle Leistungen für private Verbraucher.

    • Verbrauchsgüter: Befriedigung privater Bedürfnisse des täglichen Bedarfs (z. B. Lebensmittel, Drogerieartikel).

    • Gebrauchsgüter: Langlebige Güter (z. B. Auto, PC).

    • Dienstleistungsmarkt: Immaterielle Leistungen.

    • Sachbezogen: Leistung bezieht sich auf ein Objekt (z. B. Versicherung, Autoreparatur).

    • Personenbezogen: Leistung wird direkt am Kunden erbracht (z. B. Haarschnitt).

    • Investitionsgütermarkt: Industriegüter wie Anlagen, Maschinen, Bauteile oder Rohstoffe für Unternehmen.

    • Handelsmarkt: Ausrichtung auf Groß- und Einzelhandel.

    • Non-Profit-Markt: Nicht-gewinnorientierte Organisationen.

    • Öffentlich: Schulen, Museen, Kliniken.

    • Privat: Vereine, politische Parteien.

  • Marktformen nach Machtverteilung

    • Verkäufermarkt: Nachfrageüberhang (Nachfrage > Angebot). Die Verkäufer besitzen die Marktmacht.

    • Käufermarkt: Angebotsüberhang (Angebot > Nachfrage). Die Käufer besitzen die Marktmacht.

  • Marktformen nach Transaktionsrichtung

    • Beschaffungsmarkt: Der eigentlichen Produktion vorgelagerter Markt zur Erstellung/Beschaffung von Vorprodukten.

    • Absatzmarkt: Der Produktion nachgelagerter Markt zum Verkauf der fertigen Leistungen.

  • Marktformen nach Interaktionsart

    • Stationärer Markt: Physischer Verkaufspunkt (z. B. Ladengeschäft).

    • Distanzmarkt / Virtueller Markt: Online-Handel, E-Commerce, Versandhandel.

  • Marktformen nach Regulierungsart

    • Freier Markt: Preis- und Mengenbildung ohne staatliche Eingriffe.

    • Regulierter Markt: Staatlich überwachte oder beschränkte Märkte.

  • Marktformen nach räumlicher Abgrenzung

    • Lokaler, regionaler, nationaler, internationaler und globaler Markt.

  • Marktformen nach zeitlicher Abgrenzung

    • Ganzjährig: Durchgängig bestehende Nachfrage.

    • Saisonal: Zeitlich begrenzte oder schwankende Nachfrage (z. B. Oster- oder Weihnachtsgeschäft).

  • Marktabgrenzung

    • Bestimmung des relevanten Marktes für die Marketingstrategie. Die Eingrenzung erfolgt nach sachlichen, räumlichen, zeitlichen und personellen Kriterien, um Marktteilnehmer und Wettbewerb präzise zu definieren.

    • Sachliche Abgrenzung:

    • Produktorientiert: Aufteilung nach dem Produktgrad:

      • Kernprodukt (Kernnutzen): Technisch-funktionale Grundeigenschaft.

      • Reales Produkt (Zusatznutzen): Konkrete Ausstattung, Design, Marke, Verpackung.

      • Erweitertes Produkt (Erweiterter Nutzen): Zusatzleistungen wie Lieferung, Gewährleistung, Kundendienst.

    • Bedürfnisorientiert: Abgrenzung nach dem zu befriedigenden Kundenbedürfnis.

    • Personelle Abgrenzung: Zuordnung nach spezifischen Gruppen der Nachfrager.

  • Ökonomische Grundbegriffe der Marktgröße

    • Marktvolumen: Die effektiv realisierte Menge oder der Gesamtwert einer Produktgruppe/Branche in einem bestimmten Markt innerhalb einer Periode tt.

    • Marktpotential: Die maximale Aufnahmefähigkeit eines Marktes. Es stellt die Gesamtheit der möglichen Absatzmenge dar, sofern alle potenziellen Nachfrager ihren Bedarf decken würden.

    • Bedürfnis: Das empfundene Gefühl eines Mangels und der Wunsch, diesen zu beseitigen.

    • Bedarf: Derjenige Teil des Bedürfnisses, der durch Kaufkraft konkretisiert wird und befriedigt werden kann.

    • Nachfrage: Der am Markt durch Kaufentscheidung wirksam gewordene Bedarf.

    • Marktwachstum: Die prozentuale oder absolute Veränderung des Marktvolumens in Periode tt im Vergleich zur Vorperiode.

  • Definition Marketing

    • Marketing umfasst die Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten zur dauerhaften Befriedigung der Kundenbedürfnisse und Erreichung der Unternehmensziele.

  • Das S-O-R-Modell (Stimulus-Organism-Response)

    • Modell zur Analyse des nicht direkt beobachtbaren Konsumentenverhaltens. Es untersucht die Auswirkung eines extern beobachtbaren Reizes (S=StimulusS = \text{Stimulus}) auf den Organismus (O=OrganismO = \text{Organism}) des Konsumenten und die daraus resultierende beobachtbare Reaktion (R=ResponseR = \text{Response}).

    • Stimulus (beobachtbar): Reize aus der Umwelt sowie Marketingmaßnahmen (z. B. Produkt, Preis, Werbung, Rabatte, objektive Produktmerkmale).

    • Organism (nicht beobachtbar): Interne kognitive und aktivierende Prozesse im Konsumenten (z. B. Preisbeurteilung, Wahrnehmung, Emotionen, Einstellungen).

    • Response (beobachtbar): Kaufentscheidung, Produktnutzung, Nicht-Kauf.

    • Praxisbeispiel:

    • S→S \rightarrow Konsument sieht Schokolade im Supermarkt im Angebot.

    • O→O \rightarrow Die Verpackung und das Angebot wecken positive Kindheitserinnerungen und Verlangen.

    • R→R \rightarrow Spontane Kaufentscheidung an der Kasse.

2. Umweltsysteme und Branchenstrukturanalyse

  • PESTEL-Analyse (Makro-Umwelt)

    • Die PESTEL-Analyse dient der systematischen Erfassung, Auswertung und Beurteilung externer Einflussfaktoren aus der Makro-Umwelt eines Unternehmens zur Identifikation von Chancen und Risiken:

    • Political (Politisch): Steuerrechtliche Vorgaben, Subventionen, Migration, Fachkräftemangel.

    • Economic (Ökonomisch): Inflation, Zinsniveau, Konjunkturlage, Wechselkurse.

    • Socio-cultural (Soziokulturell): Bildungsniveau, Demografie, Sprachniveau, Werte, Traditionen, Religion.

    • Technological (Technologisch): Prozessautomatisierung (z. B. SB-Kassen), maschinelles Lernen, IT-Infrastruktur, Digitalisierung.

    • Ecological (Ökologisch): CO2-Preise, Klimaschutzauflagen, Rohstoffverfügbarkeit, Recyclingquoten.

    • Legal (Rechtlich): Nationale und internationale Rechtsnormen, Steuerrecht, Handelsrecht, HGB, GmbHG.

  • Porters 5 Forces (Branchenstrukturanalyse der Mikro-Umwelt)

    • Nach Michael Porter konkurrieren fünf zentrale Wettbewerbskräfte um den Wert, der in einer Branche generiert wird. Die Branchenstrukturanalyse dient der Bestimmung der Attraktivität und durchschnittlichen Profitabilität einer Branche.


Wettbewerbskräfte in der Branchenstrukturanalyse


Bedrohung durch Substitute und Attraktivität
  • Die 5 Wettbewerbskräfte im Einzelnen:

    • 1. Intensive Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern: Die Intensität des Wettbewerbs ist umso höher, je…

      • geringer das Marktwachstum ist.

      • mehr Überkapazitäten in der Branche existieren.

      • mehr "ähnliche" Wettbewerber existieren.

      • höher die Gesamtzahl der Wettbewerber ist.

      • höher die Austrittsbarrieren sind.

    • 2. Verhandlungsmacht der Lieferanten: Mächtige Lieferanten fordern höhere Preise und/oder bessere Konditionen. Die Macht der Lieferanten ist umso größer, je…

      • konzentrierter die Lieferantenbranche im Vergleich zur untersuchten Branche ist.

      • differenzierter ihre Leistungen sind.

      • höher die Wechselkosten (Switching Costs) der untersuchten Branche sind.

    • 3. Verhandlungsmacht der Nachfrager: Mächtige Nachfrager drücken die Preise und verlangen höhere Qualität. Ihre Macht ist umso größer, je…

      • größer die Nachfrager im Vergleich zu den Anbietern sind.

      • niedriger die Wechselkosten (Switching Costs) sind.

      • undifferenzierter die angebotenen Produkte sind.

      • unwichtiger die bezogenen Produkte für die Qualität des Endprodukts des Nachfragers sind.

    • 4. Gefahr des Markteintritts neuer Anbieter: Der potenzielle Markteintritt neuer Konkurrenten senkt die Profitabilität (wirkt als Price Cap). Die Gefahr ist umso größer, je…

      • geringer die Größenvorteile (Economies of Scale) etablierter Anbieter sind.

      • weniger differenziert die Produkte sind (führt zu geringer Kundenloyalität und niedrigen Umstellungskosten).

      • geringer der erforderliche Kapitalbedarf ist.

      • einfacher der Zugang zu Vertriebskanälen (Distribution) ist.

    • 5. Bedrohung durch Substitute (Ersatzprodukte): Substitute setzen eine Obergrenze für Preise und senken die Profitabilität. Die Bedrohung ist umso größer, je…

      • besser das Preis-Leistungs-Verhältnis der Ersatzprodukte ist.

      • höher die Substitutionsneigung der Abnehmer ist.

  • Ergebnis der Analyse: Mit Hilfe der Branchenstrukturanalyse lässt sich die durchschnittliche Profitabilität der Anbieter bzw. die Gesamtattraktivität einer Branche systematisch erklären.

3. Determinanten des Konsumentenverhaltens

  • I. Aktivierung und Involvement

    • Aktivierung: Ein innerer Erregungszustand, der den Konsumenten zu Handlungen veranlasst und den Organismus mit Energie versorgt.

    • Involvement: Beschreibt die Zielgerichtetheit und Intensität, mit der sich Konsumenten kognitiv und emotional mit der Suche, Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen zur Kaufentscheidung auseinandersetzen.

    • Auslösung: Durch interne Reize (Emotionen, Kognitionen) oder externe Reize (Farbe, Größe, physische Stimuli).

    • Involvement-Arten:

    • Emotionales Involvement: Gefühle und affektive Bindungen gegenüber dem Produkt.

    • Kognitives Involvement: Mentaler Aufwand, Nachdenken und Informationsverarbeitung bezüglich des Produkts.

    • Aktivierungsverlauf: Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen steigender Aktivierung und menschlicher Leistungsfähigkeit. Eine Überaktivierung (Stress, Informationsüberlastung) führt jedoch zu einem Abfall der Leistungsfähigkeit.

    • High-Involvement-Käufe:

    • Hohe subjektive Wichtigkeit und hohes wahrgenommenes Risiko.

    • Hohe zeitliche und mentale Energieaufwendung bei der Informationssuche.

    • Stark abhängig von Persönlichkeit und Selbstkonzept.

    • Führen zu komplexen Entscheidungsprozessen.

    • Low-Involvement-Käufe:

    • Geringe Wichtigkeit und geringes finanzielles/soziales Risiko.

    • Passives Informationsverhalten (Kauf nach Routinen oder Gewohnheit).

    • Führen zu vereinfachten Kaufentscheidungen.

  • II. Emotionen

    • Situativer oder anhaltender Gefühlszustand, der mit einer physischen Erregung einhergeht.

    • Sie beeinflussen die Informationsaufnahme, -beurteilung und -erinnerung maßgeblich.

    • Auslösung durch gezielte Reize (z. B. Erotik, Kindchenschema).

    • Emotionsausprägungen: Interesse, Überraschung, Freude, Furcht, Kummer, Ekel, Zorn, Scham, Schuld.

  • III. Kognition

    • Gedankliche Prozesse, mit denen Konsumenten Informationen aufnehmen, verarbeiten, speichern und zur bewussten Handlungssteuerung nutzen.

  • IV. Motivation

    • Psychische Antriebskraft, die das Handeln mit Energie versorgt und gezielt auf eine Bedürfnisbefriedigung ausrichtet.

    • Motive (Bedürfnisse): Mangelzustände, die den Organismus veranlassen, Verhalten zur Beseitigung des Mangels zu initiieren.

    • Bedürfnispyramide nach Maslow: Hierarchischer Aufbau in fünf aufeinander aufbauenden Stufen. Erst nach Befriedigung einer untergelagerten Stufe wird die nächsthöhere verhaltensbestimmend:


Maslowsche Bedürfnispyramide
- *1. Existenzbedürfnisse:* Erhalt der menschlichen Existenz (z. B. Nahrung, Trinken, Schlaf).
- *2. Sicherheitsbedürfnisse:* Erhöhung der physischen und finanziellen Sicherheit (z. B. Wohnraum, Versicherungen).
- *3. Soziale Bedürfnisse:* Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Zuneigung, Kontakte.
- *4. Anerkennung:* Nutzung von Produkten als Statussymbol, Wertschätzung, Prestige.
- *5. Selbstverwirklichung:* Persönliche Entfaltung, Potenzialerfüllung.
  • Partialmodell nach Fogg (Fogg's Behavioral Model):

    • Beschreibt Verhaltensauslösung durch das simultane Zusammentreffen von drei Faktoren:

      • Trigger (Reiz): Impuls zur Handlung.

      • Motivation: Der Wille, das Verhalten auszuführen.

      • Ability (Fähigkeit/Möglichkeit): Die Leichtigkeit der Ausführung.


Fogg Behavioral Model Matrix
- Verhalten tritt nur dann ein, wenn Motivation und Fähigkeit oberhalb der Handlungsschwelle liegen und ein Trigger gesetzt wird. Geringe Motivation kann durch sehr leichte Ausführbarkeit kompensiert werden und umgekehrt.
- *Anwendungsbeispiel:* Push-Benachrichtigung mit Rabattcode auf dem Smartphone (Trigger\text{Trigger}) erhöht die Kaufabsicht (Motivation\text{Motivation}), während die Bezahlung per One-Click-In-App-Kauf extrem einfach ist (Fa¨higkeit\text{Fähigkeit}) →\rightarrow Verhaltenswirksamkeit.
  • V. Einstellung

    • Gelernte, innere Denkhaltung/Beurteilung einer Person gegenüber Objekten, Ideen oder Verhaltensweisen (positiv oder negativ).

    • Drei-Komponenten-Theorie:

    • Affektive Komponente: Gefühle und Emotionen bezüglich eines Objekts.

    • Kognitive Komponente: Wissen, Glaubenshaltungen und Gedanken bezüglich der Eigenschaften.

    • Konative Komponente: Bereitschaft oder Tendenz, in bezug auf das Objekt zu handeln (Kaufabsicht).

    • Attitude-Behavior-Gap (Einstellung vs. Verhalten):


Attitude-Behavior Gap Modell
- Eine positive Einstellung führt nicht zwingend zum Zielverhalten (*Target Behavior*). Dazwischen stehen kaufhemmende Barrieren (*Barriers*) wie hohe finanzielle Kosten, Aufwand oder Unannehmlichkeiten.
  • Kundenzufriedenheit:

    • Spezialform der Einstellung. Sie basiert auf dem Vergleich zwischen den Erwartungen des Kunden (SOLL\text{SOLL}) und der wahrgenommenen Leistung (IST\text{IST}) (C/D-Paradigma).

    • Zur Messung wird häufig der Net Promoter Score (NPS) herangezogen.

    • Kano-Modell der Kundenanforderungen:

      • Basisanforderungen: Werden als selbstverständlich vorausgesetzt (führen bei Fehlen zu extremer Unzufriedenheit, schaffen aber kaum Begeisterung).

      • Leistungsanforderungen: Werden explizit verlangt (Zufriedenheit skaliert linear mit der Erfüllung).

      • Begeisterungsanforderungen: Unerwartete Merkmale (führen bei Vorhandensein zu Überzufriedenheit).

    • VI. Werte

  • Grundlegende, dauerhafte Überzeugungen innerhalb einer Gesellschaft, die als kultureller Orientierungsrahmen fungieren.

    • Messmethoden der Konsumentenverhaltens-Determinanten

  • Befragung: Subjektive Selbsteinschätzung bezüglich Erregung, Einstellung oder Zufriedenheit.

  • Beobachtung: Erfassung von Mimik, Gestik und Verhaltensmustern.

  • Physiologische Verfahren: Objektive Messung körperlicher Reaktionen (Blutdruck, Hautwiderstand, Atmungsfrequenz, Eyetracking/Blickverlauf).

4. Marktforschung

  • Definition

    • Marktforschung ist die systematische Sammlung, Aufbereitung, Analyse und Interpretation von Daten über Märkte, Kunden und Wettbewerber als wissenschaftliche Grundlage für Marketingentscheidungen.

  • Der 7-stufige Marktforschungsprozess

    1. Festlegung der Unternehmensziele / Problemstellung.

    2. Festlegung des Untersuchungsdesigns.

    3. Festlegung der Datenerhebungsmethode.

    4. Entwicklung der Messinstrumente.

    5. Datenerhebung.

    6. Datenanalyse und -interpretation.

    7. Kommunikation der Ergebnisse.

  • I. Festlegung der Unternehmensziele

    • Präzise Formulierung des Problems und Konkretisierung durch Forschungsfragen.

  • II. Festlegung des Untersuchungsdesigns

    • Explorativ: Ersterfahrung und Strukturierung unklarer Problemfelder bei geringem Vorwissen (z. B. Tiefeninterviews, Fokusgruppen).

    • Deskriptiv: Genauere Erfassung und Beschreibung bekannter Sachverhalte sowie Erhebung von Marktkenngrößen und Zusammenhängen (z. B. repräsentative Großbefragungen).

    • Kausal: Nachweis von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen (z. B. Auswirkung einer Rabattaktion auf die Absatzmenge mittels Experimenten).

    • Zuordnungsbeispiele aus Übungen:

    1. Kundenzufriedenheit mit neuem Service →\rightarrow Deskriptiv (Messen eines IST-Zustands).

    2. Neue Konsumtrends bei nachhaltiger Bekleidung →\rightarrow Explorativ (Erkunden unbekannter Trends).

    3. Call-to-Action-Button Konversionsrate →\rightarrow Kausal (Ursache-Wirkungsvergleich).

    4. Demografische Merkmale von Onlineshop-Nutzern →\rightarrow Deskriptiv (Strukturbeschreibung).

    5. Markenassoziationen →\rightarrow Explorativ/Deskriptiv (Qualitative Erhebung und spätere Quantifizierung).

    • Labor- versus Feldexperimente:


Vor- und Nachteile von Labor- und Feldexperimenten
- *Laborexperiment Vorteile:* Hohe Kontrolle von Störvariablen (hohe interne Validität); Manipulation von Variablen möglich, die im Feld nicht gehen (z. B. Duftvarianten, Verpackungstests).
- *Laborexperiment Nachteile:* Eingeschränkte externe Validität (künstliche Situation, Testeffekt); hohe Rekrutierungskosten; schwierige Zufallsauswahl.
- *Feldexperiment Vorteile:* Hohe externe Validität (natürliches Verhalten im gewohnten Umfeld); hohe Fallzahlen zu geringen Kosten realisierbar (insbes. digital bei A/B-Tests).
- *Feldexperiment Nachteile:* Geringe Kontrollierbarkeit von Störfaktoren (geringe interne Validität); Aufdeckung von Tests gegenüber Konkurrenten; nur beobachtbares Verhalten messbar.
  • III. Festlegung der Datenerhebungsmethode


Überblick Datenerhebungsmethoden


Primär- vs. Sekundärdaten


Datenquellen für Sekundärdaten
  • Primärdaten: Speziell für die aktuelle Forschungsproblemstellung neu erhobene Daten.

  • Sekundärdaten: Nutzung bereits vorhandener Daten aus internen oder externen Quellen.

    • Vorteile Sekundärdaten: Günstig, schnell verfügbar, teilweise Totalerhebungen historischer Daten vorhanden.

    • Nachteile Sekundärdaten: Oft nicht genau passend für das spezifische Ziel, mangelnde Aktualität, fehlende Repräsentativität oder Detaillierung auf Individualniveau.

  • Datenquellen im Überblick:

    • Interne Sekundärdaten: Verkaufs- und Umsatzzahlen, CRM-Daten (Kaufhistorie, Warenkörbe), frühere Marktforschungsberichte.

    • Externe Sekundärdaten: Öffentliche Publikationen/Statistiken (Behörden, Verbände), kommerzielle Datenbanken (Marktforschungsinstitute, Beratungshaus-Reports).

  • Anwendungsfall Smartphone-Kopfhörer mit neuer Übertragungstechnologie:

    1. Weltweiter Absatz von Bluetooth-Kopfhörern: Sekundärdaten (externe Marktberichte/Branchenanalysen).

    2. Bewertung der Klangqualität des neuen Produkts: Primärdaten (qualitativer Produkttest mit Befragung/Labortest).

    3. Genutzte Marken und Relevanz von Preis vs. Qualität: Primärdaten (quantitative Befragung oder Fokusgruppen).

    4. Kundenbedürfnisse (z. B. Lifestyle, Ansehen): Primärdaten (qualitative Befragung / Tiefeninterviews).

    5. Interesse an Zusatzprodukten im stationären Verkauf: Primärdaten (Beobachtung am POS oder quantitative Käuferbefragung).

    • IV. Entwicklung der Messinstrumente

  • Operationalisierung der interessierenden Variablen (z. B. Zufriedenheit, Image) und Festlegung der Skalenniveaus (Nominal-, Ordinal-, Intervall-, Verhältnisskala).

    • V. Datenerhebung

  • Auswahl der Stichprobe. Da eine Vollerhebung der Grundgesamtheit aus Kosten- und Zeitgründen selten möglich ist, muss die Teilerhebung repräsentativ strukturiert sein.

    • VI. Datenanalyse und -interpretation

  • Einsatz statistischer Verfahren (z. B. t-Test für Mittelwertvergleiche, Regressionsanalysen für Ursachenwirkungszusammenhänge).

    • VII. Kommunikation der Ergebnisse

  • Zielgruppengerechte Aufbereitung für Managemententscheidungen.

    • Fallbeispiel: Call-to-Action Optimierung im E-Commerce

  • Aufgabenstellung: Testen von zwei Button-Beschriftungen zur Newsletter-Anmeldung mit 10 % Gutschein ("Jetzt zum Newsletter anmelden und 10%-Gutschein erhalten" vs. "Jetzt 10% Rabatt sichern bei Newsletter-Anmeldung").

  • a) Untersuchungsziel: Ermittlung der Button-Formulierung mit der höheren Konversionsrate (Newsletter-Anmeldequote).

  • b) Untersuchungsdesign: Kausales Design zur Messung des ursächlichen Einstellungs- und Verhaltensunterschieds durch veränderte Textstimuli.

  • c) Datenerhebungsmethode: Online-Feldexperiment (A/B-Test) im laufenden Webshop-Betrieb, da sich Besucher so unter realen Bedingungen verhalten.

5. Strategisches Marketing

  • I. Zieldefinition nach der SMART-Methode

    • Specific (Spezifisch): Eindeutige und präzise Formulierung des Ziels.

    • Measurable (Messbar): Nachprüfbar anhand konkreter Metriken/Kennzahlen.

    • Achievable (Erreichbar/Ansprechend): Realistisch und akzeptiert.

    • Relevant (Relevant): Bedeutsam für den Unternehmenserfolg.

    • Time-Bound (Terminiert): Mit einer klaren zeitlichen Deadline versehen.

  • Zielhierarchie im Marketing


Hierarchie von Marketing-Zielen, -Strategien und -Maßnahmen
  • Marketing-Ziele: Erstrebenswerter Zustand (Wo wollen wir hin?\text{Wo wollen wir hin?}).

  • Marketing-Strategien: Grundsätzliche Route (Wie kommen wir dorthin?\text{Wie kommen wir dorthin?}).

  • Marketing-Maßnahmen: Konkrete Schritte und Ausgestaltung des Marketing-Mix (Was mu¨ssen wir operativ tun?\text{Was müssen wir operativ tun?}).

    • II. Strategieentwicklung und Marktsegmentierung

  • Relevanter Markt: Gesamtheit aller aktuellen (Marktvolumen\text{Marktvolumen}) und potenziellen (Marktpotential\text{Marktpotential}) Abnehmer substitutiver Leistungen sowie deren Anbieter.

  • Marktsegmentierung: Aufteilung eines heterogenen Gesamtmarktes in homogene Teilmärkte (Segmente) mittels spezifischer Merkmale der Nachfrager.

  • Segmentierungskriterien:

    • Geographisch: Land, Region, Stadt/Land, Klima.

    • Soziodemographisch: Alter, Geschlecht, Einkommen, Beruf, Bildungsstand.

    • Psychodemographisch: Lebensstil, Persönlichkeit, Risikobereitschaft, Einstellungen.

    • Verhaltensorientiert: Preissensitivität, Markenloyalität, Kaufgelegenheit, Wahl der Einkaufsstätte (online vs. stationär).

    • Marktabdeckungsstrategien


Marktabdeckungsstrategien Matrix
  • Undifferenziertes Marketing (Massenmarktstrategie): Vollständige Abdeckung des Gesamtmarktes mit einem Standardangebot ohne Segmentierung.

  • Differenziertes Marketing (Gesamtmarkt): Vollständige Abdeckung des Gesamtmarktes durch unterschiedliche Angebote für jedes Segment.

  • Konzentriertes Marketing (Nischenstrategie): Teilweise Abdeckung; Ausrichtung auf ein einziges oder wenige ausgewählte Segmente.

  • Differenziertes Marketing (Einzelne Segmente): Bearbeitung mehrerer ausgewählter Teilsegmente mit jeweils angepassten Programmen.

    • Marktfeldstrategien (Ansoff-Matrix)


Ansoff-Matrix Marktfeldstrategien
  • Marktdurchdringung (Bestehende Märkte / Bestehende Produkte): Erhöhung des Absatzes bei bestehenden Kunden, Abwerben von Konkurrenzkunden, Gewinnung bisheriger Nicht-Kunden (z. B. durch Preisaktionen, Intensivierung der Werbung).

  • Marktentwicklung (Neue Märkte / Bestehende Produkte): Erschließung neuer geographischer Regionen, Erschließung neuer Zielgruppen oder neuer Verwendungszwecke.

  • Leistungsentwicklung / Produktentwicklung (Bestehende Märkte / Neue Produkte): Entwicklung echter Innovationen oder substanzieller Produktverbesserungen/-erweiterungen für bisherige Kunden.

  • Diversifikation (Neue Märkte / Neue Produkte):

    • Horizontale Diversifikation: Erweiterung um neue Produkte, die auf der gleichen Wertschöpfungsstufe stehen (z. B. Laufschuhhersteller bietet auch Freizeitschuhe an).

    • Vertikale Diversifikation: Integration vor- oder nachgelagerter Stufen der Wertschöpfungskette (z. B. Kaffeerösterei kauft Kaffeeplantage = rückwärts; öffnet eigene Café-Filialen = vorwärts).

    • Laterale Diversifikation: Eintritt in völlig neuartige Produkt- und Marktgebiete ohne sachlichen Zusammenhang zum bisherigen Kerngeschäft.

    • Das Produktlebenszyklus-Konzept (PLZ)

  • Grundkonzept: Jedes Produkt durchläuft am Markt verschiedene Phasen mit typischen Umsatz-, Gewinn- und Wettbewerbsverläufen.

  • Phasen und Merkmale:

    • 1. Einführungsphase: Geringer Umsatz, langsames Ansteigen; negativer Gewinn wegen hoher F&E- und Marketingaufwendungen; geringer Wettbewerb. Fokus: Markterschließung und Bekanntheitsaufbau.

    • 2. Wachstumsphase: Stark steigender Umsatz; Erreichen der Gewinnzone (Fixkostendegression); aufkommender Wettbewerb. Fokus: Marktanteilsaufbau und Qualitätssicherung.

    • 3. Reifephase: Maximum bei Umsatz und Gewinn; verlangsamtes Wachstum; intensiver Verdrängungswettbewerb. Fokus: Differenzierung, Kostenoptimierung, Produktvariationen.

    • 4. Sättigungsphase: Sinkender Umsatz und Gewinn; harter Preiswettbewerb; der Markt ist vollkommen gesättigt. Fokus: Rationalisierung oder Vorbereitung des Marktaustritts.

    • 5. Rückgangsphase (Degeneration): Starker Verfall von Umsatz und Gewinn; Marktaustritt vieler Anbieter. Fokus: Elimination oder Ausmelken des Restmarktes.

  • Fallbeispiel iPhone (Reifephase): Verkäufe bewegen sich auf sehr hohem Niveau mit verlangsamtem Wachstum; starker Wettbewerb durch Alternativen (Samsung, Xiaomi, Google Pixel); Einsatz kleinerer Innovationen (Kamera, Chips) zur Sicherung des bestehenden Ökosystems.

  • Beurteilung des PLZ-Modells:

    • Stärken: Bietet logische Orientierung zur phasenbezogenen Allokation des Marketingbudgets.

    • Schwächen: Stark vereinfachend; Verlauf lässt sich schwer exakt prognostizieren; Re-Vitalisierungen durch Relaunches werden nicht abgebildet.

    • Die BCG-Portfolio-Matrix


BCG Portfolio-Matrix
  • Achsen:

    • Y-Achse (Marktwachstum): Repräsentiert die Marktattraktivität (hoch/gering).

    • X-Achse (Relativer Marktanteil): Repräsentiert die eigene Wettbewerbsstärke im Verhältnis zum stärksten Konkurrenten (hoch/gering).

  • Vier Quadranten und Normstrategien:

    • Question Marks (Hohes Marktwachstum / Geringer relativer Marktanteil): Produkte der Einführungsphase. Benötigen liquide Mittel. Normstrategie: Selektiv ausbauen/investieren oder zurückziehen.

    • Stars (Hohes Marktwachstum / Hoher relativer Marktanteil): Produkte der Wachstumsphase. Führende Marktposition. Normstrategie: Halten und durch Investitionen weiter ausbauen.

    • Cash Cows (Geringes Marktwachstum / Hoher relativer Marktanteil): Produkte der Reifephase. Generieren hohe Überschüsse bei geringem Reinvestitionsbedarf. Normstrategie: Melken/Halten und Gewinne abschöpfen.

    • Poor Dogs (Geringes Marktwachstum / Geringer relativer Marktanteil): Produkte der Sättigungs-/Rückgangsphase. Geringe bis negative Erträge. Normstrategie: Desinvestieren, Abschöpfen oder Liquidieren.

  • Zusammenhang PLZ und BCG-Matrix: Die Quadranten entsprechen den Phasen des PLZ (Einführung →\rightarrow Question Mark, Wachstum →\rightarrow Star, Reife →\rightarrow Cash Cow, Rückgang →\rightarrow Poor Dog).

6. Markenpolitik

  • Das Markensteuerrad nach Esch


Markensteuerrad nach Esch
  • Ein Rahmenwerk zur Festlegung der Identität einer Marke auf Basis von vier Quadranten rund um den zentralen Markenkern:

    • Markenkompetenz (Wer bin ich?): Der Markenkern und die Wurzeln der Marke.

    • Markenattribute (Über welche Eigenschaften verfüge ich?): Produkt- und Unternehmenseigenschaften; auch bekannt als Reasons-to-Believe (z. B. patentierte Technologie, Zertifikate).

    • Markennutzen (Was biete ich an?): Funktionaler und psychosozialer Nutzen für den Abnehmer.

    • Markentonalität (Wie bin ich?): Persönlichkeitsmerkmale, Beziehungsmerkmale, vermittelte Gefühle und Erlebnisse.

    • Markenbild (Wie trete ich auf?): Visuelles Erscheinungsbild (Corporate Design, Verpackung, Design, Sensorik).

    • Formen der Markenarchitektur

  • Einzelmarkenstrategie: Jedes Produkt/Jede Leistung erhält eine eigene Marke. Das Mutterunternehmen tritt in den Hintergrund (z. B. Procter & Gamble, Unilever).

    • Vorteile: Gezielte Ansprache eng abgegrenzter Zielgruppen; kein Badwill-Risiko für andere Marken bei Misserfolg.

    • Nachteile: Hoher finanzieller Aufwand für Branding und Markeneinführung; kein positiver Imagetransfer.

  • Dachmarkenstrategie: Sämtliche Produkte eines Unternehmens werden unter einer einheitlichen Hauptmarke geführt (z. B. Siemens, BMW).

    • Vorteile: Reduzierter Aufwand je Neuprodukt; sofortige Bekanntheit und Goodwill-Transfer.

    • Nachteile: Risiko von Markenverwässerung; Badwill-Effekte bei Skandalen auf das gesamte Sortiment.

  • Familienmarkenstrategie: Führung einer Produktgruppe/Produktlinie unter einer einheitlichen Marke (z. B. Nivea, Dr. Oetker).

    • Vorteile: Ausnutzung von Synergien; kosteneffizientere Erweiterungen (Line Extensions).

    • Nachteile: Kernmarke begrenzt Erweiterungsmöglichkeiten auf verwandte Kategorien.

    • Fallbeispiel Startup SneakSusFly:

  • Ausgangslage: Drei Produktlinien von nachhaltigen Sneakern: Premium (200–250 EUR), Budget (50–70 EUR) und Kinder-Sneaker (40–60 EUR).

  • Bewertung: Eine Einzelmarkenstrategie verursacht für ein Startup zu hohe Branding-Kosten. Eine Dachmarkenstrategie erschwert die sehr unterschiedliche Positionierung der High-End- und Budget-Zielgruppen. Es empfiehlt sich daher eine Familienmarkenstrategie (z. B. SusFly Deluxe, SusFly Classic, SusFly Kids) zur Synergienutzung bei klarer Differenzierung.

    • Dynamisches Markenmanagement (Ansoff-äquivalente Matrix)


Strategische Optionen der Markenarchitektur
  • Linienausweitung (Line Extension): Bestehende Marke / Bestehende Produktlinie (z. B. Mercedes B-Klasse, Jever Light).

  • Markentransfer (Brand Extension): Bestehende Marke / Neue Produktlinie (z. B. Camel Boots, Nivea Deo).

  • Parallelmarkeneinführung (Multibranding): Neue Marke / Bestehende Produktlinie (z. B. verschiedene Biermarken einer Brauerei).

  • Neuentwicklung: Neue Marke / Neue Produktlinie (z. B. Lexus bei Toyota).

  • Markenkonsolidierung: Bereinigung des Portfolios durch Migration, Stilllegung oder Verkauf schwacher Marken.

7. Produktpolitik

  • Produktbegriff und Digitale Güter

    • Ein Produkt ist ein Bündel von Eigenschaften, das darauf abzielt, einen wahrnehmbaren Kundennutzen zu stiften.

    • Besonderheiten digitaler Güter (z. B. Software, Apps):

    • Distribution: Physisch fehlerfreie, weltweite und sofortige Bereitstellung über digitale Infrastrukturen.

    • Entwicklung: Hohe Ersterstellungskosten (First Copy Costs), aber vernachlässigbare Grenzkosten der Vervielfältigung (Grenzkosten→0\text{Grenzkosten} \rightarrow 0).

    • Veränderbarkeit: Unfertige Versionen (BETA) können schnell veröffentlicht und kontinuierlich gepatcht werden.

    • Netzwerkeffekte: Positive Feedback-Schleifen; der Nutzen steigt mit wachsender Anwenderzahl.

  • Ebenen der Nutzenkategorien


Nutzenkategorien von Produkten
  • Funktionaler Nutzen: Basiert auf physikalisch-funktionalen Produkteigenschaften (z. B. Mobilität durch ein Fahrrad).

  • Ökonomischer Nutzen: Wirtschaftlicher Vorteil (z. B. Ersparnis von Ticketkosten oder Zeit).

  • Prozessbezogener Nutzen: Vorteile im Beschaffungs- oder Nutzungsprozess (z. B. schnelle Lieferung, einfache Retoure).

  • Emotionaler Nutzen: Auslösung positiver Gefühle beim Konsum (z. B. Freude am Fahren).

  • Sozialer Nutzen: Wirkung auf das soziale Umfeld (z. B. Statussymbol, Bewunderung durch Freunde).

    • Produktgestaltungsebenen

  • Produktkern: Kerneigenschaften und Primärfunktion (z. B. Prozessor und Arbeitsspeicher eines Laptops).

  • Zusatzeigenschaften: Über die Kernfunktion hinausgehendes Design und Ausstattung.

  • Verpackung: Schutzfunktion, Ästhetik und Transportfähigkeit.

  • Basisdienstleistungen: Vorausgesetzte Services (z. B. gesetzliche Gewährleistung).

  • Zusatzdienstleistungen: Differenzierende Zusatzleistungen (z. B. Vor-Ort-Reparaturservice).

  • Marke: Die Identitätsverkörperung des Produkts.

    • Produktprogrammgestaltung


Maßnahmen der Produktprogrammgestaltung
  • Programmbreite: Anzahl der verschiedenen Produktarten im Sortiment.

  • Programmtiefe: Anzahl der Varianten innerhalb einer Produktart.

  • Handlungsoptionen:

    • Produktdifferenzierung: Ergänzung bestehender Produkte um neue Varianten (Erhöhung der Tiefe).

    • Produktvariation / Modifikation: Ablösung einer alten Variante durch eine verbesserte Ausführung.

    • Produktinnovation: Aufnahme neuartiger Produktlinien (Erhöhung der Breite).

    • Produktelimination: Streichung von unrentablen Produkten aus dem Sortiment.

    • 5-stufiger Produktinnovationsprozess

  • Bestimmung des Zielmarktes/Suchfeldes.

  • Ideenfindung und -bewertung.

  • Konzeptentwicklung und -prüfung.

  • Produktentwicklung und Produkttest.

  • Markteinführung.

    • Fallbeispiel Sneaker-Personalisierung (Konfigurator):

  • Motive: Bessere Abdeckung individueller Kundenbedürfnisse, höhere Zahlungsbereitschaft, Abhebung von Wettbewerbern.

  • Risiken: Extrem steigende Komplexität und Herstellkosten in der Logistik, längere Lieferzeiten, höhere Retourenentsorgungskosten.

8. Preispolitik

  • Besonderheiten preispolitischer Entscheidungen

    • Hohe Wirkungsgeschwindigkeit und große Wirkungsstärke auf Absatz und Gewinn; sehr schnelle Umsetzbarkeit, jedoch oft schwere Revidierbarkeit (Kunden gewöhnen sich an niedrige Preise).

  • Preiselastizität der Nachfrage

    • Maßstab dafür, wie empfindlich die Nachfragemenge xx auf eine Preisänderung pp reagiert:

\varepsilon_{x_i, p_i} = \frac{\frac{\Delta x_i}{x_i}}{\frac{\Delta p_i}{p_i}} = \frac{\frac{x_{i,\text{neu}} - x_{i,\text{alt}}}{x_{i,\text{alt}}}}{\frac{p_{i,\text{neu}} - p_{i,\text{alt}}}{p_{i,\text{alt}}}}\n

  • Interpretation:

    • ∣εx,p∣<1→|\varepsilon_{x,p}| < 1 \rightarrow Unelastische Nachfrage: Die prozentuale Mengenänderung ist kleiner als die prozentuale Preisänderung.

    • ∣εx,p∣>1→|\varepsilon_{x,p}| > 1 \rightarrow Elastische Nachfrage: Die prozentuale Mengenänderung ist größer als die prozentuale Preisänderung.

    • Forms der Preisdifferenzierung


Formen der Preisdifferenzierung
  • Voraussetzung: Fencing (Abgrenzung der Segmente muss möglich sein, um Arbitragegeschäfte zu verhindern).

  • Arten:

    • Zeitlich: Flugtarife, Frühbucherrabatte, Happy Hours.

    • Räumlich: Unterschiedliche Preise je nach Land oder Region.

    • Personenbezogen: Studententarife, Seniorenpreise.

    • Kanalbezogen: Online-Shop vs. Stationärer Handel.

    • Mengenbezogen: Mengenrabatte, Staffelpreise.

    • Leistungsbezogen: Premium-Versionen, First-Class vs. Economy.

    • Preisbündelung: Paketangebote (z. B. Komplett-PC, 3-in-1 Internet/TV/Telefon).

    • Pricing-Strategien bei Neueinführung


Penetration Pricing vs Skimming Pricing
  • Penetrationsstrategie: Niedriger Einführungspreis zur schnellen Erlangung hoher Marktanteile und Erzielung von Skaleneffekten. Empfohlen bei hoher Preiselastizität und hoher Nachahmungsgefahr.

  • Skimmingstrategie (Abschöpfung): Hoher Anfangspreis zur Maximierung des Deckungsbeitrags bei Innovatoren; schrittweise Preissenkung im Zeitverlauf. Empfohlen bei technologischem Vorsprung, beschränkten Kapazitäten und rascher Veralterungsgefahr.

    • Fallbeispiel und Rechenübung GlideSoft10 (Nassrasierer):

  • Daten: Aktueller Preis p1=9,99 EURp_1 = 9{,}99\,\text{EUR}, Absatz x1=20.000 Stu¨ck/Monatx_1 = 20.000\,\text{Stück/Monat}, variable Kosten kv=4,50 EUR/Stu¨ckk_v = 4{,}50\,\text{EUR/Stück}. Geplante Preissenkung auf p2=8,50 EURp_2 = 8{,}50\,\text{EUR} erwartet Absatz von x2=25.000 Stu¨ck/Monatx_2 = 25.000\,\text{Stück/Monat}.

  • a) Deckungsbeitragsberechnung:

DB_{\text{alt}} = (9{,}99\,\text{EUR} - 4{,}50\,\text{EUR}) \times 20.000 = 109.800\,\text{EUR}\n

DB_{\text{neu}} = (8{,}50\,\text{EUR} - 4{,}50\,\text{EUR}) \times 25.000 = 100.000\,\text{EUR}\n

\Delta DB = 100.000\,\text{EUR} - 109.800\,\text{EUR} = -9.800\,\text{EUR}\n

  • Ergebnis: Der Deckungsbeitrag sinkt monatlich direkt um 9.800 EUR9.800\,\text{EUR}.

  • b) Strategische Gesamtabwägung: Berücksichtigung von Nachkauf-Effekten (Customer Lifetime Value). Wenn Neukunden über das günstigere Probe-Set gewonnen werden und anschließend hochprofitable Rasierklingen nachkaufen, kann der langfristige Gesamt-DB trotz des primären Verlusts beim Probe-Set steigen.

  • c) Berechnung der Preiselastizität:

PE = \frac{\frac{25.000 - 20.000}{20.000}}{\frac{8{,}50 - 9{,}99}{9{,}99}} = \frac{0{,}25}{-0{,}14915} \approx -1{,}68\n

  • Interpretation: Die Nachfrage reagiert elastisch (∣−1,68∣>1|-1{,}68| > 1). Eine Preissenkung von 1 % führt zu einer Mengenausweitung von ca. 1,68 %.

    • Konditionenpolitik

  • Gestaltung von Zahlungsbedingungen (Finanzierung, Skonto), Rabattsystemen, Rücktrittsrechten, Vertragslaufzeiten und Lieferbedingungen.

9. Kommunikationspolitik

  • Definition

    • Die systematische Planung, Gestaltung, Abstimmung und Kontrolle aller Kommunikationsmaßnahmen eines Unternehmens gegenüber seinen Zielgruppen zur Erreichung der Kommunikations- und Marketingziele.

  • Prozess der Kommunikationspolitik


Prozess der Kommunikationspolitik
  1. Bestimmung der Kommunikationsziele und -zielgruppen.

  2. Durchführung der Budgetierung und Kanalauswahl.

  3. Gestaltung der Kommunikationsmaßnahmen.

  4. Kontrolle der Wirkung (Pretest).

  5. Durchführung der Kommunikation.

  6. Kontrolle des Kommunikationserfolgs (Posttest).

  • Instrumente des Kommunikationsmix


Instrumente der Marketing-Kommunikation
  • Klassische Werbung: TV, Print, Radio, Plakate/Outdoor.

  • Direktmarketing: Mailing, Kataloge, Newsletter.

  • Online-Marketing: SEO, SEA, Social Media, Influencer Marketing, Content Marketing.

  • Verkaufsförderung (Sales Promotion): Aktionen für Händler und Endverbraucher (z. B. Proben, Rabattcoupons).

  • Öffentlichkeitsarbeit (PR): Pressemitteilungen, Sponsoring, Geschäftsberichte.

  • Persönlicher Verkauf: Messen, Verkaufsgespräche im B2B-Bereich.

    • Gegenüberstellung SEO vs. SEA

  • SEO (Search Engine Optimization - Organisch):

    • Kosten: Keine klickbezogenen Gebühren; initiale Kosten für Erstellung und Tools.

    • Geschwindigkeit: Langsam ("Marathon"), Wirkung stellt sich erst verzögert ein.

    • Nachhaltigkeit: Sehr hoch; erzielte Rankings bleiben oft lange stabil.

    • Vertrauen: Höhere Glaubwürdigkeit bei Nutzern.

  • SEA (Search Engine Advertising - Bezahlt):

    • Kosten: Direkt bezahlt pro Klick (CPC); benötigt kontinuierliches Budget.

    • Geschwindigkeit: Sofortige Sichtbarkeit nach Kampagnenstart.

    • Nachhaltigkeit: Gering; Sichtbarkeit endet mit Budgetende.

    • Vertrauen: Werbekennzeichnung kann Skepsis hervorrufen.

    • Erfolgsmessung am Beispiel des Tausend-Kontakt-Preises (TKP / CPM)

  • Formel:

TKP = \frac{\text{Gesamtkosten der Schaltung}}{\text{Anzahl der Impressionen}} \times 1000\n

  • Rechenbeispiel: Werbeausgaben von 5.000 EUR5.000\,\text{EUR} erzielen 1.000.0001.000.000 Anzeigeneinblendungen auf Facebook:

TKP = \frac{5.000\,\text{EUR}}{1.000.000} \times 1000 = 5\,\text{EUR}\n

  • Hinweis: Der TKP misst nur die reine Reichweite/Reizexposition, noch nicht die inhaltliche Werbewirkung oder Konversion.

10. Distributionspolitik

  • Definition

    • Die Distributionspolitik umfasst alle Entscheidungen bezüglich des Weges einer Leistung vom Hersteller zum Endverbraucher.

  • Vergleich Direkter vs. Indirekter Vertrieb

    • Direkter Vertrieb (Verkauf ohne Zwischenhändler):

    • Vorteile: Volle Kontrolle über Preise, Marketing und Service; direkte Kundennähe; höhere prozentuale Marge.

    • Nachteile: Hoher eigener organisatorischer und finanzieller Aufwand; begrenzte Massenreichweite.

    • Indirekter Vertrieb (Verkauf über Absatzmittler/Händler):

    • Vorteile: Rasche Marktdurchdringung; Händler verfügen bereits über Kundenstamm und Logistik.

    • Nachteile: Margenteilung; Kontrollverlust bezüglich Endkundenpreisen und Markendarstellung; Abhängigkeit von Händlermacht.

  • Absatzkanalstruktur


Absatzkanalstruktur
  • Vertikale Struktur: Direkt vs. Indirekt (vertraglich gebunden vs. rechtlich/wirtschaftlich frei).

  • Horizontale Struktur (Distributionstiefe):

    • Intensive Distribution: Erzielung eines maximalen Distributionsgrads überall im Handel (z. B. Kaugummi, Mineralwasser, Süßwaren).

    • Selektive Distribution: Auswahl der Händler nach bestimmten qualitativen Kriterien wie Fachberatung oder Raumausstattung (z. B. Elektronik, Haushaltsgeräte).

    • Exklusive Distribution: Sehr wenige, exklusiv ausgewählte Partner je Region mit hohen Auflagen (z. B. Luxusmarken, Neuwagen).

11. Klausurrelevante Kernkonzepte

  • SMART-Formel: Ziele stets spezifisch, messbar, ansprechend, relevant und terminiert definieren.

  • S-O-R Modell: Reiz (SS) →\rightarrow Kognition/Emotion (OO) →\rightarrow Kaufreaktion (RR).

  • Fogg's Model: Verhaltenswirksamkeit erfordert das synchrone Vorliegen von Trigger, Motivation und Ability.

  • Einstellung vs. Verhalten: Einstellungen sind vorgelagert, führen wegen Barrieren aber nicht automatisch zum Kauf.

  • Kano-Modell: Trennung von Basis-, Leistungs- und Begeisterungsanforderungen.

  • Digitale Güter: Hohe First-Copy-Costs bei verschwindend geringen Grenzkosten und starken Netzwerkeffekten.

  • BCG-Matrix: Zuordnung nach Marktwachstum und relativem Marktanteil (Question Mark, Star, Cash Cow, Poor Dog).

  • Markensteuerrad nach Esch: Strukturierung in Kern, Attribute, Nutzen, Tonalität und Markenbild.

  • Marktforschungsdesigns: Explorativ (Erkunden), Deskriptiv (Beschreiben), Kausal (Ursache-Wirkung messen).

  • Preisdifferenzierung: Voraussetzung ist das Fencing zur Ausnutzung unterschiedlicher Zahlungsbereitschaften.

  • SEO vs. SEA: Nachhaltiger organischer Vertrauensaufbau vs. kurzfristig erkaufte bezahlte Reichweite.