Tutorium Sitzung 5 – Römische Kaiserzeit I & Rückblick Vorrömische Eisenzeit
- Tutorium begleitet die Vorlesung „Grundlagen Epochen: Einführung in die Frühgeschichte Nordeuropas (LV 79300 & 79301)“
- Sitzung 5: Thematischer Schwerpunkt „Römische Kaiserzeit Teil 1 (und ein bisschen vorrömische Eisenzeit)“
- Terminplan der Vorlesung + Tutorien (SS 2025)
- 07.04. 2025 Vorbesprechung & Jüngere Bronzezeit (nördliches Mitteleuropa) → Tutorium 09.04. (Winger)
- 14.04. 2025 Ältere Vorrömische Eisenzeit → Tutorium 16.04. (Leppin)
- 28.04. 2025 Ältere Vorrömische Eisenzeit → Tutorium 30.04. (Wunderlich/Winger)
- 05.05. 2025 Jüngere Vorrömische Eisenzeit → kein Tutorium am 07.05.
- 12.05. 2025 „Rom und Germanien“ → Tutorium 14.05. (Schulte/Leppin)
- 19.05. 2025 Römische Kaiserzeit → Tutorium 15.05. (Leppin)
- 26.05. 2025 Völkerwanderungszeit → Tutorium 28.05. (Leppin)
- 02.06. 2025 Merowingerzeit → Tutorium 04.06. (Massalski/Winger)
- 16.06. 2025 Karolingerzeit → Tutorium 18.06. (Leppin)
- 23.06. 2025 Sachsen & Angelsachsen → Tutorium 25.06. (Leppin)
- 30.06. 2025 Wikinger → Tutorium 02.07. (Bartel/Winger)
- 07.07. 2025 Slawen → Tutorium 09.07. (Budach/Winger)
- 16.07. 2025 Klausurvorbereitung (Winger/Leppin)
- 21./28.07. Klausurtermine (TBD 14./21.07.)
Rückblick auf die Vorwoche: „Tod und Kult bei den Kelten“
- Besprochene Fundorte (Picardie/Frankreich):
- Gournay-sur-Aronde & Ribemont-sur-Ancre
- Großflächige, umhegte Kultareale ("Enclos cultuel 1/2", „Esplanade“)
- Interpretation: Opferstätten mit Waffen- und Menschenopfern → Einblick in keltische Jenseitsvorstellungen und rituelle Praxis
- Leitfragen, die Studierende wiederholen sollten:
- „Was ist das? Wo kommt das her? Wer hat das gemacht?“ → Methodisches Einordnen archäologischer Funde
Begriffliche & Chronologische Verortung (Folie 3)
- Periodenbegriffe (Europa-Zentral):
- Steinzeit → Bronzezeit → Eisenzeit
- Innerhalb der Eisenzeit: Hallstatt (Früh-/Mittel-/Spät) & Latène (Früh-/Mittel-/Spät)
- Nachfolgend: Römische Kaiserzeit → Völkerwanderungszeit → Früh-, Hoch-, Spätmittelalter
- Völkergruppen / Themenfelder:
- Kelten, Germanen, Slawen, Wikinger, Sachsen, Angelsachsen, Merowinger, Karolinger
Oppida – keltische Großsiedlungen
- Kartierte Beispiele (u. a. Folie 7): Alesia, Bibracte, Manching, Titelberg, Heidengraben, Kelheim, Dünsberg, Hengistbury Head, Stradonice, etc.
- Charakteristika (Folie 8):
- Befestigte Siedlungen mit nahezu städtischem Charakter
- Differenzierte Bausubstanz & verdichtete Infrastruktur
- Spezialisierung & Diversifizierung von Handwerk (Glas, Metall, Keramik)
- Großräumiger Handel (Im-/Export), oft Münzprägung → Hinweis auf administrative Funktionen
- Zentralorte im regionalen Siedlungsgefüge → sozio-politische Kontrollzentren
Schriftquellen zu den Kelten (Folie 9)
- Antike Autoren, deren Berichte zentrale Hintergrundinformationen liefern:
- Herodot (5. Jh. v. Chr.)
- Polybios von Megalopolis (ca. 200–120 v. Chr.)
- Poseidonius von Apameia (135–51 v. Chr.)
- Gaius Iulius Caesar (100–44 v. Chr.) → „De bello Gallico“
- Strabon (63 v. Chr. – 23 n. Chr.)
- Quellenkritik: ethnographische Stereotype, politische Agenda, militärischer Kontext → stets archäologisch gegentesten
La Tène – Namensgeber & Fundplatz (Folie 10)
- Lage: Schweizer Ufer des Neuenburgersees
- Befund: Vermutete hölzerne Brückenkonstruktion, genutzt als Heiligtum/Opferplatz
- Namensgebend für gesamte Späteisenzeit-Kulturstufe (ca. 480–15 v. Chr.)
Latène-Fibeln (Folie 11–12)
- Typologische Entwicklung → Drei Hauptphasen:
- Frühlatène-Schema (z. B. Certosa-Fibel)
- Mittellatène-Schema
- Spätlatène-Schema (z. B. Vogelkopffibel)
- Bedeutung: Kleidungsschließen, Statussymbole, chronologische Leitfossilien
Sachbegriffe der römischen Kaiserzeit
Terra Sigillata (Folie 13)
- „Gestempelte (versiegelte) Erde“ → glänzend rote/braune Feinkeramik
- Produktion auf der Schnell-Töpferscheibe; typisch römisches Tafelgeschirr
- Dekoration: Modeln & Appliken erzeugen Reliefmuster
- Farbskala: orange → rot → braun → terra nigra (schwarz)
- Archäologischer Nutzen: Datierung durch Fabrikstempel & Dekorserien, Handelswege rekonstruierbar
Vicus (Folie 14)
- Ursprüngliche Wortbedeutung: Häusergruppe / Quartier / Viertel
- Im römischen Sprachgebrauch:
- Allgemein: (Klein-)Siedlung mit Schwerpunkt Handwerk / Produktion
- Speziell archäologisch: Kastellvicus → zivile Siedlung unmittelbar an ein Militärlager (Kastell) angeschlossen
- Forschungsperspektive: Sozialstruktur (Veteranen, Händler, Familien), Interaktion Militär-Zivilgesellschaft, Romanisierung
Offene Leitfragen für die nächste Sitzung
- Wie verändert der Kontakt zu Rom die materielle Kultur Germaniens?
- Welche Kontinuitäten/Brüche zwischen Vorrömischer Eisenzeit und Römischer Kaiserzeit lassen sich fassen?
- Inwiefern spiegeln Schriftquellen germanisch-römische Interaktionen objektiv wider, und wo greifen archäologische Korrektive?
Take-Home-Messages
- Zeitliche Einordnung & Terminologie sind essenziell, um Fundkomplexe (z. B. Oppida, Vicus, Terra Sigillata) korrekt in den europäischen Kontext zu stellen.
- Archäologische Typologien (Fibeln, Keramik) dienen als Datierungs- und Kulturindikatoren, sollten jedoch immer mit naturwissenschaftlichen und historischen Daten kombiniert werden.
- Antike Autoren liefern wertvolles, aber parteiisches Wissen über Kelten und Germanen; kritisches Lesen ist unerlässlich.
- Römischer Einfluss zeigt sich nicht nur in Luxusgütern (Sigillata) sondern in strukturellen Veränderungen des Siedlungswesens (Vici, Kastellvicus).