Verhalten und Fitness in der Biologie
Verhalten: Erklärungsebenen und Ursachen
Erklärungsebenen für Verhalten:
- Unmittelbare / proximate Ursachen:
- Untersuchung interner und externer Faktoren, die ein Verhalten beeinflussen.
- Mechanismen der Verhaltensphysiologie: Zielgerichtete Analyse, wie biologische Systeme auf äußere Stimuli reagieren.
- Evolvierte / ultimate Ursachen:
- Analyse der Konsequenzen eines Verhaltens für den Überlebens- und Fortpflanzungserfolg.
- Betrachtung der adaptiven Bedeutung: Warum hat ein Verhalten evolutionären Wert?
- Kontext der Verhaltensökologie: Wie beeinflussen Umweltfaktoren das Verhalten?
Beispiel: Sexuelle Selektion
- Gesang von Singammern:
- Der Gesang der Männchen und das „Display“-Verhalten der Weibchen vor der Kopulation.
- Die Rolle des Gesangs bei der sexuellen Selektion: Gesang als Indikator für genetische Fitness.
Genetische Grundlagen des Verhaltens
- Änderungen genetischer Grundlagen:
- Beispiele:
- Hausmaus: Forschung zur Laufaktivität.
- Drosophila: Untersuchung zur Phototaxis.
- Verweis auf Wehner, Gehring (2007) in „Zoologie“.
- Beispiele:
Messung des Verhaltenswerts
- Fitness-Konzept (genetische Eignung):
- Komponenten:
- Individualfitness: direkter Beitrag eines Individuums zur Genbasis der nächsten Generation durch Fortpflanzung (verweisend auf Hamilton 1964).
- Betrachtung der Fragestellung: „Wann ist Verhalten besonders wichtig für die Fitness?"
- Zugänge zu Ressourcen: Nahrung, Habitatwahl, Orientierung
- Vermeidung von Räubern: Mechanismen zur Abwehr, Parasitenbekämpfung
- Fortpflanzung: Partnersuche, Auswahl und Konflikte
- Aufzucht der Jungen: Brutpflege und Versorgung
- Komponenten:
Optimierungsstrategien des Verhaltens
- Verhaltensoptimierung:
- Analyse von Kosten und Nutzen, z.B. im Hinblick auf Energieaufwand und Einnahmen.
- Beispiel: Gruppenbildung bei Wachteln (Bobtail quail)
- Vorteile: Geringeres Risiko, Beute zu werden.
- Nachteile: Konkurrenz um Nahrungsquellen sowie schnellere Ausbeute der Nahrungsquelle.
- Fragestellung: Verhalten die Tiere hinsichtlich der Gruppengröße „optimal“?
Strategien zur Kosten- und Nutzenmessung
Messen der Kosten:
- Abhängigkeit des täglichen Bewegungsmusters von der Gruppengröße: Minimum bei etwa 10-12 Tieren.
Messen des Nutzens:
- Abhängigkeit der Überlebensrate von der Gruppengröße: Maximum bei etwa 11-12 Tieren.
Optimale Gruppengröße:
- 11 Tiere als optimale Anzahl für die Gruppendynamik.
Kooperation im Tierreich
- Helfersysteme und Altruismus:
- Definitionen:
- Mutualismus: Gegenseitige Vorteile.
- Reziprozität: Gegenseitige Hilfe.
- Fakultativer Altruismus: Temporäre Verlust an direkter Fitness (z.B. Vampire-Fledermäuse).
- Obligater Altruismus: Dauerhafter Verlust an direkter Fitness (z.B. Arbeiterbienen, die steril sind).
- Definitionen:
Fitnessmessung: Indirekte und Gesamtfitness
- Konzepte zur Fitnessmessung:
- Individualfitness: Direkter genetischer Beitrag durch Fortpflanzung (Hamilton 1964).
- Indirekte Fitness: Beitrag durch Verwandtenhilfe, besonders bei jüngeren Aufzucht.
- Gesamtfitness: Summe von Individualfitness und indirekter Fitness; Maximierung durch Selektion.
Altruismus und Haplo-Diploidie
- Beispiel von Bienenstaaten:
- Eine Königin und viele Arbeiterbienen, die von dieser Königin abstammen.
- Altruistisches Verhalten:
- Nur die Königin pflanzt sich fort, während Arbeiterinnen die Aufzucht der Nachkommen unterstützen.
- Erklärung durch das Konzept der Haplo-Diploidie: Dies führt zu einer hohen indirekten Fitness und obligatem Altruismus.
Genetische Ähnlichkeit und Verhalten
- Genetische Ähnlichkeit bei der Furchenbiene (Lasioglossum):
- Einfluss genetischer Ähnlichkeit auf Akzeptanz und Sozialverhalten.
Menschliches Verhalten und biologische Grundlagen
- Moralisches Verhalten:
- Forschung zu moralisch relevantem Verhalten bei Tieren, Frage: Haben Tiere eine Vorstellung von „Fairness“?
Literatur
- Empfohlene Quellen:
- Alcock, J. (2006): “Animal Behavior” - Das Original mit Übersetzungshilfen, Elsevier/Spektrum-Verlag.
- Kappeler, P. (2009): „Verhaltensbiologie“, Springer.
- Zusammenfassung in Wehner/Gehring