Grundlagen Management
Begriff und Dimensionen des Managements
Begriffsbestimmung und Mehrdimensionalität:
- Der Begriff Management beschreibt die Planung, Koordination und Durchführung sämtlicher Aktivitäten in einem Unternehmen zur Verwirklichung vorgegebener Ziele.
- Der Begriff beinhaltet drei zentrale Dimensionen:
- Management als Personengruppe innerhalb eines Unternehmens (organisatorische Funktionsträger).
- Management als Tätigkeit innerhalb eines Unternehmens (konkrete Handlungsvollzüge).
- Management als Methode zur zielgerichteten Führung eines Unternehmens (Handlungsleitfäden und Steuerungsinstrumente).
Perspektiven des Managements:
- Institutionelle Perspektive: Konzentriert sich auf Personen, die berechtigt sind, Anweisungen zu erteilen. Während historisch ausschließlich die oberste Hierarchiespitze als Management verstanden wurde, schließt der moderne Begriff jede Person ein, die Aufgaben der Unternehmenssteuerung wahrnimmt. Hierzu gehören Führungskräfte der oberen Ebene (z. B. Vorstandsvorsitzende), der mittleren Ebene (z. B. Abteilungsleiter) sowie der unteren Führungsebene (z. B. Meister).
- Funktionale Perspektive: Beschreibt Management als einen Komplex von Aufgaben zur Organisationssteuerung, der unabhängig von bestimmten Personenkreisen oder hierarchischen Titeln existiert und unmittelbar der betrieblichen Zielerreichung dient.
Verhältnis von Sach- und Managementfunktionen:
- Leitungspositionen umfassen sowohl spezifische Sachfunktionen (wie Einkauf, Produktion, Vertrieb/Verkauf) als auch übergeordnete Managementfunktionen (Planung, Organisation, Kontrolle).
- Je höher eine Person in der Unternehmenshierarchie positioniert ist, desto größer ist der zeitliche und inhaltliche Anteil an reinen Managementaufgaben an ihrer Gesamttätigkeit.
- Management fungiert nach funktionalem Verständnis als Querschnittsfunktion über alle Sachfunktionsbereiche hinweg.
- Zwischen Sach- und Managementfunktionen besteht eine komplementäre Beziehung: Sie müssen ineinandergreifen, um maximale betriebliche Effizienz zu sichern.
- Verknüpfungscharakter: Management stellt eine komplexe Verknüpfungsaktivität dar, welche betriebliche Ressourcen und Funktionen netzartig überlagert, zu einem einheitlichen Leistungsprozess zusammenführt und die Sachbereiche steuernd durchdringt (Schreyögg & Koch, 2014).

- Verbindliche Definition des Managements (Schreyögg & Koch, 2014, S. 8):
- „Management ist ein Komplex von Steuerungsaufgaben, die bei der Leistungserstellung und -sicherung in arbeitsteiligen Organisationen erbracht werden müssen. Diese Aufgaben stellen sich in der Praxis als immer wiederkehrende Probleme dar, die im Prinzip in jeder Leitungsposition zu lösen sind, und zwar unabhängig davon, in welchem Ressort, auf welcher Hierarchieebene und in welcher Organisation sie anfallen.“
Klassischer und adaptiver Managementprozess
- Kernfunktionen des Managements nach Koontz und O'Donnell (1955):
- Der Steuerungszyklus umfasst fünf fundamentale Kernfunktionen, die bis heute Gültigkeit besitzen:
- Planung
- Organisation
- Personaleinsatz
- Führung
- Kontrolle
- Tätigkeiten wie Koordination oder Entscheidung stellen keine separaten Einzelfunktionen dar; sie durchdringen als permanente Querschnittsprozesse jede der fünf Kernfunktionen gleichermaßen.
- Der Steuerungszyklus umfasst fünf fundamentale Kernfunktionen, die bis heute Gültigkeit besitzen:

- Phasen des klassischen Managementprozesses:
- 1. Planung: Fungiert als Primärfunktion des Prozesses. Hier werden Ziele definiert und der Soll-Zustand sowie Wege zur Zielerreichung skizziert. Sämtliche Folgefunktionen leiten sich aus der Planung ab.
- 2. Organisation: Bereitet die Pläne auf die operative Umsetzung vor. Konkrete Aufgaben werden festgelegt, in geordnete Abläufe überführt, Abteilungen strukturiert, Kompetenzen zugewiesen und formale Kommunikationswege eingerichtet.
- 3. Personaleinsatz: Beinhaltet die anforderungsgerechte Stellenbesetzung (Passung von Mitarbeiterqualifikation und Stellenprofil). Umfasst zudem die fortlaufende Personalentwicklung, standardisierte Leistungsbeurteilungen sowie leistungsgerechte Entlohnungssysteme.
- 4. Führung: Repräsentiert die Verhaltenssteuerung und tägliche Feinsteuerung der Mitarbeiter zur kontinuierlichen Arbeitsausführung und Zielrealisierung.
- 5. Kontrolle: Beinhaltet den Soll-Ist-Vergleich zur Überprüfung, ob Pläne termingerecht und qualitätskonform realisiert wurden. Sie liefert elementare Rückmeldungen für Korrekturen oder notwendige Neuplanungen und schließt damit den Managementzyklus, da Kontrollergebnisse die empirische Basis künftiger Planungen bilden.

Grenzen des klassischen Modells und die VUCA-Welt:
- Der klassische Prozess setzt das Primat der Planung und damit eine statische, vorhersagbare Umwelt voraus.
- Heutige Organisationen agieren in einer VUCA-Welt:
- Volatility (Unbeständigkeit): Hohe Veränderungsgeschwindigkeit und Instabilität.
- Uncertainty (Unsicherheit): Mangelnde Vorhersehbarkeit künftiger Ereignisse.
- Complexity (Komplexität): Vielschichtige Vernetzung zahlloser Faktoren.
- Ambiguity (Mehrdeutigkeit): Unklare und widersprüchliche Informationslagen.
Der adaptive Managementprozess:
- Etabliert flexible, reaktionsschnelle Systeme angesichts von Digitalisierung, Kundenfokussierung und internationalem Wettbewerb.
- Aufhebung des Planungsprimats: Die Planung verliert ihre hierarchische Sonderrolle und steht gleichrangig neben Organisation, Personaleinsatz, Führung und Kontrolle.
- Pläne werden in dynamischen Zyklen kontinuierlich hinterfragt und situativ angepasst.
- Funktionen laufen synchron oder zirkulär ab und reagieren iterativ auf neu auftretende Problemstellungen.
Strategieentwicklung, Strategieumsetzung und strategische Kontrolle
Der Optionsansatz in der Strategiebildung:
- Strategisches Verhalten lässt sich selten in universelle Normen pressen. Der Optionsansatz nutzt etablierte Normstrategien als Fundament zur Generierung neuartiger strategischer Optionen auf zwei Betrachtungsebenen: Geschäftsfeldebene und Unternehmensebene.
Strategieentwicklung auf Geschäftsfeldebene (Wettbewerbsstrategie):
- Zur Konzeption einer soliden Wettbewerbspositionierung müssen drei grundlegende Dimensionen synchron beantwortet werden:
- Ort des Wettbewerbs (Marktabdeckung): Entscheidung zwischen Gesamtmarkt (Kernmarkt) oder fokussiertem Teilmarkt (Nische), abhängig von unternehmenseffizienten Kernstärken.
- Regeln des Wettbewerbs (Geschäftsfeldstruktur):
- Konservativer / strukturanpassender Ansatz: Akzeptiert vorherrschende Marktstrukturen als gegeben und positioniert das Unternehmen optimal anhand bestehender Stärken und Schwächen.
- Veränderungsstrategie / Rekonstruktionsansatz: Definiert Erfolgsfaktoren des Feldes revolutionär neu. Beispiel: Das Innenstadt-Filialkonzept von IKEA bricht mit großflächigen Standorten am Stadtrand und reagiert auf die abnehmende Autonutzung junger, urbaner Zielgruppen.
- Schwerpunkt des Wettbewerbs (Wettbewerbsvorteil):
- Relativer Kostenvorsprung (Kostenführerschaft): Bündelung aller Aktivitäten auf die kostengünstigste Produkterzeugung im Wettbewerbsvergleich (z. B. Primark im textilen Einzelhandel).
- Besonderheitscharakter (Differenzierungsstrategie): Erzielung eines Einzigartigkeitsvorteils durch Produkteigenschaften, Markenstatus oder besondere Servicequalitäten (z. B. Designerbekleidung).
- Risiko des Feststeckens („Stuck in the middle“): Unternehmen müssen eine klare Schwerpunktsetzung treffen, da ohne eindeutige Fokussierung die Gefahr besteht, in keinem Bereich Wettbewerbsvorteile zu generieren.
- Aus der Kombination der drei Dimensionen (2 Orte 2 Regelansätze 2 Schwerpunkte) resultieren mathematisch genau acht strategische Basisoptionen.
- Praxisbeispiel Southwest Airlines: Das Unternehmen wählte Ende der 1980er Jahre die Kombination aus Kernmarkt (Ort), neuen Regeln / Veränderung (Regeln) und Kostenführerschaft (Schwerpunkt), womit ein beachtlicher Wettbewerbsvorteil realisiert wurde.
- Zur Konzeption einer soliden Wettbewerbspositionierung müssen drei grundlegende Dimensionen synchron beantwortet werden:
Strategieentwicklung auf Unternehmensebene (Corporate Strategy):
- Wird relevant, wenn ein Unternehmen simultan in verschiedenen Geschäftsfeldern mit Wettbewerb konfrontiert ist. Umfasst vier Ebenen:
- Diversifikation: Erschließung neuer Geschäftsfelder (mindestens zwei aktive Geschäftsfelder). Dient dem Unternehmenswachstum, der Risikostreuung sowie der Stärkung der Marktstellung. Realisierungswege:
- Akquisition: Kauf bereits etablierter Unternehmen im Zielmarkt (zeitsparend).
- Eigenaufbau: Organische Neugründung (zeitintensiver, setzt tiefes Know-how voraus).
- Kooperation: Kombination komplementärer Spezialkompetenzen zweier getrennter Partner zur Realisierung gemeinsamer Marktvorteile.
- Portfolio-Strategie: Allokation liquider und personeller Mittel auf disparate Geschäftsfelder. Portfoliomodelle fungieren als Strukturierungshilfen und Vergleichsmaßstäbe; sie lenken Investitionen in Felder mit den höchsten Erfolgschancen, erzeugen jedoch mangels allgemeingültiger Kausalitäten keine eigenständigen Strategien.
- Internationalisierung: Ausweitung der Wertschöpfung auf ausländische Märkte über Instrumente wie Export, Lizenzvergabe (Überlassung von Markenrechten oder Fertigungsverfahren) oder Franchising (Überlassung schlüsselfertiger Geschäftskonzepte). Differenzierung zwischen zwei Grundstrategien:
- Globalisierung: Einheitliche Konzernstrategie; identisches Produkt- und Wettbewerbsprofil auf sämtlichen Auslandsmärkten.
- Fragmentierung (multilokale Strategie): Differenzierte Marktbearbeitung mit autonomen, länderspezifisch adaptierten Strategien.
- Vorherrschender Trend: Aufgrund von Freihandel, Technologie- und Kommunikationstransfers setzt sich zunehmend die Globalisierung durch.
- Kernkompetenzstrategie: Identifikation und Ausbau unternehmensweiter, generalisierbarer Fähigkeitspotenziale, die flexibel in diversen Geschäftsfeldern zur Erzielung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile adaptiert werden können.
- Diversifikation: Erschließung neuer Geschäftsfelder (mindestens zwei aktive Geschäftsfelder). Dient dem Unternehmenswachstum, der Risikostreuung sowie der Stärkung der Marktstellung. Realisierungswege:
- Wird relevant, wenn ein Unternehmen simultan in verschiedenen Geschäftsfeldern mit Wettbewerb konfrontiert ist. Umfasst vier Ebenen:
Strategieumsetzung:
- Strategische Programme bedürfen einer konkreten Überführung in betriebliche Maßnahmen.
- Besondere Berücksichtigung verlangen informelle Strukturen: Gewachsene soziale Beziehungsnetze, Werte, Normen, Rollenerwartungen und Handlungsmuster weichen häufig substanziell vom formalen Organigramm ab und entscheiden über den Realisierungserfolg.
Kontrolle der strategischen Planung:
- Strategische Kontrolle ist ein permanenter Prozess zur Identifikation notwendiger Kurskorrekturen und gliedert sich in ein Dreiersystem:
- Strategische Prämissenkontrolle: Setzt bei den ersten Planungsannahmen ein und validiert fortlaufend deren Haltbarkeit im Zeitablauf (selektiv/spezialisiert).
- Strategische Durchführungskontrolle: Prüft während der Implementierung alle anfallenden strategischen Informationen auf Umsetzungsrisiken und Planabweichungen (selektiv/spezialisiert).
- Strategische Überwachung: Weitmaschiges, unspezifisches Frühwarnsystem zur Erfassung unvorhergesehener Ereignisse, die bei den Prämissen übersehen wurden.
- Kompensation des Selektionsrisikos: Strategische Planung blendet zur Komplexitätsreduktion zwingend Umweltfaktoren aus; das Kontrollsystem fängt die hieraus entstehenden Risiken gezielt ab.
- Organisation der Kontrolle: Muss dezentral organisiert sein. Da Mitarbeitende an der Basis über das operative Prozesswissen verfügen, fungieren sie als Filterstellen. Voraussetzungen: Umfassendes Strategieverständnis, einheitliches strategisches Sprachsystem und eine ausgeprägte Kritikfähigkeit der Organisationskultur (durchlässige Kommunikation, Fehlertoleranz, Hinterfragen von Denkmustern).
- Strategische Kontrolle ist ein permanenter Prozess zur Identifikation notwendiger Kurskorrekturen und gliedert sich in ein Dreiersystem:
Das Malik-General-Management-Modell
Architektur ganzheitlicher Unternehmensführung:
- Das Modell von Fredmund Malik (2012) bildet ein vernetztes Gesamtsystem ab, welches die lebensfähige Gesamtführung beliebiger Organisationen sicherstellt.
- Äußerer Rahmen: Wird von den drei Dimensionen Umwelt, Unternehmenspolitik und Corporate Governance aufgespannt.
- Innere Teilsysteme: Umfassen Strategie, Struktur und Kultur in dynamischer Wechselwirkung.
- Zentrum: Die Führungskräfte fungieren als Steuerungsinstanz und Treiber der Systemkomponenten.
Komponenten des Modells:
- Umwelt: Unterteilt in funktionelle Sphären (ökonomische, technologische, gesellschaftliche, ökologische Sphäre) und institutionelle Anspruchsgruppen (Kunden, Lieferanten, Investoren). Das Management muss die wechselseitigen Abhängigkeiten antizipieren, um durch zweckgerichteten Ressourceneinsatz (z. B. Wissen) dauerhaften Kundennutzen zu generieren.
- Unternehmenspolitik & Corporate Governance: Bilden die Nahtstelle zwischen Umwelt und System. Definieren Grundwerte, Leitlinien, Zwecksetzungen sowie Spielregeln für die Führungsspitze. Fehlentscheidungen auf dieser Ebene entwerten alle nachgelagerten Strategien durch irreale Prämissen.
- Strategie: Definiert die Richtungsentscheidungen und sichert die Zukunftsfähigkeit. Legt Prioritäten, Oberziele und Ressourcenallokationen fest.
- Struktur: Folgt der Strategie („Structure follows Strategy“). Dient der Beherrschung von Komplexität und der Sicherung der Funktionsfähigkeit. Zweck der Organisation nach Malik: Stärken der Mitarbeiter produktiv zu machen und individuelle Schwächen irrelevant werden zu lassen.
- Kultur: Wertefundament für Leistung, Verantwortung und Wirksamkeit. Malik unterscheidet strikt zwischen einer Schicksalsgemeinschaft (z. B. Großfamilie) und einer Zweckgemeinschaft, zu welcher Unternehmen gehören.
- Führungskräfte im Zentrum: Tragen die Verantwortung für professionelle Umsetzung, Steuerung und Kontrolle von Strategie, Struktur und Kultur auf Basis systematischer Wirksamkeitsprinzipien.
Instrumente des strategischen und operativen Managements
SWOT-Analyse:
- Verbindet interne Analyse (Stärken/Strengths, Schwächen/Weaknesses) mit externer Analyse (Chancen/Opportunities, Risiken/Threats).
- Dient der realistischen Positionsbestimmung und Strategieableitung (Nutzung von Stärken zur Verwirklichung von Marktchancen; Absicherung von Schwächen gegenüber Bedrohungen).
- Leitfragen nach Schawel & Billing (2014):
- Eigene Sicht: „Worin glauben wir, gut zu sein?“
- Wettbewerber-Sicht: „Weshalb fürchten uns die Wettbewerber?“
- Kunden-Sicht: „Weshalb kaufen die Kunden unsere Produkte?“
7-S-Modell:
- Analysiert die ganzheitliche Konsistenz einer Organisation anhand von sieben interagierenden Variablen:
- Harte Faktoren: Strategy (Strategie), Structure (Struktur), Systems (Systeme/Prozesse).
- Weiche Faktoren: Shared Values (gemeinsame Werte), Style (Kultur/Führungsstil), Staff (Mitarbeitende), Skills (Fähigkeiten/Kenntnisse).
- Veranschaulicht, dass eine isolierte Modifikation eines Elements unweigerlich Rückwirkungen auf sämtliche übrigen Dimensionen auslöst.
- Analysiert die ganzheitliche Konsistenz einer Organisation anhand von sieben interagierenden Variablen:
Benchmarking:
- Systematischer Leistungsvergleich von Produkten, Prozessen oder Einheiten mit internen oder externen Referenzobjekten (Klassenbesten).
- Ablauf in vier Phasen:
- 1. Planung und Auswahl (Objekte, Partner, Kennzahlen definieren).
- 2. Datengewinnung (Erhebungsmethoden, Datenquellen, operative Sammlung).
- 3. Datenanalyse (Leistungslücken identifizieren, Ursachen analysieren).
- 4. Umsetzung und Weiterentwicklung (Maßnahmen umsetzen, kontinuierliches Monitoring etablieren).
OKR (Objectives and Key Results):
- Agiles Zielsetzungs- und Steuerungssystem nach John Doerr (2018), das Top-Down-Vorgaben mit Bottom-Up-Initiativen verknüpft.
- Architektur:
- Objectives (Ziele): Qualitative, ambitionierte, inspirierende Leitbilder eines künftigen Zustands.
- Key Results (Schlüsselergebnisse): Quantitative, präzise messbare Meilensteine zur Zielerreichung.
- Zyklus und Kadenz: Standardmäßig Dreimonatszyklen (Quartale) mit in der Regel maximal fünf Objectives, denen je vier Key Results zugeordnet sind.
- Erfolgslogik: Key Results sind so anspruchsvoll formuliert, dass ein Zielerreichungsgrad von als voller Erfolg gewertet wird. Permanente -Erfüllung indiziert mangelnde Zielambition.
- Beispiel Marathonläufer:
- O: Ich bin ein erfolgreicher Marathonläufer.
- KR1: Bis Ende März habe ich jede Woche sechsmal trainiert.
- KR2: Ich schlafe jede Nacht mindestens acht Stunden.
- KR3: Jede meiner Mahlzeiten besteht zu aus Gemüse.
- KR4: Zweimal die Woche übe ich Kraftsport zur gezielten Stärkung aus.
- Wöchentliche Reviews prüfen den Status; unterjährige Adaptionen oder Zielstreichungen gelten bei veränderten Rahmenbedingungen als methodenkonform.
Balanced Scorecard (Kaplan & Norton, 1992, 1996):
- Strategisches Steuerungs- und Performance-Management-System, das finanzielle Kennzahlen um operative Leistungstreiber erweitert.
- Vier Perspektiven (abgeleitet aus Vision und Strategie):
- Finanzperspektive: Erwartungen der Anteilseigner (z. B. Rentabilität, Cashflow).
- Kundenperspektive: Wahrnehmung durch den Kundenmarkt (z. B. Kundenzufriedenheit, Marktanteil).
- Interne Prozessperspektive: Exzellenz in qualitäts- und kostentreibenden Geschäftsprozessen.
- Lern- und Entwicklungsperspektive (Potenziale): Innovationskraft, Mitarbeiterfähigkeiten, organisationale Wandlungsfähigkeit.
- Jede Perspektive enthält: Strategische Ziele, Messgrößen (KPIs), Zielwerte (Vorgaben) und konkrete Maßnahmen.
BCG-Matrix (Portfolioanalyse):
- Vier-Felder-Matrix der Boston Consulting Group auf Basis von Marktwachstum (Marktattraktivität, Ordinate) und relativem Marktanteil (Wettbewerbsstärke, Abszisse). Kreisdurchmesser visualisieren den jeweiligen Umsatzanteil.
- Question Marks (Nachwuchsprodukte): Geringer Marktanteil in wachsendem Markt; erfordern erhebliche Investitionen zur Marktanteilserhöhung (Offensivstrategie) oder Desinvestition.
- Stars (Investitionsprodukte): Hoher relativer Marktanteil in dynamischen Märkten; selbsttragend oder investitionsbedürftig zur Sicherung der Marktposition (Investitionsstrategie).
- Cash Cows (Ertragsprodukte): Hoher Marktanteil bei stagnierendem/geringem Wachstum; generieren hohe Liquiditätsüberschüsse bei geringem Reinvestitionsbedarf (Abschöpfungsstrategie).
- Poor Dogs (Problemprodukte): Geringer Marktanteil in reifen oder schrumpfenden Märkten; binden Kapital bei schwachen Erträgen (Desinvestitions-/Auflösungsstrategie).
- Vier-Felder-Matrix der Boston Consulting Group auf Basis von Marktwachstum (Marktattraktivität, Ordinate) und relativem Marktanteil (Wettbewerbsstärke, Abszisse). Kreisdurchmesser visualisieren den jeweiligen Umsatzanteil.
RACI-Matrix (Responsibility Assignment Matrix):
- Klärt Rollen und Zuständigkeiten in Projekt- und Prozessabläufen anhand von vier Statusrollen:
- R – Responsible (zuständig): Führt die konkrete Aktivität operativ aus.
- A – Accountable (verantwortlich): Trägt die finale Gesamtverantwortung für das Ergebnis (nur eine Person pro Aufgabe).
- C – Consulted (beratend): Fachspezifische Experten, die im Vorfeld zwingend konsultiert werden.
- I – Informed (zu informieren): Personen, die über Status und Resultate informiert werden müssen.
- Beispiel Umzug (Bohinc, 2010):
- Tapeten entfernen: Nachmieter (R), Wohnungseigentümer (A), Tapezierer (I), Projektleiter/Maler (I).
- Wände kontrollieren: Wohnungseigentümer (A), Projektleiter/Nachmieter/Tapezierer/Maler (I).
- Tapezieren: Tapezierer (R), Wohnungseigentümer (A), Projektleiter/Nachmieter/Maler (I).
- Streichen: Maler (R), Wohnungseigentümer (A), Projektleiter/Nachmieter/Tapezierer (I).
- Klärt Rollen und Zuständigkeiten in Projekt- und Prozessabläufen anhand von vier Statusrollen:
Delegation Poker & Delegation Board (Schnell & Schnell, 2019):
- Instrument zur transparenten Aushandlung von Entscheidungsbefugnissen zwischen Führungskraft und Team über sieben Reifegrad-Level:
- Level 1 – Verkünden (Tell): Führungskraft entscheidet autonom und informiert das Team nachträglich.
- Level 2 – Verkaufen (Sell): Führungskraft entscheidet allein, wirbt jedoch aktiv um Akzeptanz.
- Level 3 – Befragen (Consult): Führungskraft holt Feedback der Mitarbeiter ein, entscheidet aber selbst.
- Level 4 – Einigen (Agree): Führungskraft und Mitarbeiter entscheiden im gemeinsamen Konsens auf Augenhöhe.
- Level 5 – Beraten (Advise): Team entscheidet autonom; Führungskraft gibt unverbindliche Empfehlungen.
- Level 6 – Erkundigen (Inquire): Team entscheidet eigenständig; Führungskraft erfragt nachträglich das Resultat.
- Level 7 – Delegieren (Delegate): Team entscheidet vollständig autonom ohne Einbindung oder Rücksprache.
- Vorgehen: Verdeckte Kartenauswahl durch beide Parteien, synchrones Aufdecken, Diskussion der Varianzen und Konsensfindung. Visualisierung der Vereinbarungen auf einem physischen oder digitalen Delegation Board (z. B. für Urlaubsfreigaben, Budgets, Gehälter).
- Instrument zur transparenten Aushandlung von Entscheidungsbefugnissen zwischen Führungskraft und Team über sieben Reifegrad-Level:
Steuerung von Veränderungsprozessen (Change Management)
Relevanz und Misserfolgsquoten im Wandel:
- Globalisierung und Digitalisierung erfordern kontinuierliche Reorganisationen, IT-Implementierungen, Post-Merger-Integrationen oder Prozessanpassungen.
- Empirischer Befund: Nach der Studie von Mutaree (2020) erreichen lediglich etwa aller Veränderungsprojekte eine Erfolgsquote zwischen und . Dreiviertel aller Projekte scheitern partiell oder vollständig am Faktor Mensch.
Ansatzpunkte des Change Managements nach Lauer (2014):
- 1. Individuen: Fähigkeiten, Rollen, individuelle Einstellungen und konkretes Verhalten.
- 2. Strukturen und Systeme: Aufbauorganisation, Ablauforganisation, formale Strategien, IT-Systeme und Ressourcenallokationen.
- 3. Organisationskultur: Tief verankerte Grundannahmen, Werte, Verhaltensnormen und Symbole.
- Kulturbedeutung: Reine Struktur- und Strategieveränderungen ohne simultane Kulturentwicklung scheitern unausweichlich (Lauer, 2014).
- Fallbeispiel Deutsche Bahn: Bei der Transformation zur privatwirtschaftlichen AG genügte die formale Gewinnorientierung nicht. Erst die Transformation von einer hoheitlichen Behördenkultur hin zu einer kundenorientierten Servicekultur veränderte das Verhalten der Servicemitarbeiter nachhaltig.
Systemische Wechselwirkungen:
- Magisches Dreieck: Strategie, Struktur und Kultur bedingen sich wechselseitig.
- Neuwaldegger Dreieck (Plischke, 2017): Integriert Strategie (Zukunftsbild, evolutionär vs. revolutionär), Struktur/Prozesse (Abläufe, Rollen- und Entscheidungsklarheit), Personen/Verhalten (Führungs- und Mitarbeiterverhalten) und Kultur (geteilte Werte). Frühere gescheiterte Vorhaben manifestieren sich als „Mythen und Geschichten“ in der Kultur und blockieren künftige Wandlungsprojekte.
Aufgaben des Change-Initiators (Lauer, 2014):
- Veränderungsbereitschaft herstellen (Problembewusstsein schärfen).
- Orientierung geben (klares Zielbild vermitteln).
- Motivation aufrechterhalten und Mitarbeiter inspirieren.
- Organisation und Planung professionell steuern.
- In der Praxis verteilen sich diese Führungsrollen idealerweise auf mehrere Personen (Führungskoalition).
Widerstände im Change-Prozess und deren Überwindung
Erscheinungsformen von Widerstand (Doppler & Lauterburg, 2014; Roth, 2019):
- Widerstand ist die natürliche Folge verunsichernder Wandlungsprozesse und tritt verbal oder nonverbal sowie aktiv oder passiv auf:
- Aktiv-verbal (Widerspruch): Gegenargumentation, offene Vorwürfe, Drohungen, Polemik, sturer Formalismus.
- Aktiv-nonverbal (Aufregung): Unruhe, Streitigkeiten, Intrigen, Gerüchte, Cliquenbildung.
- Passiv-verbal (Ausweichen): Schweigen, Bagatellisieren, Blödeln, ins Lächerliche ziehen, Debattieren über Unwichtiges.
- Passiv-nonverbal (Lustlosigkeit): Unaufmerksamkeit, Müdigkeit, Fernbleiben, innere Kündigung/Emigration, psychosomatische Krankheiten.
- Aktiver Widerstand ist schnell identifizierbar; passiver Widerstand bleibt oft lange unerkannt und richtet substanziellen Schaden an.
- Widerstand ist die natürliche Folge verunsichernder Wandlungsprozesse und tritt verbal oder nonverbal sowie aktiv oder passiv auf:
Widerstandsfördernde Faktoren (Lauer, 2014; Roth, 2019):
- Wirtschaftliche Faktoren: Budgetkürzungen, Umstrukturierungsdruck, Entwertung früherer materieller Investitionen.
- Komplexität von Strukturen: Überforderung durch unübersichtliche funktionale Zusammenhänge.
- Kollektive Faktoren: Bürokratische Organisationsstrukturen mit starren Beharrungskräften.
- Individuelle Faktoren: Kognitive Dissonanz (Abwehr selbstbildgefährdender Fakten) sowie die neurobiologische Bevorzugung von Routinen (Routinen minimieren den zerebralen Energieverbrauch und vermitteln physiologische Sicherheit).
Drei fundamentale Widerstandsarten:
- Typ I – Ablehnen des zunächst Fremden: Unbehagen vor dem Unbekannten.
- Typ II – Reaktanz: Psychologischer Abwehrmechanismus infolge wahrgenommener Einschränkungen persönlicher Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten.
- Typ III – Missverständnisse: Ausgelöst durch mangelhafte Transparenz, Informationsdefizite oder inkonsistente Kommunikation.
Psychodynamische Grundmotive und Bedrohungsszenarien:
- Gemäß der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (Arbeitskreis OPD, 2017) besitzen Menschen neun zentrale Grundmotive:
- Bindung, Geborgenheit und sozialer Kontakt
- Anerkennung und Bestätigung
- Sicherheit
- Selbstverwirklichung
- Selbstbestätigung
- Eigenständigkeit und Autonomie
- Vorwärtskommen
- Einfluss und Kontrolle über andere
- Status, Macht und Größe
- Veränderungsprojekte lösen unbewusste Bedrohungsszenarien aus (Roth, 2019):
- Gefahr des Zerfalls der gewachsenen Teamkultur (Bedrohung von Bindung).
- Verlust hart erarbeiteter Errungenschaften (Bedrohung von Anerkennung/Status).
- Arbeitsplatzunsicherheit (Bedrohung von Sicherheit).
- Einschränkung von Freiräumen (Bedrohung von Autonomie).
- Ausbleiben sichtbarer Erfolge (Bedrohung von Selbstbestätigung).
- Überreglementierung bisher flexibler Prozesse (Autonomieverlust).
- Blockierte Karrierepfade (Verhinderung des Vorwärtskommens).
- Gefühl von Kontrollverlust und unkontrollierbarem Leistungsdruck.
- Machtverlust von Führungskräften und Statusverlust von Mitarbeitern.
- Gemäß der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (Arbeitskreis OPD, 2017) besitzen Menschen neun zentrale Grundmotive:
Erfolgsfaktoren zur Überwindung von Barrieren:
- Drei Kernprinzipien nach Doppler & Lauterburg (2014): Langfristiger, ganzheitlicher Ansatz; Einbindung aller Betroffenen; Befähigung zur Selbsthilfe.
- Vier goldene Regeln nach Schreyögg (1998):
- Aktive Partizipation der Betroffenen an Veränderungsentscheidungen.
- Nutzung der Gruppe als Wandelmedium (kollektive Prozesse mindern individuelle Ängste).
- Kooperation statt Konfrontation zur Hebung der Wandlungsbereitschaft.
- Zyklischer Prozessverlauf mit bewussten Auflockerungs- und Konsolidierungsphasen.
- Leitlinien im Widerstandsmanagement: Betroffene zu Beteiligten machen; Bewährtes würdigen; Zieltransparenz sichern; Widerstände als verschlüsselte Botschaften realer Ängste interpretieren und dialogisch aufarbeiten.
Das People-Change-Konzept
- Grundverständnis des People Change:
- Das Konzept nach Gerhard Roth (2019) ergänzt operatives Change Management um neurowissenschaftlich-psychologische Dimensionen zur Verankerung nachhaltiger Verhaltensänderungen.

Kategorien des Modells (Roth, 2019, S. 413):
- Persönlichkeit: Gezielter Einsatz von Persönlichkeitsdiagnostik zur typologiegerechten Auswahl von Schlüsselpersonen (Key-Playern) und Abstimmung von Führungskonzepten auf Teams.
- Veränderung: Adressierung individueller Handlungsmotive über abgestimmte Motivations- und Belohnungsstrategien zur Initiierung veränderungskonformer Handlungen.
- Einsicht: Konstruktive Bearbeitung tieferliegender Widerstandsursachen; erst die Überwindung emotionaler Barrieren bahnt den Weg für rationale Einsicht.
- Verstehen: Frühe Befürworter werden in Führungskoalitionen eingebunden oder als Multiplikatoren genutzt; Ziel ist das kognitive wie emotionale Begreifen aller Beteiligten.
- Entscheiden: Etablierung robuster Entscheidungsstrategien zur fundierten Bewältigung hochkomplexer Ausnahmesituationen.
Vier Phasen der Implementierung:
- Phase 1 – Initialisierungsphase: Abgleich der Change-Idee mit der Unternehmensstrategie; Ist-Analyse und Soll-Konzeption; Entwurf der ersten „Change-Vision 1.0“; kooperative Entwicklung des Narrativs („Change Story“) mit ersten Schlüssel-Stakeholdern.
- Phase 2 – Konzeptionsphase: Strukturierte Projekt- und Ressourcenplanung; Qualifizierung und Teambuilding des Change-Management-Kernteams; systematische Einbettung der People-Change-Methodik.
- Phase 3 – Mobilisierungs- und Umsetzungsphase: Breitenwirksame Stakeholder-Aktivierung; vertiefte Bearbeitung von Widerständen im Dialog; Publikation der finalen „Change-Vision 2.0“ als verbindlicher Handlungsleitfaden; Durchführung von Befähigungsmaßnahmen und Pilotprojekten.
- Phase 4 – Verstetigungsphase: Quantitative und qualitative Evaluation des Veränderungserfolgs; curriculare und prozessuale Verankerung der neuen Verhaltensstandards zur Verhinderung von Rückfällen in alte Routinen.
Grundlagen der Führung und Motivationstheorien
Definition und Wesen von Führung:
- „Führung ist die bewusste und zielbezogene Einflussnahme auf Menschen.“ (Nerdinger, 2019, S. 96).
- Führung dient der Realisierung organisationaler Ziele durch soziale Interaktion.
- Macht- und Einflussquellen: Formale hierarchische Positionsmacht, Informationsvorsprung, Fach- und Methodenkompetenz, persönliche Glaubwürdigkeit und gezielte Kontextgestaltung.
- Spannungsfeld zweier Effizienzkriterien (Watzka, 2014):
- Ökonomische Effizienz: Maximierung von Produktivität, Rentabilität und Gewinnzielen.
- Soziale Effizienz: Befriedigung der Erwartungen, Bedürfnisse und Zufriedenheit der Mitarbeiter.
- Der Mensch darf nicht als rein ökonomischer Produktionsfaktor betrachtet werden. Es gilt die Erkenntnis von Max Frisch: „Arbeitskräfte haben wir gerufen, Menschen sind gekommen.“
Motive versus Ziele (Roth & Strüber, 2020):
- Motive: Unbewusste, implizite Antriebe für nicht automatisierte Handlungen; können nicht konkret verbalisiert werden; entstehen in der frühkindlichen Entwicklung.
- Ziele: Bewusste, explizite Vorstellungen künftiger Zustände; können konkret verbalisiert, geplant und reflektiert werden; entstehen durch spätere Sozialisation.
Klassifikation menschlicher Motive:
- Biogene Motive: Elementare Überlebensbedürfnisse (Nahrungsaufnahme, Flüssigkeit, Thermoregulation, Sexualität).
- Soziogene Motive: Soziale Antriebskräfte:
- Anschlussmotiv (Bindung): Suche nach Zugehörigkeit, Nähe, Zuwendung; Angst vor Zurückweisung.
- Machtmotiv: Streben nach Status, Dominanz, Führung, Kontrolle; Angst vor Ohnmacht und Statusverlust. Neurobiologisch gesteuert durch den Botenstoff Dopamin (Aktionsantrieb). Serotonin signalisiert hingegen Zufriedenheit und dämpft den Handlungsdruck.
- Leistungsmotiv: Streben nach Kompetenzerweiterung und Bewältigung von Herausforderungen. Differenzierung in zwei Typen:
- Erfolgszuversichtliche (Optimisten): Positive Grundstimmung; wählen mittelschwere, realistische Ziele; schreiben Erfolge eigenem Können zu.
- Misserfolgsängstliche (Pessimisten): Negative Grundstimmung; wählen unrealistisch hohe oder triviale Ziele; attribuieren Erfolge auf Zufall und Misserfolge auf eigenes Unvermögen.
Neurobiologische Grundlagen: Belohnung vs. Bestrafung:
- Affektoptimierung: Individuen maximieren appetitive (positive) Emotionen und minimieren aversive (schmerzhafte) Gefühlszustände.
- Operante Konditionierung: Belohnungen aktivieren das zerebrale Belohnungssystem, schütten Dopamin aus und erhöhen die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens (Myers, 2014).
- Wirkung von Bestrafungen: Bestrafungen aktivieren die Amygdala (Angstzentrum). Sie hinterlassen tiefere emotionale Gedächtnisspuren als Belohnungen, lähmen logisches Denken sowie Problemlösekompetenzen und führen zu Vermeidungsverhalten (z. B. Tragen von Schutzkleidung nur bei Anwesenheit der Führungskraft).

- Vergleich der Belohnungsarten (Roth, 2019):
- Materielle Belohnungen: Bonuszahlungen, Statussymbole (Dienstwagen, Bürogröße). Wirken rasch, unterliegen jedoch einem starken Gewöhnungs- und Diskontierungseffekt. Sie verfehlen eine langfristige Motivationswirkung und eignen sich nur als Basisinstrument.
- Soziale Belohnungen: Lob, Status, öffentliche Anerkennung. Verlieren bei inflationärem Einsatz an Wirkung (tägliches Lob verliert seinen Wert) und können Rivalitäten im Team anfachen.
- Intrinsische Belohnungen: Spaß an der Tätigkeit selbst, Selbstverwirklichung, Stolz auf Problemlösung. Zeigen keinen Sättigungseffekt und bilden das stabilste Fundament für langfristiges Leistungsengagement.
Modelle der Arbeitsmotivation und Arbeitsgestaltung
Konsistenztheorie nach Klaus Grawe (2004):
- Postuliert das fundamentale Streben des Menschen nach Übereinstimmung (Konsistenz) zwischen inneren psychischen Grundbedürfnissen und der wahrgenommenen Realität.
- Vier psychische Grundbedürfnisse:
- 1. Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle (Autonomie, Verstehbarkeit; wird durch Mikromanagement zerstört).
- 2. Bedürfnis nach Bindung (Nähe, soziale Resonanz; neurobiologisch gefördert durch Oxytocin).
- 3. Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz (Anerkennung, Schutz vor Beschämung).
- 4. Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung (appetitives Erleben statt Frustration).
- Motivationale Schemata: Individuelle Bewältigungsstrategien:
- Annäherungsschemata: Appetitive Verhaltensmuster zur aktiven Befriedigung der Bedürfnisse.
- Vermeidungsschemata: Aversive Schutzmechanismen zur Verhinderung von Schmerz, Kränkung oder Kontrollverlust.
- Inkongruenz und Inkonsistenz: Das Verfehlen motivationaler Ziele erzeugt Inkongruenzsignale. Scheitern die Regulationsmechanismen, führt chronische Inkonsistenz zu Stress, Demotivation und psychischen Erkrankungen.
Selbstwirksamkeitstheorie nach Albert Bandura:
- Subjektive Überzeugung einer Person, anspruchsvolle Situationen und Ziele durch das eigene Verhalten und eigene Kompetenzen erfolgreich bewältigen zu können.
- Hohe Selbstwirksamkeit führt zu Ausdauer, Resilienz bei Rückschlägen und proaktiver Problemlösung.
- Geringe Selbstwirksamkeit bedingt Fatalismus, Passivität und externe Schuldzuweisung.
Motivationale Prozesstheorie nach Porter und Lawler (1968):
- Komplexes Systemmodell, das neun interagierende Variablen verknüpft:
- 1. Wertigkeit der Belohnung (Valenz)
- 2. Wahrgenommene Wahrscheinlichkeit, dass Anstrengung zu Belohnung führt (Erwartung)
- 3. Anstrengung (resultierende Motivation/Energieeinsatz)
- 4. Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale
- 5. Rollenwahrnehmung (Verständnis der Aufgabenanforderungen)
- 6. Leistung (messbarer Output/Produktivität)
- 7. Belohnungen (aufgeteilt in intrinsische Belohnungen [7a] und extrinsische Belohnungen [7b])
- 8. Wahrgenommene Gerechtigkeit der Belohnung (Abgleich mit eigenem Anspruch)
- 9. Zufriedenheit (Resultat des Abgleichs, wirkt rückkoppelnd auf die Wertigkeit künftiger Belohnungen)
- Komplexes Systemmodell, das neun interagierende Variablen verknüpft:
Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan (1993; Puca & Schüler, 2017):
- Drei psychologische Grundbedürfnisse als Voraussetzung selbstbestimmter Motivation: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.
- Kontinuum der Verhaltensregulation:
- Amotivation: Fehlende Handlungsabsicht.
- Extrinsische Motivation (vier Abstufungen):
- 1. Externale Regulation: Reines Reagieren auf äußere Belohnung oder Bestrafung; minimale Autonomie.
- 2. Introjizierte Regulation: Handeln zur Vermeidung von Schuld, Scham oder Angst; externer Druck ist verinnerlicht.
- 3. Identifizierte Regulation: Handlungsziel wird als persönlich bedeutsam akzeptiert, bleibt aber instrumental.
- 4. Integrierte Regulation: Äußere Werte sind vollkommen in das eigene Selbstkonzept integriert; höchste Form extrinsischen Verhaltens.
- Intrinsische Motivation: Handeln erfolgt aus originärem Interesse, Freude und inhärenter Neugier.
- Korrumチュierungseffekt: Unreflektierte extrinsische Anreize (z. B. monetäre Boni) können vorbestehende intrinsische Motivation verdrängen.
Zwei-Faktoren-Theorie nach Frederick Herzberg (1968):
- Differenziert Faktoren der Arbeitsumwelt in zwei unabhängige Dimensionen:
- Hygienefaktoren (Kontextfaktoren): Entlohnung, Arbeitsplatzsicherheit, Unternehmenspolitik, Arbeitsbedingungen, Beziehungen zu Vorgesetzten und Kollegen. Beseitigen bei Erfüllung Unzufriedenheit, erzeugen jedoch keine positive Zufriedenheit oder Leistungsbereitschaft („Nicht-Unzufriedenheit“).
- Motivatoren (Kontentfaktoren): Arbeitsinhalt, Verantwortung, persönliche Weiterentwicklung, Leistungserfolg, Anerkennung, Aufstiegschancen. Erzeugen echte Arbeitszufriedenheit und hohe intrinsische Motivation. Setzen ein ausreichendes Niveau der Hygienefaktoren voraus.
- Job Enrichment: Vertikale Aufgabenerweiterung durch Übertragung von Planungs-, Entscheidungs- und Kontrollkompetenzen zur Steigerung von Verantwortung und Motivation.
- Differenziert Faktoren der Arbeitsumwelt in zwei unabhängige Dimensionen:
Job Characteristics Model nach Hackman und Oldham (1980; Schaper, 2019):
- Verknüpft fünf Kernmerkmale der Arbeit über drei kritische psychologische Erlebniszustände mit organisationalen Resultaten:
- Fünf Tätigkeitsmerkmale:
- 1. Anforderungsvielfalt (Nutzung multipler Fähigkeiten)
- 2. Ganzheitlichkeit der Aufgabe (Fertigstellung eines geschlossenen Produkts/Dienstleistung)
- 3. Bedeutsamkeit der Aufgabe (wahrnehmbare Auswirkung auf das Leben anderer)
- 4. Autonomie (Freiraum bei Zeiteinteilung und Methodenwahl)
- 5. Rückmeldung aus der Aufgabenerfüllung (direktes Feedback über die Resultate)
- Drei psychologische Erlebniszustände:
- Erlebte Sinnhaftigkeit der Arbeit (bedingt durch Merkmale 1, 2 und 3)
- Erlebte Verantwortlichkeit für die Arbeitsergebnisse (bedingt durch Merkmal 4)
- Kenntnis der aktuellen Resultate der eigenen Tätigkeit (bedingt durch Merkmal 5)
- Folgen: Hohe intrinsische Motivation, hohe Qualität der Arbeitsleistung, hohe Arbeitszufriedenheit sowie reduzierte Fehlzeiten und Fluktuationsraten (stärker ausgeprägt bei Personen mit hohem Bedürfnis nach persönlicher Entfaltung).
- Fünf Tätigkeitsmerkmale:
- Verknüpft fünf Kernmerkmale der Arbeit über drei kritische psychologische Erlebniszustände mit organisationalen Resultaten:
Entwicklung von Führungstheorien und Führungsstilen
- Historische Evolution des Führungsverständnisses:
- Great Man Theory: Historischer Ansatz; Führungspersönlichkeit wird durch angeborene Charaktereigenschaften bestimmt (Intelligenz, Dominanz, Durchsetzungsstärke); blendet Geführte, Situationen und erlernbare Kompetenzen aus (heute obsolet).
- Eigenschafts- und Verhaltenstheorien: Übergang zu erlernbaren Fertigkeiten. Unterscheidung nach Kurt Lewin in autoritären und kooperativen/demokratischen Führungsstil.
- Führungskontinuum von Tannenbaum und Schmidt (1958): Siebenstufige Typologie basierend auf dem Grad des Entscheidungsspielraums von Führungskraft versus Mitarbeitern:
- 1. Autoritär: Führungskraft entscheidet allein und ordnet an.
- 2. Patriarchalisch: Führungskraft entscheidet allein, versucht aber Mitarbeiter zu überzeugen.
- 3. Informierend: Führungskraft entscheidet allein, gestattet Fragen zur Akzeptanzförderung.
- 4. Beratend: Führungskraft informiert über Pläne, holt Meinungen ein, entscheidet allein.
- 5. Partizipativ: Gruppe entwickelt Vorschläge, Führungskraft entscheidet über favorisierte Lösung.
- 6. Delegativ: Gruppe entscheidet autonom innerhalb eines von der Führungskraft gesetzten Rahmens.
- 7. Autonom: Gruppe entscheidet völlig frei; Führungskraft fungiert als Moderator.
- Situative Führungstheorien: Führungsstil muss dem Reifegrad und den situativen Kompetenzen des Mitarbeiters angepasst werden.
- Transaktionale versus Transformationale Führung (Bass, 1990):
- Transaktionale Führung: Austauschbeziehung („Geben und Nehmen“); sachliche Koppelung von Zielvereinbarungen und Belohnungen.
- Transformationale Führung: Werteorientierte Führung; Führungskraft transformiert Einstellungen und Motive der Mitarbeiter durch Charisma, inspirierende Visionen, intellektuelle Stimulation und individuelle Wertschätzung (Individualized Consideration).
- Moderne Strömungen: Neuroleadership (Anwendung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse auf Mitarbeiterführung) und Digital Leadership (Führung in virtuellen, vernetzten und agilen Kontexten).
Führungsaufgaben im Wandel und Führung 4.0
Klassische Aufgabenstrukturen:
- Direkte Führung (personale Führung): Unmittelbare Einflussnahme auf den Mitarbeiter durch Kommunikation, Delegation, Leistungsfeedback, Coaching und Motivation.
- Indirekte Führung (strukturale Führung): Gestaltung von Arbeitsrahmenbedingungen, Organisationsstrukturen, Anreizsystemen und Unternehmenskultur.
- Dreiteilung der Leitungsaufgaben (Roth, 2019):
- Operative Fachaufgaben: Fachbezogenes Tagesgeschäft, Budgetplanung im eigenen Bereich, fachspezifisches Controlling.
- Managementaufgaben: Marktanalysen, Strategieableitung, Koordination, Qualitäts- und Kostenmanagement, operatives Change Management.
- Führungsaufgaben: Mitarbeitergespräche führen, Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Bereitstellung von Orientierung und Zielen.
Treiber des Wandels zu Arbeit 4.0 (BMAS, 2017; Schermuly, 2016):
- Wissenszuwachs: Das globale Fachwissen verdoppelt sich alle neun bis zwölf Jahre ( ca. Million Publikationen; ca. Millionen). Wissen muss in multidisziplinären Teams dezentral geteilt werden (transaktives Wissenssystem).
- Digitalisierung: Durchdringung durch mobile Endgeräte, Cloud Computing, Big-Data-Analysen und Social Media.
- Globalisierung: Weltweite Vernetzung, zeit- und ortsunabhängige Kollaboration, steigende interkulturelle Diversität.
- Demografischer Wandel: Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) und Wandel der Wertehaltungen durch Generation X (-), Generation Y (ab ) und Generation Z (ab ; Fokus auf Sinnstiftung, Kollaboration auf Augenhöhe und Work-Life-Balance).
Zentrale Verschiebungen im Führungsverhalten (Schwarzmüller et al., 2017):
- Veränderte Einflussmöglichkeiten (Machtabgabe, Demokratisierung von Entscheidungen).
- Erhöhte Bedeutung beziehungsfördernden Verhaltens (Coaching, Enabling, Beziehungsarbeit).
- Steigende Kompetenzanforderungen bezüglich Agilität und Führung auf Distanz.
- Ergebnisorientierte Leistungsbewertung statt Präsenzkontrolle.
- Servant Leadership: Die Führungskraft agiert als Dienstleister für das Team, beseitigt Hindernisse und befähigt Mitarbeiter zur autonomen Zielerreichung.
Führungsleitbild 4.0 (IFAA; Moskaliuk, 2019):
- Definition: Anpassung des eigenen Führungsverhaltens an die Realität einer digitalisierten Arbeitswelt.
- Dimensionen des Leitbilds:
- Daten: Verantwortungsvoller, sicherer und effektiver Umgang mit Datenströmen und Datenschutz.
- Rolle: Fördernd, mitarbeiterorientiert, agierend als Coach und Ermöglicher.
- Organisation: Dezentral vernetzt, flexibel, flache Hierarchien, betriebsübergreifende Vernetzung.
- Kultur: Vertrauensvoll, offen für Fehler, experimentierfreudig.
- Zusammenarbeit: Virtuell und persönlich kombiniert, interdisziplinär und partizipativ.
Das Malik-Standardmodell der Wirksamkeit (Führungsrad)
Systemische Struktur des Führungsrades (Malik, 2019):
- Ganzheitliches Handlungskonzept für die persönliche Wirksamkeit von Führungskräften; unterteilt in vier Grundelemente plus Kommunikation:
Die sechs Grundsätze wirksamer Führung (Kern des Modells):
- 1. Resultatorientierung: Konzentration auf die Erzielung messbarer Ergebnisse statt bloßer Betriebsamkeit; Standhaftigkeit bei Rückschlägen.
- 2. Beitrag zum Ganzen: Unternehmerisches Denken über die eigene Abteilungsgrenze hinaus; Handeln orientiert sich am übergeordneten Zweck der Gesamtorganisation, nicht an persönlichem Status oder Ressortegoismen.
- 3. Konzentration auf Weniges: Radikale Prioritätensetzung auf wenige wesentliche Kernaufgaben statt Verzettelung in Parallelaktivitäten.
- 4. Stärken nutzen: Konzentration auf vorhandene Leistungspotenziale von Mitarbeitern; Aufgaben so zuschneiden, dass individuelle Stärken wirken und Schwächen bedeutungslos werden.
- 5. Vertrauen schaffen: Robustes Fundament der Unternehmenskultur; aktives Zuhören, Fehleroffenheit, persönliche Verlässlichkeit und Integrität.
- 6. Positiv denken: Konstruktive Problemwahrnehmung; Fokussierung auf Chancen und Machbarkeit statt lähmender Problemfixierung.
Die fünf Aufgaben wirksamer Führung (obere Hälfte des Rades):
- 1. Für Ziele sorgen: Festlegung weniger, aber präziser und bedeutsamer Prioritäten inklusive Zuweisung der erforderlichen Ressourcen.
- 2. Organisieren: Schaffung funktionaler Strukturen, die den Kundenfokus sichern und bürokratische Reibungsverluste minimieren.
- 3. Entscheiden: Präzise Problemerfassung, Festlegung von Grenzkriterien, Ausarbeitung von Handlungsalternativen, Risikoabwägung und Implementierung von Feedbackmechanismen.
- 4. Kontrollieren, Messen, Beurteilen: Gezielte Messung operativer Daten durch Stichproben; qualifiziertes Beurteilen abstrakter Leistungen auf Basis fundierter Erfahrung; Vertrauensvorschuss bei Leistungsträgern, engere Führung bei neuen Mitarbeitern.
- 5. Menschen entwickeln und fördern: Zuteilung herausfordernder Aufgaben, an denen Mitarbeiter wachsen können; Vorbildfunktion der Führungskraft.
Die sieben Werkzeuge wirksamer Führung (untere Hälfte des Rades):
- 1. Sitzungen: Stringente Vorbereitung mit knapper Tagesordnung und Zeitvorgaben; zeitnahe Versendung der Unterlagen; strikte Beschluss- und Maßnahmenorientierung; Verbindlichkeit durch Ergebnisprotokolle.
- 2. Schriftliche Kommunikation: Gedächtnisentlastung; empfängerorientierte, präzise und strukturierte Formulierungen zur Klärung komplexer Sachverhalte.
- 3. Job Design und Assignment Control: Stellenanforderungsprofile müssen ganzheitlich und fordernd, aber leistbar zugeschnitten sein; Zuweisung konkreter Prioritäten und schriftliche Fixierung von Leistungszielen.
- 4. Persönliche Arbeitsmethodik: Systematische Selbstorganisation, Zeitmanagement und kontinuierliche Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse.
- 5. Budget und Budgetierung: Zentrales Instrument zur Übersetzung strategischer Intentionen in messbare Finanzgrößen; disziplinierender Rahmen für Ressourcenverwendung.
- 6. Leistungsbewertung: Kontinuierliche Analyse individueller Mitarbeiterstärken zur optimalen Platzierung in der Organisation; permanente Rückmeldung statt punktueller Jahresgespräche.
- 7. Systematische Müllabfuhr: Periodische, geplante Eliminierung überflüssiger Berichte, unproduktiver Routinen, veralteter IT-Tools und sinnloser Meetings (organisatorische Entrümpelung zur Selbsterneuerung).
Verantwortung und Kommunikation:
- Verantwortung (Zentrum): Ethisches Fundament der Managementpraxis; Verantwortung für das eigene Handeln, für geführte Mitarbeiter und den Fortbestand der Institution.
- Kommunikation: Verbindendes Element zwischen Grundsätzen, Aufgaben und Werkzeugen.
- Management von Bekanntem vs. Neuem: Die Anwendung der Systematik gilt für beide Bereiche; das Management von Neuem stellt aufgrund höherer Ambiguität jedoch ungleich höhere Anforderungen an die Erfahrung.
Konfliktmanagement, Selbstreflexion und Führungsethik
Konfliktmanagement in modernen Arbeitswelten:
- Zunahme von Spannungsfeldern durch flexible Arbeitsformen, Homeoffice und verringerte informelle Kontakte (Gefahr sinkenden Commitments und reduzierter Teamkohäsion).
- Präventive Führungsmassnahmen: Enge Kontaktdichte, maximale Transparenz von Entscheidungsprozessen, eindeutige Rollenverteilung, Pflege eines kooperativen Gruppenklimas.
- Konflikte dienen bei konstruktiver Bearbeitung als Katalysator für Teamentwicklung und Innovation.
Selbstmanagement und lebenslanges Lernen:
- Reflexion des eigenen Führungsverhaltens zur Vermeidung destruktiver Reaktionsmuster (z. B. emotionale Ausbrüche vor versammelter Mannschaft).
- Einsatz von Zeitmanagement- und Resilienztechniken.
- Etablierung kontinuierlicher Lernroutinen in Teams zur Bewältigung der Wissensveralterung (Nutzung agiler Kollaborationstools wie Microsoft Teams zur wechselseitigen Kompetenzförderung).
Führungsethik im organisationalen Raum:
- Differenziert in Personalführungsethik (interpersonelle Beziehungsebene) und Unternehmensführungsethik (institutionelle Verantwortungsebene).
- Leitfragen nach Herzka (2017):
- Was verstehe ich als Führungskraft unter Führung und was kennzeichnet diese Tätigkeit?
- Wofür und wem gegenüber trage ich welche Verantwortung?
- Welche Moraltheorien leiten mein praktisches Handeln?
- Welche moralischen Konflikte sind untrennbar mit meiner Position verbunden?
- Modelle ethischer Führung:
- Dienende Führung (Servant Leadership; Nerdinger et al., 2019): Stellt den Nutzen und die Entwicklung der Geführten über das Eigeninteresse der Führungskraft; teilt Macht und Status zum Wohle der Organisation und ihrer Kunden.
- Geteilte Führung (Shared Leadership; Nerdinger et al., 2019): Dynamischer, kollektiver Interaktionsprozess, in dem sich Teammitglieder im Rahmen eines generativen Dialogs wechselseitig führen; löst traditionelle hierarchische Machtmonopole auf.
- Feindseliges Führungsverhalten (Destructive Leadership): Abwertendes, aggressives Verhalten von Vorgesetzten; demotiviert Mitarbeiter, zerstört das psychische Wohlbefinden und provoziert Vergeltungshandlungen (bewusste Sabotage, Absentismus).
Grundlagen und Dynamiken der Team- und Abteilungsführung
Definition und Funktion von Teams:
- Teams sind spezifische Gruppenstrukturen, die zweckgerichtet um gemeinsame Aufgabenstellungen oder Projekte herum gebildet werden (Becker, 2016).
- Positiver Synergieeffekt: Die gemeinsame Produktivität eines leistungsfähigen Teams übertrifft die Summe der isolierten Einzelleistungen seiner Mitglieder.
Typologien von Gruppen:
- Primärgruppen (kleine Mitgliederzahl, hohe Interaktionsdichte) vs. Sekundärgruppen (große Mitgliederzahl, geringe persönliche Interaktionsdichte).
- Mitgliedsgruppen (Gruppe, der man angehört) vs. Fremdgruppen (Außengruppen).
- Formelle Gruppen (durch die offizielle Aufbauorganisation konstituiert) vs. Informelle Gruppen (aufgrund spontaner Sympathien, Interessen und sozialer Bedürfnisse entstanden).
- Formelle und informelle Strukturen stehen im wechselseitigen Ergänzungsverhältnis (komplementäre Beziehung).
- Acht Definitionsmerkmale einer Gruppe (Kozlowski & Bell, 2003):
- Mindestens zwei interagierende Individuen
- Gegenseitige personale Interaktion
- Gemeinsam geteilte Gruppennormen
- Ausprägung von Rollendifferenzierung und Struktur
- Klare Abgrenzung nach außen (Grenzen)
- Gemeinsame Ziel- oder Aufgabenstellung
- Zeitliche Stabilität des Gefüges
- Entwicklung einer kollektiven Gruppenidentität
Gruppenkohäsion (Schreyögg & Koch, 2014, S. 365):
- „Das Ausmaß, in dem eine Gruppe eine fest verbundene kollektive Einheit bildet und die einzelnen Gruppenmitglieder sich zur Gruppe hingezogen fühlen.“
- Einflussfaktoren: Homogene Gruppenzusammensetzung fördert Kohäsion; kooperationsfördernde Anreizsysteme; externe Bedrohungslagen schweißen Gruppen zusammen.
- Auswirkungen hoher Kohäsion: Gesteigerte Arbeitszufriedenheit, reduziertes Stressempfinden, signifikant verringerte Fehlzeiten und Fluktuationsraten, aber auch Gefahr von Konformitätsdruck.
Soziodynamische Grundformel nach Raoul Schindler (1957):
- Beschreibt universelle Rollenstrukturen und Beziehungsdynamiken in sozialen Systemen:
- Alpha (Leiter/Repräsentant): Führt die Gruppe, setzt Ziele, vertritt die Gruppe nach außen; trägt Verantwortung.
- Beta (Experte/Berater): Fachlich kompetente Instanz; berät Alpha loyal; besitzt Sonderprivilegien, stellt jedoch zugleich eine latente Nachfolgealternative zu Alpha dar (ambivalente Beziehung).
- Gamma (Gefolgschaft): Identifiziert sich mit Alpha; leistet die operative Gruppenarbeit; profitiert von Schutz und Orientierung durch Alpha.
- Omega (Außenseiter/Gegenpol): Repräsentiert unbewusste Gegenpositionen; fungiert oft als Sündenbock für Gruppenfrustrationen; ermöglicht der Gruppe emotionale Entlastung; Gefährdung für Minderheiten oder neue Mitglieder.
- Gegner: Außerhalb der Gruppe stehende Instanz, gegen die sich die Gruppe formiert und definiert.
- Beschreibt universelle Rollenstrukturen und Beziehungsdynamiken in sozialen Systemen:
Rollenanforderungen und Kommunikationsstrukturen:
- Rollenerwartungen gliedern sich nach Ralf Dahrendorf in Muss-, Soll- und Kann-Erwartungen.
- Doppelspitze der Führung: Trennung in Aufgabenführung (Instrumentelle Leitung) und sozio-emotionale Führung (Klimapflege und Beziehungsarbeit).
- Netzwerkstrukturen: Zentralisierte Kommunikationsnetzwerke (z. B. Stern) eignen sich für einfache Routineaufgaben; dezentralisierte Netzwerke (Vollvernetzung) sichern hohe Problemlösungsqualität bei komplexen Aufgaben.
Dysfunktionale Handlungsmuster in Gruppen:
- Risky Shift (Risikoschub nach Kogan & Wallach, 1964): Gruppen fällen riskantere Entscheidungen als isolierte Individuen. Ursachen: Verantwortungsinflation (Diffusion der Verantwortung auf alle Köpfe), höheres Informationsniveau durch Diskussion, Risikobereitschaft als sozialer Wert.
- Gruppendenken (Groupthink nach Janis; Moorhead et al., 1991): Fehlerhafte Entscheidungsfindung in hochkohäsiven Gruppen infolge übertriebenen Harmoniestrebens, Selbstzensur, Zeitdrucks und Konformitätszwangs.
- Gegenmaßnahmen: Installation eines methodischen Kritisierers (Advocatus Diaboli); Aufteilung in autonome Subgruppen; zweistufige Entscheidungsfindung mit bewusster Reflexionspause; Ermutigung zu offener Kritik durch die Gruppenführung.
Phasen der Teamentwicklung und Teambuilding
Das Phasenmodell der Teamentwicklung nach Bruce Tuckman (1965; Becker, 2016):
- 1. Forming (Orientierungsphase): Unsicherheit, höfliches Abtasten, unklare Rollen. Führungsstil: Kooperativ-beziehungsorientiert; Orientierung durch Vorgabe klarer Strukturen und Kennenlernübungen (z. B. Warm-Up-Technik „100 Verwendungszwecke für eine Büroklammer“).
- 2. Storming (Nahkampf-/Konfliktphase): Machtkämpfe, Rollenrivalitäten, Bildung von Subgruppen, Austesten von Grenzen. Führungsstil: Kooperativ-autoritär; Führungskraft fungiert als strukturgebender Schlichter und fokussiert gemeinsame Oberziele.
- 3. Norming (Organisations-/Regelungsphase): Ausbildung eines Wir-Gefühls, Etablierung verbindlicher Normen, offener Informationsfluss. Führungsstil: Kooperativ-beratend; Delegation von Verantwortung, Ausbau von Teamkompetenzen.
- 4. Performing (Leistungsphase): Hohe Arbeitsenergie, funktionale Rollenflexibilität, zielorientierte Synergie. Führungsstil: Kooperativ-delegativ; Moderation von Weiterentwicklungs-Workshops, prozessuale Freiräume.
- 5. Aging (Alterungsphase): Abflachende Lernkurven, Routineblindheit, abnehmende Innovationskraft, Nabelschau. Führungsstil: Re-Fokussierung des Leistungszwecks, Anregung tiefgreifender Selbstreflexion oder Einleitung struktureller Reformen.
- 6. Adjourning (Auflösungsphase): Projektbeendigung oder Teamauflösung. Führungsstil: Transparenter Projektabschluss, strukturierte Retrospektive („Was lief gut? Was lernen wir daraus?“), emotionale Würdigung der Leistungen durch Abschiedsrituale.
Teambuilding-Methoden nach Zielkategorien:
- Vertrauensbildung: Sportliche Outdoor-Aktivitäten (Klettern, Kanufahren, Lasertag, Wandern).
- Kreativität und Neuausrichtung: Improvisationstheater, Bogenschießen, Malworkshops.
- Konfliktlösung und Kohäsion: Kooperative Logikspiele (Escape Rooms, Geocaching, Schnitzeljagden).
- Sinnstiftung: Gemeinnützige Corporate-Social-Responsibility-Projekte (Spendenläufe, Stadtreinigungsaktionen).
Exkurs: Design Thinking als Team- und Innovationsmethode (Meinel & von Thienen, 2016):
- Nutzerzentrierte Problemlösungsmethode multidisziplinärer Teams in fünf iterativen Schritten:
- 1. Empathiephase: Exploration von Wünschen, Frustrationen und Verhaltensweisen der Nutzer durch Interviews und Beobachtungen.
- 2. Definitionsphase: Synthese der qualitativen Erkenntnisse zu einem präzise formulierten Problemkern („Point of View“).
- 3. Ideenfindungsphase: Breites Brainstorming zur Generierung unkonventioneller Lösungsansätze ohne vorzeitige Bewertung.
- 4. Prototypen- und Testphase: Schneller Bau haptischer oder digitaler Low-Fidelity-Prototypen und Validierung im Praxisfeld mit realen Nutzern.
- 5. Bring Home: Feinabstimmung und Übergabe der marktreifen Lösung an Entwickler und Auftraggeber.
- Nutzerzentrierte Problemlösungsmethode multidisziplinärer Teams in fünf iterativen Schritten:
Determinanten der Teamleistung nach Becker (2016):
- 1. Umfeld des Teams: Unterstützung durch die Organisation, Bereitstellung moderner Ressourcen, leistungsgerechte Team-Incentives, teamfördernde Unternehmenskultur.
- 2. Die Aufgabe: Ganzheitlich, von hoher Tragweite, komplexitätsreich, zeitlich klar terminiert und mit sichtbarem Mehrwert.
- 3. Zusammensetzung des Teams: Maxime „So klein wie möglich“ zur Minimierung von Koordinationsaufwänden und sozialen Trittbrettfahrer-Effekten; demografische Heterogenität fördert die kreative Ideenfindung; Persönlichkeitshomogenität bezüglich grundlegender Werte sichert konstruktive Zusammenarbeit.
- Exkurs: Humble Leadership (Ali et al., 2020): Bescheidene Führung zeichnet sich durch Fehlereingeständnisse, Offenheit für Kritik und uneingeschränkte Wertschätzung fremder Stärken aus. Fördert psychologische Sicherheit, Mitarbeiterpartizipation und signifikanten Projekterfolg.
Virtuelle Führung und Remote Work
Besonderheiten der Führung auf Distanz:
- Beschleunigt durch globale Rahmenbedingungen (z. B. COVID-19-Pandemie) und fortschreitende Digitalisierung.
- Führung virtueller Teams erfordert den Übergang von Präsenzkontrolle hin zu ergebnis- und vertrauensbasierter Steuerung.
Herausforderungen virtueller Führung:
- Fehlen spontaner, informeller Kommunikation (Wegfall von Flur- und Kaffeeküchengesprächen).
- Erhöhte Gefahr von Fehlinterpretationen und Informationsasymmetrien.
- Gefahr sozialer Isolation und schwindender Identifikation mit der Unternehmenskultur.
Gestaltungsebenen virtueller Führung (Lindner & Greff, 2018; Lindner, 2020):
- Persönlich-soziale Ebene:
- Aktiver Aufbau aufgabenbasierten Vertrauens (Zuverlässigkeit durch Termintreue und transparente Arbeitsstände).
- Etablierung virtueller Ice-Breaker-Übungen zu Meetingbeginn.
- Durchführung virtueller Kaffeepausen und digitaler Teamevents (z. B. Remote-Escape-Games, gemeinsame Kochabende, Tastings via Vorab-Paketversand).
- Regelmäßige One-on-One-Videogespräche und zeitnahe Feedbackschleifen.
- Technologisch-organisatorische Ebene:
- Bereitstellung integrierter Tool-Landschaften:
- Synchrone Kommunikation: Zoom, Microsoft Teams.
- Task- und Projektmanagement: Asana, Trello.
- Kollaborative Dokumentenerstellung und Cloud-Speicher: Microsoft 365, Google Docs, Google Drive, Dropbox.
- Verbindliche Kommunikationsregeln (Netiquette): Zielgerichteter E-Mail-Verteiler statt unreflektierter CC-Kaskaden, Festlegung von Reaktionszeiten und Kernarbeitszeitfenstern.
- Ergebnisorientiertes Performance Management: Beurteilung erfolgt rein über definierte Zielerreichung und gelieferte Arbeitsqualität, nicht über physische oder digitale Online-Anwesenheitszeiten.
- Bereitstellung integrierter Tool-Landschaften:
- Persönlich-soziale Ebene: