11. Herausforderung Bildungssprache
1.Bedeutung Sprachbildung im und durch Sachunterricht
Sprache spielt große Rolle im Sach- und Fachkontext
Zwei Aspekte: Sprache als Bedingung für fachliches Lernen und Sprachbildung im Sachunterricht wichtige Aufgabe → Auch festgelegt im Perspektivrahmen
2.Sprache als Bedingung für fachliches Lernen
Sachunterricht und Sprachunterricht untrennbar
Sachunterricht Aufgabe, Vermittlung fachlicher Konstrukte, also auch (fach)sprachliche Kultur
Fachbegriffe im Alltag oft andere Bedeutung, Kinder müssen Konzepte verstehen
Sprachliches Register: Bildungssprache
Cummins Unterscheidung:
Alltägliche Sprachfähigkeiten “Basic Interpersonal Communicative Skills”(BICS)
Schulisch-akademische Sprachfähigkeiten “Cognitive academic language proficiency” (CALP)
→ Hauptunterschiede: Alltagssprache kontexteingebettet und weniger anspruchsvoll, Bildungssprache kontextreduziert und sprachlich-kognitiv anspruchsvoller
Merkmale Bildungssprache:
Informationsdichte
Situationsentbundenheit
Schriftsprachliche Redemittel wie Fachbegriffe, Nominalisierungen, Passiv, komplexe Nebensätze und Konjunktiv
Bildungssprache im Sachunterricht für Produktion und Rezeption benötigt
Benachteiligung wenig literarisierter Kinder (Widerspiegelung in Bewertung) und DAZ
Immer nötig: explizite Vermittlung sprachlich-konzeptioneller Fähigkeiten”, kein Erwerb nebenbei im Alltag Sachunterricht: Anbahnen wissenschaftliches Verständnis → Aufbau wissenschaftlicher Konzepte, Abbau Alltagsvorstellungen
Strategie: Erklären als ko-konstruktive Sprachhandlung
Kinder müssen mit Bildungssprache argumentieren und begründen können
3.Sprachbildung im Sachunterricht
Zusammenhang sprachliches und fachliches Lernen
BeFo-Studie: Kombination impliziter Sprachaneignung im Fachunterricht (focus on meaning) und explizite Kommunikation über Begriffe und Redemittel (focus on form) besonders wirksam
Bei DAZ Kindern Kombination impliziter und expliziter Sprachförderung reinem impliziten, inputorientierten Förderung nicht überlegen (bei Plural und Genus)
Ergebnisse für Unterrichtsplanung:
schon in Planung Fachunterricht sprachliche Aktivitäten für implizites, input-orientiertes Sprachlernen berücksichtigen
Für Aneignung Redemittel/Begriffe implizite Input und explizite Auseinandersetzung hilfreich
Implizite Sprachbildung besonders wirksam, wenn inputorientiert realisiert, indem sprachliche Zielstrukturen wiederholend angeboten und von Kindern erprobt werden können
Sprachbewusster Sachunterricht erfordert also:
Wahrnehmung/Einschätzung kindlicher Sprachkompetenzen
Antizipieren/Berücksichtigen kindlicher Sprach- und Verständnisschwierigkeiten bei Planung
Konzept sprachbildenden Unterrichtsgestaltung
Planung Differenzierungsmaßnahmen für Forderung/Förderung
→ Zwei mögliche Umsetzungen: Durchgängige Sprachbildung und Scaffolding
3.1. Durchgängige Sprachbildung
Modellprogramm “FörMig” fußt auf “Language across the Curriculum” (LAC), “Content and Language integrated learning” (CLIL) und “Language Awareness”
Grundgedanke: Sprachbildung spielt in allen Fächern eine Rolle
Verschiedene Herausforderungen an alle Fächer
Explizitheit
Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit
Bildungsstand und Schriftorientierung des Elternhauses
Sprachliche Sensibilität und Vorbildfunktion der Lehrkräfte, sowie Wertschätzung Mehrsprachigkeit als Ressource
→ Auch Deutsche Kinder von Sprachbarriere betroffen
Entwicklung vielfältiger Ideen und Materialien z.B.
Lehrer planen Unterricht mit Blick auf Bildungssprache
Aufgreifen von Sprachhandlungen wie Erklären, Beschreiben, Argumentieren → Bedeutet in jedem Fach was anderes
3.2. Scaffolding
sprachliches scaffolding als stützend-strukturierende Unterstützung (Pauline Gibbons)
Z.B. Fachbegriffe in Vorfeld erarbeiten
Unterscheidung Macro-Scaffolding (in Unterrichtsplanung widerspiegelt) und Micro-Scaffolding (sprachunterstützende Interaktion im Klassenzimmer)
Stufen des Macro-Scaffoldings beim Experimentieren:
Doing an Experiment: Experiment wird durchgeführt und Alltagssprache üblich zur Beschreibung
Introducing Key Vocabulary: Einführung neuer bildungssprachlicher und fachlicher Begriffe
Teacher-Guided Reporting: Angeleitete Berichten, dekontextualisiertes Sprechen, sprachanregendes Potential
Journal Writing: Schriftliches Festhalten der Vorgänge → Höchste Form Dekontextualisierung
Beim Scaffolding gilt, Grundsätze/Ziele von Wissenschaft und Sprache (“language and science objectives”) zu beachten
Unterrichtsplanung kann Leitfragen folgen:
Thema Was ist Inhalt?
Aktivitäten: Was tun SuS?
Sprachfunktion: Welche Sprachhandlungen werden erwartet?
Sprachstrukturen: Welche Sprachstrukturen brauchen SuS?
Vokabular, Lexik: Welchen Wortschatz sollen SuS verwenden?
Klausur
Multiple choice und offene fragen
Multiple choice (Hauptfragentyp) → immer 4 Punkte
Single choice → Auch nur 1 Punkt
Zuordnungsaufgaben
Grafiken beschriften
Offene Fragen (Auflistungen, kurze Erklärungen → auf Punktvergabe achten)
Bild erklären
Lückentext
90 Punkte
75% (67 Punkte)
9 Bonuspunkte Tutorium?