A4
1.0 Definition der Kommunikation und deren Bedeutung
Kommunikation als grundlegendes soziales Geschehen -Basis für Menschwerdung und kulturelle Entwicklung
Menschen nehmen Kontakt auf, tauschen Informationen aus und erschaffen Beziehungen
Kommunikationskanäle und Formen
Sprache, Mimik, Gestik, Signale, Symbole
Übermittlung einer Nachricht vom Sender zum Empfänger
Etymologie
Lateinisch: „communicare“ = teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen oder vereinigen
Unterstreicht den Aspekt des Zusammenkommens und Teilens
Kernprozesse der Kommunikation
Aufnahme, Austausch und Übermittlung von Informationen zwischen zwei oder mehr Personen
Vermittlung von Gedanken, Gefühlen und Absichten
Zentrales Ziel
Soziales Miteinander und Entwicklung der Gesellschaft ermöglichen
Modellbeschreibung
Sender übermittelt eine Botschaft, sprachlich und nonverbal (Mimik, Gestik)
Empfänger entschlüsselt und übersetzt die Botschaft
Die Aufnahme der Botschaft hängt von allen Beteiligten ab
Abbildungen (Hinweis auf Modelle)
Abb.1: Modell mit Sender, Botschaft, Empfänger
Abb.2: direkte vs. indirekte Kommunikation; Einweg- vs. Zweiwegkommunikation
Praxiskontext (Praxissituation als Anwendungsbeispiel)
Anna (FaBe) begleitet Leo nonverbal mit Piktogrammen; Blickkontakt, ruhiger Ton, Bildkarten geben
Leo wählt Bildkarte „Apfel“; Anna bestätigt: „Du möchtest einen Apfel, Leo? Gut, den bringe ich dir.“
Marc (FaBe) spricht mit Mike in einfache, klare Sprache, gibt Zeit zu antworten; vermeidet Fachsprache; zeigt Interesse durch Haltung und Mimik; fördert Mitbestimmung (z. B. Getränkewahl)
Leitsatz: Wertschätzende, angepasste Kommunikation; Sprachförderung, Entwicklung von Sprachverständnis; Vorbildfunktion in Alltag
Kompetenzerwartung (Kompetenzbeschreibung)
Fachperson Betreuung passt Kommunikation den Anspruchsgruppen an
Aktiv einbeziehen des Gegenübers in Kommunikationsmöglichkeiten
Situativ passende Kommunikationsformen oder -mittel einsetzen
Gezielte Nutzung der Kommunikation zur entwicklungs- und alltagsgerechten Sprachförderung
Wertschätzende Kommunikation und Verständigungsebene schaffen
Vorbildrolle in Kommunikation wahrnehmen und entsprechend handeln
1.1 Kompetenzbeschreibung, Lern- und Praxisbezug
Praxissituation zusammengefasst
Anna und Leo: nonverbale Kommunikation, Bildkarten, ruhiger Ton, Blickkontakt
Marc und Mike: einfache Sprache, Zeit geben, keine Fachsprache, echtes Interesse zeigen
Ziel: wertschätzende, angepasste Kommunikation, Sprachverständnis fördern, Raum für Mitbestimmung schaffen, Vorbild sein
Kompetenzerwartung im Arbeitsalltag
Adressatengerechte Kommunikation je nach Alter, Entwicklungsstand, kulturellem Hintergrund, Fremdsprachigkeit
Vorbildfunktion in der Kommunikation
Allgemeine Regeln, Ich-Botschaften, aktives Zuhören, Fragearten, Ein- und Zweiwegkommunikation, Störungsbewusstsein
2.0 Allgemeine Kommunikationsregeln
Zentrale Leitfragen
„Wie wollen wir miteinander umgehen?“
Allgemeine Regeln (Gruppennormen beachten, individuelle Normen möglich)
Konkrete Regeln
Augenhöhe: Mimik und Mundbewegungen sichtbar, Respekt signalisieren
Aussprechen lassen: zuhören, Geduld zeigen
Kongruenz: Sachinhalt und nonverbale Kommunikation stimmen überein
Sprache dem Gegenüber anpassen: Ausdrucksweise berücksichtigen, Verständnishilfe beachten
Gegenüber namentlich ansprechen
Nur eine Person spricht; andere hören zu
Konkret statt allgemein („man“ oder „wir“ vermeiden)
Distanz: armlange Distanz wahren
Ich-Form verwenden: Raum für konstruktive Diskussion lassen
Nachfragen, Vergewissern über richtiges Verständnis
3.0 Kommunikationsarten
Verbale Kommunikation (Was)
Worte in Sprache und Schrift
Nonverbale Kommunikation (Wie)
Gestik (z. B. Nicken), Mimik (z. B. Lächeln), Körperhaltung, Kleidung, Schmuck
Paraverbale Kommunikation (Wie)
Tonfall, Lautstärke, Stimmlage, Sprechtempo, Pausen, Wortwahl, Aussprache
Unterstützte Kommunikation
Gebärden, Symbole, Piktogramme
4.0 Kommunikation und deren Störungen
Ursachen für Missverständnisse und Konflikte
Unterschiedliche Dialekte
Kulturelle Unterschiede (z. B. Kopfschütteln vs. Nicken)
Nebengeräusche
Aussagen mit mehreren Bedeutungen
Sarkastische Äußerungen
Unterschiedliche Wahrnehmungen
Weitere mögliche Störungen
Hinweis auf Ressourcen
Beispielhafte Quelle: ARD Alpha und weitere Internetquellen (Link-Hinweis vorhanden)
Bedeutung
Störungen verhindern gelungene Kommunikation; Bewusstsein für deren Entstehung schaffen
5.0 Kommunikationsquadrat nach F. Schulz von Thun
Kernidee
Jede Nachricht wird auf vier Ebenen gleichzeitig ausgelöst; der Empfänger hört auf die Ebene, die im Moment besonders empfänglich ist
Vier Ebenen des Modells
Sache (Sachebene)
Selbstoffenbarung (Ich-Sicht der Sprecher)
Beziehung (Wie das Gegenüber die Beziehung wahrnimmt)
Appell (Was der Sprecher beim Gegenüber erreichen will)
Bedeutung für Praxis
Verstehen, welche Ebene beim Gegenüber besonders ankommt; bewusstes Steuern der eigenen Botschaften
Verweis auf weiterführende Ressourcen
Offizielle Modelle und Studien zu Schulz von Thun
6.0 Wie Kommunikation gelingen kann
Ich-Botschaften (Selbstoffenbarung, Konfliktprävention)
Ziel: Konflikte vermeiden, Vertrauen aufbauen, Verständnis fördern, persönliche Angriffe vermeiden
Aufbau der Ich-Botschaft (WWW-Formel)
Sachliche Benennung der Situation (Wahrnehmung)
Wirkung der Situation auf mich (Gefühl/Emotion)
Wunsch/Bedürfnis, wie es anders sein soll
WWW-Formel
Sachliche Benennung der Situation (Wahrnehmung)
Wirkung
Wunsch
Positives Beispiel aus Alltag (Verweis auf Beispiel aus Unterricht/Video)
Paraphrasieren – Aktives Zuhören
Ziel: Signalisieren, dass zugehört wird und verstanden wird
Methoden
Nicken, bestätigende Äußerungen wie „aha“, „ja“
Paraphrasieren: das Gesagte in eigenen Worten wiederholen
Rückfragen stellen, um Verständnis zu sichern
Voraussetzungen
Einfühlungsvermögen, Interesse am Gegenüber, Geduld
Abbildungen/Beispiele im Unterricht (Abb. 5)
Fragetechniken
Zielabhängige Auswahl der Fragearten
Beispiele
Offene Fragen: z. B. „Was denkst du dazu?“
Geschlossene Fragen: z. B. „Bist du einverstanden?“
Mehrfach-Fragen, Warum-Fragen, Suggestiv-Fragen
Hinweise aus der Praxis
Mischung aus offenen und geschlossenen Fragen
Vermeidung von Manipulation („Du möchtest sicher auch lieber …“)
Bei manchen Situationen: keine direkte Erwartung einer Antwort (z. B. motivierende Aussagen: „Machen wir nicht alle mal Fehler?“)
Zielorientierte Gesprächsführung
Strukturierte Gesprächsführung durch gezielte Fragen, Ich-Botschaften und aktives Zuhören
7.0 Vorbildfunktion
Rolle der FaBe (Fachperson Betreuung)
Vorbild für Klienten, Kinder und Jugendliche
Verhalten, Kleidung und Ausdruck entsprechend gestalten
Fachsprache im Arbeitsalltag
Typische Fachbegriffe aneignen und korrekt verwenden
Fachsprache sinnvoll einsetzen, besonders im Austausch mit Kolleginnen/Kollegen oder anderen Fachgruppen (Therapeuten, Lehrpersonen etc.)
Allgemein sachliche Ausdrucksweise wahren
Bedeutung der Vorbildwirkung
Art und Weise der Kommunikation prägt Lern- und Entwicklungsergebnisse der betreuten Personen
8.0 Lerninhalte, Leistungsziele und theoretische Modelle
Lerninhalte (Bezug zu Praxis und Theorie)
Adressatengerechte Kommunikation (Alter, Entwicklungsstand, kultureller Hintergrund, Fremdsprachigkeit)
Vorbildfunktion in der Kommunikation
Allgemeine Regeln in der Kommunikation
Ich-Botschaften
Aktives Zuhören
Fragearten (Offene, Geschlossene, Mehrfach, Warum, Suggestiv)
Ein- und Zweiwegkommunikation und mögliche Störungen
Ausdrucksweisen der Kommunikation (verbal, paraverbal, nonverbal)
Theorie/Konzepte/Modelle
Kommunikationsquadrat (F. Schulz von Thun)
Leistungsziele (Bezug zu a4-Standards)
a4.1.1 … setzt die Fachsprache angemessen ein und wendet diese in der Kommunikation im Berufskontext anhand von Beispielen an. (K3)
a4.1.2 … wendet grundlegende Kommunikationsregeln anhand von Beispielen an. (K3)
a4.4.1 … bringt die Grundlagen der verbalen, para- und nonverbalen Kommunikation mit konkreten Gesprächssituationen in Verbindung. (K4)
9.0 Quellen und weiterführende Materialien
Abb. 1–Abb. 6 (Beispiele und Modelle) werden aus folgenden Quellen referenziert
Abb. 1: Sender-Empfänger-Modell – Nachhilfe-Team, Juni 2024
Abb. 2: Sender-Empfänger-Modell – Karrierebibel, Juni 2024
Abb. 3: Das 4-Ohren-Modell – Slideshare, Juni 2024
Abb. 4: Institut Kom – Trainings, Juni 2024
Abb. 5: Toonpool – Zuhören, Juni 2024
Abb. 6: Fragetechniken – Trainerwissen Blog, Juni 2024
Hinweis auf weitere Ressourcen
YouTube-Video zur Ich-Botschaft: „o6dJFC1IuoA“ (Beispiel verlinkt)
10.0 Praktische Zusammenfassung und Lernhinweise
Zentrale Botschaften
Kommunikation umfasst verbale, nonverbale und paraverbale Ebenen
Effektive Kommunikation erfordert Adressatenorientierung, Empathie, klare Strukturen und reflektierte Sprache
Prüfungsrelevante Konzepte
Unterscheidung Einweg- vs Zweiwegkommunikation
Vier Ebenen des Kommunikationsquadrats
Wirksamkeit von Ich-Botschaften, Paraphrasieren und Fragetechniken
Bedeutung der Vorbildfunktion in pädagogischen Kontexten
Praktische Übungsaufgabenideen
Formuliere eine Ich-Botschaft zu einer konkreten Situation
Übe Paraphrasieren mit einem Partner anhand eines kurzen Dialogs
Analysiere eine Beispielkommunikation hinsichtlich der vier Ebenen des Quadrats
Denk- und Handlungsanregungen
Achte in Alltagssituationen auf Augenhöhe, klare Sprache und wertschätzende Haltung
Nutze bei Konflikten Ich-Botschaften statt Beschuldigungen
11.0 Zusammenfassung der Kernpunkte
Kommunikation als Grundbaustein menschlicher Beziehungen
Vielschichtige Ebenen: verbal, nonverbal, paraverbal
Störungen erkennen und gezielt angehen
Schulz von Thun: Vier Ebenen der Nachricht
Praktische Techniken: Ich-Botschaften, Paraphrasieren, Fragetechniken
Vorbildfunktion und fachliche Kommunikation im Betreuungsbereich
Wichtige Referenzen und Modelle für vertiefende Studien