Woche 2

Wirtschaftskreislauf

  • Im einfachsten Fall lassen sich zwei makroökonomische Wirtschaftseinheiten unterscheiden:

    • Private Haushalte (HH)

    • Private Unternehmen (U)

  • Haushalte stellen Arbeit zur Verfügung und produzieren Konsumgüter.

  • Unternehmen zahlen Löhne, mit denen Konsumgüter gekauft werden.

Wirtschaftskreislauf

  • In der Realität wird Einkommen auch gespart:

    • Sparquote (S): $S = Y - C$, wobei Y das Einkommen und C den Konsum repräsentiert.

  • Wenn nicht alles konsumiert wurde, erhöht sich der Kapitalbestand der Unternehmen:

    • Investitionen (I): $I = Y - C$.

Wirtschaftskreislauf

  • Staat:

    • Einnahmen:

    • Steuerzahlungen der Haushalte

    • Steuerzahlungen der Unternehmen

    • Verschuldung

    • Ausgaben:

    • Einkommenszahlungen an die Haushalte

    • Sparleistungen

    • Zahlungen an Unternehmen (z.B. Vorleistungen)

    • Transferzahlungen

    • Subventionen an Unternehmen

  • Ergänzung um Ausland und den Staat:

    • Ausland:

    • Importe (IM) führen zu Zahlungen an das Ausland,

    • Exporte (X) führen zu Zahlungen aus dem Ausland.

    • Wenn $IM
      eq X$ entsteht ein weiterer Geldstrom.

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR)

  • Bei jeder Wirtschaftseinheit und jedem Sektor können vier unterschiedliche ökonomische Aktivitäten festgestellt werden:

    1. Produktion von Sachgütern und Diensten (Produktionskonto)

    2. Empfang und Verwendung von Einkommen (Einkommenskonto)

    3. Bildung und Anlage von Vermögen (Vermögensänderungskonto)

    4. Aufnahme und Gewährung von Krediten (Kreditänderungskonto)

  • Die VGR stellt diese Aktivitäten in Form von Konten dar.

  • Sektoren: Unternehmen, Haushalte, Staat, Ausland.

Bruttoinlandsprodukt (BIP)

  • Was misst das BIP?

    • BIP misst den Gesamtwert aller hergestellten Güter und Dienstleistungen einer bestimmten Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum (Jahr) unter Abzug der Vorleistungen.

Bruttoinlandsprodukt (BIP)

  • Drei Wege zur Berechnung des BIP:

    1. Entstehungsrechnung: Was ist wo von wem erzeugt worden?

    • Summe der Mehrwerte im Produktionsprozess

    1. Verwendungsrechnung: Wofür werden die Einkommen verwendet?

    • Summe der Gesamteinkäufe aller Endprodukte

    1. Verteilungsrechnung: Wem fließen welche Einkommen aus der Produktionstätigkeit zu?

    • Summe aller Gehälter und Profite der beteiligten Produzenten.

Bruttoinlandsprodukt: Entstehungsseite

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP):

    • = die Summe der Wertschöpfung zu Marktpreisen,

    • die während einer Periode und innerhalb der Landesgrenzen entsteht.

    • = der Wert aller Güter und Dienstleistungen zu Marktpreisen,

    • die während einer Periode und innerhalb der Landesgrenzen entstehen und an den Endnutzer verkauft werden.

    • = der Wert aller Einkommen zu Marktpreisen,

    • die während einer Periode und innerhalb der Landesgrenzen entstehen.

  • Bruttonationaleinkommen (BNE):

    • = die Summe der Wertschöpfung zu Marktpreisen,

    • die während einer Periode und durch Aktivitäten der Inländer entsteht.

    • = der Wert aller Güter und Dienstleistungen zu Marktpreisen,

    • die während einer Periode und durch Aktivitäten der Inländer entstehen und an den Endnutzer verkauft werden.

    • = der Wert aller Einkommen zu Marktpreisen,

    • die während einer Periode und durch Aktivitäten der Inländer entstehen.

Bruttoinlandsprodukt: Entstehungsseite

  • Bruttowertschöpfung aller Sektoren + Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen= Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen.

  • Bruttowertschöpfung:

    • = Produktionswert - Vorleistungen.

Bruttoinlandsprodukt: Verwendungsseite

  • BIP von der Verwendungsseite:

    • Privater Konsum (C) + öffentlicher Konsum (G) + Bruttoinvestitionen (I) + Export (X) - Importe (IM) = Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen

    • Ergibt die berühmte Formel: $C + I + G + NX = Y$

Bruttoinlandsprodukt: Verteilungsseite

  • Gleichung:

    • Löhne und Gehälter + Zinsen + Mieten und Pachten + Unternehmensgewinne

    • = Volkseinkommen + Produktionsabgaben abzüglich Subventionen vom Staat + Abschreibungen - Saldo der Primäreinkommen aus dem Ausland

    • = Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen.

Bruttoinlandsprodukt Österreichs 2023

  • Verteilung (in Millionen Euro):

    • Arbeitnehmerentgelte: 345,00

    • Entstehung:

    • Land- und Forstwirtschaft: 6,33

    • Dienstleistungen: 430,01

    • Bruttoinvestitionen: 126,22

    • Bruttobetriebsüberschuss: 187,27

    • Produktionsabgaben: 283,06

    • Verwendung (in Millionen Euro):

    • minus Subventionen: 54,02

    • minus Importe: 268,82

    • BIP: 478,19

Kritik an der VGR

  • VGR misst falsch:

    • VGR ist nicht Wohlstand,

    • misst Flows, während „wahres“ Wohlstand Stocks misst.

  • VGR misst zu viel:

    • regrettable necessities,

    • Schaden an Leib und Umwelt soll substahiert werden.

  • VGR misst zu wenig:

    • Nichtmarktaktivitäten unberücksichtigt (z.B. Care-Arbeit).

    • Lebensqualität (z.B. Luftqualität) nicht berücksichtigt.

Ist BIP ein guter Wohlstandmaß?

  • Vergleich: Human Development Index (HDI) vs. BIP pro Kopf, 2022

    • Der Human Development Index (HDI) ist ein Maß für die Dimensionen der menschlichen Entwicklung:

    • Ein langes und gesundes Leben;

    • Gute Bildung;

    • Annehmbarer Lebensstandard.

    • BIP pro Kopf wird inflationsbereinigt und nach Lebenshaltungskosten der Länder angepasst.

Einkommen und Beschäftigung

  • Institution: Privatuniversität Schloss Seeburg

Drei Märkte im Vordergrund

  • Arbeitsmarkt

  • Güter- und Kapitalmarkt

  • Geldmarkt

  • Vergleich: Klassisches vs. Keynesianisches System

    • Zunächst : klassisches System (später: Keynesianisches System).

Arbeitsmarkt

  • Annahme: kurze Frist (Kapitalbestand fix).

    • Durch Vermehrung des variablen Faktors steigt der Output in der Regel nur unterproportional an.

Arbeitsnachfrage

  • Herleitung der Arbeitsnachfrage:

    • Grenzerlös: $GE = \frac{\partial E}{\partial A} = p \cdot \frac{\partial Y}{\partial A}$

    • Marktlohn gegeben.

    • Zusätzliche Einnahmen (GE) müssen zusätzlichen Ausgaben (Lohn) gleichen:

    • $l = p \cdot \frac{\partial Y}{\partial A} \Rightarrow l p = \frac{\partial Y}{\partial A}$

    • Nominallohn/Preis = Reallohn.

Arbeitsangebot

  • Funktion von Einkommen und Freizeit:

    • $N = f(Y, F)$

  • Wenn Lohn steigt, wird mehr Arbeit angeboten (Einkommenseffekt!).

  • Wenn „Preis“ von Freizeit mit 1 normiert, die „übliche“ Bedingung:

    • $-l = - \frac{\partial N}{\partial F} \frac{\partial N}{\partial Y} = \frac{dY}{dF}$

Güter- und Kapitalmarkt

  • Saysches Theorem: jedes Angebot schafft sich seine eigene Nachfrage.

  • Kreislauf: Produktion = Einkommen (das gilt immer).

  • Aber gilt Einkommen = Nachfrage?

  • Wenn gespart wird, muss der Nachfrageausfall an Konsumgütern genau durch Nachfrage an Investitionsgütern kompensiert werden:

    • $S = I$.

  • Durch Zinsen sind Güter- und Kapitalmärkte im Gleichgewicht.

Geldmarkt

  • Erinnerung: einkommensabhängige Transaktionsnachfrage und zinsabhängige Kassahaltung:

    • $L = f(Y, i)$

  • In der klassischen Auffassung: Kassahaltung unabhängig von i für alle $i > 0$.

  • Dann gilt die Quantitätsgleichung:

    • $M = L = \frac{Y^{\ast} \cdot V^{\ast}}{P} \Rightarrow P = \frac{V^{\ast} \cdot Y^{\ast}}{M}$

  • Geldnachfrage hängt nur vom Preisniveau ab.

Zusammenfassung

  • Arbeitsmarkt im Gleichgewicht zum Reallohn = Vollbeschäftigung

  • Eingriffe und Starrheiten können Abweichungen verursachen:

    • Mindestlohn

    • Lohnstarrheit

    • Mangelnder Wettbewerb

  • Geldmenge bestimmt nur Preise, hat aber keinen Einfluss auf Y.

Konjunktur und Wachstum

  • Institution: Privatuniversität Schloss Seeburg

Begriffe: Wachstum

  • Wirtschaftswachstum versteht man eine stetige Zunahme des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials.

  • Gemessen über die Veränderung des Bruttoinlandproduktes.

  • Bei konstanten Preisen = real.

  • Absolut vs. pro Kopf.

Begriffe: Konjunktur

  • Die ökonomischen Aktivitäten einer Volkswirtschaft verlaufen nicht kontinuierlich im Zeitablauf, sondern es sind zum Teil erhebliche Schwankungen festzustellen.

  • Konjunkturschwankungen: Schwankungen im Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials.

  • Maßstab: (positive oder negative) Abweichung des realisierten Bruttoinlandsprodukts von der bei normaler Auslastung produzierbaren Gütermenge.

Begriffe: Konjunktur

  • Schwierigkeit: Ermittlung des Produktionspotentials.

  • Potenzialwachstum: langfristige Veränderung des Bruttoinlandsprodukts bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten.

  • Konjunkturindikatoren:

    1. Präsenzindikatoren: Veränderungsraten des Inlandsprodukts.

    2. Frühindikatoren: Geschäftsklima, Investitionsklima, Auftragseingänge, Baugenehmigungen, Konsumentenvertrauen.

    3. Spätindikatoren: Veränderung der Löhne, die Arbeitslosenquote, die Zahl der Insolvenzen.

Begriffe: Konjunktur

  • Die Krise, auch Konjunkturtief oder Depression, ist durch einen geringen Auslastungsgrad der Kapazitäten und eine hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet.

  • Während des Aufschwungs oder der Expansion steigt die Produktion allmählich wieder an, die Kapazitätsauslastung nimmt zu, und die Arbeitslosigkeit beginnt zurückzugehen.

  • Hochkonjunktur bzw. Boom: Engpässe sichtbar werden, die die reale Entwicklung begrenzen; hohes Beschäftigungsniveau erreicht, vor allem die Preissteigerungsrate nimmt in dieser Phase stark zu.

  • Abschwung oder Rezession: allmählicher Rückgang von Nachfrage, Produktion und Beschäftigung, der in die Krise mündet.

Wachstumstheorie

  • Direkte Wachstumsdeterminanten:

    • Menge der Produktionsfaktoren: Arbeit, Boden, Kapital, Humankapital.

    • Technischer Fortschritt.

  • Indirekte Wachstumsdeterminanten:

    • Rahmenbedingungen: Wettbewerbsordnung, Institutionen, Regulierung.

    • Wirtschaftsstruktur.

Wachstumstheorie nach Adam Smith

  • Prinzip der Arbeitsteilung:

    • Wenn sich die Arbeitskräfte auf bestimmte Tätigkeiten spezialisieren, können sie ihre Produktivität nachhaltig steigern.

    • Damit resultiert aus dem gleichen gesamtwirtschaftlichen Arbeitseinsatz ein höherer Produktionsertrag, als er ohne Spezialisierung möglich wäre.

  • Spezialisierte Kapitalgüter:

    • Kapitalbildung erfolgt nur, wenn Wirtschaftssubjekte bereit sind, einen Teil der laufenden Produktion nicht konsumtiv zu verwenden, sondern zu sparen.

    • Gleichzeitig müssen die Ersparnisse in produktive Investitionen umgewandelt werden; diese Investitionen vergrößern den verfügbaren Kapitalstock.

  • Der Prozess ist durch Ressourcen beschränkt.

Sparquote und Wachstum

  • Sparquote (wK):

    • $wK = \frac{Kt - K{t-1}}{K{t-1}} = \frac{\Delta K}{K} = \frac{I}{K}$

  • Kapitalstock wächst mit Nettoinvestitionen.

  • Erinnerung: $S = I$ bzw. $S = I + NX$.

  • Wachstumspfad bestimmt durch die Sparquote.

Neoklassische Wachstumsanalyse: Solow-Modell

  • Produktionsfunktion:

    • $Y = f(A,K)$

  • Linear homogen, daher gilt:

    • $Y = f(A \cdot 1, A \cdot K) \Rightarrow A = A \cdot f(1, K)$

  • Wenn $k = \frac{K}{A}$, haben wir $y = f(k)$, wobei y den Output pro Kopf darstellt.

  • Mit einer Erhöhung der Kapitalausstattung je Arbeitskraft (k) nimmt der Output pro Kopf zu, allerdings plausiblerweise mit abnehmenden Grenzerträgen.

Neoklassische Wachstumsanalyse: Solow-Modell

  • Entwicklung des Kapitalstocks:

    • $K{t+1} = (1 - \delta) Kt + I_t$

  • Da $St = It$, können wir $St = s \cdot Yt$ schreiben.

  • $\Delta KA = \Delta K = s \cdot yt - \delta k$

  • $\dot{k} = s \cdot y - \delta k$.

Neoklassische Wachstumsanalyse: Solow-Modell

  • Dieses langfristige Gleichgewicht wird als Steady State bezeichnet.

  • Erklärt, warum Länder, die weiter von ihrem Steady State entfernt sind, höhere Pro-Kopf-Wachstumsraten haben, als Länder, die sich bereits näher an ihrem Steady State befinden.

Neoklassische Wachstumsanalyse: Solow-Modell

  • Die optimale Sparquote ist diejenige Sparquote, die zum größtmöglichen gleichgewichtigen Pro-Kopf-Konsum führt.

  • Goldene Regel der Kapitalakkumulation.

  • Das Modell kann durch Bevölkerungswachstum oder Technologiefortschritt ergänzt werden.

Mikrofundierung der Wachstumsanalyse

  • Die Entscheidungen von Haushalten, Unternehmen usw. werden unterlegt.

  • Endogenisierung des technischen Fortschritts: Technischer Fortschritt fällt nicht „vom Himmel“, sondern wird produziert.

  • Neue Wachstumstheorien:

    • Existenz weiterer akkumulierbarer Faktoren: z.B. Humankapital.

    • Eigenschaften der Produktionsfunktion: Berücksichtigung der Skaleneffekte.