Grundlagen der Informatik - Kapitel 1: Motivation

Grundlagen der Informatik – Motivation

  • Die Vorlesung basiert auf Unterlagen von Prof. Helmut Balzert und wird präsentiert von Michael M. Resch (HLRS).

  • Das erste Kapitel widmet sich der Motivation und der allumfassenden Bedeutung der Informatik in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen.

Bedeutung der Informatik im privaten Bereich

  • Die Informatik hat den privaten Alltag tiefgreifend durchdrungen, insbesondere durch die Nutzung des Internets.

  • Internetnutzung in Deutschland (Stand 2022): Die Nutzerzahlen belaufen sich auf ca. 67Mio.67\,Mio. Menschen.

  • Nutzungszwecke des Internets:

    • Kommunikation (E-Mail, Social Media).

    • Informationsbeschaffung und Nachrichten.

    • Unterhaltung (Streaming, Gaming).

    • Online-Shopping.

  • Onlinehandel in Deutschland: Im Jahr 2020 betrug das Volumen des Onlinehandels ca. 73Mrd.73\,Mrd. \,€.

  • Privatsphäre und Sicherheit:

    • Thematisierung der Überwachung im Internet und der Arbeitsweise von Geheimdiensten wie der NSA.

    • Einsatz digitaler Sprachassistenten (z. B. Alexa, Siri) und die damit verbundenen Fragen zum Datenschutz.

Stand der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft (DIHK und IHK 2021)

  • Allgemeiner Status: Der große Digitalisierungssprung in Deutschland bleibt weiterhin aus. Unternehmen bewerten ihren Stand im Durchschnitt nur als mittelmäßig.

  • Bewertung: Auf einer Schulnotenskala von eins bis sechs vergeben Betriebe sich selbst die Note 2,92,9 (unverändert zum Vorjahr).

  • Motive für die Digitalisierung:

    • Flexibilisierung des Arbeitens (51%51\,\%).

    • Erhöhung der Kundenbindung (40%40\,\%).

    • Kostenersparnis (39%39\,\%).

  • Eingesetzte Technologien:

    • Cloud-Anwendungen sind in 67%67\,\% der Unternehmen etabliert.

    • Edge-Computing ist mit 28%28\,\% auf dem Vormarsch.

    • Künstliche Intelligenz (KI): Fast jedes vierte Unternehmen plant den Einsatz innerhalb der nächsten drei Jahre.

  • Hemmnisse und Herausforderungen:

    • Hohe Komplexität bei der Umstellung von Systemen und Prozessen (39%39\,\%).

    • Fehlende zeitliche Ressourcen (36%36\,\%).

    • Hohe Kosten (34%34\,\%).

    • Mangel an IT-Fachkräften und Fachwissen (24%24\,\%).

    • Unzureichende digitale Infrastruktur (Breitband).

  • IT-Sicherheit:

    • Das Bewusstsein für Gefahren ist gestiegen, jedoch fehlen oft organisatorische Maßnahmen.

    • Weniger als ein Drittel der Betriebe verfügt über einen festen Ablaufplan für IT-Notfälle.

  • Politischer Handlungsbedarf:

    • Vordringlichster Wunsch ist eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur (66%66\,\%).

    • Erleichterung des Zugangs zu Fördermitteln (40%40\,\%).

    • Vermittlung digitaler Basiskompetenzen (33%33\,\%).

  • Interner Handlungsbedarf: 66%66\,\% der Betriebe möchten vor allem das "Digitale Mindset" im eigenen Unternehmen fördern.

IT und Energieverbrauch

  • Die Informationstechnik hat einen signifikanten ökologischen und ökonomischen Fußabdruck.

  • Stromverbrauch: IT verursacht in Deutschland derzeit ca. 10%10\,\% des gesamten Strombedarfs.

  • Kosten: Die jährlichen Stromkosten für IT belaufen sich auf ca. 10Mrd.10\,Mrd. \,€.

  • Emissionen: Eine einzige Suchanfrage im Internet verursacht ca. 3gCO23\,g \,CO_2.

  • Pro-Kopf-Verbrauch: Es wird auf die steigende Tendenz des Energieverbrauchs pro Person hingewiesen.

  • Maßnahmen zur Energieeffizienz:

    • Beachtung von Innovationszyklen.

    • Beschaffung des "langsamsten notwendigen" (statt des maximal möglichen) IT-Systems.

    • Einsatz energieeffizienter Hardware.

    • Dauerbetrieb nur bei absolut notwendigen IT-Systemen.

    • Energieeffiziente Betriebsweise von Systemen.

    • Grundsatz: "Speicher durch Wissen und Denken ersetzen".

Die Bedeutung der Informatik für Ingenieure

  • Informatik gilt heute als notwendige Grundfertigkeit neben Lesen, Schreiben und Rechnen.

  • Grundfähigkeiten: Programmieren und logisches Strukturieren.

  • Werkzeugfunktionen:

    • Produktentwicklung und Projektplanung.

    • Finanzplanung.

    • Erstellung von Berichten und Vorträgen.

  • Anwendungsbereiche im Ingenieurwesen:

    • Entwicklung: Produktentwurf und Produktoptimierung.

    • Steuerung: Steuerung von Produktionsmaschinen sowie Steuerungen in Fahr- und Flugzeugen.

    • Kontrolle: Überwachung von Maschinen, Systemen und komplexen Anlagen wie Bergwerken.

    • Mensch-Maschine-Schnittstelle: Kommunikation zwischen Mensch und System (z. B. Sprachassistenten im Cockpit oder intelligente Produktionsmaschinen).

  • Wirtschaftliche Relevanz:

    • Hardware und Software sind entscheidend für die Wertschöpfung.

    • Sie spielen die Hauptrolle bei der kontinuierlichen Verbesserung von Prozessen und der Produktivität.

    • Informatik sichert die Konkurrenzfähigkeit des Standorts Deutschland.

Aktuelle Trends

  • Internet of Things (IoT): Vernetzung physischer Objekte mit dem Internet.

  • Industrie 4.0: Digitalisierung der Produktionstechnik.

  • Künstliche Intelligenz (KI) / Data:

    • Intelligence ist ein Begriff ohne eindeutige Definition.

    • KI beschreibt Anwendungen zur Imitation menschlichen Verhaltens (nach A.M. Turing, 1950) oder zur Darstellung übermenschlicher Fähigkeiten.

    • Oft wird KI synonym für alles verwendet, was Rechenleistung erfordert.

  • Autonomes Fahren: Einer der zentralen Zukunftstrends im Maschinenbau und Fahrzeugbau.

Software Engineering

  • Es findet ein gegenseitiger Lernprozess statt: Informatiker adaptieren Methoden der Ingenieure.

  • Definition: Software Engineering wird definiert als "Die Entwicklung einer Software nach Prinzipien des Ingenieurwesens" (U. Ray, Daimler AG).

Fragen & Diskussion

  • Fragen an die Studierenden:

    • Wofür nutzen Sie das Internet?

    • Wie informieren Sie sich?

    • Wie nutzen Sie Ihre IT-Systeme?

    • Wie hoch ist Ihr jährlicher Stromverbrauch für IT?

    • In welchen Bereichen des Maschinenbaus sehen Sie konkret den Einsatz der Informatik?