Professionsethik 1_moodle
Ostschweizer Fachhochschule - Professionsethik
Lehrer: Prof. Mathias Lindenau
Überblick
Vorbemerkungen zur Profession & Professionsethik
Ethische Grundbegriffe
Ethisch relevante Aspekte wie:
Freier Wille
Autonomie
Paternalismus
Verantwortung
Herausforderungen des professionellen Handelns
Zitat von Bertolt Brecht über die Gestaltung von Beziehungen:
Herr K. hebt die absichtliche Formung von Beziehungen hervor.
Verzerrungen im professionellen Handeln
Faktoren, die das Handeln verzerren können:
Persönliche Wertvorstellungen und Vorurteile
Muddling through (schleichendes Handeln)
Willentliche Ignoranz von Tatsachen
Taktisches Verhalten
Verfolgen strategischer Ziele
Wissensarten der Profession
Episteme: Wissenschaftliches Wissen (wissenschaftliche Rationalität)
Phronesis: Reflexives Wissen (praktische Weisheit)
Technê: Handlungswissen (instrumentelle Handlungsrationalität)
Professionsethik
Ethische Legitimierung von Entscheidungen
Prämissen des professionell-moralischen Handelns:
Persönliche Wertvorstellungen der Professionellen
Individuelles Wohlergehen der Klientel
Legitimation gegenüber der Gesellschaft
Geteilte Werte und Normen
Wahrnehmung von Verantwortung und Pflichten
Fallstudie: Kommunikationsförderung bei Autismus
Ausgangssituation: Ein 6-jähriger Junge mit Autismus, Schwierigkeiten in der Kommunikation.
Eingesetztes Verfahren: PECS (Picture Exchange Communication System).
Ziel: Kommunikation aufzubauen über Bildkarten, Lernen zu wünschen und verbal zu kommunizieren.
Ethikfragen:
Ist dieses Vorgehen ethisch problematisch?
Zentrale ethische Begriffe zur Bewertung:
Ethische Grundbegriffe
Werte: Überzeugungen und Ziele, die als erstrebenswert gelten.
Normen: Regeln des menschlichen Verhaltens.
Moral: Gesamtheit von Werten, Grundsätzen und Normen.
Ethik: Reflexion über die bestehende Moral.
Ethos: Grundhaltung zu moralisch relevanten Fragen.
Ethische Theorien
Deontologische Ethik: Fokus auf Pflicht und Regeln.
Utilitaristische Ethik: Fokus auf den Nutzen und das Wohl aller.
Tugendethik: Fokus auf die Charakterbildung des Individuums.
Ethische Prinzipien (Beauchamp & Childress)
Nichtschädigung: Menschen dürfen nicht geschädigt werden.
Selbstbestimmung: Recht auf persönliche Entscheidungen.
Fürsorge: Handeln zum Wohle anderer.
Gerechtigkeit: Gleichwertige Behandlung aller Menschen.
Anerkennung und Selbstbewusstsein
Hegels „Herr und Knecht“:
Reflexion über unterschiedliche Selbst-Bewusstseinsformen.
Bedeutung von gegenseitiger Anerkennung für das Selbstbewusstsein.
Scham und Schuld
Scham: Bewusstsein persönlicher Unzulänglichkeiten.
Schuld: Verletzung moralischer Normen und Prinzipien.
Integrität und Vulnerabilität
Integrität: Wunsch nach einem intakten Selbst.
Vulnerabilität: Unterschiedliche Anfälligkeit je nach Situation.
Freier Wille
Diskussion über den freien Willen:
Philosophischer und neurobiologischer Determinismus vs. Libertarismus und Kompatibilismus.
Autonomie
Verschiedene Dimensionen des Autonomiebegriffs:
Rechte und Fähigkeiten zur Selbstbestimmung.
Paternalismus
Konzeptionen des Paternalismus:
Eingriffe im Interesse anderer sind begründungsbedürftig.
Unterschied zwischen schwachem und starkem Paternalismus.
Stellvertreterentscheidungen
Kriterien zur Abwägung von Interventionen:
Urteils- und entscheidungsfähige Klienten.
Mutmaßlicher Wille und bestmögliches Interesse berücksichtigen.
Fallbeispiel zum Paternalismus
Situation eines Praktikanten mit einem Jugendlichen, der Pflege benötigt:
Ethik der Intervention und Selbstbestimmung.
Manipulation vs. libertärer Paternalismus
Debatte über die Freiheit der Entscheidung in der professionellen Intervention.
Drohung oder Warnung?
Schwierigkeiten der Grenzziehung und moralische Fragestellungen.
Verantwortungsbegriff
Definition von Verantwortung und Voraussetzungen:
Willensfreiheit,
Entscheidungs- und Handlungsfreiheit,
Moralfähigkeit.
Verschiedene Arten der Verantwortung:
Retrospektiv und prospektiv.
Verantwortungsbereiche und -instanzen.