Selbststudium Teil 1
Zusammenfassung Text 1 Reader
In der klassischen Wirtschaft folgt die Finanzierung dem Schema Geld wird eingebracht - dieses wird investiert - durch die Investition kann ein Betrieb seine Arbeit aufnehmen und durch Wertschöpfung (Geld gegen Waren) Kapital generieren. Mit diesem Kapital kann die Anschubfinanzierung abgeglichen werden und der Betrieb läuft irgendwann von selbst. Die Anschubinvestition ist hierbei eine Betriebswirtschaftliche Finanzierung, die Kapitalgenerierung ein Umsatzprozess
In der Sozialwirtschaftlichen Finanzierung gibt es keinen direkten Tausch von Geld gegen Waren. Finanzierung muss somit stetig zur Aufrechterhaltung des Betriebes gesichert werden.
Sozialwirtschaftliche Organisationen lassen sich dabei mit verschiedenen Finanzierungsmustern denken:
Das Tagungshaus investiert in die Renovierung des Gebäudes und benötigt hierfür Kapital (Betriebswirtschaftliche Finanzierung
Die Organisation bietet Seminare für Privatpersonen an und nimmt hierdurch Geld ein (Umsatzfinanzierung)
Die Organisation bietet Seminare für Jugendliche an und erhält hierfür Förderungen der Stadt (Sozialwirtschaftliche Finanzierung)
Das Tagungshaus investiert in die Renovierung des Hauses mit der Zweckbindung „Jugendbildungsstätte“. Der selbst finanzierte Teil ist betriebswirtschaftliche Finanzierung. Ein Zuschuss der Stadt ist eine Sozialwirtschaftliche Finanzierung (Investitionszuschuss).
Das Tagungshaus bietet Seminare für Familien an. Der Eigenanteil ist Finanzierung aus Umsatzprozess. Ein Zuschuss der Stadt ist eine Sozialwirtschaftliche Finanzierung.
Grundsätzlich sind die Seminare selbst zu zahlen. Das Tagungshaus hat jedoch Investitionszuschüsse erhalten und damit die Auflage erhalten, nur Seminargebühren bis zu einer bestimmten Höhe zu berechnen (Mischform aus Umsatzfinanzierung und Sozialwirtschaftlicher Finanzierung)
Bei der Sozialwirtschaftlichen Finanzierung handelt es sich also um eine Leistungsfinanzierung und bei der Betriebswirtschaftlichen Finanzierung um eine Kapitalfinanzierung.
Neben der Finanzierung steht die Liquidität als wichtiger Faktor im Raum - sie stellt die Frage ob ich meinen aktuellen Zahlungsverpflichtungen mit meinen vorhandenen Geldmitteln abdecken kann. Die Liquidität ist dabei unabhängig von der Finanzierung zu denken - Meine Finanzierung kann gesichert sein, ich kann jedoch aufgrund bestimmter Umstände nicht Liquide sein (z.B. Zahlung des 14. Gehalt, Langzeitkrankenstand, Urlaubssaison etc.). Die Wirtschaftlichkeit hingegen stellt die Frage ob langfristig gesehen der Betrieb aufrecht erhalten werden kann. Bei der Sozialwirtschaftlichen Finanzierung geht diese Frage in die Richtung nach der Frage ob die erhaltetenen Zuschüsse für die Aufrechterhaltung des Betriebes ausreichen.
Text 2 (Fragen und Antworten)
Was ist Finanzierung?
Die Ausstattung einer Organisation mit Kapital, im Sozialwirtschaftlichen Bereich kommt es hier zu der Besonderheit des Sozialwirtschaftlichen Dreieck (Leistungsempfänger*in ungleich Leistungsbezahlende*r).
Welche Aufgabe hat die Finanzwirtschaft?
Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit und zur Schaffung einer angemessenen Kapitalzusammensetzung. Dazu gehören auch Investitionen zum richtigen Zeitpunkt.
Wie gestaltet sich die Finanzierung in einem Phasenmodell?
Phase I - Kapitalbeschaffung (Finanzierung von aussen), Phase 2 - Kapitalverwendung (Investition), Phase 3 - Kapitalrückfluss (Ertrag), Phase 4 Kapitalabfluss (Gewinnausschüttung, Verlust)
Wie unterscheidet sich Finanzierung von Investition?
Finanzierung und Investition gehören zusammen, Finanzierung ist der Oberbegriff, Investition ein Teil der Finanzierung.
Welche Bestandteile hat die Finanzierung im betriebswirtschaftlichen Sinn?
Finanzierung mit Eigenkapital - Das Kapital kommt von innen, es wird eine Umfinanzierung angestrebt, ist befristet.
Das Kapital kommt von außen, es wird eine Neufinanzierung angestrebt, ist unbefristet.
Wie unterscheiden sich Eigen- und Fremdfinanzierung?
Zur Eigenfinanzierung gehören die Beteiligungsfinanzierung sowie die Finanzierung aus zurückbehaltenen Gewinnen. Zur Fremdfinanzierung gehören das Einbringen von Kapital oder Sachwerte in Form von Einlagen in das Unternehmen gebracht (engere Fremfinanzierung) sowie die Finanzierung aus Rückstellungsgegenwerte.
Wie unterscheiden sich Außen- und Innenfinanzierung?
Zur Außenfinanzierung gehört die Beteiligungsfinanzierung und die Fremdfinanzierung. Zur Innenfinanzierung gehört die Finanzierung mit Kapital welches vom Unternehmen selbst aufgebracht wird, dazu zählen Gewinne aus Umsatzerlösen, Abschreibungs- oder Rückstellungsgegenwerte
Wie unterscheiden sich Neu- und Umfinanzierung?
Bei der Neufinanzierung wird Kapital bereitgestellt welches bisher nicht verfügbar war. Bei der Umfinanzierung. Bei der Umfinanzierung wird vorhandes Kapital neu ausgerichtet. Dabei gibt es die Prolongation (Verlängerung einer Kreditdauer, die Substitution (Austausch von Kapital) und die Transformation (Umwandlung von Kapital in anderes Kapital).
Wie unterscheidet sich befristete und unbefristete Finanzierung?
Kurzfristige Finanzierung (bis 1 Jahr - z.B. zum begleichen offener Rechnungen von Lieferanten); mittelfristige Finanzierung (1-5 Jahre, zur Begleichung von Darlehen mit ebd. Laufzeit); langfristige Finanzierung (mehr als 5 Jahre, zur Begleichung langfristiger Darlehen).
Welche Finanzierungsanlässe gibt es?
laufende Finanzierung - für die Aufrechterhaltung des Betriebes
besondere Finanzierung - zur Gründung, Kapitalerhöhung, Kapitalherabsetzung, zur Umwandlung der Rechtsform, zur Fusion von zwei Unternehmen und zur Liquiditation des Unternehmens.
Text 3 (Fragen und Antworten)
Welche Aufgaben hat das Finanzmanagement?
Die Finanzplanung, die Liquiditätsplanung und die Investitionsrechnung und Investitionsplanung. Alle diese Punkte müssen dabei unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit betrachtet werden.
Abschnitt 1 - Finanzplanung
Was versteht man unter Finanzierung im engeren Sinne?
Die Fähigkeit ausreichend, nachhaltig und langfristig Mittel bereitzustellen zu können.
Was versteht man unter Finanzplanung?
Die Sicherstellung aktueller und zukünftiger Finanzierung durch systematisches erfassen aller Ein- und Auszahlungen.
Wie sieht ein Beispiel eines Finanzplanes aus?
Auf Basis der Bilanz und der Gewinn und Verlustrechnung werden zukünftige Einnahmen und Ausgaben prognostiziert. Zudem fließen Annahmen zu Investitionen, Sparzielen und möglichen unerwarteten Kosten in die Planung ein. Dies geschieht meist für die nächsten 5 Jahre und in Tabellenform. Vorgehen:
Bilanz auf die nächsten 5 Jahre hochrechnen
Gewinn und Verlustrechnung auf die nächsten 5 Jahre hochrechnen
Prognosen erstellen (z.B. die Personalkosten steigen jährlich um 10.000 €, ein Zuschuss fällt weg, bestimmte Erträge erhöhen sich,…)
In einer Tabelle werden diese Prognosen nun eingerechnet (eine Spalte je Jahr). In der letzten Zeile wird der Jahresüberschuss je Jahr prognostiziert.
Abschnitt 2 - Liquiditätsplanung
Was versteht man unter Liquidität?
Die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens (Verhältnis von flüssigen Mitteln zu kurzfristigen Verbindlichkeiten). Die Liquidität taucht als Zahlungsmittel auf der Aktivseite der Bilanz auf. Im allgemeinen sollte diese bei 100 % liegen (ähnlich Privatkonto - besser nicht ins Minus gehen, Kredite sind teuer).
Welche Liquiditätskennziffern gibt es?
Liquidität I (Barliquidität - bildet das Verhältnis von flüssigen Mitteln aus Positionen der Aktivseite der Bilanz zu kurzfristigen Fremdmitteln auf der Passivseite der Bilanz ab) = (flüssige Mittel x 100%) / kurzfristiges Fremdkapital
Liquidität II (einzugsbedingte Liquidität - nimmt zusätzlich zu den flüssigen Mitteln das monetäre Umlaufvermögen auch kurzfristige Forderungen genannt mit auf) = (flüssige Mittel und monetäres Umlaufvermögen x 100%) / kurzfristiges Fremdkapital
Liquidität III (nimmt das gesamte Umlaufvermögen mit auf) = Umlaufvermögen x 100%) / kurzfristiges Fremdkapital
Je höher die Prozentzahl desto besser und Liquidität ersten Grades ist besser als Liquidität zweiten oder dritten Grades. Vorgeschlagene Werte I = mind. 20 % / II = mind. 100 % / III = mind. 150 %.
Was versteht man unter dem Cashflow?
Gibt an ob ein Unternhemen aus eigener Kraft Investitionen täitgen kann. Errechnet sich aus Einzahlungen minus Auszahlungen (direkte Methode) oder aus der Rechnung Cashflow = Auf/Von dem Jahresüberschuss bzw. dem Jahresfehlbetrag werden auszahlungsunwirksame Aufwendungen (z.B. Abschreibungen, Erhöhung der Rückstellung, Einstellungen in Sonderposten) addiert oder EInzahlungsunwirksame Erträge (Auflösungen von Rückstellungen und Sonderposten, Zuschreibungen) substrahiert.
Was versteht man unter Liquiditätsplanung?
kurzfristige Betrachtung der Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge.
Wie sieht ein Beispiel eines Liquiditätsplanes aus?
Einzahlungen (Entgelterträge, Zuschüsse, Erstattungen, Mieten und Sonstiges) sowie Auszahlungen (Löhne, Mieten, Energie, Instandhaltung, Beschaffung und Zinsen) werden in einer Tabelle übersichtlich dargestellt, um die finanzielle Situation über einen bestimmten Zeitraum zu analysieren.
Text 3 - 10 Schritte Best Practice
Schritt 1: Verstehen Sie die Finanzströme Ihrer NPO (Sowohl Eingänge als auch Ausgänge und zwar gründlich)
Schritt 2: Formulieren Sie eindeutige Finanzziele in Abhängigkeit von der Mission Ihrer NPO (Finanzziele sind wichtig und gerade bei der Liquidität bedarf es großer Aufmerksamkeit, die Finanzziele müssen zu den Zielen der NPO passen)
Schritt 3: Planen Sie den Finanzbedarf Ihrer NPO auf der Grundlage Ihrer Finanzziele (Ausblickend auf die nächsten 3-5 Jahre durch die Erstellung von Budgets).
Schritt 4: Managen Sie Ihre Finanzierungsquellen (bin ich nur von einer Finanzquelle abhängig oder habe ich einen breiten Mix - beides hat Vor- und Nachteile - mehr Diversifitikation bietet z.B. mehr Stabilität, mehr Konzentration auf wenige Finanzierungsquellen verspricht finanzielles Wachstum).
Schritt 5: Machen Sie sich mit der Kostenstruktur vertraut (hoher Druck, da die Erwartungen der Gesellschaft sind die Kosten möglich gering zu halten und da den Kosten keine direkten Erträge gegenüberstehen sondern nur Wirkungen).
Schritt 6: Orientieren Sie sich an den richtigen Kennzahlen (welche Kennzahlen brauche ich? Wenn ich das weiß sollte ich dafür sorge tragen das mir diese immer möglichst aktuell vorliegen).
Schritt 7: Investieren Sie in Ihre Mission und Ihre Organisation (Auch bei Finanzierungsdruck muss ich an zukünftige Investitionen denken und Wege finden diese zu realisieren).
Schritt 8: Definieren Sie die Verantwortlichkeiten für die Finanzen (Wer macht was?)
Schritt 9: Entwickeln Sie ein solides und nachvollziehbares Berichtswesen und behalten Sie die Risiken im Auge
Schritt 10: Setzen Sie Prioritäten! (Nicht überall gleichzeitig beginnen - entscheiden was zentral ist und was warten kann).
Text 4 - Notizen
Anlagendeckungsgrad: beschreibt ob das Anlagevermögen durch Eigenkapital und langfristig überlassenenes Fremdkapital gedeckt ist. Berechnet wird dieser wie folgt: AD = Eigenkapital + langfrstiges Fremdkapital geteilt durch Anlagevermögen. Sollte immer mind. 100 % betragen.
Die Finanzplanung umfasst drei typische Planungsarten:
Liquiditätsstatus, also die Sicherung der täglichen Zahlungsbereitschaft. Diese gilt immer für einen Tag und sollte täglich erstellt werden. Berechnet wird diese aus Anfangsbestand + Einzahlungen des Tages - Auszahlungen des Tages = Endbestand
Cash-Management bezeichnet die Reaktion auf finanzielle Schwankungen und die strategische Steuerung der Zahlungsmittelzuflüsse und -abflüsse, um eine optimale Liquidität zu gewährleisten.
Netting: Forderungen und Verbindlichkeiten werden intern miteinander verrechnet, sodass nur ein Nettobetrag gezahlt werden muss.
Pooling: Die Salden (Überschüsse und Fehlbeträge) verschiedener Konten oder Einheiten innerhalb eines Unternehmens oder Konzerns werden gesammelt und zu einer zentralen Stelle hin oder von dieser weg geleitet.
Finanzplan: Zur Sicherung der grundsätzlichen Zahlungsfähigkeit in der absehbaren Zukunft. Berechnet bis zu ein Jahr in die Zukunft, und wird typischerweise in Abstufungen (z.B. monatlich / quartalsweise / wöchentlich) aufgestellt. Sollte monatlich oder quartalsweise erstellt werden. Arbeitet mit Prognosen. Berechnet sich ebenfalls aus dem Anfangsbestand + Einzahlungen im Zeitraum - Auszahlungen im Zeitraum = Endbestand. Die Finanzplanung erfasst dabei nur die kumulierte Liquidität - es kann trotzdem sein das es tagesweise zu einem Liquiditätsproblem kommt. Zudem ist dieser prognostiziert und kann immer auch falsch liegen. Die Finanzplanung sollte am besten als rollierende Finanzplanung durchgeführt werden. Darunter versteht man fortlaufender Planungsprozess, bei dem die Unternehmenssteuerung mit regelmäßigen Überprüfungen und Anpassungen an die aktuellen Gegebenheiten erfolgt, anstatt auf einen starren Jahresplan zu vertrauen.
Plan-Jahresabschluss: Ziel ist die Mehrjahresberechnung bis hin zu 10 Jahren. Sollte jährlich und zu besonderen Gelegenheiten erstellt werden. Umfasst das Jahresbudget, den Mehrjahresplan, die Planbilanz, die Planerfolgsrechnung und die Plan-Kapitalflussrechnung.
Text 5 - Finanzierungsformen
Je Nach Finanzierungsart (Eigen- oder Fremdkapital) erwerben die Kapitaleinbringer unterschiedliche Ansprüche
Innenfinanzierungen
Das Unternehmen erwirtschaftet das Geld für die Finanzierung selbst (z.B. Selbstfinanzierung, Finanzierung aus Abschreibungen oder Rückstellungen, Finanzierung aus Kapitalfreisetzung)
Außenfinanzierungen
Das Unternehmen wird von Außen finanziert (z.B. Beteiligungsfinanzierung, Kreditfinanzierung, Mezzanine-Finanzierung also eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital)
Innovative Finanzierung
z.B. Leasing, Factoring, Asset-Backed-Securities, Venture-Capital Finanzierung