Elektrophile Addition
Begriff & Grundlagen
- Addition = Umkehrung der Eliminierung (Alken → Halogenalkan)
- Hybridisierung: sp2→sp3
- Elektrophile Addition (AE) bricht eine π-Bindung und knüpft zwei σ-Bindungen
- Vielfältige Produkte: Halogenalkane, Alkohole, Diole, Epoxide, Alkane
Reaktivität von Alkenen
- Doppelbindung: elektronenreich, polarisierbar, schwächer als σ-Bindung
- Alkene sind nucleophil; Angriff durch Elektrophile (Ionen, Lewis-Säuren, Radikale)
- Elektronendichte variabel: unpolar, elektronenreich, elektronenarm
Allgemeiner Mechanismus (AE)
- Schritt 1 (langsam): Elektrophiler Angriff → Carbenium-Ion
- Schritt 2 (schnell): Nucleophiler Angriff → Produkt
- Carbenium-Ion gemeinsame Zwischenstufe von SN1, E1, AE
Hydrohalogenierung (HX)
- Addition von HX an Alkene → Halogenalkane
- Monomolekulare AE; geschwindigkeitsbestimmend = Bildung des Carbenium-Ions
- Regioselektiv nach Markovnikov: H an weniger substituiertes C, X an mehr substituiertes C
- Keine Stereospezifität; planares Carbenium-Ion → Racemat
Halogenaddition (X2)
- Unpolares X2 wird durch Alken induziert polarisiert
- Bildung eines dreigliedrigen Halogenonium-Ions (z. B. Bromonium) anstelle eines Carbenium-Ions
- Nucleophiler Rückseitenangriff von X− (SN2-artig) öffnet Ring
- Ergebnis: stereospezifische anti-Addition, häufig Racemat bei Cycloalkanen
Hydratisierung (Wasser)
- Alkene + H₂O unter starker Säure (H₂SO₄, H₃PO₄)
- Mechanistische Umkehr der E1-Eliminierung von Alkoholen
- Dreistufig, zwei Zwischenprodukte, nicht stereospezifisch (Carbenium-Ion)
Katalytische Hydrierung (H₂)
- Addition von H₂ exotherm, aber kinetisch gehemmt
- Edelmetall-Katalysatoren (Pt, Pd, Ni) senken Ea; Aktivierung von H₂ auf Metalloberfläche
- Technisch: Umwandlung ungesättigter → gesättigter Fette
Regio- & Stereochemie
- Regioselektivität: Markovnikov durch stabilstes Carbenium-Ion (Hammond-Postulat)
- Stereochemie:
- HX-Addition: kein definiertes Ergebnis (Racemat)
- X₂-Addition: anti, stereospezifisch
Zusammenfassung
- Alkene reagieren bevorzugt elektrophil wegen π-Elektronen
- AE, SN1 und E1 teilen sich das Carbenium-Ion
- Halogene bilden Halogenonium-Ionen; anti-Addition
- Verschiedene Additionsarten ermöglichen gezielten Aufbau vielfältiger Funktionsgruppen