2.1 Phonetik en Phonologie

Einführung

  • Ernst S. 53, Abb. 17 – Zusammenhang Sprache / Sprachwissenschaft

    • Links: die sprachlichen Ebenen
    • Rechts: die sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen
    • Dazwischen: Pfeile
      • Synthese: Tätigkeit des Sprechers
      • Analyse: Tätigkeit des Linguisten (siehe 1.3!)
  • Kapitel 2 folgt dem "Synthese"-Pfeil

    • Also: der Tätigkeit des Sprechers
      • Laut > Wort > Satz > Text

Grammatik: Systemlinguistik

  • 2.1 Phonetik und Phonologie = S. 61-102

    • 2. 1. 1 - 2.1.4: Phonetik = S. 61-88
    • 2. 1. 5 - 2.1.9: Phonologie = S. 89-102
  • 2.2 Morphologie "und Wortbildung" = S. 102-122

    • Gewöhnlich: Morphologie = Flexion + Wortbildung
    • Wir besprechen sowieso beides
  • 2.3 Syntax = S. 122-171

    • Satzbegriff / traditionelle Syntax / moderne Syntax
  • 2.4 Textgrammatik = S. 171-183

    • Das Verbinden von Sätzen zu Texten

Phonetik (S. 61-88)

  • Die Phonetik …
    • beschreibt die Substanz der Sprachlaute
      • Art und (materiell-physikalische) Systematik
    • arbeitet v.a. naturwissenschaftlich
    • beruht auf dem klassischen Kommunikationsmodell:

Sprecher --> Medium/Kanal --> Hörer

Erzeugung --> Übertragung --> Wahrnehmung

Artikulatorische --> Akustische --> Auditive Phonetik

Akustische Phonetik (S. 84-86)

  • Sprechwerkzeuge: S. 69, Abb. 24
    • Die Stimmbänder + das sog. Ansatzrohr
  • Physikalische Merkmale
    • Dauer > (Milli)sekunden
    • Frequenz > Tonhöhe (Hz)
    • Amplitude > Lautstärke (dB bzw. Phon: S. 88)
  • Sprachlaute = Komplexschall
    • (Grundschwingung +) Teilschwingungen (= Formanten)
    • Hörer erkennen das typische Verhältnis der Formanten
  • Darstellung: Sonagramme (S. 86 – siehe unten ab Folie 27)

Artikulatorische Phonetik

  • Die vier "Gesten" ([ge:][ge:]sten < die [ge:][ge:]ste)

    • Respiration: der Luftstrom
      • Im Deutschen: immer pulmonal-egressiv (= beim Ausatmen)
    • Phonation: der Kehlkopf / die Stimmbänder
      • Öffnung/Schließung: stimmhaft <> stimmlos
    • Artikulation: die eigentliche Lautbildung
      • Sog. Ansatzrohr: der Rachen, der Mund(raum), die Nase
        • Ggf. Nasalierung: Nase als Resonanzraum
        • Verschluss: Lippen, Zunge, Gaumensegel (Velum)
        • Wenn die Luft durch die Nase entweicht: Nasallaute
  • Die beiden Haupttypen von Sprachlauten

    • Konsonanten: Hindernislaute
    • Vokale: Öffnungslaute
  • Konsonanten

    • Werden beschrieben gemäß …
      • Artikulationsort + Artikulationsart: Tabelle S. 75
      • Fehler: Es gibt im Deutschen keinen labiodentalen Nasal!
      • Stimmtonbeteiligung: stimmhaft / stimmlos
      • Spannung: Lenis / Fortis (~ stimmhaft / stimmlos)
      • Quantität: lang / kurz
        • Heute nur noch im Schweizerdeutschen relevant
  • (Konsonanten)

    • Sind im System nicht silbisch
      • Also: nicht Kern/Gipfel einer Silbe
      • Hierzu: S. 98f., v.a. Abb. 36
      • Im Usus aber bei unbetonten Silben silbisch: welch-m usw.
        • Notation: kleiner senkrechter Strich (Ernst S. 74 Mitte)
  • Besonderheiten:

    • Stimmhafter Halbvokal [j][j]
      • Ernst: Tabelle S. 75 und S. 95 (Konsonant) vs. Text S. 82 (Halbvokal)
    • Ich-Laut [c\c][ç] vs. Ach-Laut [χ][χ]
      • Tabelle S. 75: stimmlose Frikative / palatal vs. velar
      • Sog. Allophone: siehe S. 91
    • Zungenspitzen-r [r][r] <> Zäpfchen-r [ʀʁ][ʀ ʁ]
  • Vokale

    • Werden beschrieben gemäß …
      • Oralität / Nasalität (nasal: nur in Fremdwörtern, S. 77 oben)
      • Qualität (Vokaltrapez S. 78, Tabelle S. 80)
        • Zungenhöhe / Zungenlage / Lippenstellung
      • Quantität: lang (:) oder kurz
    • Sind im System silbisch (d.h. Kern/Gipfel einer Silbe)
      • Mögliche Ausnahmen: [i][i] Spanien, [u][u] die Guave
        • Notation: nach unten offener Bogen unter dem Vokalzeichen
  • Schwachtonige (reduzierte) Vokale

    • Das e-Schwa [ə][ə] / z.B. die Sonne [zɔnə]['zɔnə]
    • Das a-Schwa [ɐ][ɐ] / z.B. d[e:ɐ][e:ɐ] Hund mein[ɐ][ɐ] Mutt[ɐ][ɐ]
  • Vokaltrapez des Deutschen hier mit Unterscheidung lang (:) / kurz (bei Ernst S. 78: ohne diese Unterscheidung!)

  • Diphthonge (Untergruppe der Vokale)

    • Gleitbewegung vom einen Laut zum anderen
    • Sonst getrennte Monophthonge: z.B. der Poet [po.e:t][po.'e:t]
      • Notation (wenn nötig): Punkt . = Silbengrenze
  • (Fallende vs. steigende Diphthonge)

    • Nur wichtig: im Deutschen immer fallend
  • Schließende vs. öffnende Diphthonge

    • Im Hochdeutschen nur schließende Diphthonge
      • Zungenrücken bewegt sich nach oben
    • In oberdeutschen Dialekten auch öffnende Diphthonge
      • Bei Ernst S. 81 unten Druckfehler: nicht "fallend", sondern öffnend!
  • Vokaltrapez des Deutschen mit den drei (schließenden) Diphthongen des Standarddeutschen

    • Beispiele (Ernst S. 80f.): meist, Stein [ai][ai]; Laus, Bau [au][au]; neu, Heu [ɔy][ɔy]
  • Öffnende Diphthonge in oberdeutschen Dialekten

    • Wienerisch: Bluat 'das Blut', Kriag 'der Krieg'
    • Schweizerisch: Grüezi! (Bern: Grüessach!)
    • Steirisch: broat 'breit'
    • Oberbayerisch: guot 'gut'
  • Vokaltrapez des Deutschen mit den fünf öffnenden Diphthongen in oberdeutschen Dialekten

    • Beispiele (vorige Folie): Grüezi [ʏɛ][ʏɛ], guot [ʊɔ][ʊɔ], Bluat [ʊa][ʊa], Kriag [ɪa][ɪa], broat [ɔa][ɔa]

Auditive Phonetik (S. 86-88)

  • Sprachperzeption

    • Aufnahme und Verarbeitung des Sprachschalls
      • Daher auch: Perzeptionsphonetik
  • Perzeptionsorgane

    • Peripher: das Ohr (S. 87, Abb. 33)
    • Zentral: Hörzentren im Hirn
  • Perzeptuelle Fähigkeiten

    • Aufnahme / Identifizierung / Differenzierung
    • Hörbarer Frequenzbereich: 16 Hz bis ca. 15 kHz
    • Psychoakustik: subjektive Wahrnehmung der Laute

Von der Phonetik zur Phonologie

  • Arbeitsteilung mit der Phonetik

    • Phonetik: segmentiert Laute anhand ihrer physikalischen Substanz
    • Phonologie: klassifiziert Laute anhand ihrer Funktion im System
  • Die Phonologie als Teil des Sprachsystems

    • Paradigmatisch: Bedeutungsunterschiede
      • Z.B. Haus, Laus, Maus, raus!, (mit Nullelement:) aus
    • Syntagmatisch: Stellungs- und Kombinationsmöglichkeiten
      • Beispiel: Warum ist lfib kein deutsches Wort?
      • Antwort: weil lf- den Prinzipien des Silbenbaus widerspricht (S. 99/Folie 63)
        • Stimmhaftes /l/ ist sonorer als stimmloses /f/ > hier: vor /f/ ausgeschlossen!
    • Phonologie + Prosodie = Phonemik (S. 61)
      • S. 100: Abbildung 37
  • Wissenschaftsgeschichte

    • Laute und Lautwandel als Ausgangspunkt (Wiss'gesch. 6)

      • Grundlegend: die Erkenntnis, "dass die schriftliche Fixierung vom materiell-physikalischen Laut streng zu trennen ist" (Ernst S. 63)
    • Das Jahr 1876 (Wissenschaftsgeschichte 7)

      • Eduard Sievers, Grundzüge der Lautphysiologie
        • Titel ab der 2. Auflage: Grundzüge der Phonetik
      • Entdeckung der Lautgesetze
        • 1. und 2. Lautverschiebung (+ Analogie)
      • Erstes Teilprojekt des Deutschen Sprachatlas
        • "Das rheinische Platt": Ripuarisch (Teil des Westmitteldeutschen)
      • Berlin: Erste Orthographische Konferenz
        • K. Duden, "Vollständiges orthographisches Wörterbuch" (1880)
  • Neuorientierung (Wiss'geschichte 7 und 8)

    • Ab 1926: die Prager Schule
      • Nikolai Trubetzkoy, Roman Jakobson
      • "Phonologie": Pionierdisziplin des Strukturalismus
        • Rezeption des Werks von Saussure
          • Schwerpunkt auf der Synchronie
          • Langue > Interesse an Lautsystemen
          • Zentraler Begriff: "Phonem"
    • Spätere Erweiterungen
      • Phonotaktik: Stellungs- und Kombinationsmöglichkeiten
      • Silbenphonologie: Regeln des Aufbaus von Silben
      • Prosodie: Akzent, Intonation
  • Phonologie bei Ernst (= S. 89-100)

    • 2. 1. 5 Phonologie als strukturalistische Disziplin
      • Grundbegriffe, distinktive Merkmale
    • 2. 1. 6 Das Phonemsystem des Deutschen
    • 2. 1. 7 Binäre Phonologie
    • 2. 1. 8 Phonotaktik und Silbenaufbau
      • U.a. das "allgemeine Silbenbaugesetz" (Abb. 36, S. 99)
        • Dort Fehler schwand: gemeint ist schwant
        • Darüber Fehler
          • Richtig: "stl. Obstruenten – sth. Obstruenten"
    • 2. 1. 9 Suprasegmentalia (= Prosodie)
      • Vor allem: Akzent, Intonation

Phonetische Grundlagen der Phonologie

  • Ernst orientiert sich am Kommunikationsmodell (Phonetik als materiell-physikalischer Aspekt der Kommunikation)

Sprecher --> Medium/Kanal --> Hörer

Erzeugung --> Übertragung --> Wahrnehmung

Artikulatorische --> Akustische --> Auditive Phonetik

  • Alternative: Orientierung an der Systemlinguistik (Phonetik als materiell-physikalischer Aspekt der Sprache)

    • Schwerpunkt: artikulatorische Phonetik
      • Sprachproduktion = Erzeugung des Sprachschalls
      • Sprechwerkzeuge: Stimmbänder, Ansatzrohr
    • Arbeitsteilung (im Sinne des Strukturalismus)
      • Die Phonetik segmentiert die Sprachlaute
      • Die Phonologie klassifiziert die Sprachlaute
        • Anhand ihrer distinktiven Merkmale
        • Als Phoneme (= kleinste bedeutungsunterscheidende Elemente)
      • Hilfsmittel bei der Segmentierung: Sonagramme
        • Weiter unten: Oszillogramme
  • Sonagramme

    • Haupttyp der Spektrogramme
      • Zeigen Frequenzverlauf (Schwingungen/Zeit)
        • Wichtigste Software: Praat (www.praat.org)
    • Deutlich werden
      • Phonetische Unterschiede zwischen den Lauten
        • Dank der Formanten und ihres Verhältnisses zueinander
      • Unterschiede zwischen Sprechern
        • Männer, Frauen, Kinder: Frequenzen verschieden (Abb. 32, S. 86)
        • Das Verhältnis der Formanten zueinander bleibt gleich
          • Die Leistung des Hörers:
            • Muss die Laute im Lautstrom erkennen (können)

Oszillogramm

  • Dynamik, d.h. Veränderung der Lautstärke

    • Software: Audacity (www.audacity.com)
  • Wort: "Test"

stimmloser dentaler Plosiv [t][t]

Aspiration

Vokal [ɛ][ɛ] mit Stimmbandschwingungen

stimmloser dentaler Plosiv [t][t]

Aspiration

stimmloser dentaler Frikativ [s][s]

  • Wort: "Dame"

Markierung: Vokal [a:][a:]

Plosion zu Beginn des dentalen Plosivs [d][d] (nicht aspiriert)

Schwingungen der Stimmbänder während des Vokals [a:][a:]

[d][d] ist stimmhaft > Stimmbandschwingung

bilabialer Nasal [m][m]

Schwa [ə][ə]

Phoneme

  • Aufgabe der Phonologie: Lautklassifizierung

  • Minimalpaare: Bedeutungsunterschied?

    • Beispiel: [l,r,ʁ,ʀ][l, r, ʁ, ʀ]
      • Kein Bedeutungsunterschied: [r/ʀ/ʁ][r/ʀ/ʁ]ose
      • Bedeutungsunterschied: [l][l]ose » Die Schraube ist lose. Er verkauft Lose.
        • Also vier Phone, aber nur zwei Phoneme!
  • Distinktive Merkmale?

    • Hier distinktiv: Artikulationsart
      • Lateral [l][l] bzw. Vibrant [r,ʀ][r, ʀ] bzw. Frikativ [ʁ][ʁ]
        • (Terminologie: Laterale + Vibranten = die Liquide)
    • Hier nicht distinktiv: Artikulationsort
      • Dental/alveolares [r][r] vs. uvulares [ʀ/ʁ][ʀ/ʁ]
  • Ergebnis: einzelsprachliche Phonemsysteme (ab Folie 44)

  • Der Begriff "Phonem"

    • Phoneme: die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten

      • Beschreibbar mittels distinktiver Merkmale, z.B.:
        • /m/Masse (stimmhafter) bilabialer Nasal
        • /g/Gasse stimmhafter velarer Plosiv
        • /h/hasse stimmloser glottaler Frikativ
        • usw.
    • Definition (Ernst S. 91 oben)

Phonem = "diejenige Klasse aller Phone, die in derselben Position dieselben Bedeutungsunterschiede bewirken"

  • "Klasse", weil z.B. die Phone [r][r], [ʀ][ʀ] und [ʁ][ʁ] Allophone eines Phonems sind

    • Notation (Ernst S. 91 rechts oben: Merksatz)
  • Im Prinzip in schrägen Klammern / /

  • (Sofern nötig)

    • Nötig u.a. bei sog. Archiphonemen (= die nur als Allophone erscheinen)
      • Symbol: das (regional) neutralere Allophon, bei Ernst: /r/
  • Allophone …

    • Haben unterschiedliche phonetische Merkmale
    • Bewirken denselben Bedeutungsunterschied
    • Bilden zusammen je ein (Archi)phonem
      • Hier: /r/ zu [r][r], [ʀ][ʀ], [ʁ][ʁ]
      • Unten: /χ/ zu [c\c][ç] und [χ][χ]
      • Freie Distribution: [r][r], [ʀ][ʀ], [ʁ][ʁ]
      • Komplementäre Distribution: [c\c][ç] (Ich-Laut) und [χ][χ] (Ach-Laut)
        • [c\c][ç] nach hellen Vokalen / [χ][χ] nach dunklen Vokalen
  • Das Null"phonem"

    • Bedeutungsunterschied durch Abwesenheit
      • Beispiel: Maus / Haus / raus! / aus
      • Also: kein Phonem im Sinne einer "Klasse", sondern eine Leerstelle, die die Wirkung eines Phonems hat (nämlich: Bedeutungsunterschied)

Phonetische Transkription (S. 62-65)

  • Sie müssen sie (in der Prüfung) lesen können, aber nicht aktiv schreiben

  • Basisunterscheidung Laut / Buchstabe (hier: S. 65)

    • Beispiel: der Laut [z][z] die Reise, der Buchstabe der Reiz
  • Lauteinheit: das Phon

  • Eckige Klammern, z.B. [d][d], [e][e], [ɛ][ɛ] usw.

  • Schrifteinheit: der Graph, das Graphem

  • Spitze Klammern, z.B. , usw.

  • Zusatzzeichen: die Diakritika (< das Diakritikon)

  • Z.B. die Cédille wie in , die Umlautpunkte wie in usw.

  • Weitere Konventionen:

  • Länge: Doppelpunkt, z.B. geht g[e:][e:]t, ähnlich [ɛ:][ɛ:]nlich

  • Betonung ("Hauptakzent"): Apostroph, z.B. 'Niederländisch (!)

  • Das API-Alphabet (Association Phonétique Internationale)

    • Historisch gewachsene Schriftsysteme sind zu unpräzise

Der Sohn der Professorin genießt die Sonne.

[de:ɐzo:nde:ɐprofɛso:rɪngəni:stdi:zɔnə][de:ɐ zo:n de:ɐ profɛ'so:rɪn gə'ni:st di: 'zɔnə]

  • Liste der Phonemzeichen für das Deutsche: S. 62-64
    • 16 einfache Vokale + 3 Diphthonge , ,
      • Im Hochdeutschen nur helle A-Laute: Staat [ʃta:t][ʃta:t], nicht [ʃtɑ:t][ʃtɑ:t] wie bei Ernst!
    • 23 einfache Konsonanten (bei Ernst: 24 mit glottalem Verschlusslaut)
      • Glottaler Verschlusslaut [ʔ][ʔ] vor vokalischem Silbenanlaut

[ʔausʔu:fɛrn]/[ʔe:ɐʔaχtətəʔy:brɪgənsʔauχʔɪməʔaufʔʊns]['ʔausʔu:fɛrn] / [ʔe:ɐ 'ʔaχtətə 'ʔy:brɪgəns ʔauχ ʔɪmə ʔauf ʔʊns]

  • 3 Affrikaten /pf ts tʃ/ (die Affrikate: Verschlusslaut + Reibelaut)

  • Nicht-distinktive Merkmale können bei Bedarf hinzugefügt werden

    • Z.B. Aspiration: ['ʃpha:ni̯ən], aber meistens genügt ['ʃpa:ni̯ən]
  • Beispiel (siehe auch Ernst S. 82f.)

  • Goethe, "Wanderers Nachtlied" (1780/1815)

'y:bɐ 'alən 'gɪpfəln ɪst ru: ɪn alən 'vɪpfəln 'ʃpy:rəst du: kaum ‘ainən hauχ di: 'fø:gəlain 'ʃvaigən ɪm 'valdə 'vartə nu:ɐ̯ 'baldə 'ru:əst du: auχ

  • (Beispiele)

  • Goethe: "Wanderers Nachtlied" (1780)

'y:bɐ 'alən 'gɪpfəln ɪst ru: ɪn alən 'vɪpfəln 'ʃpy:rəst du: kaum ‘ainən hauχ di: 'fø:gəlaen 'ʃvaigən ɪm 'valdə 'vartə nu:ɐ̯ 'baldə 'ru:əst du: auχ

Über allen Gipfeln Ist Ruh In allen Wipfeln Spürest du Kaum einen Hauch Die Vögelein schweigen im Walde Warte nur, balde Ruhest du auch

Phonemsysteme

  • Das Phonemsystem des Deutschen (Tabelle S. 95)

    • 41 Phoneme: 18 Vokale, 23 Konsonanten
    • Allophone:
      • (ç χ) zu /χ/
      • (r ʀ ʁ ɐ) zu /r/ > /r/ hat also vier Allophone! (nicht nur drei)
      • (ɛ ə) zu /ɛ/ > [ə] ist also nicht Allophon zu /e/! (vgl. S. 94)
    • Der Phonemstatus ist umstritten (aber plausibel) …
      • Bei den drei Affrikaten [pf – ts – tʃ]
      • Bei den drei Diphthongen [ai], [au], [ɔy]
        • Vgl. S. 63: Verbindungsbogen unter den Diphthongen!
      • Beim [ʒ]: nur in Fremdwörtern, z.B. Giro [ʒi:ro][ʒi:ro], Journal, Giraffe
  • Normierung von Phonemsystemen

    • Und damit: der Aussprache
      • Die sog. Hochlautung (Ernst S. 81)
        • Theodor Siebs, Dt. Bühnenaussprache (1898)
          • "Reine" und "gemäßigte" Hochlautung
            • Gemäßigt: lässt Raum für Usus
              • [e:][e:]hnlich für ähnlich, hab[m][m] für haben usw.
            • Heute: gemäßigte Hochlautung
              • Ziel: Deutlichkeit, Verständlichkeit
                • Fernsehnachrichten (v.a. Tagesschau.de)
                • Aussprachewörterbücher, z.B. Duden
                  • Sog. Überlautung (z.B. bei Störung im Kanal)

"Übrigens, morgen kommt meine Mutt[ɐ][ɐ].

"Wie bitte, wer?"

"Meine Mutt[ɛʀ][ɛʀ]!"

  • Symmetrien und Asymmetrien (Ernst sehr kurz S. 95 unten)

    • Konsonanten
      • Symmetrie: normalerweise stimmhaft/stimmlos [p b], [f v] usw.
      • Asymmetrie: Nasale [m, n, ŋ] und Liquide [l, r] nur stimmhaft
    • Vokale (Ernst: "Symmetrien im Kurzvokalsystem" – ?)
      • Symmetrie: Kurzvokale [a ɛ ɪ ɔ ʊ] sind mindestens immer kurz
      • Asymmetrie: A-Laute in der Standardsprache nur offen [a: a]
      • Asymmetrie: offene e- und a-Laute auch lang [ɛ: a:]
        • Im Deutschen aber nicht [ɪ: ɔ: ʊ:] !
      • In Norddeutschland auch usuell: [ɛ:] > [e:]
        • (das Mädchen) Norm: M[ɛ:][ɛ:]dchen > Usus: M[e:][e:]dchen
        • (ähnlich) Norm: [ɛ:][ɛ:]hnlich > Usus: [e:][e:]hnlich (usw.)
  • Lücken im deutschen Vokalsystem

    • Offene i-, o- und u-Laute: nur kurz
    • Lücke: kein langer offener i-, o- und u-Laut
  • Besonderheit: langer offener a- und e-Laut

  • Kontrastive Phonologie

    • Synchronisch: Vergleich verschiedener Sprachen
      • Ndl.: kein kurzes offenes [ʊ][ʊ] wie in dt. wurde (ndl. 'werd') (≠würde 'zou worden' !)
      • Beispiel von Ernst (S. 96): Assimilation des englischen dentalen Frikativs
        • Stimmlos: /θ/ a mathematical thriller > Dental [t][t] oder Frikativ [s][s]
          • Niederländischsprachige Lerner: a ma[t][t]ematical [t][t]riller (nur Dental)
          • Deutschsprachige Lerner: a ma[s][s]ematical [s][s]riller (nur Frikativ)
        • Stimmhaft: /ð/ the mother > Dental [d][d] oder Frikativ [z][z]
          • Niederländische Lerner: [d][d]e mo[d][d]er (nur Dental)
          • Deutschsprachige Lerner: [z][z]e mo[z][z]er (nur Frikativ)
    • An welchen Laut assimiliert wird, ist Sache der Norm!
    • Diachronisch: Wandel im System
      • Z.B.: Reste von /θ/ seit frühen Althochdeutsch

Fater unser thû thâr bist in himile / si giheilagôt thîn namo

Coseriu – deskriptive Norm (siehe vorletzte Woche) (Im Englischen: father!) Wurde im Ahd. also zuerst stimmhaftes /ð/ zu /t/, während /θ/ noch überlebte? Oder wurden zuerst Laute im Wort- inneren zu /t/?

  • Vom Phonemsystem zur Graphematik

    • Ernst (S. 61): Die Phonologie kann "indirekt auch auf die geschriebene Sprachform angewendet werden"
      • Auch Abb. 17 (S. 53 unten): "(Schrift – Graphematik/Orthographie)"
        • Schriftliches Gegenstück zur Phonologie: die Graphematik
          • Abstraktes Regelsystem hinter der Orthographie
            • Gegenstück zum Phonem: das Graphem
  • Orthographie: wie man (in einer Sprache) schreiben darf

    • Unterscheidung

      • Das = Artikel oder Pronomen, dass = Nebensatzkonjunktion
    • nur noch nach Langvokalen und Diphthongen

      • In Maßen [ma:sən]['ma:sən] (aber: in Massen [masən]['masən]), außer
    • Schweiz: immer statt , also: in Massen

  • (Vom Phonemsystem zur Graphematik)

    • Graphematik: wie man (in einer Sprache) schreiben kann
      • Mit welchen Graphemen kann man das Phonem /s/ wiedergeben?
        • Mit dem Graphem das Mus (z.B. das Apfelmus), was, fast
        • Mit dem Graphem die Masse
        • Mit dem Graphem das Maß
      • Welche Phoneme kann man mit dem Graphem wiedergeben?
        • Das Phonem /s/ der Reis
        • Das Phonem /z/ die Reise
        • Das Phonem /ʃ/die Straße
      • Welche Phoneme kann man mit dem Graphem wiedergeben?
        • Das Phonem /ts/ der Reiz
          • Im Deutschen aber nicht das Phonem /z/ !
  • (Vom Phonemsystem zur Graphematik)

    • Kontrastive Graphematik

      • Auf Niederländisch steht immer für /z/

        • Und fast immer für /s/ (aber z.B. het mu[z]eum)
      • Auf Niederländisch steht für [u:][u:]: moe, Soedan

        • Auf Deutsch steht für [ø:][ø:] und [œ][œ]: Goethe, Oetker
      • Typisch deutsch: das Prinzip der Morphemkonstanz

        • Beispiel: ndl. de gans und dt. die Gans im Plural
          • Ndl. de gans [s][s] > de ganzen [z][z]: wird angepasst
          • Dt. die Gans [s][s] > die Gänse [z][z]: bleibt erhalten
            • Prinzip: Der Stamm und die abgeleiteten Formen bleiben konstant
              • Auch z.B. der Tag trotz Auslautverhärtung [ta:k][ta:k] (siehe Folie 57)

Phonologische Prozesse

  • Bei Ernst: Erweiterung der binären Phonologie

    • Binäre Phonologie: Versuch, die Phoneme aller Sprachen vergleichbar zu machen

      • Binär: + / – (= das Merkmal ist entweder vorhanden oder nicht vorhanden)
      • 0 = nicht relevant
    • Matrix S. 97: 12 binäre Merkmale für alle dt. Laute

  • (Nicht-API-Symbole!)

  • "Phonologischer Prozess"

    • Synchronisch: regelhaftes Verhältnis zwischen zwei Lauten
      • Kann als phonologischer Prozess aufgefasst werden: Der eine Laut wird vor der Artikulation in den anderen verwandelt
        • Synchronischer Prozess ~ diachronischer Wandel?
  • Beispiel 1: Auslautverhärtung (Ernst S. 96 unten)

    • Distribution (= Verteilung der Laute in unterschiedlichen Umgebungen)
      • Ich frage [fra:.gə]['fra:.gə] / aber: Fra[k][k] doch!, fra[k][k]lich usw.
      • Ebenso: Tage [ta:.gə]['ta:.gə] / aber: der Tag [ta:k][ta:k]
        • Auch schon im Mittelhochdeutschen: die tage, aber der tac
      • Entsprechend auch im Ndl.: de be[d][d]en, aber het be[t][t] (usw.)
    • Phonologischer Prozess: Fortisierung
      • "Stimmhafter Verschlusslaut wird im Silbenauslaut stimmlos"
        • Silbenanlaut [fra:.gə][fra:.gə] >Silbenauslaut [fra:k][fra:k]

Lenis (stimmhaft, ungespannt) --> Fortis (stimmlos, gespannt)

  • Fortisierung also: Lenis wird als Fortis realisiert

    • Gegensatz: Lenisierung (Fortis wird als Lenis realisiert)
      • Plosive im Obersächsischen: Parkplatz [bɑrgblɑds]['bɑrgblɑds]
      • [t][t] im amerikanischen Englisch, z.B. matter : BrE ma[t][t]er > AmE ma[d][d]er
  • Beispiel 2: die Umlaute

    • Phoneme: [ɛøy][ɛ ø y] / Grapheme: