Professionswissen Schulleitung_I. Führung und Management
Verwaltungsreform und Schulreform
Das Management von Schulen erfährt seit einigen Jahren eine Renaissance, nachdem es zuvor als unpassend galt. Dies lag daran, dass Schulen scheinbar wichtige Merkmale betrieblichen Managements fehlten. Der Auffassungswandel kam durch das New Public Management (NPM) in der öffentlichen Verwaltung, das eine Abkehr von zentralistischen hin zu dezentralen Steuerungsansätzen forderte. Die "Kommunale Gemeinschaftsstelle" (KGSt) initiierte das Neue Steuerungsmodell (NSM), um die "organisierte Unverantwortlichkeit" zu beheben.
Das Neue Steuerungsmodell (NSM)
Das NSM zielte auf verbesserte interne Steuerungsmechanismen und die Modernisierung der Binnenstruktur von Verwaltungen. Es reagierte auf:
Effizienzlücke: Fehlende Anreize zur effizienten Mittelverwendung.
Strategielücke: Fehlende Orientierung an klaren Zielen.
Managementlücke: Fehlende Instrumente zur Leistungsverbesserung.
Attraktivitätslücke: Sinkende Attraktivität des öffentlichen Sektors.
Legitimitätslücke: Fehlende Rechenschaftslegung.
Das NSM umfasste drei Kernelemente:
Dezentrale Führungs- und Organisationsstruktur mit Kontraktmanagement.
Outputsteuerung.
Aktivierung durch Wettbewerb und Kundenorientierung.
Der Staat als Dienstleistungsunternehmen
Das Neue Steuerungsmodell transformiert das Staats- und Verwaltungsverständnis hin zum Dienstleistungsunternehmen. Dies beinhaltet:
Mehr Dienen: Der Staat ist für den Bürger da.
Mehr Leistung: Mehr Effektivität und Effizienz.
Mehr Unternehmen: Unternehmerisches Handeln ermöglichen.
Dies erfordert zielgenaues, rechtmäßiges und sparsames Arbeiten. Wichtig ist die verstärkte Outputorientierung statt Inputorientierung und die Einführung eines Controllings. Grundlage für die Bewertung sind Zielvereinbarungen und Entscheidungskompetenz. Mitarbeiter sind der kritische Erfolgsfaktor und müssen entsprechend ausgebildet und motiviert werden. Der Staat darf sich jedoch nicht selbst aufgeben und muss bürgerzentriert agieren.
Neue Staatliche Steuerung für die Schule
Es drängt sich auf, die Eignung der Verwaltungsreformansätze für den schulischen Raum zu prüfen. Die Rahmenbedingungen der öffentlichen Verwaltung treffen grundsätzlich auch auf den Schulbereich zu, jedoch gibt es Unterschiede:
Unterschiede
Pädagogisch-fachlicher Auftrag in großer Freiheit.
Verpflichtung auf zentrale bildungspolitische Ziele.
Erfolg ist schwer nachweisbar.
Eingeschränkte Entscheidungsfreiheit.
Schule als letztes Glied einer Verwaltungshierarchie.
Geringe Gestaltungsrechte der Einzelschule.
Zentrale Festlegung von Zielen und Mitteln.
Weitgehend unselbstständige Schulen.
Ineffiziente zentrale Steuerung.
Leitungspersonen ohne Sanktionsmacht.
Große Kontrollspanne für Schulleiter/innen.
Flache Hierarchie.
Schwierige Kontrolle des Unterrichts.
Seltene Kooperation.
Individueller Auftrag der Lehrkraft.
Gemeinsamkeiten
Neugestaltung des Steuerungssystems durch Selbstorganisation und Delegation von Rechten.
Überregulierung im Detail- und Verfahrensbereich.
Verpflichtung zu fachlich-inhaltlichem und betriebswirtschaftlichem Qualitätsmanagement.
Fehlende Überprüfung der Ziele und Ergebnisse.
Kein systematisches Controlling oder Evaluation.
Mangelnder Wettbewerb unterschiedlicher Modelle.
Erhebliche Reibungsverluste und ineffektive Ressourcennutzung.
Unzureichende Verantwortungsübernahme.
Merkmale einer Bürokratie treffen auch auf Schulen zu.
Negatives Image von Lehrern/innen und Verwaltungsbeamten.
Einfluss von Trägheit, Ineffizienz und mangelnder Managementorientierung.
Dauerhafte Exzellenz ist schwer zu erreichen.
Neues Steuerungsmodell und Management als Basis für Schulreform
Es besteht die Herausforderung, die Verwaltungsbürokratie durch ein schulkonformes Management zu ersetzen. Es reicht aber nicht, Organisationsstrukturen zu verändern, sondern es muss ein Managementklima geschaffen werden, in dem die Mitarbeiter mit dem Managementbegriff vertraut gemacht werden. Wichtig ist, die Veränderungsziele zu prüfen und dann den passenden Lösungsansatz zu wählen (z.B. TQM oder Geschäftsprozessmodellierung). Schulkonformes Management ist eine Synthese aus moderner Unternehmensführung und den Erfordernissen von Schule und öffentlicher Verwaltung. Es wird ein integrativer Ansatz verfolgt, der die vielfältigen Anforderungen an ein modernes Management berücksichtigt. Führung wird als substanzieller und dialogischer Bestandteil von Management verstanden. Wesentlich für eine Veränderung ist die Bereitschaft zu mehr unternehmerischem Denken und Handeln sowie die Aneignung von Wissen und Kompetenz. Es bedarf Handlungsspielraum, Risikobereitschaft und Entscheidungsfreude sowie Verfügungsberechtigung über Personal- und Sachmittel. Schulvergleiche und Leistungsvergleiche können statt direktem Wettbewerb treten. Insgesamt ist der Wandel von der Verwaltungsbürokratie zum Management von Schule ein weiter und schwieriger Weg, der die Entwicklung eines Führungs- und Managementverständnisses bei Schulleitungen und Lehrkräften erfordert. Eine neue Berufsauffassung von Lehrkräften müsste die Bereitschaft umfassen, Dezentralisierung zu nutzen, Verantwortung zu übernehmen, sich der Kosten bewusst zu sein und sich an den Bedürfnissen der Schüler/innen, Eltern und Gesellschaft zu orientieren. Das Neue Steuerungsmodell allein reicht nicht aus, sondern es bedarf eines pädagogischen Gutachtens mit Leitvorstellungen und Empfehlungen. Die einzelne Schule wird als Ausgangspunkt von Weiterentwicklung gesehen und die strategische Funktion auf der zentralen Ebene soll gestärkt und die Operationalisierung dezentralisiert werden. Die Fachleute in der Schule sollen über die Qualität der Arbeit entscheiden. Die Länder vermeiden den Wettbewerb und führen gezielt Marktelemente wie Selbstständigkeit und Rechenschaftslegung ein. Erstmalig werden Führung und Management als zentrale Leitkategorien einer professionellen Schulleitung bezeichnet. Es muss sorgfältig geprüft werden, ob das Management für die Anwendung in der Schule geeignet ist, also dass die Schule nicht auf einem Markt agiert und es keinen Austausch von Ware und Geld gibt. Abschließend wird ein pragmatischer Ansatz für ein Schulmanagement entwickelt, ohne überhöhte Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Management und Idealisierung.
Führung und Management - Leitkategorien Professioneller Schulleitung
Welches Bild von Management kann Schule nutzen?
Es gibt unterschiedliche Vorstellungen über die Rolle des Managements von Schule. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Anforderungsprofil für Schulleiter/innen, das Handlungsfelder, Handlungstypen, Kompetenzen und Führung und Management als verbindende Rollenbeschreibungen unterscheidet. Führung und Management werden als zentrale Leitkategorien gesehen, wobei die Schulleitung als eigenständige Profession gilt, die Sozial-, Fach- und Leitungskompetenz erfordert.
Die Schlüsselkompetenzen sind:
Technische Kompetenz
Soziale Kompetenz
Konzeptionelle Kompetenz
Leitungskompetenz umfasst pädagogische Kompetenz, Kommunikationskompetenz, Organisations- und Verwaltungskompetenz, schulrechtliche Kompetenz sowie Führungs- und Managementkompetenz. Die Leitungspersonen sollten unübersichtliche Zusammenhänge erfassen, Handlungskonzepte erstellen und über soziale Fähigkeiten verfügen. Manager sind nicht nur Topmanager, sondern jeder, der Führungsaufgaben erfüllt. Topmanagement gehört zwar zum Management, ist aber nicht das wichtigste. Management ist wichtig für Personen, die sich selbst führen müssen.
Irrtümer im Management:
Nur Topmanager managen.
Nur wer Mitarbeiter/innen hat, ist Manager.
Management ist nur "Management von Untergebenen".
Managementkompetenz ist ein angemessenes Mittel für die Aufgabenerfüllung von Schule. Schule kann Nutzen aus qualifiziertem Management ziehen. Es ist wichtig, das passende und annehmbare Bild von Management zur Verfügung zu stellen. Die Fortsetzung der schulischen Arbeit auf Grundlage des bürokratischenVerwaltungsmodells führt zur Starrheit. Verwaltung wie Management sind Mittel zur Erfüllung der Aufgaben.ImGrundsatz geht es um Steuerungsaufgaben jeder Organisation. Schulleitungspersonen sind Führungskräfte mit Managementaufgaben, denen es obliegt, die Aufgaben durch Planen, Entscheiden, Organisieren, Kontrollieren, Messen, Beurteilen, durch Gestaltung und Steuerung zu erfüllen, gleich ob als "Topmanager" oder Manager.
Ein eigener Managementbegriff für Schule?
Schule muss mit knapperem Geld, weniger Zeit und steigender Komplexität umgehen. Dazu bedarf es professionellen Managements. Die Art des Managementeinsatzes und die zugrunde liegende Philosophie sind von Bedeutung.
Definitionen des Managementbegriffs:
Gesamtheit aller gestaltenden, steuernden, Richtung gebenden und entwickelnden Funktionen.
Steuerung des Leistungsprozesses.
Leitung soziotechnischer Systeme in personen- und sachbezogener Hinsicht.
Veränderungsmanagement, das zielorientiert gemanagt werden muss.
Die Grundsätze wirksamer Führung (Management) müssen die Aufgaben, den Einsatz der Werkzeuge und Medien sowie das operative wie das innovative Geschäft bestimmen. Wichtigistdie Schaffung neuer Binnenstrukturen. Die Qualifizierung ist nur machbar, wenn jeder durchschnittlich begabte Mitarbeiter Management lernen kann. LautNangel,Wimmer sind die zusätzlichen Eigenschaften die nicht lehrbar sind unteranderem die Fähigkeit, Konflikte auszuhalten,Durchsetzungsfähigkeit,Reflexionsfähigkeit.Massen von FührungskräftenallerStufen haben dieAufrechterhaltung desNormalbetriebs unddieUmstrukturierungihrer Organisati onseinheit gleichzeitig zubewältigen.Es besteht kein grundsätzlicher Unterschiedzwischenden verschiedenen Typenvon Management. Richtig istaber,dassChangemanagementbesondershoheAnforderungen andie Grundausstattungvon ManagerinnenundManagernstellt. Schulentwicklung istein „systematischerArbeits-und Lernprozess“ und zunächstundüberwiegend durchoperatives Managementzubearbeitenund nichtalseinbesonderes Verände rungsprojekt.
Schule scheint keinen besonderen, auf ihren Organisationstypus zugeschnittenen Managementbegriff zu benötigen, wenn die Spezifik ihres Auftrags und ihrer Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.In diesem Fall kann Management als eine Querschnittsaufgabe und als die Gesamtheit aller gestaltenden, steuernden, Richtung gebenden und entwickelnden Funktionen einer Gesellschaft oder als TransformationvonWissenin LeistungundNutzenverstandenwerden.
Schulmanagement im Verhältnis zur Schulentwicklung
Schulmanagement dient dazu, den Unterrichts- und Schulentwicklung