Chemie-Kompendium: Redox, Organische Chemie & Kohlenhydrate
Redoxreaktionen – Grundbegriffe und erweiterte Definition
Oxidation wurde im klassischen Sinn als Sauerstoffaufnahme, Reduktion als Sauerstoffabgabe verstanden. Eine genauere Betrachtung über Oxidationszahlen und Elektronenbilanz führt zur modernen Definition: Oxidation = Abgabe von Elektronen (Erhöhung der Oxidationszahl)
Reduktion = Aufnahme von Elektronen (Erniedrigung der Oxidationszahl)
Eine Redoxreaktion besteht immer aus zwei gekoppelten Teilreaktionen (Elektronenabgabe
Elektronenaufnahme). Beispiel Sauerstoff
-abhängig:
Quecksilber(II)-oxid wird reduziert (Elektronenaufnahme), Sauerstoff wird frei. Beispiel Sauerstoff
-frei:
Natrium gibt ab (Oxidation, Reduktionsmittel), Chlor nimmt Elektronen auf (Reduktion, Oxidationsmittel). Zur Ermittlung von Oxidationszahlen wird bei kovalenten Bindungen das bindende Elektronenpaar vollständig dem elektronegativeren Partner zugeordnet. Änderungen der OZ zeigen Elektronenwanderungen an, auch wenn kein Sauerstoff beteiligt ist (z. B. Knallgasreaktion, ).
Übungen und typische Redoxpaare
• (Oxidation)
• (Reduktion)
Gesamt:
Zink = Reduktionsmittel, Schwefel = Oxidationsmittel.
Alkane – Aufbau, Eigenschaften, Nomenklatur
Alkane (allgemein ) besitzen nur -Bindungen und keine funktionelle Gruppe. Homologe Reihe: Methan – Ethan – Propan – … – Eicosan. Physikalische Größen: Mit steigender Kettenlänge nehmen Van-der-Waals-Kräfte, Schmel- und Siedetemperatur zu. Verzweigung senkt die Siedetemperatur, da kompaktere Moleküle geringere Kontaktflächen besitzen. Verbrennung (vollständig, Sauerstoffüberschuss):
Beispiel Hexan: . Nomenklatur: Längste Kette zählt, Seitenketten alphabetisch, niedrigste Lokanten. Beispiel: 4-Ethyl-2,4-dimethyl-hexan.
Alkene – Doppelbindung, (Z)/(E)-Isomerie, Reaktionen
Ungesättigte KW mit Allgemeinformel . Die -Doppelbindung ist funktionelle Gruppe.
Cis/Trans (bzw. Z/E) resultiert aus fehlender Drehbarkeit: höchste CIP-Prioritäten auf gleicher (Z) oder entgegengesetzter Seite (E). Physikalische Eigenschaften: geringere Sdt im Vergleich zu entsprechenden Alkanen, schlechte Wasserlöslichkeit. Typische Reaktionen (elektrophile Addition):
• Halogenierung: (Bromentfärbung als Nachweis).
• Hydrierung: (Fetthärtung).
• Addition von oder (Markownikow-Regel). Verbrennung wie bei Alkanen, jedoch mit .
Aromatische Verbindungen – Benzol und Mesomerie
Benzol (Summenformel ) zeigt keine typische Alkendoppeltbindung. Alle sechs -Elektronen sind delokalisiert (Mesomerie), reale Bindungslänge liegt zwischen Einfach- und Doppelbindung. Reaktionsverhalten: elektrophile Substitution anstelle von Addition.
Alkanole (Alkohole)
Homologe Reihe . Ein-, zwei-, drei- oder mehrwertig je nach Anzahl der -Gruppen. Primär, sekundär, tertiär – durch Anzahl der C-Nachbarn am -Atom bestimmt. Physik: H-Brücken
hohe Sdt; Sdt steigt mit Kettenlänge, sinkt bei Verzweigung. Wasserlöslichkeit nimmt mit Alkylkettenlänge ab (hydrophober Rest). Oxidation mit :
• primär Aldehyd Carbonsäure
• sekundär Keton
• tertiär keine milde Oxidation ohne Kettenbruch. Verbrennung: .
Brennwert Ethanol: (≈ ).
Carbonylverbindungen – Aldehyde & Ketone
Funktionelle Gruppe: \ce{R-CHO} (Aldehyd), \ce{R-CO-R'} (Keton). Nachweise: • Fehling (alkalische \ce{Cu^{2+}}-Tartrat-Lsg): Aldehyd roter \ce{Cu2O}-Niederschlag.
• Tollens (ammoniakalisches \ce{[Ag(NH3)_2]^+}): Silber wird metallisch abgeschieden (Spiegel).
Ketone bleiben in beiden Tests negativ. Oxidation:
Reduktion (z. B. \ce{NaBH4}): Keten bzw. Aldehyde Alkohole. Physikalisch liegen Sdt zwischen Alkoholen (keine H-Brücken untereinander) und Alkanen (Dipol-Dipol-Wechselwirkungen).
Carbonsäuren – Struktur, Säurestärke, Derivate
Allgemeinformel mit Carboxylgruppe . Homologe Reihe: Methan- (Ameisen-), Ethan- (Essig-), Propan- (Propion-), Butan- (Butter-)säure … Säurestärke (p) sinkt mit +I-Effekt (lange Alkylreste) und steigt mit –I-Effekt (elektronegative Substituenten, z. B. Cl, OH, C=O). Mesomerie stabilisiert Carboxylat:
.
Bildung von Salzen (Neutralisation), Estern (Kondensation Alkohol + Säure), Säureanhydriden (Kondensation zweier Säuren). Sdt sehr hoch durch Dimere via H-Brücken; bis kurz vor Sieden Dimerisierung.
Kohlenhydrate – Aufbau und Reaktionen
Monosaccharide
Elementarzusammensetzung \mathrm{C*n(H*2O)_n}}; Aldosen (Polyhydroxy-aldehyde) oder Ketosen.
Offenkettige Fischer- und cyclische Haworth-Schreibweise durch intramolekulare Halbacetalbildung. Anomere: (OH am anomeren C unten), (OH oben).
Mutarotation: dynamisches Gleichgewicht über offenkettige Form, beobachtbar mit Polarimeter (z. B. Glucose ). Spezifischer Drehwinkel:
( gemessener Winkel, in , in dm, häufig ). Keto-Enol-Tautomerie erlaubt Ketosen (Fructose) positiven Fehling-Test nach Basenkatalyse (Umwandlung zu Glucose).
Disaccharide
Entstehen durch /-glykosidische Verknüpfung zweier MS unter -Abspaltung.
• Maltose = (reduzierend).
• Lactose = (reduzierend).
• Saccharose = (keine freie Halbacetal-OH, nicht reduzierend). Hydrolyse: enzymatisch (Maltase, Lactase, Saccharase) oder saure Spaltung .
Invertzucker = 1:1-Gemisch Glucose + Fructose aus Saccharose, Drehwinkel kehrt Vorzeichen um.
Polysaccharide
• Stärke (Reservepolysaccharid Pflanzen): Amylose (linear ) + Amylopektin (verzweigt, zusätzliche ).
Nachweis: Jod-Stärke (blauviolett). Verkleisterung: Aufquellen + Gelbildung bei . • Glykogen (Reserve Tiere): ähnlich Amylopektin, stärker verzweigt (alle 8–12 Glucoseeinheiten). • Cellulose (($\beta(1\rightarrow4)$)-D-Glucose, linear, faserbildend), keine Jodfärbung, Ballaststoff. • Pektine (Poly-()-D-Galakturonsäure, teilverestert). Gelbildung erfordert sauren pH (Protonierung) und hohen oder zur Wasserentziehung/Vernetzung.
Zuckeralkohole, Zuckeraustauschstoffe & Süßstoffe
Reduktion von MS/DS liefert Polyole (z. B. Sorbit aus Glucose). Allgemeinformel \mathrm{C*nH*{2n+2}O_n}}, keine Carbonylgruppe
keine Mutarotation. Energiedichte , insulinunabhängig, in hohen Dosen osmotisch abführend. Süßstoffe (Acesulfam, Aspartam, Sucralose …) besitzen um Größenordnungen höhere Süßkraft und