Klinische Psychologie: Einführung

  • Scientist-Practitioner-Ansatz = wissenschaftlich basiertes therapeutisches Handeln und besteht aus 3 Standbeinen → Wissenschaft, Berufserfahrung & Alltagserfahrung
  • Vers. Verzerrungen im klinischen Setting; subjektive Einschätzung verzerrt oftmals   * self-serving bias;   * selbsterfüllende Prophezeiungen und Fehler bei der Urteilsbildung zB. Überschätzung bestätigender Fakten, Abwertung widersprechender Fakten und Vernachlässigung von Basisraten → Modediagnosen
  • Lightner Witmer ⇒ “Erfinder” des Begriffes Klinische Psychologie
  • Klinische Psy. beschäftigt sich mit psychischen Störungen & außergewöhnlichen psychischen Zuständen und versucht systematisch diese Phänomene zu   * beschreibenDeskription, Klassifikation, Diagnostik & Epidemiologie   * erklärenÄtiologieforschung   * behandelnTherapieforschung
  • Aufgabenbereiche der Klinischen Psychologie   * Klassifikation & DeskriptionErscheinungsbild einer Störung, Symptommuster und Abtrennung zu anderen Störungen   * EpidemiologieVerteilung der Störung u. zusammenhängende Merkmale, Korrelation mit anderen Merkmalen & gesundheitspol. Implikationen (zB. Angebote zur Behandlung/Prävention), Inzidenz & Prävalenz   * Ätiologie ⇒ Ursachenforschung für psy. Störungen und Aufrechterhaltung sowie Variationen von vers. Störungen   * Therapie & Prävention
  • Klassifikationssysteme für psy. Störungen   * DSM-5 ⇒ eher forschungsbasiert, enthält Infos zur Ätiologieforschung   * ICD-10 ⇒ eher für das Gesundheitswesen relevant
  • soziokulturelle Veränderungen → Anstieg v. psy. Störungen & höhere Reihung bei Ursachen v. Beeinträchtigung & Tod (früher: 1. Atemwegsinfektionen 2. Durchfallerkrankung; 2020: 1. Herzerkrankungen 2. Unipolare Depression)
  • Ursachen für den Anstieg des Behandlungsbedarfs von psy. Störungen
  • Veränderung der sozialen Rahmenbedingungen   * zB. Veränderung der Arbeitswelt, Auflösung v. traditionellen Familienstrukturen, multikulturelle Gesellschaftsformen mit Integrationsproblematik, demografische Entwicklung
  • Veränderung v. wissenschaftlichen Erkenntnissen & Gesundheitsbewusstsein   * zB. erweiterte Diagnostik psy. Störungen, Verbreitung v. Störungswissen über Medien, zunehmende Informiertheit & sinkende Stigmatisierung sowie erweiterte Gesundheitsversorgung
  • Grundmodell der Ätiologie psy. Störungen   * auslösende Faktoren (Stress, Trauma) wirken sich auf die psy. Störungssymptome aus wobei Diathese & Prädisposition als moderierende Faktoren fungieren. Weiters wirken sich auch aufrechterhaltende Faktoren wie zB. Vermeidung auf die psy. Störungssymptome aus. Resilienz- und gesundheitsfördernde Faktoren können durch Prävention und Psychotherapie auf die vers. Faktoren einwirken.   * Beispiel: Depression hat eine genetische Prädisposition. Zwillingsstudien ergaben, dass Genetik alleine nicht das Auftreten von Depression erklärt, sondern durch auslösende Faktoren (stressvolle Lebensereignisse) beeinflusst wird. Ebenso können sich resiliente Merkmale auf die Ausprägung von psy. Störungen auswirken (zB. Reappraisal Fähigkeit).   * Beispiele von vers. Störungen: hoch biologisch determiniert = Schizophrenie; mäßig biologisch determiniert = Depression; kaum biologisch determiniert = Posttraumatische Belastungsstörung   * Biopsychosoziale Modell ⇒ Wechselwirkungen zw. Verhalten, kognitiven Prozessen (Wahrnehmung, Denken), Emotionen und biologischen Faktoren wie Hormonen sowie der Umwelt (Lernerfahrungen, Traumata) und der Steuerung von Prozessen durch das Gehirn
  • Zwei-Faktoren-Theorie der Angstentstehung   * Klassische Konditionierung: phobische Reize = Conditioned Stimulus gekoppelt mit traumatischen Ereignis = Unconditioned Stimulus führt zu einer Angstreaktion = Conditioned Reaction   * Operante Konditionierung: Die Angstreaktion ⇒ Vermeidung und wird durch negative Verstärkung (= Angstreduktion) aufrechterhalten.   * Konfrontationsbehandlung führt zur Extinktion bzw. zum Abbau des Vermeidungsverhaltens
  • Kognitives Modell der Angstanfälle   * “Angstkreis”; Äußere Reize lösen zunächst Angst aus, dies äußert sich in physiologischen Veränderungen, welche wiederum als “Gefahr” bewertet werden → endloser Zyklus
  • Ziele der Klinischen Psychologie   * Reduktion d. Häufigkeit v. psy. Störungen durch vers. Maßnahmen wie Erforschung zur Verbreitung, Verbesserung der Therapien und überdauernde Therapieeffekte & effiziente Nachsorge sowie Früherkennung und Prävention   * psy. Gesundheit hat eine individuelle Bedeutung, gesellschaftliche Bedeutung und beschäftigt sich auch mit wissenschaftlichen Grundfragen.

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