Vorlesungsskript: Professionalisierung und individuelle Förderung - Pädagogische und Klinische Psychologie
Allgemeine Informationen und Dozentenvorbehalt
Kursbezeichnung: Master Lehramt Ausgewählte Themen: Professionalisierung und individuelle Förderung.
Vorlesung: Pädagogische und Klinische Psychologie für Lehrkräfte.
Dozentin: Prof. Dr. Maria Tulis-Oswald (Antritt zum Wintersemester 2025/26 an der PH Weingarten).
Hintergrund der Dozentin:
Geboren in Wien.
Qualifikationen: Diplom-Erzieherin, Mediatorin.
Studium: Psychologie und Lehramt (Gymnasium für PP und Mathematik) an der Universität Wien ($1997-2005$).
Promotion: Universität Bayreuth ($2005-2010$).
Wissenschaftliche Stationen: Universität Augsburg (Lehrstuhl für Psychologie, $2010-2017$), Vertretungs- und Gastprofessuren in den Jahren $2016$, $2017$, $2018$ und $2019$. Zuletzt tätig an der Universität Salzburg (seit Oktober $2017$).
Modulstruktur und Prüfungsordnung
Lehramt Grundschule (GS)
Modulbezeichnung: Modulstufe GS MA EW/PäPsy2 (Professionalisierung und individuelle Förderung; Bildungsinnovation und Schulentwicklung).
Umfang: Gesamt $12\,ECTS$.
Struktur: $6\,SWS$ (Semesterwochenstunden) als Pflichtmodul, bestehend aus Erziehungswissenschaft (EW) und Pädagogisch-Psychologischer Fachvertiefung 2 (PäPsy2).
Zeitplan: Inhalte erstrecken sich über das erste und zweite Semester.
Lehramt Sekundarstufe (Sek)
Modulbezeichnung: Modulstufe Sek MA PäPsy2 (Professionalisierung und individuelle Förderung).
Umfang: Gesamt $6\,ECTS$.
Struktur: $3\,SWS$ als Pflichtmodul.
Zeitplan: Inhalte erstrecken sich über das dritte und vierte Semester.
Vorlesungstermine und Semesterplan (WS 2025/26)
13.10.2025: Professionalität im Lehrberuf (Teil 1).
27.10.2025: Professionelle Kompetenz (Teil 2) - Fokus: Motivation von Lehrkräften sowie Klassifikation von Störungen und Modelle.
10.11.2025: Ängstlichkeit, soziale Unsicherheit und Sozialphobie.
24.11.2025: Lernschwierigkeiten.
08.12.2025: Teilleistungsstörungen.
05.01.2026: Externalisierende Verhaltensauffälligkeiten.
19.01.2026: Problematisches Medienverhalten.
02.02.2026: Wissenstest als Abschluss.
Modulprüfung und Portfolioprüfung
Die Modulprüfung ist als Portfolioprüfung ausgestaltet. Die Gewichtung der Punkte unterscheidet sich je nach Studiengang:
Grundschule (GS) - Gesamt 100 Punkte:
Wissenstest Psychologie (Vorlesung): $20$ Punkte.
Wissenstest oder Hausarbeit/Projekt (Seminar Psychologie): $30$ Punkte.
Schriftliche Ausarbeitung der Aufgaben (EW-Teil): $50$ Punkte.
Zeitrahmen Wissenstest: $60\,\text{min}$.
Sekundarstufe I - Gesamt 100 Punkte:
Wissenstest Psychologie (Vorlesung): $40$ Punkte.
Leistung im Seminar Psychologie (Wissenstest, Hausarbeit oder Projekt): $60$ Punkte.
Details zum Wissenstest (Vorlesung):
Format: Multiple Choice (MC).
Umfang: $10$ MC-Aufgaben.
Bewertung: Jede Aufgabe hat $4$ Antwortoptionen; pro korrekt markierter Option werden $0.5$ Punkte vergeben.
Lernziele und Kompetenzerwerb
Studierende sollen nach Abschluss des Moduls in der Lage sein:
Erworbenes Wissen zur Gestaltung motivierender und unterstützender Lernsituationen zu nutzen.
Wissenschaftlich begründete Vorstellungen klinisch-psychologischer Grundlagen zu entwickeln.
Perspektiven klinisch-psychologischer Interventionen sowie pädagogisch-psychologische Fördermethoden für spezifische Schülerauffälligkeiten zu kennen.
Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten (Fachartikel, Vorträge) zu verstehen und einzuordnen.
Verpflichtung: Ein Besuch eines Termins des Forschungskolloquiums ist obligatorisch.
Forschungskolloquium Pädagogische Psychologie
Das Kolloquium findet mittwochs von $13:15$ bis $14:15$ Uhr statt (Raum S. 1.34 oder via Zoom). Eine Auswahl der Referenten und Themen:
22.10.2025: Steffen Wild (TU Dortmund) - Motivationale Kosten in universitären Lehrveranstaltungen.
29.10.2025: Olga Kunina-Habenicht (TU Dortmund) - Leistungsdiagnostik in Mathematik (Large-Scale-Assessment).
05.11.2025: Anne Langer (PH Weingarten) - Diagnostische Kompetenzen für on-the-fly-assessments.
19.11.2025: Carina Jacobs (PH Weingarten) - Begabungsberatung.
26.11.2025: Detlef Urhahne (Uni Passau) - Theorien zur Anstrengung.
03.12.2025: Lorenz Huck (Duden Institute) - Integrierte Lerntherapie.
14.01.2026: Maria Tulis-Oswald (PH Weingarten) - KI-Kompetenz und Future Skills.
21.01.2026: Kim Beck (PH Weingarten) - Fehlerklima.
Alternative Möglichkeiten (wie die Ringvorlesung "Künstliche Intelligenz und zukunftsfähige Bildung") müssen vorab mit der Dozentin per E-Mail geklärt werden.
Einführung: Professionalität im Lehrberuf
Definition: Professionelle Kompetenz
Professionelle Kompetenz wird definiert als die persönlichen Voraussetzungen zur erfolgreichen Bewältigung beruflicher Anforderungen. Merkmale sind:
Es ist ein Bündel verschiedener Merkmale (kognitiv, metakognitiv, motivational, sozial).
Der Fokus liegt auf spezifischen Situationen und Kontexten.
Sie ist prinzipiell erlern- und vermittelbar.
Strukturmodell (Baumert & Kunter)
Die professionelle Kompetenz von Lehrkräften basiert auf vier Säulen:
Wissen (Professionswissen).
Überzeugungen / Werthaltungen.
Motivation (Motivationale Orientierung).
Berufliche Selbstregulation (Selbstregulative Fähigkeiten).
Modell professionaler Handlungskompetenz (COACTIV)
Das Modell nach Kunter et al. ($2011$) beschreibt den Zusammenhang zwischen individuellen Voraussetzungen und Schülerergebnissen:
Individuelle Voraussetzungen (Professionelle Kompetenz) interagieren mit dem Kontext (Bildungssystem, Einzelschule).
Diese beeinflussen das berufliche Verhalten (Unterrichten, Arbeitsverhalten).
Dieses Verhalten fungiert als Lerngelegenheit für Schüler.
Die Nutzung dieser Lerngelegenheiten durch die Schüler führt schließlich zu den Schüler-Ergebnissen (Leistung, Motivation).
Lehrer-Effekte (Teacher Effects)
Nach Hattie beziehen sich diese Effekte auf Leistungsunterschiede zwischen Schulklassen, die direkt auf die Effizienz der jeweiligen Lehrperson zurückzuführen sind.
Taxonomie des Professionswissens
Das Wissen von Lehrkräften wird in fachbezogene und fachunabhängige (bildungswissenschaftliche) Bereiche unterteilt:
1. Fachspezifisches Wissen
Fachwissen: Wissen über den Unterrichtsstoff selbst (Fakten, Zusammenhänge).
Fachdidaktisches Wissen: Wissen darüber, wie man Stoff vermittelt (Schülerkognitionen, Aufgabenstellungen, Darstellungsformen).
2. Bildungswissenschaftliches Wissen
Unterrichtsbezogen: Gestaltung von Situationen (Lernprozesse, Klassenführung, Lehr-Lern-Methoden, Diagnostik).
Kontextbezogen/Schulbezogen: Über den Unterricht hinaus (Beratung, Bildungstheorien, Schulorganisation, Berufskunde).
Empfohlene Literatur
Wild, E. & Möller, J. (Hrsg.). (2020). Pädagogische Psychologie. Springer.
Seidel, T. & Krapp, A. (2014). Pädagogische Psychologie. Beltz.
Rost, D. H. (Hrsg.). (2018). Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. Beltz.
Woolfolk, A. (2014). Pädagogische Psychologie. Pearson.
Spiel, C. et al. (Hrsg.). (2022). Bildungspsychologie. Hogrefe.