Klassik Geschichte 1. Semester
Barocke Formen 2: Die Suite
Die Suite ist eine Folge von Tänzen, die oft auch tanzfreie Sätze wie Präludium oder Air enthält.
Vorgeschichte:
Ursprung der Suite ist die folkstümliche Paarbildung von Tänzen, bereits im Mittelalter bekannt.
Struktur: Ein langsamer "geschrittener" Tanz (gerader Takt, z.B. 4/4) gefolgt von einem schnelleren "gesprungenen" Nachtanz (ungerader Takt, z.B. 3/4), beide in der gleichen Tonart und oft motivisch verwandt.
Beispiel: Paare hießen „Dantz“ und „Hupfauf“.
Im 16. Jahrhundert werden die Tanzpaare als „Pavane“ und „Gagliarde“ in die höfische Kultur integriert.
Im Barock (17. Jahrhundert):
Alte Tänze werden ersetzt durch:
Allemande (langsamer, gerader Takt)
Courante (schnell, ungerader Takt)
Sarabande (sehr langsam, ungerader Takt)
Gigue (sehr schnell, 6/8 Takt)
Abfolge der Kernsätze in der Suite:
Allemande
Courante
Sarabande
Gigue
Gelegentlich mit Vorspiel (z.B. Präludium, Toccata, Fantasie).
Einschübe möglich, z.B. Menuett, Bourrée, Gavotte
Abweichungen von dieser Abfolge sind häufig. Die Sätze sind zwar in der gleichen Tonart, jedoch nicht mehr motivisch verwandt.
Alternative Bezeichnungen für die Suite sind Partita und Ordre.
Sonderformen der Suite
Italienische Sonderform: Sonata di camera
Zyklische Tanzreihe, auch mit tanzfreien Sätzen und meist weniger fester Reihenfolge.
Orchestersuiten Sonderform: Ouvertüren-Suite
Ursprung in der französischen Ballett-Suite.
Beginn mit einer umfangreichen französischen Ouvertüre (langsam-schnell-langsam), gefolgt von mehreren Tänzen in nicht standardisierter Reihenfolge.
Integrierte tanzfreie Sätze sind möglich.
Die Ouvertüre wird immer bedeutender, vor allem in den Orchestersuiten von J.S. Bach, wo sie so lang wird wie die restlichen Sätze zusammen und das gesamte Werk benennt.
Die Suitensatzform
Einzelne Sätze einer Suite haben üblicherweise die Suitensatzform, sofern nicht anders vorgegeben.
Struktur der Suitensatzform:
Zweiteilig, beide Teile werden wiederholt.
Erster Teil beginnt in der Tonika (Grundton) und führt zur Dominante.
Zweiter Teil beginnt in der Dominante, oft mit ähnlichen Motiven und endet zurück in der Tonika.
Der Umweg führt zu einer Kadenz in der Dominante und verlängert den zweiten Teil gegenüber dem ersten.
Schlussbildungen sind meist ähnlich wie im ersten Teil.
In Moll-Stücken:
Der Tonartenplan kann entweder der gleiche wie in Dur sein, oder Dominante und Tonikaparallele tauschen ihre Positionen.
Oft führt die Zwischen-Kadenz im zweiten Teil zur Mollsubdominante.
Wichtigste Tänze der Suite und ihre Charaktere
Allemande:
deutscher Tanz, langsam, gemessen-fließende Bewegung, 4/4 Takt.
Courante:
französischer Tanz, schnell, ungerader Takt (z.B. 3/4), unregelmäßiger Auftakt.
Sarabande:
spanischer Tanz, sehr langsam, gravitätisch, ungerader Takt (z.B. 3/4 oder 3/2), Betonung auf der Zählzeit 2, ohne Auftakt.
Gigue:
englischer Tanz, schnell, fließend, kontrapunktisch-imitatorisch, in kleineren Teilen, 6/8 oder 9/8 Takt.
Bourrée:
zügig, fließend, gerader Takt, oft mit Zweiachtel-Auftakt.
Gavotte:
mäßig bewegt, freudig hüpfend; 2/2-Takt mit halben Takt-Auftakt.
Menuett:
ruhig, zierlich; 3/4 Takt.
Passepied:
schnelles Menuett; 3/4 oder 3/8 Takt, Achtel-Auftakt.
Musette:
mäßiges Tempo, kreiselnde Melodik, bordunartige Begleitung; verschiedene Taktarten möglich.
Solo Suite Aufbau
Struktur:
Sehr schnell:
Allemande
Courante
Sehr langsam:
Sarabande
Schnell:
Gigue
Gelegentlich mit Präludium oder Ouvertüre (keine Tänze).
Suitensatz Aufbau (Suitensatzform)
Menueett/Bouree/Gavotte in:
Dur: ||: D :||, Moll: ||: oder s (Subdominante) :||
Satzbezeichnungen und Eigenschaften
Beispiele für Tempo und Vorspiel:
Adagio: Langsam, ja
Allemande: Langsam, ja
Allegro: Schnell, ja
… (füllen bis alle Sätze erfasst sind)
Aufgabe zum Thema Suite
Satzfolgen der richtigen Gattung zuordnen:
A. Triosonate (Kammersonate)
B. Solo-Suite
C. Orchester-Suite
Satzfolgen und Gattung zuordnen.
Wichtige Komponisten des Barock
Claudio Monteverdi (1567 - 1643):
Erfinder der Oper, bekannte Werke wie „Orfeo“.
Monodie als zentrale Technik, emotionaler Ausdruck in der Musik.
Jean-Baptiste Lully (1632 - 1687):
Begründer der französischen Nationaloper, integrierte Tänze in Opern.
Arcangelo Corelli (1653 - 1713):
Einfluss auf Kammermusik, bekannt für Concerto grosso.
Antonio Vivaldi (1678 - 1741):
Erfinder des Solokonzerts, ritornellform in seinen Violinkonzerten.
Georg Friedrich Händel (1685 - 1759):
Meister der Opera seria, große Erfolge in London.
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750):
Abgeschlossenes Werk in vielen Bereichen, Höhepunkt des Barock ohne Opern.
Fuge: Thema und Beantwortung
Dux: Erster Themeneinsatz auf der I. Stufe.
Comes: Zweiter Einsatz auf der V. Stufe.
Reale vs. tonale Beantwortung:
Reale: Intervalle bleiben gleich.
Tonale: Anpassung an tonale Gegebenheiten.
Beispiele aus J.S. Bach:
Fuga XVI, g-Moll, 4-stimmig…
Instrumentalkonzert im Barock
Concerto: bedeutet „zusammenwirken“. Übertragung vokaler Musik auf Instrumente.
Arten:
Gruppenkonzert
Concerto grosso
Solokonzert
Concerto grosso: Kombination von solistischen und tuttistischen Elementen.
Solokonzert: 3-sätzige Form postuliert von Vivaldi. Satzfolge: schnell-langsam-schnell.
Instrumente in der Renaissance und Barock-Zeit
Streichinstrumente: Gambenfamilie, Viola da gamba, Violinfamilie.
Tasteninstrumente: Clavichord, Cembalo…
Blasinstrumente: Flöten, Oboe, Trompete, Fagott.
Zusammenfassung von Themen und Epochen
Mittelalter: Entwicklung des mehrstimmigen Gesangs, Gregorianischer Gesang.
Renaissance: Wiederbelebung antiken Lebens, Komponisten wie Dufay, Ockeghem, Desprez.
Barock: starke Betonung des Ausdrucks, Monteverdi, Bach, Vivaldi…