PP Soziokulturelle Ansätze
Soziokulturelle Strömungen und ihre Auswirkungen auf Unterricht: Der soziokulturelle Ansatz zur Bildung betont die Bedeutung von Kultur, Gesellschaft und interpersonellen Beziehungen im Lernprozess. Lernen wird als sozialer Prozess angesehen, der stark von der Umgebung und dem Kontext beeinflusst wird.
Zitat von Lev Vygotsky: "A mind cannot be independent of culture" und "Through others we become ourselves". Diese Zitate illustrieren, dass unsere kognitiven Fähigkeiten und unser Wissen stark von der kulturellen Umwelt und den sozialen Interaktionen, die wir erleben, geprägt sind.
I. Gründerväter des soziokulturellen Ansatzes
Troika und ihre Konzepte und Themen: Die drei wichtigsten Vertreter des soziokulturellen Ansatzes sind Lev Vygotsky, Alexander Luria und Alexei Leontiev, die zusammen an der Entwicklung dieser Theorien arbeiteten und den Einfluss von sozialen Kontexten auf das Lernen untersuchten.
II. Lev Vygotsky (1896-1934)
Geburt und Bildung: Lev Vygotsky wurde 1896 in Orsa, Weißrussland geboren. Seine Kindheit in Gomel war geprägt von einem breiten Interesse an Kunst, Literatur, Philosophie (Besonderes Interesse an Shakespeare, Hegel, und Spinoza) und Geschichte. Er begann sein Studium an der Universität Moskau (1913-1917), zunächst in der Medizin, wechselte jedoch bald zu Jura.
Berufliche Laufbahn: Zwischen 1917 und 1923 wirkte Vygotsky als Privatlehrer und an verschiedenen Beruffsschulen sowie in einem Pädagogischen Technikum. Er wurde eingeladen, im Moskauer Psychologischen Institut zu arbeiten, was seine Forschung zur Psychologie entscheidend prägte.
Forschung und Zusammenarbeit: Vygotsky arbeitete eng mit bedeutenden Psychologen wie Alexander Luria und Alexei Leontiev zusammen. Zudem nahm er an internationalen Konferenzen teil und unternahm Reisen nach Deutschland, Holland und Frankreich, wo er sich mit westlichen Theorien und Praktiken auseinandersetzte. Er starb 1934 an Tuberkulose. Posthum wurde sein wichtigstes Werk „Denken und Sprechen“ veröffentlicht, das seine Theorien über die Entwicklung von Sprache und Denken beleuchtet.
III. Alexander R. Luria (1902-1977)
Biografie: Luria wurde in Kazan geboren und studierte an medizinischen Fakultäten sowie pädagogischen Instituten. Er arbeitete am Moskauer Institut für Psychologie, wo er bedeutende Beiträge zur Psychologie leistete.
Feldexperimente: Luria führte in den 1930er Jahren Feldexperimente in Usbekistan und Kirgisien durch, um kulturelle Einflüsse auf kognitive Prozesse zu erforschen. Nach dem II. Weltkrieg gründete er ein Rehabilitationszentrum und ein Institut für Neurochirurgie, das sich mit der Behandlung von Patienten mit neurologischen Störungen beschäftigte.
IV. Alexei Nikolaevich Leontiev (1903-1979)
Ausbildung und Karriere: Leontiev studierte Psychologie in Moskau und war an verschiedenen psychologischen Instituten tätig. Er erlangte die Habilitation und wurde Professor an der MGU (Moskauer Staatliche Universität).
Entwicklung der allgemeinpsychologischen Tätigkeitstheorie: Leontiev entwickelte die Tätigkeitstheorie, die das Zusammenspiel von Handlung, Bewusstsein und Umwelt beschreibt und aufzeigt, wie menschliche Aktivitäten durch soziale und kulturelle Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
V. Schlüsselkonzepte
Mediation (Vermitteltheit): Dieses Konzept beschreibt, wie das Lernen durch Werkzeuge und Zeichen vermittelt wird, wobei der Einfluss von kulturellen Instrumenten auf die kognitive Entwicklung hervorgehoben wird.
Entwicklung von niederen und höheren psychischen Funktionen: Vygotsky unterscheidet zwischen niederen Funktionen (z.B. sensorische Wahrnehmung) und höheren Funktionen (z.B. logisches Denken), die durch soziale Interaktionen und kulturelle Werkzeuge geformt werden.
Zone der nächsten Entwicklung (ZPD): Definiert als der Bereich zwischen dem, was ein Kind selbständig tun kann und dem, was es mit Hilfe eines Lehrers oder erfahrenerer Personen erreichen kann. Diese Zone ist entscheidend für das Lernen, da sie zeigt, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird.
VI. Zone der nächsten Entwicklung (ZPD)
Definition: Die ZPD beschreibt die Differenz zwischen den Aufgaben, die ein Kind selbständig erledigen kann, und den Aufgaben, die es mit Unterstützung von Erwachsenen lösen kann.
Wichtigkeit: Dieses Konzept betont die Rolle der sozialen Interaktion beim Lernen und die Notwendigkeit, Kinder in ihren ZPD zu unterstützen, um optimale Lernmöglichkeiten zu schaffen.
VII. Higher Psychological Functions
Merkmale höherer psychischer Funktionen: Dazu zählen Selbststeuerung, Intellektualisierung, sozialer Ursprung und die Vermittlung durch psychische Werkzeuge oder Zeichen. Diese Funktionen sind das Ergebnis sozialer Interaktionen und kultureller Praktiken.
VIII. Entwicklungstheorien von Vygotskij und deren Einfluss auf den Unterricht
Unterricht als Instrument der Entwicklung: Vygotskys Theorien haben direkten Einfluss auf die Unterrichtsmethoden, indem sie die soziale Dimension des Lernens betonen und den Lehrer in der Rolle des Facilitators sehen.