4.V Inklusion und Gerechtigkeit in der Bildung

Inklusion aus bildungswissenschaftlicher Perspektive

Einführung

  • Präsentiert von Prof. Dr. Andreas Köpfer und Prof. Dr. Uwe Bittlingmayer
  • Ort: Pädagogische Hochschule Freiburg, Sommersemester 2025, Sitzung 4 (13.05.2025)
  • Themen: Normalität, Normen, Normativität, (Bildungs-)Gerechtigkeit, Modul „Inklusion“ für Master Lehramt.

Lernziele

  • Die Studierenden sollen:
    • unterschiedliche gesellschaftstheoretische Konzeptualisierungen von Normalität und Normativität kennenlernen.
    • sich ein selbstständiges Urteil über die Ansätze bilden.
    • soziale Gerechtigkeit in einem Gedankenexperiment erfahren.
    • dadurch ein allgemeines Verständnis vom Moral Point of View entwickeln.

Teil 1 - Normalität und Normativität

Doppelcharakter des Normbegriffs

  • Deskriptiv-empirisch: Wie Normen in der Gesellschaft beschrieben werden.
  • Normativ-präskriptiv: Wie Normen regulieren, was als sozial akzeptabel gilt.
  • Zitate: (Simmel 1989)

Zwei Zugänge zur Analyse von gesellschaftlichen Normen

  1. Funktionalismus

    • Analyse wie viel Heterogenität die moderne Gesellschaft toleriert (Referenzen: Durkheim, Malinowski, Parsons).
    • Spannungsverhältnis zwischen:
      • gesellschaftlicher Integration (Sozialintegration und Systemintegration)
      • subjektiven Ideen des guten Lebens und individuellen Rechten.
    • Anormalität, Normverletzung oder Normabweichung (Devianz) wird als potenziell gefährlich für die Gesellschaft betrachtet.
  2. Herrschaftsanalyse und Herrschaftskritik

    • Wer hat die Macht zu definieren, was normal ist und wie Anormalität behandelt wird? (Referenzen: Kritische Theorie, Foucault, Hall).
    • Spannungsverhältnis wie oben.
    • Foucault und Hall argumentieren, dass das sozial/normativ Erwünschte durch die Festlegung des Nicht-Erwünschten definiert wird (Foucault 1977; Hall 1994).
    • Habermas' Perspektive: „Normen sind darauf angewiesen, dass legitim geordnete interpersonale Beziehungen immer wieder hergestellt werden“ (Habermas, Diskursethik, S. 71).
    • Adorno beobachtet, dass gegenwärtige Gesellschaftsnormen kritisch bestimmt werden müssen.