Wirtschaftskreislauf und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Das Modell des Wirtschaftskreislaufes
  • Definition: Der Wirtschaftskreislauf ist ein Modell, das wirtschaftliche Zusammenhänge vereinfacht erklärt.

  • Akteure: Identifizierung der Wirtschaftssubjekte, wie private Haushalte, Unternehmen und der Staat.

  • Einfluss: Veranschaulicht wie Geld- und Güterströme zwischen den Akteuren fließen und sie voneinander abhängig sind.

Sektoren, Geld- und Güterströme
  • Aggregation: Um die Vielzahl der wirtschaftlichen Abläufe zu vereinen, werden ähnliche Subjekte in Sektoren zusammengefasst, wie:

    • Privater Haushalt

    • Unternehmen

    • Staat

    • Ausland

    • Banken

  • Geld- und Güterströme:

    1. Private Haushalte geben ihr Einkommen für Konsum aus

    2. Unternehmen zahlen Löhne und produzieren Güter, die sie an Haushalte verkaufen

    3. Geldströme fließen entgegen der Güterströme (Geld für Güter VS. Sold für Arbeit).

Geschichte der Idee
  • François Quesnay: Begründer des Modells des Wirtschaftskreislaufs. Er verglich die Wirtschaft mit dem Blutkreislauf des menschlichen Körpers.

Der einfache Wirtschaftskreislauf
  • Folgendes sind die Hauptkomponenten:

    • Geldstrom: Löhne, Zinsen, Grundrente fließen von Unternehmen zu Haushalten.

    • Güterstrom: Produktionsfaktoren (Arbeit, Boden, Kapital) fließen von Haushalten zu Unternehmen.

  • Einkommen: Haushalte geben ihr gesamtes Einkommen für Konsum aus.

  • Modell: Entspricht nicht mehr der Realität, da auch Banken, der Staat und das Ausland eine Rolle spielen.

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf
  • Zusätzliche Akteure: Berücksichtigt die Rollen von:

    • Banken: Halten Ersparnisse und gewähren Kredite.

    • Staat: Erhebt Steuern und finanziert öffentliche Güter.

    • Ausland: Exportiert und importiert Güter und Dienstleistungen.

  • Soziale Interdependenz: Alle Akteure sind aufeinander angewiesen, insbesondere bei Störungen (z. B. Bankenkrisen).

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR)
  • Zweck der VGR: Dokumentation aller geldlichen Ströme zur Erfassung der Wirtschaftsleistung.

  • Merke: Die VGR ist das Buchhaltungssystem einer Volkswirtschaft. Mit ihrer Hilfe werden die Güter- und Einkommensströme aus dem Wirtschaftskreislauf wertmäßig erfasst und volkswirtschaftliche Kennzahlen ermittelt.

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): Wichtigster Indikator zur Messung der Wirtschaftsleistung eines Landes.

    • Marktpreise: Endprodukte werden gezählt, um Doppelzählungen von Vorleistungen zu vermeiden.

    • Wertschöpfung: Summe der Werte, die in allen Produktionsstufen geschaffen werden.

Kalkulation des BIP
  • Nominelles BIP: Bewertet zu aktuellen Preisen, inklusive Inflationssteigerungen.

  • Reales BIP: Bewertung ohne Berücksichtigung der Inflation, nach konstanten Preisen.

  • BIP pro Kopf: BIP geteilt durch die Bevölkerungszahl zur besseren Ländervergleichbarkeit.

Kritik am BIP
  • Limitierungen: BIP erfasst nicht:

    • Nicht monetisierte Tätigkeiten (z. B. Hausarbeit).

    • Schattenwirtschaft (Schwarzarbeit).

    • Negative Einflüsse wie Umweltverschmutzung oder ungerechte Einkommensverteilung.

Die Bereiche der VGR
  • Entstehungsrechnung: Zeigt, welche Sektoren zum BIP beitragen.

    • Sektoren: Primärer (Agrar), sekundärer (Industrie), tertiärer (Dienstleistungen)

  • Verwendungsrechnung: Übersicht über die Verwendung des BIP:

    • Private und öffentliche Konsumausgaben, Investitionen, Exporte/Importe.

  • Verteilungsrechnung: Analysiert, wie das BIP unter den Haushalten verteilt wird.