Anatomie und Physiologie des Herzens
Berner Fachhochschule – Anatomie und Physiologie des Herzens
Übersicht der Inhalte
Anatomie des Herzens
Blutversorgung des Herzens – Koronarkreislauf
Herzzyklus
Erregungsbildung und –leitung
Regulation der Herzleistung
Literaturverzeichnis
Menche, N., Munk, K., Renz-Polster, H., Raichle, G., & Guzek, B. (2023). Biologie, Anatomie, Physiologie: kompaktes Lehrbuch für Pflegeberufe (10. Auflage). Elsevier. Kapitel 14
Visible Body, Anatomy and Physiology (Version 6.2.00). Kreislaufsystem, Kapitel 27, 29-30
Lernziele
Die Studierenden:
kennen den genauen anatomischen Bau des Herzens
benennen die physiologischen Eigenschaften des Herzens
erklären die Funktion des Herzens und deren Vernetzung mit den Kreislaufsystemen
beschreiben den Herzzyklus in seinen einzelnen Phasen
benennen die einzelnen Anteile des Erregungsbildungs- und Leitungssystems und verstehen deren Bedeutung für die Herzfunktion
verstehen, was ein Elektrokardiogramm ist und kennen die einzelnen Abschnitte eines physiologischen EKGs
erläutern die möglichen Einflussfaktoren auf die Herzleistung
erklären die verschiedenen Regulationsmechanismen auf die Herzleistung
Anatomie des Herzens
Lage und Größe
Herzlage: Mediastinum (Raum zwischen den Lungen)
Größe: Ein gesundes Herz ist so groß wie eine geschlossene Faust
Gewicht: ca. 300 g; Herzgröße bei Frauen kleiner als bei Männern
Aufgaben
Das Herz (Cor) treibt als Hohlmuskel alle Transportvorgänge in den Blutgefäßen an → zentrale Pumpe
Versorgt den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen
Transportiert Stoffwechselendprodukte (CO2) ab
Produziert Hormone zur Regulation des Blutdrucks und des Flüssigkeitshaushalts (ANP und BNP, wobei ANP = atriales natriuretisches Peptid und BNP = brain natriuretic peptide)
Mediastinum
Enthält alle Organe des Thorax außer die Lungen
Herzgrenzen:
Vorne: Rückseite des Brustbeins (Sternum)
Seitlich: rechte und linke Lunge
Hinten: Speiseröhre (Ösophagus)
Oben: große Gefäßstämme
Unten: Zwerchfell
Verteilung des Herzens:
2/3 in der linken Thoraxhälfte, 1/3 in der rechten
Herz-Kreislaufsystem
Das Herz als zentrale Pumpe der Kreislaufsysteme
Herzhälften/Teilkreisläufe
Das Herz ist in zwei Hälften unterteilt:
Rechte Herzhälfte: Nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Venensystem auf; pumpt das Blut in den Lungenkreislauf (kleiner Kreislauf)
Linke Herzhälfte: Nimmt Blut aus dem Lungenkreislauf auf; presst das Blut über die Aorta in den Körperkreislauf (großer Kreislauf)
Blutfluss im Herzen
"Abbildung aus Haug: Medizin für Heilpraktiker"
Anatomie des Herzens
Vier Innenräume
Jede Herzhälfte teilt sich in zwei Innenräume:
Vorhof (Atrium): Klein und muskelschwach; Sammelt Blut aus dem Körper oder Lungen
Kammer (Ventrikel): Nimmt Blut aus dem Vorhof auf; pumpt Blut wieder in den Körper oder Lungen
Herzscheidewand: Trennt das Herz in eine linke und rechte Hälfte
Vorhofseptum trennt rechten und linken Vorhof
Kammerseptum trennt rechte und linke Kammer
Herzklappen
Segelklappen: Klappen zwischen Vorhöfen und Kammern
Mitralklappe: Trennt linken Vorhof von linker Kammer, besitzt zwei Segel (Bikuspidalklappe)
Trikuspidalklappe: Trennt rechten Vorhof von rechter Kammer, besitzt drei Segel
Taschenklappen: Klappen zwischen Kammern und großen Schlagadern
Aortenklappe: Liegt zwischen linker Kammer und Aorta
Pulmonalklappe: Liegt zwischen rechter Kammer und truncus pulmonalis
Alle vier Klappen liegen anatomisch auf einer Ebene, der Klappen- oder Ventilebene
Klappenebene
Ventilebenenmechanismus: Herz als „Saug-Druck-Pumpe"
Während der Systole verlagert sich die Klappenebene zur Herzspitze
Während der Diastole verlagert sich die Klappenebene zur Herzbasis
Blutversorgung des Herzens – Koronarkreislauf
Ca. 5% des gesamten gepumpten Blutes benötigt das Herz zur eigenen Sauerstoffversorgung
Blutversorgung erfolgt durch die Koronararterien (Herzkranzgefäße), vor allem in der Diastole
Koronararterien:
Rechte Koronararterie (A. coronaria dextra): Versorgt rechten Vorhof, rechte Kammer, Herzhinterwand, Teile des Septums
Linke Koronararterie (A. coronaria sinistra): Teilt sich in zwei Äste
Ramus circumflexus (RCX)
Ramus interventrikularis anterior (RIVA)
Venen verlaufen parallel zu den Arterien und münden als Sinus coronarius im rechten Vorhof
Herzzyklus
Phasen des Herzzyklus
Systole: Kontraktionsphase, Dauer ca. 0,25 sec. Blut wird aus Kammern gepumpt
Diastole: Erschlaffungsphase, Dauer ca. 0,55 sec. Blut wird aus dem Kreislauf angesaugt
Kammersystole
Anspannungsphase: Kammern (K) mit Blut gefüllt, Druck steigt an
Austreibungsphase: Klappen werden bei ausreichend hohem Druck geöffnet, Blut wird gepresst
Kammerdiastole
Entspannungsphase: Myokard entspannt, alle Klappen geschlossen
Füllungsphase: Blut strömt passiv in die Kammern, 70ml Blut strömen durch Vorhofkontraktion in die Kammern
Erregungsbildung und -leitung
Autonomie des Herzens
Herz arbeitet autonom
Herzmuskelzellen erregen sich selbst, regulierender Einfluss durch Sympathikus/Parasympathikus
Erregungsleitungssystem
Sinusknoten: Ausgangspunkt aller Erregungen des Herzens, schrittmacher des Herzens
AV-Knoten: Nimmt die Erregung auf und leitet sie an die Kammern weiter
His-Bündel: Teilt sich in die rechten und linken Kammerschenkel
Purkinje-Fasern: Endaufzweigungen an Herzspitze, leiten Erregung weiter
Alles-oder-Nichts-Prinzip
Ein Stromreiz über einer bestimmten Schwelle führt zu einer Kontraktion
Refraktärzeit
Nach einer Kontraktion sind Herzmuskelzellen für ca. 0,3 sec. nicht erregbar
Elektrokardiogramm (EKG)
EKG-Ableitungen
Standard-Ableitungen:
Brustwandableitungen (V1-V6)
Extremitätenableitungen nach Einthoven (I, II, III)
Extremitätenableitungen nach Goldberger (aVR, aVL, aVF)
EKG-Abschnitte und Bedeutung
P-Welle = Vorhoferregung
QRS-Komplex = Kammererregung
T-Welle = Erregungsrückbildung
Regulation der Herzleistung
Herzschlagvolumen
In Ruhe: ca. 70 ml/Schlag
Herzfrequenz: ca. 70 Schläge/min
Herz-Zeit-Volumen (HZV) = Schlagvolumen (SV) x Schlagfrequenz (HF)
HMV in Ruhe ca. 5l/min, bei Anstrengung bis ca. 20-30l/min
Ejektionsfraktion (EF)
60% - 70% = Prozentsatz des Blutvolumens, das vom Ventrikel während einer Herzaktion ausgeworfen wird
Einflussfaktoren auf die Herzleistung
Vorlast, Nachlast, Kontraktilität
Selbstregulationsmechanismus: Frank-Starling-Mechanismus
Anpassungen durch Sympathikus/Parasympathikus
Weitere Faktoren: Herztätigkeit <-> Kreislaufregulation, Herztätigkeit <-> Hormonhaushalt
Frank-Starling-Mechanismus
Kurzfristiger automatischer Kompensationsmechanismus bei Druck- und Volumenschwankungen
Sympathikus und Parasympathikus
Sympathikus: Steigert Herzleistung
Parasympathikus: Wirkt hemmend auf die Herzleistung
Zusammenfassung
Die Studierenden sind nun in der Lage, die Funktion des Herzens, dessen physiologische Eigenschaften und das Zusammenspiel mit der Regelung der Herzleistung zu verstehen.