Evolution
Einführung zum Begriff "Evolution"
- Fragen zum Einstieg:
• Aus welcher Sprache kommt der Begriff „Evolution“?
• Was könnte das Wort „Evolution“ bedeuten?
Definition der Evolution
- Ursprung:
• Lateinisch: „evolvere“
- Bedeutung: ausrollen, entwickeln, ablaufen
• Veränderung eines Systems im Laufe der Zeit
• Ist die fortschreitende biologische Entwicklung der Lebensformen (z. B. Lebewesen) in der Natur
Evolutionsforschung
- Ursachen und Gesetzmäßigkeiten:
• Beschäftigt sich mit den Ursachen und Gesetzmäßigkeiten bei der Entstehung und Veränderung von Tieren und Pflanzen
• Untersucht die Verwandtschaft der Lebewesen, die auf die Stammesgeschichte zurückzuführen ist
- Ermöglicht die Aufstellung von Stammbäumen für Tierarten
• Erklärt die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten auf der Erde durch die Evolutionslehre
Evolutionstheorien
Carl von Linne (18. Jhdt.)
- Erste Biologie, die sich mit Evolutionsthemen befasst:
• Ordnete zu seiner Zeit bekannte Tier- und Pflanzenarten hierarchisch
- Zuordnung basierend auf Körperbauähnlichkeiten
• Theorie: - „Arten können sich nicht verändern“
- Diese Theorie wurde widerlegt
• Einführung der binären Nomenklatur: - Jede Art besteht aus einem Gattungsnamen und einem Artnamen, z. B.
- Löwe: Panthera leo
- Tiger: Panthera pardus
Katastrophentheorie (Georges Cuvier, Ende 18. Jhdt.)
- Begründer der Katastrophentheorie:
• Naturkatastrophen (z. B. Sintflut) vernichteten die Tier- und Pflanzenwelt
• Neue Arten entstanden nach den Katastrophen
Lamarckismus (Jean-Baptiste de Lamarck, 1744-1829)
- Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften:
• Tiere vererben erworbene (erlernte) Eigenschaften an ihre Nachkommen
• Die Veränderung der Arten basiert auf zwei Ursachen:
- Veränderungen der Umwelt
- Tiere passen sich durch Gebrauch bzw. Nichtgebrauch ihrer Organe an
- Neu erworbene Eigenschaften werden an Nachkommen vererbt
Beispiel: Entstehung des langen Halses der Giraffe (Lamarck)
- Erklärung:
• Vorfahren der Giraffen hatten einen kurzen Hals
• Um hohe Blätter zu erreichen, wird der Hals gestreckt
- Diese Anpassung wird an die Nachkommen vererbt
• Die Theorie wurde widerlegt
Darwinismus/Selektionstheorie (Charles Darwin, 1809-1882)
- Werk:
• „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“
- Deutsche Übersetzung: Über den Ursprung der Arten durch natürliche Auslese
• Enthält die Grundlagen seiner Forschung und die Selektionstheorie
Darwins Selektionstheorie
- Theorie der Veränderlichkeit der Arten durch natürliche Auslese:
• Bis heute gültig!
Grundlegende Beobachtungen und Überlegungen Darwins
- Basierend auf der Selektionstheorie:
- Pflanzen und Tiere produzieren eine große Anzahl an Nachkommen
- Nachkommen zeigen Unterschiede (teils positive/negative Auswirkungen)
- Unterschiede sind vererbbar (z. B. Tarnungsmuster)
- Ständiger Kampf ums Überleben („struggle for life“)
- Überleben und Fortpflanzen der am besten angepassten Individuen führt zur natürlichen Selektion
- Konzept: „Survival of the fittest“
Beispiel zur Selektionstheorie: Entstehung des langen Halses der Giraffen (Darwin)
- Erklärung:
• Vorfahren der Giraffe hatten lange und kurze Hälse
• Giraffen mit kurzen Hälsen konnten keine hohen Blätter erreichen
- Diese starben nicht fort oder verhungerten
• Giraffen mit langen Hälsen überlebten und vermehrten sich - Dadurch der Vorteil durch natürliche Selektion
- Bedeutung:
• Falsche Anwendung des Darwinismus und der Selektionstheorie
- Meinung, dass die sozial stärksten Individuen (in Bezug auf den Menschen) überleben
• Wurde widerlegt und von der Gesellschaft abgelehnt
Zusammenfassung der Evolutionstheorien
- Kennengelernt:
• Linne, Darwin, Cuvier, Lamarck - Gültige Theorie:
• Darwinismus (natürliche Selektion)
Übungen und Aufgaben
Übung I: Linder 8, S. 93, Aufgabe 1
- Aufgabe: Formulieren Sie die Hypothesen zu Abbildung 93.1a-d und ordnen Sie diese den jeweiligen Persönlichkeiten zu.
- Lösungen:
• A: Linne, Konstanz der Arten
• B: Darwin, Darwinismus
• C: Cuvier, Katastrophentheorie
• D: Lamarck, Lamarckismus
Übung II: Linder 8, S. 93, Aufgabe 2
- Aufgabe: Erklärung der evolutiven Entstehung der langen Zunge bei Spechten nach Lamarck und Darwin, sowie Vergleich der Ansätze.
- Antwort:
• Nach Lamarck: Zunge wurde durch Training länger und vererbt
• Nach Darwin: Längere Zungen hatten einen Fortpflanzungsvorteil durch Selektion
Evolutionsfaktoren und -mechanismen
- Wichtige Begriffe:
• Population: Individuen einer Art, die zusammen leben und sich fortpflanzen
• Genpool: Gesamtheit der Gene aller Individuen einer Population
Genpool
- Veränderung des Genpools:
• Unter folgenden Voraussetzungen bleibt er konstant:
- Keine Mutationen
- Gleiche Wahrscheinlichkeit für Paarungen
- Große Population
• Abweichungen führen zu einem kleinen Evolutionsschritt
Evolutionsfaktoren
- Faktoren, die Evolution hervorrufen:
• Mutation
• Selektion
• Gendrift
• Rekombination
• Genetische Variabilität
Evolutionsfaktor: Mutation
- Definition:
• Mutation = Veränderung der Nucleotidsequenz der DNA
- Besondere Aspekte: Keimbahnmutationen, z. B. bei Menschen
• Beispiel: Albinismus als nachteilige Mutation
Rekombination
- Vorgang:
• Neukombination des Erbguts während der Meiose
- Interchromosomale Rekombination und Intrachromosomale Rekombination (Crossing-Over)
- Beispiel:
• Individuelles Streifenmuster bei Zebras als Ergebnis verschiedenen Rekombinationen
Natürliche Selektion
- Definition:
• Ständiger Kampf ums Überleben führt zur Selektion der Individuen, die am besten angepasst sind
Beispiel: Atlantischer Kabeljau
- Frage:
• Warum füllen die Nachkommen eines Kabeljaupaares nicht den gesamten Atlantik? - Antwort:
• Nur die am besten angepassten Individuen erreichen Fortpflanzungsalter
Selektion und reproduktive Fitness
- Definition:
• Selektion von Individuen wegen deren Fortpflanzungserfolg - Einflussfaktoren:
• Fruchtbarkeit
• Lebenserwartung
• Fähigkeit, Geschlechtspartner zu finden
Künstliche Selektion
- Anwendung:
• Veränderungen durch Menschen bei Haustieren und Kulturpflanzen
• Auswahl individueller Merkmale für die Zucht
Selektionsfaktoren
Abiotische Selektionsfaktoren
- Erläuterung:
• Umweltfaktoren, die die Fitness beeinflussen
- Beispiel: Wind, Temperatur, Wasser
Biotische Selektionsfaktoren
- Beispiele:
• Zwischenartliche Selektion (z. B. durch Fressfeinde)
• Innerartliche Selektion (z. B. Konkurrenz)
Gendrift
- Definition:
• Zufälliges Ausscheiden von Merkmalskombinationen, z. B. durch Naturereignisse
• Geringere genetische Vielfalt kann auftreten
Genfluss
- Definition:
• Austausch von Genen zwischen Populationen durch Zu- oder Abwanderung von Individuen
Abschließende Bemerkungen
- Die Evolutionstheorien zeigen die vielseitigen Ansätze der Evolutionserklärung und deren Weiterentwicklung im Laufe der Wissenschaftsgeschichte.
Hinweise zur Vertiefung
- Für detaillierte Informationen und Beispiele siehe entsprechende Literaturstellen.