Biologie von Kapitel 4 bis Kapitel 7
4. Stoffwechsel der Zelle im Überblick
Zellstoffwechsel
schafft die Voraussetzung für alle anderen Lebensäusserungen
Er liefert die nötigen Bau- und Reservestoffe und die Energie für alle Aktivitäten
Der Zellstoffwechsel umfasst folgende Vorgänge
Stoffaufnahme in die Zelle
Stofftransport in der Zelle
Aufbau körpereigener Stoffe (Assimilation)
Bereitstellung von Energie in Form von ATP durch den Abbau energiereicher organischer Verbindungen (Dissimilation)
Abgabe der Abfallstoffe
4.1. Stoffwechsel eines autotrophen Einzellers
Autotroph
Lebewesen oder Zellen
Stellen ihre organischen Stoffe selbst her
Meist durch Fotosynthese
Stoffaufnahme
Da ein autotropher Einzeller seine organischen Stoffe selbst aufbauen kann, muss er nur anorganische Stoffe wie Kohlenstoffdioxid, Wasser und Mineralstoffe aufnehmen
Diese Stoffe kommen im Wasser gelöst vor
Ein wasserbewohnender Einzeller kann ihre kleinen Teilchen leicht durch die Zellmembran in die Zelle aufnehmen
Assimilation
Nach der Aufnahme ins Plasma werden die Stoffe verarbeitet
Die Zelle baut aus ihnen die körpereigenen organischen Stoffe auf
Jede Zelle muss…
für ihr Wachstum
für die bei der Entwicklung nötigen Umbauten
für die permanente Erneuerung ihrer Teile
… laufend Stoffe assimilieren
Autotrophe Zellen
stellen bei der Assimilation aus anorganischen Stoffen organische her
Der zentrale Vorgang ist dabei der Aufbau von Glucose und Sauerstoff aus Kohlenstoffdioxid und Wasser
Kohlenstoffdioxid und Wasser → Glucose und Sauerstoff
Die Energie dafür bezieht die Zelle bei der Fotosynthese mit den Chloroplasten aus dem Licht
Aus der Glucose stellt die Zelle alle anderen organischen Stoffe her
Besondere Leistungen autotropher Zellen
die Fähigkeit, alle Aminosäuren und alle Fettsäuren selbst aufzubauen
Dissimilation
Einen Teil der aufgebauten energiereichen organischen Stoffe nutzt die Zelle als Betriebsstoffe
Die in ihnen gespeicherte Energie wird durch den Abbau zu energiearmen Produkten wie Kohlenstoffdioxid und Wasser freigesetzt
Abbau von organischen Molekülen zur Energiegewinnung, z.B. durch Zellatmung
Die freigesetzte Energie dient zur Herstellung von ATP aus ADP + P
Stoffabgabe
Beim Um- und Abbau der Stoffe in der Zelle entstehen schliesslich auch Abfallstoffe, die aus dem Plasma ausgeschieden werden
Der Stoffwechsel endet mit der Stoffabgabe

4.2. Stoffwechsel eines heterotrophen Einzellers
Stoffaufnahme und Assimilation
Auch ein heterotropher Einzeller nimmt anorganische Stoffe auf
Er kann diese nicht in organische Stoffe umwandeln
Er muss darum hauptsächlich organische Moleküle wie Monosaccharide, Aminosäuren aufnehmen
Diese kommen in der Natur kaum frei vor
Sie sind meist in den Makromolekülen der Polysaccharide, Proteine und Fette gebunden
Die Makromoleküle sind zu gross und körperfremd
Sie können und dürfen nicht ins Plasma aufgenommen werden
Die Zelle nimmt sie durch Endocytose in eine Nahrungsvakuole auf und zerlegt sie hier durch Enzyme in ihre Bausteine
Proteine → gespalten → Aminosäuren
Polysaccharide → gespalten → Monosaccharide
Fette → gespalten → Fettsäuren und Glycerin
Diese Bausteine werden ins Plasma aufgenommen und wie bei der autotrophen Zelle zur Herstellung der körpereigenen Stoffe verwendet
Heterotrophe Zellen assimilieren → sie verwandeln körperfremde Stoffe in körpereigene
Ihre Assimilation geht von organischen Stoffen aus
Dissimilation
Ein Teil der aufgenommenen organischen Stoffe dient der Zelle als Treibstoff
Es wird wie in der autotrophen Zelle zur Herstellung von ATP dissimiliert
Weil die heterotrophen bei der Assimilation keinen Sauerstoff bilden, müssen sie den Sauerstoff, den sie für die Zellatmung benötigen, aus der Umgebung beziehen
Sie übernehmen von den autotrophen neben den organischen Stoffen und der darin enthaltenen Energie indirekt auch den bei der Fotosynthese produzierten Sauerstoff
Stoffabgabe
Heterotrophe Zellen geben neben den Produkten ihres Stoffwechsels auch die Stoffe ab, die sie nicht berdauen konnten
Diese kommen in der Nahrungsvakuole zur Membran und gelangen durch Exocytose nach aussen



5. Stoffaustausch der Zelle
Der Stoffaustausch kann auff unterschiedlichen Wegen und durch verschiedene Mechanismen geschehen
5.1. Überblick über den Stoffaustausch der Zelle
Der Stoffwechsel beginnt mit der Stoffaufnahme und endet mit der Stoffabgabe
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Wege für diesen Stoffaustausch:
1. Kleine Teilchen gelangen direkt durch die Membran ins Plasma und umgekehrt
2. Nahrungsteilchen und Makromoleküle können die Membran nicht durchqueren
Sie werden vom Cytoplasma umflossen und so in eine Vakuole eingeschlossen (Endocytose)
Die Stoffe bleiben in der Nahrungsvakuole durch eine Membran vom Plasma getrennt
Sie werden hier in kleine Moleküle zerlegt, die dann durch die Membran ins Plasma gelangen
Die Reste bleiben in der Nahrungsvakuole und werden durch Exocytose ausgeschieden

5.2. Endocytose und Exocytose
Endocytose
Zellen ohne Zellwand können Nahrungsteilchen mit körperfremden Stoffen durch Endocytose in Vakuolen aufnehmen
Sie umschliessen die Teilchen an der Zelloberfläche mit ihrem Cytoplasma und nehmen sie dadurch in ein Membranbläschen auf
Man bezeichnet das als Nahrungsvakuole
Zerlegung
In der Nahrungsvakuole ist die körperfremde Nahrung durch die Membran vom Plasma getrennt
Die Zelle zerlegt die Makromoleküle der Nahrung mit Verdauungsenzymen aus den Lysosomen und nimmt dann die Bausteine durch die Membran ins Plasma auf
Exocytose
Stoffe, die von den Enzymen nicht zerlegt werden können, bleiben in der Nahrungsvakuole zurück und werden durch Exocytose ausgeschieden
Dabei kommt das Bläschen von innen zur Zellmembran und öffnet sich an der Kontaktstelle
Der Inhalt der Nahrungsvakuole gelangt nach aussen
Ihre Membran fügt sich in die Zellmembran ein

5.3. Diffusion
Ein Stoff verteilt sich beim Lösen mit der Zeit gleichmässig im Lösungsmittel
Ein passiver Transportvorgang
Durch die ständige Bewegung der Teilchen verursacht
Durchmischung von Stoffen durch die Bewegung der Teilchen
Die Bewegung der Teilchen wird durch die Anziehungskräfte zwischen den Teilchen beschränkt
In Gasen und Flüssigkeiten sind die Anziehungskräfte zwischen den Teilchen so schwach, dass sich ihre Teilchen sehr gut bewegen können
Auch Teilchen von gelösten Stoffe können sich gut durch Gase oder Flüssigkeiten bewegen
Ihre Eigenbewegung führt dazu,dass sie sich gleichmässig verteilen
(Siehe Experiment auf Seiten 61/62)
Diffusionsgeschwindigkeit und Konzentrationsunterschied
Die Diffusionsgeschwindigkeit ist vom Konzentrationsunterschied des diffundierenden Stoffs abhängig
Die Diffusionsgeschwindigkeit nimmt mit der Zeit ab
Der Grund dafür ist die Abnahme des Konzentrationsunterschieds
Ähnlich wie ein Bach → umso langsamer fliesst es, je kleiner sein Gefälle ist
Ein Stoff diffundiert umso langsamer, je kleiner sein Konzentrationsgefälle ist
Darum spielt z.B. die Sauerstoffkonzentration in der Luft für uns eine entscheidende Rolle
Der Sauerstoff diffundiert nämlich in unseren Lungen umso schneller ins Blut, je höher der Konzentrationsunterschied zwischen der Luft in der Lunge und dem Blut ist
Die Diffusionsgeschwindigkeit eines Stoffes ist nur von seinem Konzentrationsgefälle abhängig
Andere Stoffe haben keinen Einfluss
Diffusionsgeschwindigkeit und Temperatur
Die Geschwindigkeit der Diffusion nimmt mit der Temperatur zu
Die Teilchen mit steigender Temperatur bewegen sich immer schneller
Wärmebewegung
Bewegung des Mediums
Die Diffusion ist ein sehr langsamer Vorgang
Es wird oft durch die Durchmischung mit Schütteln oder Rühren beschleunigt
In der Natur wird die Verteilung von Stoffen meist durch Bewegung des Mediums beschleunigt
5.4. Osmose
5.4.1. Grundlagen
Selektiv permeable Membran
Die Diffusion spielt beim Stoffaustausch der Zellen eine zentrale Rolle
Die Zellmembran ist aber im Unterschied zur Trennwand, die wir bei den Beispielen zur Diffusion verwendet haben, nicht für alle Teilchen durchlässig
Sie ist selektiv permeabel
Resultat
Bei der Osmose verhindert eine selektiv permeable Membran die Diffusion der gelösten Teilchen
Darum diffundieren Wasser-Moleküle von der Seite, wo ihre Konzentration höher ist, zur Lösung, wo die Konzentration des gelösten Stoffs höher ist
In dieser steigt dadurch der Druck
Der osmotische Druck, den eine Lösung erreicht, ist zur Konzentration der gelösten Teilchen proportional
Isotonisch
Zwischen zwei Lösungen mit der gleichen Gesamtkonzentration an gelösten Teilchen diffundieren Wasser-Moleküle in beide Richtungen gleich schnell
Es findet kein Nettotransport von Wasser statt
Der Druck bleibt in beiden Lösungen gleich
Hypertonisch und hypotonisch
Bei Lösungen mit unterschiedlichen Konzentrationen diffundiert Wasser von der Lösung mit der tieferen Konzentration gelöster Teilchen zur Lösung mit der höheren Konzentration
In dieser steigt darum der Druck
Man nennt sie hypertonisch
In der Lösung mit der tieferen Konzentration sinkt der Druck
Man nennt sie hypotonisch
Osmotischer Druck
kann im Osmometer gemessen werden
Je höher die Konzentration gelöster Teilchen in der Lösung, umso mehr Wasser nimmt sie auf und umso höher steigt das Wasser im Steigrohr
5.4.2. Osmose bei Zellen ohne Zellwand
In isotonischer Umgebung
Am einfachsten haben es Zellen in isotonischer Umgebung (z.B. im Meer oder im Blut)
Die Konzentration in den Zellen ist gleich gross wie in der Umgebung
Es findet keine Nettodiffusion von Wasser statt
Zwar diffundieren ständig Wasser-Moleküle in die Zelle hinein und aus ihr heraus, aber diese Diffusion läuft in beide Richtungen gleich schnell
Zellen in isotonischer Umgebung haben also keine osmotischen Probleme
In hypotonischer Umgebung
Einzeller, die im Süsswasser leben, haben eine höhere Konzentration an gelösten Teilchen als das Wasser, das sie umgibt
Die Umgebung ist hypotonisch
Darum diffundiert Wasser schneller in die Zelle als hinaus
Zellen ohne feste Wand schwellen durch die Wasseraufnahme an und können schliesslich platzen
Um dies zu verhindern, beeinflussen wandlose Einzeller im Süsswasser ihren Wasserhaushalt aktiv
z. B. mit einer pulsierenden Vakuole, die das eingedrungene Wasser sammelt und nach aussen pumpt
Man nennt das Osmoregulation
In hypertonischer Umgebung
Befindet sich die Zelle in einer hypertonischen Lösung, diffundiert Wasser aus der Zelle
Der Wasserverlust lässt die Zelle schrumpfen und kann zu ihrem Tod führen
Darum gefährdet z.B. die Zufuhr von Salzen in Flüsse und Seen die dort lebenden, auf Süsswasser eingerichteten Tiere
Lebewesen, die dem Leben im Salzwasser angepasst sind, können entweder den Wasserverlust vermeiden, indem sie sich durch eine hohe Innenkonzentration mit der Umgebung isotonisch machen oder sie nehmen ständig aktiv Wasser auf
Diese Osmoregulation verbraucht Energie, weil Wasser aktiv transportiert wird
5.4.3. Osmose bei Zellen mit Zellwand
Wirkung der Wand
Die Zellen von Prokaryoten, Pflanzen und Pilzen besitzen eine feste Zellwand
Diese ist zwar für Wasser durchlässig, wenn sie nicht durch spezielle Einlagerungen abgedichtet ist, ihre Festigkeit verhindert aber eine übermässige Dehnung der Zelle und damit auch die Wasseraufnahme
Saugkraft, Turgor und Wanddruck
Auch in eine Zelle mit Zellwand dringt im Süsswasser Wasser ein, weil die Wasserkonzentration ausserhalb grösser ist Als in der Zelle
Der Zellinhalt schwillt an und drückt zunehmend von inner auf die Zellwand
Man nennt diesen Innendruck der Zelle Turgor
Die Zellwand wird durch den Turgor etwas gedehnt (wie die Lederhülle eines Fussballs beim Aufpumpen des Balls)
Die zunehmende Dehnung führt zu einem wachsenden Gegendruck der Hülle
Dieser Wanddruck behindert die weitere Wasseraufnahme und bringt die Osmose schliesslich zum Stillstand
Die Zelle ist prall gefüllt (turgszent)
Osmoregulation
Wenn Pflanzenzellen durch Fotosynthese Glucose herstellen, steigt ihre Saugkraft an
Um eine übermässige Wasseraufnahme zu vermeiden, wird die hergestellte Glucose in Stärke umgewandelt
Weil dabei Tausende von Zucker-Molekülen zu einem Stärke-Molekül verknüpft werden, vermindert sich die Zahl der Teilchen durch diese Umwandlung drastisch
Mit der Konzentration der Teilchen sinkt der osmotische Wert der Lösung
Stärke ist osmotisch unwirksam
Deshalb wird Glucose zur langfristigen Speicherung von den Leukoplasten in Stärke umgewandelt
Bewegung durch Turgoränderung
Zellen können ihren Turgor durch gezielte Veränderungen der Innenkonzentration ändern
Manche Pflanzen nutzen das, um Teile zu bewegen
So stellen Bohnen tagsüber bei Besonung die Blätter waagrecht und senken sie in der Nacht
Das Gelenk für diese Bewegung liegt am Übergang von der Blattfläche zum Blattstiel
Am Morgen nehmen die Zellen an der Unterseite des Gelenks aktiv Ionen auf
Durch Osmose strömt dann Wasser nach und erhöht den Turgor
Die Zellen dehnen sich und das Blatt wird angehoben
Am Abend geschieht das Umgekehrte
Die Zellen auf der Unterseite geben Ionen aktiv ab, was zur osmotischen Wasserabgabe führt
Ihr Turgor sind und das Blatt senkt sich
Plasmolyse
Der Turgor einer Zelle sinkt, wenn die Zelle z.B. bei grosser Trockenheit oder durch Osmose Wasser verliert
Letzteres geschieht, wenn die Zelle von einer Lösung mit höherer Konzentration gelöster Stoffe umgeben ist
Die Zelle verliert Wasser
Der Druck im Inneren sinkt
Die Spannung der Zellwand lässt nach
Die Zelle verliert ihre Turgeszenz
Bei weiterer Wasserabgabe schrumpft der Protoplast und löst sich zuerst stellenweise und schliesslich ganz von der Zellwand
Man spricht von Plasmolyse

Die selektiv permeable Barrier für die Osmose ist nicht die Zellwand, sondern die Zellmembran
Zwischen Zellmembran und Zellwand befindet sich darum nach der Plasmolyse die Salzlösung aus der Umgebung
Deplasmolyse
Bringt man plasmolysierte Zellen ins Waser, bevor sie geschädigt sind, erholen sie sich wieder
Sie nehmen Wasser auf und der Protoplast legt sich wieder an die Zellwand
Der Turgor steigt
Die Zellwand wird gespannt
Man bezeichnet dies als Deplasmolyse
Welken
Krautige Pflanzen und Pflanzenteile mit unverholzten Zellwänden werden durch den Turgor und die Spannung der Wand aufrecht gehalten
Bei Wassermangel lässt sich der Turgor nach
Die Zellwände entspannen sich
Die Gewebe werden schlaff
Die Pflanzen welken
Man kann das z.B. an einem Salatblatt beobachten
Wenn man es für einige Zeit ins Wasser legt, wird es schön knakig → das Wasser dringt in die Zellen ein und erhöht den Turgor
Die Zellen werden prall gefüllt
Wenn man das Blatt ins Salzwasser bringt → die Zellen verlieren Wasser, ihr Turgor sinkt und die Spannung der Zellwände verschwindet
Die Gewebe erschlaffen und vorbei ist es mit der Knackigkeit
Das Blatt wird welk
Überdüngung
Bei Nutzpflanzen kann starke Düngung Probleme mit dem Wasserhaushalt verursachen
Normalerweise nimmt die Wurzel mit feinen Wurzelhaaren Wasser für die Versorgungen ganzen Pflanze aus dem Boden auf
Weil normalerweise der Zellinhalt der Wurzelhaare die höhere Konzentration hat als das Bodenwasser, dringt Wasser aus dem Boden in die Wurzel
Wenn aber durch übermässige Düngung die Konzentration gelöster Teilchen im Bodenwasser höher wird als in den Zellen der Wurzel, diffundiert mehr Wasser aus den Zellen hinaus als hinein
Die Wurzel verliert Wasser und die Pflanze kann eingehen
5.5. Stofftransport durch die Membran
5.5.1. Übersicht
Selektiv permeabel
Die Biomembran lässt nur bestimmte Teilchen durchtreten
Sie ist selektiv permeabel
Zudem kann sie bestimmte Teilchen aktiv transportieren
Drei Wege
Es gibt drei verschiedene Wege durch die Membran:
Durch die Lipidschicht: Ganz kleine Moleküle wie Wasser- oder Sauerstoff-Moleküle durchqueren die Lipid-Doppelschicht, indem sie zwischen den Lipid-Molekülen hindurchschlüpfen
Durch Proteintunnel: Ionen und grössere hydrophile Moleküle passieren die Membran durch Proteintunnel mit hydrophilen Wänden
Durch Carrier: Grosse und kleine Teilchen können von spezifischen Transportproteinen, sogenannten Carriern, durch die Membran bewegt werden. Carrier können Stoffe auch gegen das Kon-zentrationsgefalle transportieren
5.5.2. Passiv: einfache Diffusion und erleichterte Diffusion
Diffusion
Der passive Transport geschieht durch Diffusion und setzt ein Konzentrationsgefälle voraus
Die Teilchen wandern durch die Membran. Auf die Seite, wo ihre Konzentration tiefer ist
Wir unterscheiden zwischen der einfachen Diffusion durch die Lipid-Doppelschicht und der erleichterten Diffusion durch Proteintunnel oder Carrier
Beide laufen umso schneller, je höher der Konzentrationsunterschied des betreffenden Stoffs ist
Diffusion und erleichterte Diffusion unterscheiden sich in der Selektivität
Einfache Diffusion
Für die einfache Diffusion ist neben der Grösse der Teilchen auch entscheidend, ob sie lipophil oder hydrophil sind
Ganz kleine Moleküle wie Wasser-Moleküle schlüpfen zwischen den Lipid-Molekülen hindurch
Von den grösseren Teilchen können das nur die lipophilen
Das zeigt, dass die lipophile Innenschicht der Membran die entscheidende Barriere darstellt
Erleichterte Diffusion
Durch die Proteintunnel können vor allem Ionen und hydrophile Teilchen die Membran passieren
Die Tunnel sind mit hydrophilen Protein-Molekülen ausgekleidet
Viele können sich öffnen und schliessen, indem die Moleküle der Kanalproteine ihre räumliche Struktur ändern
Die erleichterte Diffusion durch die Proteintunnel ist also regelbar und wesentlich selektiver als die einfache Diffusion
5.5.3. Carrier
Carrierproteine
Beim Transport durch Carrier wird das Teilchen, das transportiert werden soll, auf der einen Seite der Membran vom Carrier-Molekül gebunden und durch die Membran transportiert
Carrier sind Protein-Moleküle, die meist durch die ganze Membran durchreichen
Sie binden ein Teilchen an eine spezifische Bindungsstelle und befördern es durch eine Änderung ihrer Molekülstruktur auf die andere Membranseite
Das Carrier-Molekül ist kein kompaktes Klümpchen
Es besteht aus Atomen und innere Hohlräume
Es kann den Passagier in seinem Inneren auf die andere Seite bringen
Selektiv
Ein Carrier befördert nur eine Art von Teilchen, weil nur diese in der Form genau an seine Bindungsstelle passen
Carrier arbeiten darum ebenso selektiv wie Enzyme
Aktiv oder Passiv
Der Transport durch Carrier kann passiv oder aktiv sein
Beim passiven Transport wird das Teilchen wie bei jeder Diffusion auf die Seite befördert, wo seine Konzentration tiefer ist
Der aktive Transport erfolgt gegen das Konzentrationsgefälle auf die Seite mit der höheren Konzentration des Teilchens
Dieser Transport «bergauf» braucht Energie in Form von ATP
6. Assimilationsvorgänge
Auf die Stoffaufnahme folgen die chemischen Umsetzungen in der Zelle
Sie dienen zur Herstellung von Baustoffen und zur Freisetzung der nötigen Energie
6.1. Übersicht
Definition
Assimilation ist der Aufbau körpereigener Stoffe
Die Assimilate dienen als
Baustoffe: ermöglichen Wachstum, Erneuerung und Fortpflanzung der Zelle
Betriebsstoffe: liefern die für die Aktivitäten der Zelle nötige Energie
Reservestoffe: dienen als Vorräte
Wirkstoffe: katalysieren den Stoffwechsel (Enzyme) und steuern Lebensvorgänge (Hormone)
Informationsträger: speichern und übertragen Erbinformation
Bei der Assimilation bestehen grosse Unterschiede zwischen autotrophen und heterotrophen Zellen
6.1.1. Assimilation der Autotrophen
Was assimilieren die Autotrophen?
Autotrophe Zellen bzw. Lebewesen können alle organischen Stoffe, die sie brauchen, aus anorganischen Stoffen aufbauen
Dabei müssen grundsätzlich alle Elemente, die in den organischen Stoffen vorkommen, aus anorganischen Stoffen assimiliert werden
Die Assimilation der vier mengenmässig dominierenden Elemente Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff (C,H,O,N)
C-Assimilation
Bekannteste Assimilation: Fotosynthese
Fotosynthese: Kohlenstoffdioxid und Wasser → Lichtenergie → Glucose und Sauerstoff
Weil die Glucose als Ausgangsstoff zur Herstellung anderer Verbindungen dient, ist ihre Synthese die Basis aller autotrophen Assimilationen
Formel Glucose: C6H12O6
Fotosynthese: C, H, O → assimiliert
Bezeichnung: Kohlenstoff-Assimilation oder C-Assimilation
Chemosynthese
Seltenere Form der C-Assimilation → Chemosynthes gewisser Bakterien
Nutzen zum Aufbau von Glucose anstelle von Lichtenergie Energie aus chemischen Vorgängen
N-Assimilation
Moleküle von Aminosäuren und Nucleotiden enthalten neben C-, H und O-Atomen auch Stickstoff-Atome (N-Atome)
Diese werden bei der Stickstoff-Assimilation eingebaut
Die Luft besteht zu 80% aus Stickstoff → scheint die Beschaffung kein Problem
Das täuscht
Nur wenige Bakterien sind nähmlich fähig, den Stickstoff, der in der Luft in Form von N2-Molekülen vorkommt, zu assimilieren
Die autotrophen Pflanzen verwenden anorganische Stickstoffverbindungen (Ammoniumsalze und Nitrate) aus dem Wasser oder aus dem Boden als Stickstoffquelle
6.1.2. Assimilation der Heterotrophen
In allen Zellen
Auf die Beschaffung der Bausteine, die bei autotrophen und heterotrophen Zellen unterschiedlich verläuft, folgen Assimilationsvorgänge, die in allen Zellen gleich ablaufen
So bauen alle Zellen an den Ribosomen Proteine und im glatten ER Lipide auf
Auch der Aufbau der Nucleinsäuren im Kern bei der Verdoppelung des Erbguts und bei der Bildung von Boten-RNA findet in allen Zellen statt
6.2. Fotosynthese
6.2.1. Summengleichung
In Chloroplasten
Die fotosynthetisch autotrophen Zellen benutzen zur C-Assimilation Lichtenergie
Sie verfügen über Chloroplasten, die mit dem Chlorophyll Lichtenergie auffangen und für die endothermen Reaktionen der Fotosynthese nutzen
Die Fotosynthese besteht aus einer grossen Zahl von Reaktionen, von denen jede ein Enzym braucht
Diese Enzyme befinden sich wie das Chlorophyll auf der inneren Membran der Chloroplasten
Summengleichung
Das Resultat der ganzen Reaktionskette lässt sich durch die folgende Summengleichung zusammenfassen:
6 CO2 + 6 H20 → +Lichtenergie → C6H1206 + 602
In Worten: Aus 6 Molekülen Kohlenstoffdioxid und 6 Molekülen Wasser werden mithilfe von Lichtenergie 1 Molekül Glucose und 6 Moleküle Sauerstoff hergestellt
Energieaufwand
Zur Herstellung von 100g Glucose werden 1570 kJ Energie benötigt
Produkte
Die Glucose bildet die Grundlage des Bau- und des Betriebsstoffwechsels. Wir fassen ihre Verwendung kurz zusammen:
Glucose wird als Ausgangsstoff zur Herstellung von anderen Zuckern wie Rohrzucker und von Polysacchariden wie Cellulose verwendet
Glucose ist Ausgangsstoff zur Herstellung anderer Verbindungen wie z. B. Aminosäuren und Fettsäuren
Glucose wird in Form von Stärke gespeichert
Glucose wird als Betriebsstoff zur Herstellung von ATP dissimiliert
Der Sauerstoff, der als zweites Produkt entsteht, ist ein Gas, auf das die meisten Lebewesen angewiesen sind
Er wird in den Mitochondrien für die Zellatmung gebraucht
Die Fotosynthese liefert also neben dem Energieträger Glucose auch den Sauerstoff, der zu dessen Oxidation benötigt wird
Zur Oxidation der Glucose, die durch Fotosynthese hergestellt wurde, wird insgesamt gleich viel Sauerstoff verbraucht, wie bei ihrer Bildung durch die Fotosynthese hergestellt wurde
6.2.2. Bedeutung der Fotosynthese
Fotosynthese → die wichtigste chemische Reaktionskette der Erde
Sie liefert die Nahrung und den Sauerstoff für fast alle Lebewesen
In der Fotosynthese wird die Energie, die für die biologischen Aktivitäten der Lebewesen erforderlich ist, von der Sonne bezogen

Der von den Pflanzen bei der Fotosynthese bewerkstelligte Energieumsatz ist 20-mal höher als der vom Menschen organisierte Energieumsatz in allen Kraftwerken, Heizungen und Motoren zusammen, der ja auch schon gigantisch ist
Bei der Belastung der Umwelt durch Lärm, Abgase und Strahlung «leisten» wir allerdings wesentlich mehr als die Pflanzen
6.2.3. Ablauf der Fotosynthese
Im Ablauf der Fotosynthese lassen sich zwei Phasen unterscheiden → Lichtreaktionen (benötigen Licht), lichtunabhängigen Reaktionen (benötigen kein Licht)
Lichtreaktionen
Wasserspaltung
Der zentrale Vorgang der Lichtreaktionen ist die Spaltung des Wassers mithilfe von Lichtenergie
Mann nennt eine solche Zersetzung durch Licht Fotolyse
Bei der Fotolyse eines Wasser-Moleküls entstehen zwei Wasserstoff-Atome und ein Sauerstoff-Atom
Die Wasserstoff-Atome, werden zur Übertragung auf die folgenden Reaktionen an ein Träger-molekül gebunden
Das Sauerstoff-Atom, bildet mit einem Artgenossen ein O2-Molekül
So entsteht der gasförmige Sauerstoff, der als Endprodukt abgegeben wird


