Bio 10 & 11 - Genetik & Biokatalyse Zusammenfassung
Bau der Chromosomen
- Die Erbinformation steckt in der Erbsubstanz.
- Unter dem Mikroskop ist die Erbsubstanz im Inneren des Zellkerns als fädiges Geflecht (Chromatin) zu erkennen.
- Chromatin lässt sich mit Farbstoffen gut anfärben.
- Ein einzelner Faden des Chromatins wird als Chromosom bezeichnet.
- Chromosomen liegen wie in einem Knäuel angeordnet im Zellkern.
- In Zellen, die sich nicht teilen, besteht jedes Chromosom aus einem einzigen langen Faden, dem Chromatid (Ein-Chromatid-Chromosom).
- In dieser Form steuern die Chromosomen die Zellvorgänge.
- Vor der Zellteilung verdoppelt sich jedes Ein-Chromatid-Chromosom zu einem Zwei-Chromatid-Chromosom.
- Während der Teilung wickeln Proteine die Chromosomenfäden schraubenförmig auf, wodurch sie sich verkürzen und als Einzelstrukturen sichtbar werden.
- In dieser Phase haben Chromosomen eine typische X-Form, wobei die beiden Chromatiden über das Centromer verbunden sind.
- Da sich das Centromer nicht in der Mitte des Chromosoms befindet, entstehen zwei kurze und zwei lange Arme.
- Der Aufbau der Chromosomen ähnelt einer Strickleiter, wobei der Doppelstrang eine gewundene Struktur (Doppelhelix) aufweist.
- Chromatid: Arbeitsform.
- Chromosom: Transportform.
Struktur der DNA
- Chromosomen bestehen aus Proteinen und Desoxyribonucleinsäure (DNA).
- DNA-Moleküle bestehen aus vier Grundbausteinen, den Nucleotiden.
- Jedes Nucleotid enthält eine Phosphatgruppe, ein Zuckermolekül (Desoxyribose) und eine stickstoffhaltige Base (Adenin (A), Guanin (G), Thymin (T) oder Cytosin (C)).
- Watson und Crick's Modell: DNA gleicht einer Leiter, die aus zwei Ketten mit Nucleotiden besteht.
- Die Holme der Leiter bestehen aus Desoxyribose und Phosphatgruppen (das Rückgrat der DNA).
- Die Sprossen der Leiter werden durch Basenpaare gebildet, die über Wasserstoffbrücken verbunden sind.
- In der DNA ist die Häufigkeit von Adenin (A) ungefähr gleich der von Thymin (T), und Guanin (G) paart sich mit Cytosin (C).
- Die prozentuale Häufigkeit der Basen ist organismusspezifisch.
DNA-Einzelstränge und Doppelstränge
- Ein DNA-Einzelstrang endet immer mit einem 3'-C-Atom (3'-Ende) an einem Ende und einem Phosphatrest am 5'-C-Atom (5'-Ende) am anderen Ende.
- Die beiden DNA-Einzelstränge bilden einen Doppelstrang, in dem sich immer zwei Basen gegenüberliegen (komplementär sind).
- Das 5'-Ende des einen Strangs liegt dem 3'-Ende des anderen Strangs gegenüber (antiparallel).
Replikationsblase und Replikationsgabel
- Die Replikation beginnt am Replikationsursprung und von dort aus in beide Richtungen.
- Es entstehen zwei Replikationsgabeln, die sich voneinander weg bewegen.
- DNA-Polymerase katalysiert die Synthese des neuen Strangs, indem sie ein passendes Nucleotid an das 3'-Ende des vorhergehenden Nucleotids anfügt.
- Der neue Einzelstrang wird immer in 5'-3'-Richtung aufgebaut und bewegt sich am Vorlagenstrang in 3'-5'-Richtung.
- Nach der Replikation werden die RNA-Primer entfernt und durch DNA-Nucleotide ersetzt.
- Wegen der antiparallelen Anordnung der DNA-Doppelhelix und der Tatsache, dass die Polymerasen nur in 5'-3'-Richtung arbeiten können, wird ein Strang kontinuierlich und der andere diskontinuierlich repliziert.
Kontinuierlicher und diskontinuierlicher Strang
- Der kontinuierliche Strang wird ohne Unterbrechung aufgebaut, da die DNA-Polymerase der Helicase direkt folgen kann.
- Am diskontinuierlichen Strang erfolgt die Synthese in entgegengesetzter Richtung.
- Die RNA-Primase setzt RNA-Primer an die geöffnete Stelle der Replikationsgabel.
- Die DNA-Polymerase beginnt ausgehend vom RNA-Primer mit der Synthese des neuen DNA-Strangs, läuft aber entgegen der Wanderungsbewegung der Helicase.
- Es entstehen Okazaki-Fragmente (100-200 Nucleotide lang).
- Nach der Replikation werden die RNA-Primer entfernt und durch DNA-Nucleotide ersetzt.
- Das Enzym Ligase verknüpft die Okazaki-Fragmente.
Ergebnis und Korrektur der Replikation
- Das Ergebnis der Replikation sind zwei DNA-Doppelstränge, die jeweils zur Hälfte aus einem Vorlagenstrang und einem neu gebildeten Strang bestehen (semikonservative Replikation).
- Fehlpaarungen werden durch die Korrekturlesefunktion der DNA-Polymerasen korrigiert.
- Reparaturenzyme beseitigen Fehlpaarungen nach der Replikation.
Telomere
- Die neu synthetisierte DNA wird bei jeder Replikation ein Stück kürzer, da die RNA-Primer an den 5'-Enden nicht ersetzt werden können.
- An den Enden eukaryotischer Chromosomen befinden sich Telomere (Wiederholungen bestimmter Basensequenzen), die keine genetische Information tragen.
- Telomerase kann an die Telomer-Sequenz kurze Stücke anfügen und so deren Verkürzung ausgleichen (in Keimbahnzellen und Stammzellen).
Semikonservative Replikation
- Vor einer Zellteilung muss sich die Erbinformation duplizieren (Replikation).
- Ein Enzym entspiralisiert die Doppelhelix, und durch Helicase entstehen zwei Einzelstränge (Replikationsgabel).
- RNA-Primase synthetisiert komplementäre RNA-Nucleotide (Primer) in 5'-3'-Richtung.
- DNA-Polymerase bindet an Primer und synthetisiert kontinuierlich einen komplementären DNA-Strang.
- RNA-Primer wird entfernt und durch DNA ersetzt; DNA-Ligase schließt die Lücke.
- An jeder Replikationsgabel wächst ein Strang kontinuierlich , während der andere immer wieder neu beginnen muss , wenn sich die Helicase ein Stück weiterbewegt hat .
- Es entstehen Abschnitte , sogenannte Okazaki-Fragmente.
Proteinbiosynthese
- Die meisten Merkmale und der Phänotyp eines Lebewesens beruhen auf der Wirkung von Proteinen.
- Die Bauanleitung für diese Proteine befindet sich in der Basenabfolge der DNA.
- Im Verlauf der Proteinbiosynthese wird diese Basensequenz in eine Aminosäuresequenz der Proteine übersetzt (Transkription und Translation).
Transkription
- Soll ein Genprodukt (Protein) produziert werden, stellt die Zelle durch Transkription eine einzelsträngige RNA-Kopie des Gens her (mRNA).
- Diese dient dann an den Ribosomen bei der Translation als Vorlage für den Proteinbau.
Unterschiede zwischen RNA und DNA
- RNA ist einzelsträngig, DNA doppelsträngig.
- RNA enthält Ribose statt Desoxyribose.
- RNA enthält Uracil (U) statt Thymin (T).
Ablauf der Transkription
- Das Enzym RNA-Polymerase synthetisiert aus freien RNA-Nukleotiden eine einsträngige Kopie des Gens, die zum codogenen Strang der DNA komplementär ist.
- Jedes Gen besitzt einen Promotor (Nukleotid-Abfolge), der von der RNA-Polymerase erkannt wird und den Startpunkt der Transkription signalisiert.
- Die DNA-Doppelhelix wird entwunden, und die Einzelstränge werden getrennt.
- Die RNA-Polymerase stellt die korrekte Anlagerung der komplementären RNA-Nukleotide sicher und katalysiert die Verknüpfung zum mRNA-Einzelstrang.
- Neue Nukleotide werden immer am 3'-Ende des vorherigen Nukleotids angeknüpft (5'-3'-Richtung).
- Der DNA-Einzelstrang, der als Matrize dient, wird als codogener Strang bezeichnet.
- Die Transkription endet am Terminator (Nukleotid-Abfolge), der das Signal zum Beenden der Transkription gibt.
- Die RNA-Polymerase löst sich von der DNA und gibt die synthetisierte RNA-Kopie (prä-mRNA) frei, die bei Eukaryoten im Zellkern zur reifen mRNA umgebaut und dann zu den Ribosomen transportiert wird.
Genetischer Code
- Die Basensequenz der mRNA wird in die Aminosäuresequenz des Polypeptids übersetzt (Translation).
- Für den Aufbau eines Polypeptids stehen 20 Aminosäuren zur Verfügung, während in der mRNA nur vier Basen (A, U, G, C) vorkommen.
- Drei aufeinanderfolgende Basen (Basentriplett/Codon) codieren für eine Aminosäure (4! = 64 Möglichkeiten).
- In der Codesonne kann abgelesen werden, welches Basentriplett der mRNA zum Einbau welcher Aminosäure führt (von innen nach außen, 5'-3'-Richtung).
Translation
- Die reife mRNA wird im Cytoplasma an den Ribosomen in eine Aminosäuresequenz übersetzt.
- Aminosäuren werden von der transfer-RNA (tRNA) zu den Ribosomen transportiert.
- Das Anticodon der tRNA ist komplementär zu einem Codon der mRNA und bindet dort.
- tRNA-Moleküle werden entsprechend ihres Anticodons mit einer Aminosäure beladen.
- Das Ribosom katalysiert die Verknüpfung der Aminosäuren zu einem Polypeptid.
- Ribosomen bestehen aus zwei Untereinheiten: Die kleinere bindet die mRNA, die größere enthält drei Bindungsstellen für tRNA-Moleküle.
- Die Aminosäurenkette faltet sich und es entsteht das Protein, das oft als Enzym wirkt.
Proteinbiosynthese (Ablauf)
- Im Zellkern wird ein Abschnitt der DNA in mRNA umgeschrieben.
- Die mRNA verlässt den Zellkern und gelangt ins Cytoplasma.
- Die mRNA gelangt zu den Ribosomen.
- Basentripletts werden abgelesen, und mithilfe der tRNA werden
Aminosäuren angehängt. - Eine Aminosäurenkette entsteht, wird gefaltet und bildet ein Protein.
Enzyme
- Enzyme sind Biokatalysatoren, die Stoffwechselreaktionen beschleunigen.
- Katalysatoren senken die Aktivierungsenergie einer Reaktion (Energiediagramm).
- Ausgangsstoffe (Substrate) sind Luciferin und Sauerstoff, das Enzym Luciferase beschleunigt die Reaktion, und die freigesetzte Energie wird als Leuchten sichtbar.
- Auch ohne Katalysatoren findet eine Reaktion statt, aber langsamer; Enzyme beschleunigen die Reaktion nur.
Katalase und Peroxidase
- Die Enzyme Katalase und Peroxidase katalysieren die Ausgangsstoffe Hydrochinon und Wasserstoffperoxid; durch die Zerlegung entsteht freie Energie (Wärmeentwicklung).
Lactoseintoleranz und Lactase
- Lactoseintoleranten Menschen fehlt das Enzym Lactase, um Milchzucker (Lactose) zu verwerten.
- Lactose ist ein Zweifachzucker aus Glucose und Galaktose.
- Das Enzym Lactase bindet das Substrat Lactose und bildet einen Enzym-Substrat-Komplex.
- Die Bindung erfolgt im aktiven Zentrum des Enzyms.
- Bei der Spaltung von Lactose reagiert das Lactosemolekül mit Wasser (Hydrolyse).
- Enzyme erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit, indem sie die Aktivierungsenergie herabsetzen.
- Produktmoleküle (Glucose und Galactose) lösen sich vom Enzymmolekül ab, das unverändert aus der Reaktion hervorgeht.
- Enzyme werden nicht verbraucht und sind bereits in geringen Mengen wirksam (Modell: Katalytischer Zyklus).
Einfluss der Substratkonzentration auf die Reaktionsgeschwindigkeit
- Bei niedriger Substratkonzentration ist die Reaktionsgeschwindigkeit niedrig.
- Eine Erhöhung der Substratkonzentration steigert die Geschwindigkeit, bis die maximale Reaktionsgeschwindigkeit (Vmax) erreicht ist.
- Die Substratkonzentration bei halbmaximaler Reaktionsgeschwindigkeit (21V<em>max) wird als Michaelis-Menten-Konstante (K</em>M) bezeichnet und ist ein Maß für die Affinität des Enzyms zum Substrat (unabhängig von Enzym- und Substratkonzentration).
Michaelis-Menten-Konstante und Wechselzahl
- Je kleiner der KM-Wert, desto größer ist die Enzym-Substrat-Affinität.
- Die Wechselzahl gibt an, wie viele Substratmoleküle pro Sekunde am aktiven Zentrum eines Enzymmoleküls umgesetzt werden, wenn V<em>max erreicht ist; je größer, desto größer der K</em>cat-Wert.
- Carboanhydrase hat die höchste Arbeitsgeschwindigkeit, Acetylcholinestrase die höchste Affinität.
Einfluss von Enzymen auf Substratkonzentrationen
- Der Alkoholabbau kann durch eine geringere Aktivität der Enzyme ADH und ALDH verursacht werden.
- Unterschiedliche Mengen von Alkoholdehydrogenase-Molekülen/Isoenzyme oder inaktive mitochondriale ALDH1 können Ursachen sein.
- Die Reaktionsgeschwindigkeit von Enzymen ist abhängig von:
- Enzymkonzentration: Hohe Enzymkonzentration steigert die Produktkonzentration schneller.
- Substratkonzentration.
- Temperatur: Enzyme haben ein Temperaturoptimum (beim Menschen ca. 37 °C); zu hohe Temperaturen führen zur Denaturierung des Enzyms.
- pH-Wert: Je nach Wirkort haben Enzyme ein bestimmtes pH-Optimum (Pepsin im Magen (sauer), Trypsin im Dünndarm (basisch)).
Kompetitive und Allosterische Hemmung
- Kompetitive Hemmung: Substanzen mit ähnlicher Struktur wie Substratmoleküle binden an das aktive Zentrum und verhindern die Reaktion; mit zunehmender Substratkonzentration nimmt die Hemmwirkung ab (reversibel).
- Allosterische Hemmung: Ein Hemmstoff besetzt das allosterische Zentrum, wodurch sich die Struktur des aktiven Zentrums verändert und das Substrat nicht mehr binden kann (reversibel); allosterische Aktivatoren haben eine fördernde Wirkung.
- Irreversible Hemmung: Das Inhibitormolekül bindet dauerhaft an das aktive Zentrum oder an Thiol-Gruppen (SH-Gruppen) von Enzymmolekülen; Schwermetall-Ionen (z.B. Blei, Quecksilber) binden irreversibel an SH-Gruppen.
- Kompetitive Hemmung erreicht die maximale Reaktionsgeschwindigkeit erst bei höheren Substratkonzentrationen, während allosterische Hemmung unabhängig von der Substratkonzentration ist und zur Inaktivierung des Enzyms führt.
Allosterische Hemmung
- Ein Hemmstoff bindet an das allosterische Zentrum, wodurch sich die Struktur des aktiven Zentrums ändert.
- Das Enzym ist inaktiv, und eine Erhöhung der Substratkonzentration beeinflusst die Wirkung des Hemmstoffs nicht (nichtkompetitive Hemmung).
Enzymaktivität und Effektoren
- Enzyme mit gebundenem Aktivator zeigen bei geringeren Substratkonzentrationen eine höhere Reaktion.
- Enzyme mit Inhibitor zeigen die stärkste Reaktionseinbuße.
- AMP ist ein positiver Effektor (Aktivator), ATP und Glucose sind negative Effektoren (Inhibitoren).
- Aktiviertes allosterisches Zentrum fördert die Substratbindung.
- Inhibitor (ATP oder Glucose) verhindert die Abspaltung von Glucose.