Kapitel 3 – Multivariate Zusammenhangsmaße
Bedingte empirische Momente
- Idee: Untersuche Kenngrößen einer Variablen getrennt nach Ausprägungen einer zweiten Variablen ("Bedingung auf ").
- Bedingtes arithmetisches Mittel von
- Aus Rohdaten (Urliste) – nur Wertepaaren mit verwenden:
- Aus bedingter Verteilung :
- Bedingte Varianz von
- Aus Urliste:
- Aus bedingter Verteilung:
- Analog bestimmbar: Bedingte Quantile, höhere bedingte Momente (Schiefe, Kurtosis), bedingte Kovarianz.
- Konzept übertragbar auf Datensätze beliebiger Dimension (mehrere bedingende Variablen).
Satz vom totalen Mittelwert
- Liefert Beziehung zwischen bedingten und unbedingten (marginalen) Mitteln.
- Beispiel Szenario Klausurleistung:
- = erreichte Notenpunkte.
- = Termin (Haupt-Termin HT = 1, Nach-Termin NT = 0).
- = Gesamtzahl, bzw. Teilnehmer je Termin.
- Ableitung:
- Alternativ in relativen Häufigkeiten und .
- Interpretation: Gesamtmittelwert ist gewichtetes Mittel der bedingten Mittelwerte; Gewichte = Anteile der jeweiligen Gruppen.
- Verallgemeinerung: Für diskrete mit Kategorien: .
- Fundamentales Prinzip der bedingten Erwartung in der theoretischen (stochastischen) Formulierung.
Value-at-Risk und Expected Shortfall
- Anwendung bedingter Mittelwerte in der Finanzwirtschaft.
- Datengrundlage: Historische tägliche DAX-Renditen eines 100.000 €-Portfolios, Länge (~20) Jahre.
- Empirisches -Quantil der täglichen Renditen: .
- Täglicher : .
- Expected Shortfall (Conditional VaR): Bedingtes Mittel aller Verluste, die schlimmer als das Quantil sind.
- Rechnerisch Analog zum bedingten Mittelwertkonzept.
- Relevanz:
- = Grenzwert, = durchschnittlicher Schaden dahinter.
- Beide Größen Abschätzung des Marktrisikos.
Maßzahlen für lineare Zusammenhänge
Kovarianz
- Formale Definition für Stichprobe der Größe :
- Eigenschaften:
- Wertebereich -\infty < c_{XY} < \infty.
- gibt Stärke (und Vorzeichen) des linearen Zusammenhangs an.
- Abhängig von Maßeinheiten (skaliert mit Einheiten von (X)·(Y)).
- Geometrische Interpretation: Fläche gemischter Rechtecke relativ zum Schwerpunkt .
- Visualisierung (Slide 6): Quadranten-Analyse:
- ++ und -- Quadrant tragen positiv bei, +- und -+ negativ.
Korrelationskoeffizient nach Bravais – Pearson
- Normierte Kovarianz:
- Eigenschaften:
- Wertebereich .
- Einheitenfrei, erlaubt Vergleich über Skalen.
- → perfekte lineare Beziehung .
Eigenschaften von Kovarianz und Korrelation (zusammengefasst)
- Ungleichung: entspricht .
- Alternative Kovarianzform: .
- Lineare Transformation: Für , gilt (Skalierungs-Multiplikator).
- Sensitivität: Beide Maße stark ausreißerempfindlich (Quadrate).
- Faustregel (Interpretation ):
- → keine lineare Korrelation.
- 0<|r|<0{,}5 → schwach.
- 0{,}5\le|r|<0{,}8 → mittel.
- 0{,}8\le|r|<1 → stark.
Vorsicht bei Interpretation
- Linearität vs. Nichtlinearität:
- Beispiel Datenpaar und : trotz perfektem quadratischen Zusammenhang.
- Korrelation ist nicht Kausalität:
- Dritte Variable könnte verantwortlich sein.
- Spurious Correlation (Data Mining Fallstricke).
- Bei echter Kausalität: verrät nicht Richtung (Ursache-Wirkung).
Arithmetische Mittel messbarer Funktionen (Verbindet Konzepte)
- Allgemeines Funktionsmittel: Für
- .
- Beispiele:
- Kreuzmoment: .
- Kovarianz: .
- Linearkombination: .
- Sichtweise: Auch Histogramm-Dichten oder Kerndichten sind gewichtete arithmetische Mittel.
Rankkorrelationskoeffizient nach Spearman
- Ziel: Stärke einer monotonen Beziehung zwischen ordinalskalierten oder rangierbaren Variablen erfassen.
- Vorgehen:
- Ersetze ursprüngliche Werte durch ihre Ränge .
- Berechne Quadratsumme der Rangdifferenzen.
- Formel:
- Eigenschaften:
- Wertebereich wie Pearson .
- Robust gegenüber Ausreißern, weil nur Ordnung zählt.
- Erkennt beliebige monotone, nicht notwendigerweise lineare Zusammenhänge.
Verknüpfungen zu früheren Kapiteln / Praxis:
- Kapitel 2 behandelte univariate Momente; Kapitel 3 erweitert auf multivariate Beziehungen.
- Konzepte wie bedingte Erwartung sind zentral für inferenzstatistische Methoden (Regression, ANOVA, Bayes).
- Finanz-Kennzahlen wie / illustrieren, wie statistische Theorie unmittelbar in Regulierung (Basel III) oder Risikomanagement mündet.
- Warnung vor Fehlinterpretationen (Korrelation ≠ Kausalität) wichtig für wissenschaftliche Ethik und Evidenzbasierung.