Einführung in das Studium der Wirtschaftswissenschaften - Die Universität als Ort der Wissenschaft

Einführung in das Studium der Wirtschaftswissenschaften

Die Universität als Ort der Wissenschaft

Die Universität als weltweites Erfolgsmodell
  • Globale Entwicklungstrends:

    • Zunehmende Anzahl von Universitäten und Studierenden weltweit.
    • Universitätsneugründungen in Ländern ohne vorherige Universitäten (z.B. Bhutan, 2003) und in Ländern mit bestehenden Universitäten.
    • Steigende Studierendenzahlen an bestehenden Universitäten.
    • Zunahme der Forschung an Universitäten, sowohl absolut als auch im Vergleich zu Forschungsinstituten.
    • Wachsende Bedeutung der Universitäten für Innovationstätigkeiten von Unternehmen.
  • Zahl der Universitäten weltweit, 1088-2000 (Quelle: Valero & Van Reenen, 2019, S. 56):

    • Anstieg von ca. 1000 im Jahr 1088 auf über 15000 im Jahr 2000.
    • Diagramm zeigt die Entwicklung der globalen Universitäten im Zeitverlauf; Jahre, in denen sich die Gesamtzahl verdoppelte, sind markiert.
  • Zahl der Universitäten weltweit, relativ zur Bevölkerung (Quelle: Valero & Van Reenen, 2019, S. 56):

    • Anstieg der Universitäten pro Million Einwohner im Zeitverlauf.
    • Parallel dazu Anstieg der Weltbevölkerung.
  • Anteil der Studierenden an der Weltbevölkerung, 1900-2000 (Quelle: Schofer & Meyer, 2005, S. 899):

    • Deutlicher Anstieg des Anteils der Studierenden pro 10.000 Einwohner von 1900 bis 2000.
  • Zahl der Studierenden in Deutschland, 1947-2023:

    • Kontinuierlicher Anstieg der Studierendenzahlen in Deutschland seit 1947.
  • Wissenschaftliche Veröffentlichungen (MINT+Med) weltweit, 1900-2011 (Quelle: Powell et al., 2017, S. 4):

    • Exponentielles Wachstum der Veröffentlichungen im Bereich Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (STEM) sowie Medizin weltweit.
Was macht die Universität einzigartig?
  • „universitas“ (lat.) = Gesamtheit, das Ganze

    • Historisch zwei Bedeutungen:
      1. „universitas magistrorum et scolarium“ (Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden)
      2. „universitas litterarum“ (Gesamtheit der Wissenschaften) – Wilhelm von Humboldt Universität
  • Wilhelm von Humboldt (1767-1835):

    • Preußischer Staatsbeamter, Leiter der „Sektion für Kultus und Unterricht“.
    • Verantwortlich für die Gründung der Universität Berlin (1809; Vorläuferin der heutigen Humboldt-Universität).
    • „Erfinder“ der modernen Universität.
    • Drei innovative Zielsetzungen/Idealvorstellungen:
      1. Einheit aller Wissenschaften.
      2. Einheit von Forschung und Lehre.
      3. Autonomie der Universität gegenüber dem Staat.
    • Humboldt‘sches Modell der Universität wurde international nachgeahmt und weiterentwickelt.
  • Einheit der Wissenschaften:

    • Universität als Ort aller Wissenschaften.
    • Idealvorstellung, die auf Wilhelm von Humboldt zurückgeht.
    • Sollte der Zersplitterung des Wissens in verschiedenen Spezialschulen entgegenwirken.
    • Allerdings zunehmende Ausdifferenzierung verschiedener Fächer und Fachbereiche (Fakultäten) innerhalb der Universität.
  • Einheit von Forschung und Lehre (1):

    • Ideal der „forschenden Lehre“.
    • Forschende als Lehrende (Auswahl auf Basis der Forschungsleistung).
    • Universitäre Bildung als ganzheitlicher Anspruch (nicht nur Berufsausbildung).
    • Seminar als interaktives Lehrformat mit studentischen Referaten.
    • Was bedeutet das für das vermittelte Wissen?
      • Forschungsbasiert.
      • Qualitätsgesichert und daher verlässlich.
      • Gut durchdrungen und daher flexibel einsetzbar.
      • Unbeeinflusst von persönlichen und kommerziellen Interessen.
      • Lehre vermittelt aktuellen Stand der Forschung.
      • Einschließlich „klassischer“ Arbeiten, auf denen dieser aufbaut.
  • Einheit von Forschung und Lehre (2):

    • Vermittlung wissenschaftlicher Methoden.
    • „Lernen zu denken“ (Prof. Klein in Einführungsvortrag WS 2022/23).
    • Wissenschaftlich Denken in der „Praxis“:
      • Camuffo et al. (Management Science, 2020):
        • In einem Feldexperiment wurden Gründer:innen trainiert, „wissenschaftlich“ zu denken. Sie lernten, das geplante Geschäftsmodell als eine „Theorie“ anzusehen, aus ihr Hypothesen abzuleiten und diese so konsequent wie möglich zu testen. Die so trainierten Gründer:innen machten höhere Umsätze und passten häufiger ihr Geschäftsmodell kundenorientiert an als die Teilnehmer:innen in der Kontrollgruppe.
  • Autonomie der Universität:

    • Öffentliche Universitäten haben eine starke Position gegenüber Politik und öffentlicher Verwaltung.
    • Weitreichende akademische Selbstverwaltung.
      • Senat als „Parlament“ der Universität.
      • Wahl der Präsidentin bzw. Rektorin.
      • Auswahl neuer Professor:innen (von Humboldt nicht befürwortet).
    • Dominierende Rolle der Professor:innen in der Selbstverwaltung (in Deutschland heute verfassungsrechtlich geschützt).
  • Art. 5 GG: Freiheit von Forschung und Lehre

    • (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
      • Kunstfreiheit hier nicht einschlägig.
      • Wissenschaftsfreiheit umfasst Forschungs- und Lehrfreiheit.
      • Freiheit der Themenwahl, Durchführung und Verbreitung der Ergebnisse.
      • Unabhängig von Fach und Methode, sofern echtes Bemühen um Erkenntnis.
      • Durchsetzung der Forschungs- und Lehrfreiheit kann eingeklagt werden.
      • Grenzen der Wissenschaftsfreiheit:
        • andere Grundrechte; Funktionieren des Hochschul- und Wissenschaftssystems  Sehr starke Rechtsposition der Wissenschaft auch im internat. Vergleich
Universitäten gibt es schon lange, aber…
  • Ursprünge der europäischen Universität:

    • Erste Universitäten wurden im Mittelalter gegründet.
      • 1088: Gründung der Universität Bologna (erste Universität in Europa).
      • 1348: Gründung der Universität Prag (erste deutschsprachige Universität).
      • 1386: Gründung der Universität Heidelberg (erste Uni im heutigen Deutschland).
    • Rund 50 neue deutsche Unis im 16.-18. Jahrhundert
      • Beispiele:
        • 1527: Phillips-Universität Marburg
        • 1558: Universität Jena
        • 1737: Georg-August-Göttingen
  • Eigenschaften früher Universitäten:

    • Klein (100-200 Studenten; wenige Professoren).
    • Männlich.
    • Reine Lehranstalten (keine Forschungseinrichtungen).
    • Durch kirchliche oder staatliche Herrscher gegründet; zunehmend auch zur Ausbildung staatlicher Beamten.
  • Keine Forschung in frühen Universitäten:

    • Naturwissenschaften entstanden außerhalb der Universitäten.
      • Im 17. Jahrhundert erste naturwissenschaftliche Fachgesellschaften.
        • 1662: Royal Society (London).
          • Mitglieder waren finanziell unabhängige „Gentlemen-Wissenschaftler“.
          • Gab erste wissenschaftliche Fachzeitschrift “Philosophical Transactions” heraus.
        • 1666: „Académie des sciences“ (Paris).
        • Deutschland: u.a. Akademie der Naturforscher Leopoldina (Halle) (1652).
    • Im 19. Jahrhundert werden Universitäten Orte der Forschung.
      • Dabei weit verbreitete Skepsis gegenüber anwendungsorientierter Forschung.
      • Forschungsfreiheit als Freiheit von direkten Nützlichkeitserwägungen verstanden.
  • Wissenschaft und technische Innovation:

    • Kein ausgeprägter (direkter) Einfluss der Wissenschaft auf die Industrielle Revolution.
    • Ab dem späten 19. Jahrhundert zunehmende Forschungsbasierung des technischen Fortschritts.
      • Industrielle Anwendungen von Chemie, Elektrotechnik, Optik.
        • Z.B. synthetische Farbstoffe, Mikroskopie.
      • Gründung anwendungsorientierter Technischer Hochschulen.
        • Bis 1900 entstanden in Deutschland neun Technische Hochschulen (Darmstadt, Stuttgart, Aachen, Berlin, Hannover, Karlsruhe, München, Dresden, Braunschweig) (heute: TU9).
  • Deutsche Universitäten im 20. Jahrhundert (1):

    • Expansion der Studierendenzahlen in Weimarer Republik.
      • Allerdings auf niedrigem Niveau (verglichen mit heute).
    • Wenig Unterstützung für Demokratie an den Universitäten.
      • Viele Professoren und Studierende nationalistisch und teilweise antisemitisch eingestellt.
    • Wirtschaftliche Nöte während Weimarer Republik.
      • Eröffnung von Mensen, Wohnheimen und Studentenwerken.
      • „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ als Vorläuferin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
  • Deutsche Universitäten im 20. Jahrhundert (2):

    • Gleichschaltung der Universitäten in der NS-Diktatur.
      • Führerprinzip:
        • Keine Autonomie der Universität gegenüber der Politik.
        • Von Ministerium ernannter Rektor als „Führer“ der Universität, dem Professoren und Studierende unterstellt waren.
      • Ideologisierte Forschung (z.B. „Rassenkunde“).
      • Vertreibung jüdischer und kritischer Wissenschaftler.
      • Deutschland verliert international führende Rolle als Wissenschaftsland.
      • Aufstieg der US-Universitäten auch durch die Leistungen emigrierter Wissenschaftler:innen ermöglicht.
  • Bombs, Brains and Science (1):

    • Lit: Waldinger, Review of Economics and Statistics 2016
    • Doppelte Beschädigung der Unis durch NS-Regime und Krieg
      • Vertreibung jüdischer und kritischer Wissenschaftler:innen („Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“; 1933)  „Brains“
      • Zerstörung von Universitätsgebäuden, Laboren, Büros etc.  „Bombs“
    • Nutzung quantitativer Daten, um Auswirkungen zu ermitteln
      • Zahl der Veröffentlichungen als Maß der wissenschaftlichen Leistung
      • Effekte können isoliert werden, weil Unis unterschiedlich stark betroffen waren
      • Befund: Dauerhafter Schaden durch Verlust an Humankapital (“Brains“)
  • Bombs, Brains and Science (2):

    • Dauerhafter Schaden durch Verlust an Humankapital (“Brains“)
  • Deutsche Universitäten im 20. Jahrhundert (3):

    • Starke Expansion der (west-) deutschen Universitäten in 1960er/1970er Jahren.
      • Drastischer Anstieg der Studierendenzahlen (“massification”).
      • Hintergrund: Sorge vor “Bildungskatastrophe” (Picht, 1964) – Mangel an Hochqualifizierten als Hemmnis der wirtschaftlichen Entwicklung.
      • Gründungswelle neuer Universitäten, auch aus regionalpolitischen Motiven (z.B. Regensburg, Bochum (beide 1962), Bielefeld (1969), Bremen (1971)).
      • “Gruppenuniversität” stärkte Rolle der Nicht-Professor:innen.
        • Mehr Mitsprache für wissenschaftliche Mitarbeiter:innen, technisch- administrative Mitarbeiter:innen und Studierende.
      • Allerdings blieben Professor:innen die mächtigste Gruppe in der Universität
  • Deutsche Universitäten im 20. Jahrhundert (4):

    • Ab 1968 Entstehung der Fachhochschulen.
      • Zunächst als Stätten der Bildung auf wissenschaftlicher Basis.
      • Starke Anwendungsorientierung.
      • Aufwertung bestehender Fachschulen und Ingenieurschulen; zahlreiche Neugründungen.
      • Im Zeitablauf zunehmende Forschungsorientierung.
      • In immer mehr Bundesländern auch Promotionsrecht.
      • In letzten Jahren Umbenennung in Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW).
  • Deutsche Universitäten im 20. Jahrhundert (5):

    • Gesamthochschulen als „Zukunftsmodell“, das Universität und Fachhochschule vereinen sollte.
      • Einheitliche Zugangsbedingungen und gemeinsames (Grund-) Studium.
      • Einführung war in mehreren Bundesländern geplant
      • Aber nur in Hessen (1971; Kassel) und in NRW (1972; Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen, Wuppertal) realisiert.
      • Alle Gesamthochschulen wurden später zu Universitäten
      • Allerdings: 2013 Fusion von BTU Cottbus und FH Senftenberg (ähnlich dem Gesamthochschulmodell).
  • Kurze Geschichte der Universität Kassel:

    • 1971 Gründung als einzige Gesamthochschule in Hessen
      • Vorläufereinrichtungen werden zusammengelegt, z.B. Ingenieurschule, Höhere Wirtschaftsfachschule, Kolonialschule in Witzenhausen
      • Reformorientierung mit anwendungsnahen gestuften Studiengängen („Kasseler Modell“ mit Diplom 1 und Diplom 2)
      • AVZ (Oberzwehren) als erster neugebauter Standort
      • 1993 Universität Gesamthochschule; Aufnahme in die DFG
      • Seit 2003 Universität Kassel
      • Anstieg der Studierendenzahlen von 16.000 (1991) auf 23.000 (WS 2022)
  • Universitäten in der DDR:

    • Starker politischer Einfluss auf Universitäten
      • Zugleich ausgeprägte Forschungsausrichtung auf Bedarfe der DDR-Industrie
      • Nach der Wende drastischer Umbau der ostdeutschen Universitäten
        • Personalabbau; Neueinstellungen aus Westdeutschland
        • Starke Rückbesinnung auf historische Traditionen
        • 1994 Wiedergründung der Universität Erfurt (1389-1816) als Reform-Universität
  • Entwicklungen der letzten Jahrzehnte:

    • Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen
      • „Bologna-Reform“ (ab 1999) sollte Wechsel zwischen europäischen Universitäten durch einheitliche Abschlüsse vereinfachen
      • Seit 1990er Jahren verstärkte Wettbewerbsorientierung der Universitäten
        • Exzellenzinitiative (2006/07) zur Förderung besonders leistungsfähiger Universitäten und Fachbereiche
        • Seit 2002 Wissens- und Technologietransfer als „dritte Mission“ neben Lehre und Forschung verankert
Universitäten: Organisations- und Personalstruktur
  • Wie ist die Universität aufgebaut?

    • Präsidium und Gremien
      • Hochschulrat
      • Senat
      • Erweiterter Senat
      • Gemeinsame Erörterung
      • Kommissionen
  • Organigramm der Universität Kassel

    • Fachbereiche
    • Einrichtungen der Lehrerbildung
    • Wissenschaftliche Zentren
    • Forschungs- und Kompetenzzentren
    • Präsidium
    • Universitätsbibliothek
    • IT-Servicezentrum
    • Internationales Studienzentrum
    • Servicecenter Lehre
    • UniKasselTransfer
    • Uniwerkstätten
    • Graduiertenakademie
    • Mitgliedergruppen der Universität: Studierende, Professorinnen u. Professoren, wissenschaftliche Beschäftigte, administrativ-technische Beschäftigte
  • Organe der Universität (1): Präsidium

    • Präsent:in und Vizepräsident:innen
      • Aus dem Kreis der Professor:innen
      • Präsent:innen können von anderen Universitäten kommen
      • Vizepräsident:innen üben ihr Amt neben der Professur aus
    • Kanzler:in
      • Verwaltungsleiter:in der Universität
      • In der Regel vorher kein:e Professor:in
  • Organe der Universität (2): Senat

    • „Parlament“ der Universität
    • Mitglieder von den einzelnen Statusgruppen gewählt
    • Mehrheit der Professor:innen in Fragen von Forschung und Lehre (durch Bundesverfassungsgericht vorgeschrieben)
  • Organe der Universität (3): Hochschulrat

    • Hochschulräte als relativ neues Organ der Universitäten
    • Sollen gesellschaftliche Einbettung der Universität unterstützen
    • Hochschulrat schlägt (erweitertem) Senat Präsidentschaft-Kandidat:innen zur Wahl vor
  • Organe der Universität (4): Fachbereiche

    • Fachbereiche organisieren Lehr- und Forschungsaktivitäten
    • Alle Professor:innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen gehören (mindestens) einem Fachbereich an
      • Entsprechend ihrer Spezialisierung
      • Leitung des Fachbereichs: Dekanat
        • Dekan:in; Prodekan:in (Stellvertretung); Studiendekan:in (verantwortet Lehre)
        • Dekanatsmitglieder sind Professor:innen
      • Fachbereichsrat als „Parlament“
  • Organe der Universität (5): Verwaltung

    • Schafft administrative und technische Basis für Forschung und Lehre
    • Beschäftigte sind in der Regel keine Wissenschaftler:innen (aber sind häufig wissenschaftlich ausgebildet)
    • Leitung der Verwaltung: Kanzler:in
Auf wen treffen Sie an der Universität?
  • Einige Zahlen zu Studierenden…

    • Studierendenquote im internationalen Vergleich
    • Internationale Studierende in Deutschland
    • Fächeranteile bei Studienabschluss
    • Soziale Herkunft der Studierenden
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen: Beschäftigung

    • Fast alle wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen sind zeitlich befristet auf Qualifikationsstellen beschäftigt
      • Ausnahmen: einzelne Lehrkräfte für besondere Aufgaben (und Professor:innen)
      • Qualifikationsschritte nach dem Masterabschluss
        • Promotion (Dr.): in der Regel 3-5 Jahre, häufig auf Teilzeitstelle
        • Postdoc-Phase: weitere 5-10 Jahre bis zur Professur; 80% der Promovierten wechseln in den außer-universitären Sektor
        • Habilitation (PD Dr.); Juniorprofessur; Nachwuchsgruppenleitung als Zwischenschritte zwischen Promotion und Professur
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen: Tätigkeiten

    • Forschung zur eigenen Weiterqualifizierung
      • Arbeit an Doktorarbeit bzw. Habilitationsschrift
      • Veröffentlichungen in Fachzeitschriften
      • Lehrveranstaltungen
        • Eigene Vorlesungen und Seminare; Übungen; z.T. auch Tutorien
        • Arbeiten für das Fachgebiet bzw. das Forschungsprojekt, aus dem die Stelle finanziert wird
      • Akademische Selbstverwaltung
  • Professor:innen: Stellen (1)

    • „Berufung“ von Professor:innen
      • Wettbewerbliches und stark formalisiertes Auswahlverfahren
      • Passung des Forschungsprofils und bisherige Forschungsleistung von zentraler Bedeutung
      • Traditionell Nachweis der Lehrbefähigung durch Habilitation; wachsende aber noch immer begrenzte Bedeutung der Lehre für Auswahl
      • Relativ kleine Zahl verfügbarer Professuren
        • Viele wissenschaftliche Mitarbeiter:innen streben eine „akademische“ Karriere in der Wissenschaft an, aber nur eine Minderheit wird „berufen“
  • Professor:innen: Stellen (2)

    • Unterscheidung nach Besoldungsgruppen
      • W2/W3-Professuren: bei Berufung oder nach Bewährungszeit unbefristet
      • W1-Professuren (Qualifikations- bzw. Juniorprofessuren):
        • Befristet (i.d.R. auf sechs Jahre) oder
        • Mit Bewährungszeit und Aufstieg nach W2/W3 („Tenure Track“)
      • Professor:innen können sich auf freie Professuren an anderen Universitäten bewerben
        • Wechsel der Universität als verbreiteter Karriereschritt von Professor:innen
        • Universitäten konkurrieren um Professor:innen über Ausstattung des Lehrstuhls, Gehaltszulagen etc.
  • Professor:innen: Tätigkeiten (1)

    • Deutschland: Lehrstuhlprinzip
      • Professor:innen leiten Lehrstühle (in Hessen: „Fachgebiete“) mit zugeordnetem Personal (i.d.R. 1-2 Wiss. Mitarbeiter:innen; Sekretariat)
      • Über externe Projektmittel („Drittmittel“) öffentlicher und privater Mittelgeber kann weiteres Personal finanziert werden
        • Projekt-Akquise als wichtige Aufgabe von Professor:innen
        • Fachgebiete können sehr groß werden
  • Professor:innen: Tätigkeiten (2)

    • Zeitverwendung von Professor:innen und Mitarbeiter:innen
      • APIKS-Befragung des INCHER (Schneijderberg und Götze 2020. S. 73)
TätigkeitsfeldProfessor:innen (Uni)Wiss. Mitarbeiter:innen
Lehre28%21%
Forschung39%57%
Transfer6%6%
Administration18%7%
Sonstiges9%9%
  • Frauen an der Universität (1)

    • Universitäten waren über Jahrhunderte Männern vorbehalten
      • Vor 1900 durften Frauen in Deutschland nur mit Sondergenehmigung studieren
      • 1932/33: 14% Frauenanteil unter Studierenden
      • Heute: „leaky pipeline“
        • Mehr Studienanfängerinnen als Studienanfänger
        • Auf jeder Karrierestufe sinkt der Frauenanteil
  • Frauen an der Universität (2)

    • Die „leaky pipeline“ in der deutschen Wissenschaft
      • Leichter Anstieg der Frauenanteile zwischen 2012 und 2022
  • Administrativ-technische Mitarbeiter:innen

    • Zahl der administrativ-technischen Beschäftigten ist mit Wachstum der Universitäten auch angestiegen
      • Daneben auch neue Tätigkeiten innerhalb der Universität (z.B. Career Service; Forschungsservice)
      • Tendenz zu höher qualifizierten Beschäftigungen
        • Uni-Verwaltung als Arbeitsmarkt für Absolvent:innen und Promovierte
        • Offizielle Statistiken unterschätzen Wachstum, weil Verwaltungs- und Management-Positionen z.T. als wissenschaftliche Tätigkeit gelten