6. + 7. Einheit Gebärdensprache
Kernaussage: Gebärdensprachen sind räumlich-visuelle Sprachen, die Denken, Wissensorganisation und Didaktik beeinflussen
Historie der Gebärdensprache
1779: Gründung des k.k. Taubstummeninstituts Wien
1880: Mailänder Kongress
→ Verbot der Gebärdensprache im Unterricht
1960: Beginn der Gebärdensprachforschung (USA)
1990: erste Gebärdensprachforschung an der Universität Klagenfurt + Erste Unterrichtserfahrungen mit ÖGS
2003: Akademielehrgang ÖGS PH10 (=Pädagogische Hochschule)
→ 1. strukturierte Aus- und Weiterbildung für Lehrpersonen in ÖGS
2005: Gesetzliche Anerkennung der ÖGS
Erweiterungscurriculum (akademische Verankerung) ÖGS an der Universität Wien
Lehrgang „Gebärdensprache im Unterricht“ und Freifach ÖGS an PH Kärnten
→ Integration von ÖGS in Lehrer*innenausbildung
2015: Fortbildungsreihe ÖGS an KPH Krems: A1-B1
→ Ausbau qualifizierter Fortbildungsangebote
Gebärdensprachmodul Uni Wien und Freifach ÖGS an KPH (2016)
Hochschullehrgang KPH Wien/Krems: B1-B2 (2018)
höhere Kompetenzstufen in ÖGS für professionellen Einsatz
2005-2020: PH-ÖGS Kurse: A1-A2
stetige Basisqualifizierung in ÖGS
ab 2020: Lehrplan ÖGS + ÖGS für Lehrende + Professur + Forschungskooperation Uni Aachen + Gebärden Cafe + Hochschullehrgang Unterrichtsfach ÖGS
→ Ergebnis: Von jahrzentelanger Unterdrückung hin zu rechtlicher, wissenschaftlicher, pädagogischer Anerkennung ihrer Gleichwertigkeit mit Lautsprachen
Österreichische Gebärdensprache (ÖGS)
ÖGS ist eine vollwertige und natürliche Sprache - keine Zeichensammlung oder Übersetzung des Deutschen
System: ÖGS folgt festen Regeln
→ Gebärden entstehen durch strukturierte/systematische Bewegungen im Raum
Struktur: setzt sich zzusammen aus manuellen & nicht- manuellen Parameter
manuell: z.B. Handbewegung/-form, Ausführungsort
nicht-manuell: Mimik, Blickrichtung, Körperhaltung, etc. → tragen grammatische Funktionen und machen ca. Hälfte der Grammatik
Funktion: kommunikative (Austausch, Interaktion) und kognitive (Wissensaufbau, Weltverständnis, etc.) Dimensionen
Exkurs zu Schriftsprachen
Schriftarten:
Buchstabenschrift (Latein, Kyrillisch)
typisch für europäische Sprachen
Schriftzeichen stehen für Laute
Logogramme/Wortschrift (z. B. Kanji, Mandarin)
Schriftzeichen stehen für Wörter/ Bedeutungseinheiten, nicht für einzelne Laute
Silbenschrift (Hiragana, Katakana)
Zeichen stellen Silben dar
z.B. japanisches Schriftsysem, meist kombiniert mit Kanji
Schriftsprache:
Schrift ist keine eigene Sprache, sondern eine Darstellungsform der Lautsprache, d.h. sie visualilsiert gesprochene Laute, bildet aber keine Gebärden ab
→Gebärdensprache ≠ Schriftsprache
Möglichkeiten zur Verschriftlichung von Gebärdensprachen
Transkriptionssysteme (wissenschaftlich genaue Beschreibung von Gebärden), z.B.:
Hamburger Notationssystem
Notation von Handform, Bewegung, Ort, Orientierung
Sutton Sign Writing
visuelles Schriftsystem, das Gebärden bildhaft darstellt
Glossensysteme (stark vereinfachtes, didaktisches Hilfsmittel)
Gebärden werden mit Wörtern der Lautsprache in Großbuchstaben bezeichnet
Mediales Gebärden
Text wird so verfasst, dass er videografisch umgesetzt wird → Video als eigenes Medium, nicht Schrift
Vereinfachte Glossentranskription für den Unterricht
Glossen werden als vereinfachte Notlösungen verwendet, weil man Gebärdensprache nicht richtig aufschreiben kann → Gebärdensprache erfolgt gleichzeitig/ simulant (Mimik, Blick, Körperhaltung, etc. zusammen), Schreiben passiert nacheinander/ linear
bsp. Glossentranskription aus dem Lehrplan DGS Bayern
„FRÜHER EVI BRAV“ (=Evi war früher brav)
Zeitadverb + Subjekt + (Objekt) + Prädikat/ adjektivisches Satzprädikat
man schreibt nur wichtige Bedeutungswörter, d.h. keine Artikel, kein „war“, o.Ä.
„RENATE LERNEN FERTIG“ (=Renate hat gelernt)
Subjekt + (Objekt) + Prädikat + FERTIG (zeigt: Handlung ist abgeschlossen → grammatikalisches Zeichen in Gebärdensprache)
„SPÄTER ROSI SCHWIMMEN“ (=Rosi schwimmt später)
Zeitadverb + Subjekt + (Objekt) + Prädikat
→ Glosse zeigt groben Inhalt, nicht, wie Gebärde wirklich aussieht
Modalitäten von Sprachen
Modalität= wie eine Sprache funktioniert, d.h. entweder durch hören & sprechen, oder durch sehen & Bewegungen
Visuell-gestische Sprachsysteme
Gebärdensprache
man nutzt Hände, Gesicht, Raum
mehrere dinge passieren gleichzeitig → können daher sehr schnell sein (viele Informationen auf einmal)
Auditiv-vokale Sprachsysteme
gesprochene Sprachen
man spricht Laut für Laut → Informationen kommen nacheinander
Der Aufbau von Gebärdensprachen
Visuell-gestische Sprache (Gebärdensprache)=
räumlich (Bedeutung wird im Raum aufgebaut) +
simultan (mehrere Informationen gleichzeitig) +
zirkulär (Informationen werden vernetzt, nicht einfach „abgehackt“)
Gebärde besteht also aus einer Kombination von (manuellen und nicht-manuellen) Parametern:
Handform
Ausführungsort (Raum am Körper bis ca. zum Bauchbereich)
Handstellung/Klassifikatoren
Mimik und Körperhaltung (essenziell)
→ Wichtig: exakte Bewegung/ Geschwindigkeit/ Richtung, da es sonst die Bedeutung verändert
Vgl. Aufbau der deutschen Lautsprache=
linear (Wort für Wort)
hierachisch (Wörter haben untersch. Wichtigkeit/ Ordnung/ feste Strukturen, bsp. Hauptsatz/ Nebensatz)
sequenziell (Informationen kommen nacheinander, nicht gleichzeitig)
→ daher passend zu deduktivem Unterricht (vom Allgemeinen zum besonderen)
Zitat von Eduard Wood: „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben.“
→ Bildung ≠ Auswendiglernen
sondern: verstehen, Zusammenhänge erkennen, Wissen anwenden können (=Didaktik der Gebärdensprache)
Sprache & Denken
Sprache nach Humboldt:
nicht nur Kommunikation, sondern Werkzeug zur Entwicklung geistiger Kräfte & Gewinnung einer Weltanschauung
d.h. ermöglicht Denken/ Verstehen/ Weltdeutung,
Klar- und Bestimmtheit der Gedanken nur durch gemeinschaftliches Denken mit anderen entsteht
daher: Sprache als inneres menschliches Bedürfnis, das unvezichtbar für Entwicklung ist
Gebärdensprache erfüllt hierbei die selbe Funktion wie Lautsprache → wenn ihnen Sprache vorenthalten wird, leidet also nicht nur Kommunikation, sondern v.a. kognitive Entwicklung
Sprachmodalität & Wissensorganisation
Die Verwendung von Sprachen unterschiedlicher Modalität (Auditiv-vokale vs. visuell-gestische) hat unter anderem einen Einfluss auf sematische Konzeptualisierungen (Wissensorganisation), d.h. darauf, wie Wissen im Kopf aufgebaut/ strukturiert wird
Gebärdensprachen fördern andere Konzeptualisierungen → Wissen wird bildhaft, räumlich, vernetzt organisiert, nicht linear
Bsp: „Das Motorrad fährt rasch auf den Berg.“ (Informationen kommen nacheinander)
„Motorrad fahren rasch hinauf berg“
Motorrad= Subjekt (lexikanische Gebärde→ fest etablierte „normale“ Gebärde ),
fahren= Raumverb (Verb, das sich durch Bewegung im Raum zeigt)
rasch hinauf= Klassifikator (Handform, die Objekt/Subjekt, also Motorrad, repräsentiert) + Inkorporation (keine exta Gebärde, sondern in Bewegung des Raumvebs eingebaut)
verstärkt durch Mundbild, Geräusch, Geschwindigkeit
Berg= Objekt/ Boje im Raum verortet
Boje= fixer Punkt im Raum, der enmal gesetzt und später wieder aufgegriffen wird → Verb fährt auf diesen Punkt zu
Bsp: „Er/sie gibt der Lehrerin das dicke schwere Buch“
„Lehrer/ Person/ Frau geben buch dick schwer buch“
Buch wird durch Handform und Bewegung als dick & schwer gezeigt → sind inkorporiert, nicht extra dargestellte Wörter
Didaktikansätze
man braucht spezifische didaktik für gebärdensprachige Schüler*innen, weil wissensorganisation abhängig von Sprachperformaz ist
Didaktikmodell deutsche Lausprache: deduktiv/ Top-down-Ansatz
vom Allgemeinen zum Besonderen (wissen wird geordnet aufgebaut)
hierachisch-sequenziell-linear
bsp. der Elefant: Lebewesen → Tier → Wildtier → Elefant → Eigenschaften (rau, große Ohren, Stoßzähne) …
Didaktikmodell ÖGS: induktiv/ bottom-up-Ansatz
Inkorporation und Klassifikatoren (=Eigenschaften/ Handlungen in Bewegung eingebaut)
Vernetzung von Details, nicht linear aufgebaut (informationen stehen gleichzeitig und zusammenhängend im Raum)
bsp. Elefant: vom Erleben zur Struktur
assoziativer Kontext: Elefant wird groß, schwer, Rüssel, etc. dargestellt, nicht sortiert
→ Lernen über Bilder, Eindrücke, Verbindung, nicht über feste Reihenfolge
Zentrierung des Themas: Elefant im Mittelpunkt, Eigenschaften werden am/ um den Elefanten gezeigt
→ ein Thema ist räumlich im Mittelpunkt, alles andere wird darum herum aufgebaut
Embodied style/Rollenübernahme: schwere Schritte, Rüssel, Bewegung des Elefanten wird körperlich erlebt, nicht nur benannt
→ Körper wird Teil der Erklärung, d.h. Lernend werden das Objekt/ Subjekt
Theoretisches Konzept von Deaf Didaktik
Dreidimensionales Erzählfeld und räumliche Verortung um ein zentrales Thema
Inhalte werden im Raum aufgebaut
zentrales Thema im Mittelpunkt, Informationen werden darum herum angeordnet
Simultanität (=mehrere Informattionen gleichzeitig)
Assoziativer sowie sinnlich situativer Kontext
Lernen über Zusammenhänge, Eindrücke, Situationen (=Wissenserwerb über Erleben, Sehen, Fühlen)
→ nicht über abstrakte Definitionen
Segmentierte Einheiten im Raum zueinander in Beziehung setzen
man sieht, wie einzelne, im Raum dargestellte, Dinge zusammenhängen, nicht nur dass sie existieren
Perspektivenwechsel
von Beobachter*in, zu handelnde Person
→ fördert Verstehen, Empathie, Tiefenverständnis
Fazit und Konsequenzen für Forschung, Lehre und Praxis
Sensibilisierung/Bewusstheit/Awareness (der eigenen Logik) von Gebärdensprache
Konzeption von ÖGS- Aus-/Weiter-/ Fortbildungsformate
Erstellen von visuell-räumlichen Unterrichtsmaterialen, nicht boß textzentriert
Internationale und interdisziplinäre Forschungszusammenarbeit
Einbeziehen von Native Signer:innen in Forschung, Lehre, Schule (≠ nur Zielgruppe)
Powersharing (Wahl 2023)
= Teilen bzw. bewusste Abgabe von Macht
→ Priviligierte sollen Menschen mit Behinderungen fördern bzw. ihren (stärkeren) Einfluss mit marginalisierten Menschen teilen
GASTVORTRAG:
Situation im 19. J.h.
Gebärdensprache wurde lange versteckt & war mit stigmatisierung/ diskriminierung verbunden
Gebärdensprachgemeinschaften lange von Nazis verfolgt
lange Diskussion, ob es überhaupt eine Sprache ist
STOKEO wurde verspottet, weil er Gebärdensprache als „echte Sprache“ bezeichnete (Selbst Gebärdende haben gezweifelt, dass diese Sprache eine echte Sruktur/ Grammatik/ etc. hat)
→ Später: wissenschaftliche Beweise, dass Gebärdensprache (gleich wie Lautsprache) linkshemisphärisch verarbeitet wird
Lautsprache war einzig wahre Sprache
Gebärdensprache war komisch, wurde gesellschaftlich nicht akzeptiert und teilweise von den Eltern (in der Öffentlichkeit) verboten → galt faktisch als unnormal, was bewirkte, dass niemand dagegen ankämpfte
Normierungsdruck:
Gehörlose Menschen sollten immer umgeformt werden, insb. in der Schule
durch gewalltvolle Versuche wie z.B. Zunge lockern
ihre Sprache wurde immer abgewertet und gegen Lautsprache aufgehetzt
Gebärdende wurden automatisch von Gesellschaft ausgegrenzt
Schulische/ berufliche Aspekte:
in 1960er/70er: keine Berufsauswahl für Gehörlose → nur Handwerksarbeiten waren möglich (z.B. Schneider*in, Schlosser)
Dolmetscher/ sonstige Ressourcen in „normalen“ Schulen nicht vorhanden
stattdessen mussten sich gehörlose Kinder selbst organisieren und Stoff zuhause selbst erarbeiten/ nachlernen
(bis auf Hörübungen, die verschriftlicht wurden) gab es keinen Nachteilsausgleich für Gehörlose
Studieren war faktisch nicht möglich → keine Unterstützungsangebote, verbunden mit vielen Barrieren
2010: Entstehung von „GESTU“ (=Gehörlos Erfolgreich STUdieren)
Ziel: Studiensituation für gehörlose/ schwerhörige verbessern und gleichberechtigten Hochschulzugang gewährleisten
→ Lehramt zu studieren war sogar bis 2013 (bis auf vereinzelte Ausnahmen) nicht möglich
obwohl Gebärdensprache heute akzeptiert wird, weigern sich manche Eltern immer noch, dass Kinder Gebärdensprache in der Schule lernen
zentrales Problem: Bildung kann ausschließlich in eigener Sprache erfolgen
→ Kommunikation/ Interaktion war also vergleichweise nie ein großes Problem, da man sich durch zeigen, aufschreiben, etc. immer schon verständigen konnte (unabhängig von Form möglich)
Situation heute:
Kunst ist zahlreich gefüllt mit Gebärdensprache
in Österreich jedoch nicht so gut gefördert wie in anderen Ländern, in denen es bspw. sogar eigene Gehörlosentheater gibt
In Universitäten ist es möglich, externe Person zu beauftragen, mitzuschreiben, um sich besser auf die visuellen Bewegungen konzentrieren zu können
Amerika: Veranstaltungen müssen gesetzlich barrierefrei sein
Basic facts:
weltweit über 6000 Sprachen (Laut- & Gebärdensprache), verteilt auf ca. 200 Länder
Gebärdensprachen: nicht international
d.h. JEDES Land hat individuelle Gebärdensprache (auch bspw. Österreich- Deutschland haben unterschiedliche)
z.B. ÖGS (DGS, LSF, ASL, LIBRAS, ISL)
Leistungsstark, vollwertig & natürlich entstanden.
Dominant linkshemisphärisch verarbeitet.
Natürlicher, altersgemäßer Spracherwerb.
Essentiell für das Lernen tauber Kinder/SuS.
Resilienz der Gemeinschaft…
Gebärdensprache erfolgt nicht akkustisch, sondern visuell-gestisch
Filme ermöglichen es, bewegte Sprache angemessen zu vermitteln
=verschriftlichung der Gebärdensprache, denn sie besitzt keine “normale“ eigene Schrift
bimodal-bilinguale inklusive Schule
zentral: Teamteaching
Inklusive Pädagog*in= hörende Lehrkraft mit ÖGS Kompetenzen bzw. Taube Lehrkraft
+ Regellehrkraft
→ inkl. Pädagog*innen unterrichten abwechseln mit Regellehrkraft
bis jetzt: ÖGS in Sekundarstufe 1
ab 2027: ÖGS auch in Sekundarstufe 2 und als Maturafach, statt latein/griechisch, wählbar
Lernzeitpunkt der ÖGS von Lehrpersonen
5,1% vor Ausbildung
25,6% in Ausbildung
97,4% Berusbegleitend
23,1% sonstwo
Ergebnis: die meisten Lehrkräfte haben erst in eigeninitiative begonnen, ÖGS zu lernen, d.h. erst, als sie praktisch bemerkt haben, dass es ohne unmöglich ist
Gebärdensprachpädagogik: Zielgruppe Schüler*innen
Taube Schüler*innen in untersch. Ausprägungen
CODA/ Children Of Deafs Adults
alle Schüler*innen
Schulpraxis & Lehrer*innenbedarf
Schulpraxis in AHS-Klassen mit umfassender Betreuung eines Lehrer*innenteams
Direkte Venretzung mit Schulen durch Schulpraxis
Bedarf an ÖGS- kompetenten Lehrkräften im Sekundarstufenbereich SEHR HOCH
Berufsfeld im NMS- Bereich, im Oberstufenbereich und in Einzelinklusion in berufsbildenden höheren Schulen
Gebärdensprachpädagog*innen: Zukunftsaussichten
vielschichtig
öffnet neue Perspektiven
Gestaltungsmöglichkeiten
Sprache - Kultur - Geschichte - Community (Deaf Studies)
netzwerkorientiert (national und internat.)
uvm.
ZUSAMMENFASSUNG:
Historie
lange Unterdrückung → ab 1960er Forschung und Anerkennung
ÖGS
2005 gesetzlich anerkannt + akad. verankert
vollwertige, natürliche Sprache (hat System, Struktur, Funktion)
bestehend aus manuellen + nicht-manuellen Parametern
Schrift
Schrift ≠ Sprache
visualisiert Laut, nicht Gebärde
Glossen/ Notationen als Hilfsmittel für Gebärdende
Sprachmodalitäten
auditativ- vokal (Lautsprache)
visuell- gestisch (Gebärdensprache)
Modalität beeinflusst denken
Aufbau der Sprachmodalitäen
Gebärdensprache= räumlich, simultan, zirkulär → Bedeutung nach Darstellung
Lautsprache= linear, hierarchisch, sequenziell → Bedeutung Wort für Wort
Funktionen der Sprache
Sprache= Werkzeug des Denkens
Denken entsteht durch sozialen Ausstausch und dient der Entwicklung des Geistes/ der Weltanschauung
Sprache formt Wissensstruktur
Gebärdensprache: andere Konzeptualisierung (Wissen wird räumisch und ikonisch dargestellt)
→ Folge: Gebärdensprache braucht eigene Didaktik
Didaktik
Lautsprache: deduktiv/ top-down, vom allgemeien zum Besonderen
ÖGS: induktiv/ bottom-up, vom Erleben zur Struktur durch Körper und Raum (dreidimensional), simultan+ vernetzt
Konsequenzen:
Awareness
spezielle Ausbildungen
visuell-räumliche Materialien
Native Signer*innen
Powersharing