Umfassender Lernzettel zum Infektionsschutzgesetz und pädiatrischen Krankheitsbildern
Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) und Gemeinschaftseinrichtungen
Definition Gemeinschaftseinrichtungen: * Hierzu zählen unter anderem Kindertagespflege, Kindertagesstätten, Schulen, Kinderheime und Freizeiteinrichtungen. * Charakteristikum: Viele Menschen befinden sich auf engem Raum. Dies begünstigt die Ausbreitung von Infektionskrankheiten durch enge Kontakte. * Besonderheit: Je jünger Kinder sind, desto schwerere Krankheitsverläufe sind möglich.
Ziel des Infektionsschutzgesetzes (IfSG): * Gemäß IfSG gibt es Regelungen zum Schutz von Kindern und Mitarbeitern in Gemeinschaftseinrichtungen vor ansteckenden Krankheiten. * Regelungen können je nach Bundesland oder Träger variieren. * Die aktuellen Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bilden den relevanten Bezugsrahmen in Deutschland.
Gesetzliche Besuchsverbote: * Ein Kind darf die Einrichtung nicht besuchen, wenn: * Es an einer bestimmten Infektionskrankheit erkrankt ist. * Ein entsprechender Krankheitsverdacht besteht. * Es von Kopflausbefall betroffen ist.
Mitteilungspflichtige Krankheiten bei Erkrankung des Kindes: * Ansteckende Borkenflechte (Impetigo contagiosa) * Ansteckungsfähige Lungentuberkulose * Bakterielle Ruhr (Shigellose) * Cholera * Darmentzündung (Enteritis) durch EHEC * Diphtherie * Gelbsucht/Leberentzündung durch Hepatitisviren A oder E (Hepatitis A oder E) * Hirnhautentzündung durch Hib-Bakterien * Infektiöser Durchfall und/oder Erbrechen (gilt nur für Kinder unter Jahren) * Keuchhusten (Pertussis) * Kinderlähmung (Poliomyelitis) * Kopflausbefall (sofern die korrekte Behandlung noch nicht begonnen wurde) * Krätze (Skabies) * Masern * Meningokokken-Infektionen * Mumps * Pest * Scharlach oder andere Infektionen mit Streptococcus pyogenes * Typhus oder Paratyphus * Windpocken (Varizellen) * Virusbedingtes hämorrhagisches Fieber (z. B. Ebola)
Ausscheider von Krankheitserregern: * Nach einer Erkrankung können Kinder weiterhin Erreger ausscheiden, ohne selbst krank zu sein. * Ein Besuch der Einrichtung ist dann nur mit Zustimmung des Gesundheitsamtes und unter festgelegten Schutzmaßnahmen möglich. * Dies gilt insbesondere bei Ausscheidung von: Cholera-Bakterien, Diphtherie-Bakterien, EHEC-Bakterien, Typhus- oder Paratyphus-Bakterien sowie Shigellenruhr-Bakterien.
Besuchsverbot bei Erkrankungen in der Wohngemeinschaft: * Ein Kind muss zu Hause bleiben, wenn eine andere Person im Haushalt an bestimmten schweren Krankheiten erkrankt ist oder ein Verdacht besteht. * Betroffene Krankheiten: Ansteckungsfähige Lungentuberkulose, Bakterielle Ruhr (Shigellose), Cholera, EHEC-Darmentzündung, Diphtherie, Hepatitis A oder E, Hib-Hirnhautentzündung, Kinderlähmung, Masern, Meningokokken-Infektionen, Mumps, Pest, Typhus/Paratyphus, Virusbedingtes hämorrhagisches Fieber.
Neurodermitis (Atopische Dermatitis)
Grundlagen: * Chronische Hauterkrankung, gekennzeichnet durch gerötete, trockene, schuppige und stark juckende Haut. * Verlauf erfolgt meist in Schüben. * Synonyme: Atopische Dermatitis / Atopisches Ekzem (bei liegt eine allergische Form vor). * Häufigkeit in Deutschland: Ca. der Kinder/Jugendlichen und der Erwachsenen. * Nicht ansteckend, aber physisch und psychisch belastend.
Betroffene Hautareale: * Säuglinge: Wangen, Außenseiten von Armen und Beinen. * Kinder/Erwachsene: Handinnenflächen, Fußsohlen, Nacken, Knie- und Armbeugen. * Seltener: Rücken, Bauch, Brust.
Ursachen und Faktoren: * Kombination aus Vererbung und Umwelteinflüssen. * Störung der Filaggrin-Produktion durch Genveränderung führt zu trockener Haut und geschädigter Hautbarriere (Reizstoffe und Keime dringen leichter ein). * Häufig allergisch bedingt (Hausstaubmilben, Pollen, Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Nüsse, Fisch). * Oft vergesellschaftet mit Asthma, Heuschnupfen oder Bindehautentzündung.
Symptome und Stadien: * Akut: Rote, juckende Haut, Bläschen, Knötchen, Schuppen. * Abklingend: Trockene Haut, Abschuppung. * Langfristig: Hautverdickung. * Hauptsymptom: Starker Juckreiz (Kratzen verschlimmert den Zustand und erhöht das Infektionsrisiko).
Behandlung und Prävention: * Basispflege: Regelmäßige Anwendung von rückfettenden Emollienzien. * Entzündungshemmung: Kortisonsalben (akut/vorbeugend) oder Pimecrolimus/Tacrolimus. * Schwere Fälle: Lichttherapie (UV) oder systemische Therapie (z. B. Ciclosporin). * Trigger vermeiden: Wolle, Kunstfasern, häufige Reinigung mit heißem Wasser (lauwarmes Wasser nutzen), Allergene, extreme Temperaturen, psychische Belastung.
Lebensmittelallergie und Lebensmittelunverträglichkeit
Unterscheidung: * Allergie: Reaktion des Immunsystems auf harmlose Stoffe. Bildung von Immunglobulin E () und Ausschüttung von Botenstoffen (z. B. Histamin). Symptome: Jucken, Schwellungen im Mund-Rachen-Raum, anaphylaktischer Schock. * Unverträglichkeit: Keine Beteiligung des Immunsystems. Meist Enzymmangel (z. B. Laktase), der den Abbau von Stoffen (Laktose, Fruktose) verhindert. Symptome: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit.
Häufige Allergieauslöser: * Eier, Erdnüsse, Nüsse (Mandeln, Walnüsse, etc.), Fisch, Krusten-/Weichtiere, Weizen, Lupinen, Kuhmilch, Sellerie, Sesam, Schwefeldioxid/Sulfide, Senf, Soja.
Spezifische Verlaufsformen: * Primäre Allergien: Meist im Kindesalter, oft bei Kindern mit Neurodermitis. Erdnuss-/Baumnussallergie (oft lebenslang, Reaktion auf kleinste Mengen), Fischallergie. * Sekundäre Allergien (Kreuzallergien): Häufig bei Erwachsenen mit Pollenallergie (Reaktion auf ähnliche Eiweiße in Obst/Gemüse). * Hühnereiallergie und Kuhmilchallergie verschwinden oft bis zum Schulalter.
Diabetes Mellitus Typ 2
Pathophysiologie: * Störung des Glukosestoffwechsels. Der Körper benötigt Insulin, um Glukose in die Zellen aufzunehmen. * Insulinresistenz: Zellen reagieren schwächer auf Insulin. * Relativer Insulinmangel: Bauchspeicheldrüse (Langerhans-Inseln, Betazellen) produziert anfangs mehr, erschöpft sich aber mit der Zeit.
Risikofaktoren: * Übergewicht/Adipositas (speziell Bauchfett), Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung (ballaststoffarm), Rauchen, Alkohol, Alter, genetische Veranlagung. * Weitere Faktoren: Schlafapnoe, Depression, Fettleber, Luftverschmutzung.
Diagnose (Grenzwerte): * Kein Diabetes: Nüchternblutzucker < , < . * Prädiabetes: Nüchternblutzucker , . * Diabetes: Nüchternblutzucker , Gelegenheitsblutzucker , .
Behandlung: * Basis: Ernährungsumstellung, Bewegung, Gewichtsreduktion. * Medikamentös: Orale Antidiabetika oder Insulintherapie.
Windeldermatitis und Zöliakie
Windeldermatitis: * Entzündung im Windelbereich durch Urin/Stuhl, Wärme und Feuchtigkeit. * Komplikation: Windelsoor (Befall mit Candida albicans, erkennbar an Pusteln und weiß schuppenden Stellen). * Therapie: Häufiges Wickeln (alle Stunden), Reinigung mit Wasser/Öl, Zinksalben, viel Luft an die Haut lassen.
Zöliakie: * Lebenslange Autoimmunerkrankung (Systemerkrankung) gegen Gluten/Gliadin (in Weizen, Roggen, Gerste, etc.). * Folge: Entzündung der Dünndarmschleimhaut, Rückbildung der Darmzotten, Nährstoffmangel. * Häufigkeit: Ca. der Bevölkerung (). * Symptome (Kinder): Gedeihstörungen, aufgeblähter Bauch, Weinerlichkeit. * Diagnose: Antikörpertest und Biopsy.
Adipositas
Definition und BMI-Grade: * Übermäßige Vermehrung des Fettgewebes; seit in Deutschland als Krankheit anerkannt. * . * Übergewicht: BMI . * Adipositas Grad I: BMI . * Adipositas Grad II: BMI . * Adipositas Grad III (permagna): BMI .
Folgen: Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkverschleiß (Gicht), Fettleber und bestimmte Krebsarten.
Übertragungswege und Coronavirus
Infektionswege: * Tröpfcheninfektion: Erreger gelangen beim Niesen/Husten in die Luft (z. B. Grippe, Scharlach). * Aerosole: Kleinere Partikel schweben stundenlang in der Luft (z. B. Masern, Windpocken, COVID-19). * Schmierinfektion (fäkal-oral): Über Hände oder Gegenstände (z. B. Noroviren). * Wasser/Lebensmittel: Legionellen (in Wasserleitungen bei < ), Salmonellen (Eier). * Vektoren: Übertragung durch Zecken (Borreliose, FSME) oder Mücken.
Coronavirus (COVID-19): * Übertragung primär über Tröpfchen und Aerosole (Abstand von empfohlen). * Inkubationszeit: Mittelwert Tage (Spanne Tage). * Prävention: Händehygiene, Stoßlüften, Abstand.
Die drei Eckpfeiler der Gesundheit
- Körperliche Gesundheit: Umfasst Bewegung, Ernährung, Gewicht, Wasseraufnahme sowie Drogen-/Alkoholverzicht.
- Geistige/Psychische Gesundheit: Emotionales Wohlbefinden, innere Gedanken und Gefühle. Psychische Probleme können zu physischen Symptomen (Müdigkeit, Verdauungsprobleme) führen.
- Soziale Gesundheit: Interaktion mit dem Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen). Stabile familiäre Bindungen sind prägend, aber auch externe soziale Bindungen fördern die Gesundheit.