Die Russische Revolution
Die Russische Revolution
1. Die Jahre vor der Revolution
1.1 Rückständigkeit Russlands
- Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Russland eines der rückständigsten Länder in Europa.
- Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung hinkte hinter Westeuropa zurück.
- Ursachen:
- Politisches System: Der Zar herrschte ohne Kontrolle, gestützt von der Kirche.
- Bauernbewegung: Über 80% der Bevölkerung waren Bauern, stark religiös und loyal zum Zaren.
- Leibeigenschaft: Bis 1861 waren Bauern in Leibeigenschaft ohne Freiheitsrechte oder Bildungszugang.
- Bürgertum: Das Bürgertum konnte sich politisch und wirtschaftlich nicht emanzipieren, im Gegensatz zu Westeuropa.
1.2 Stützpfeiler der Autokratie
- Das Bündnis zwischen Zar und Kirche verhinderte bis ins 20. Jahrhundert ernsthafte Bedrohungen der Autokratie.
- Es gab kaum bürgerliche Schichten, nur in großen Städten wie Moskau und St. Petersburg existierten kleine Schichten von Kaufleuten.
- Im Gegensatz zu England oder Frankreich fehlte eine Einschränkung der absoluten Herrschaft des Zaren.
2. Der Einfluss von Karl Marx
2.1 Kommunistisches Manifest
- Karl Marx und Friedrich Engels schrieben 1848 das Kommunistische Manifest: "Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus."
- Ziel: Revolutionen auszulösen und die Welt in einen kommunistischen Osten und einen kapitalistischen Westen zu teilen.
2.2 Klassenkonflikt
- Marx sah die Geschichte als eine Abfolge von Klassenkämpfen (Sklavenbesitzer - Sklaven, Adel - Leibeigene, Fabrikbesitzer - Arbeiter).
- Aussage im Manifest: "Die Kommunisten erklären offen, dass ihre Ziele nur durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnungen erreichbar sind."
2.3 Gedanken zur kommunistischen Gesellschaft
- In einer kommunistischen Gesellschaft gibt es kein Privateigentum mehr; alles gehört allen.
- Ziel: Diktatur des Proletariats, keine Klassenunterschiede mehr.
3. Der Krimkrieg und seine Folgen
3.1 Technologische Rückständigkeit
- Russlands Niederlage im Krimkrieg (1854-1856) gegen das Osmanische Reich, Frankreich, Großbritannien und Sardinien-Piemont offenbarte die technologische Rückständigkeit.
- Der Zar sah sich gezwungen, Reformen einzuleiten: Notwendigkeit einer modernen Flotte, Berufsarmee und Eisenbahn.
3.2 Unzureichende Reformen
- Reformprozess steckte fest; die Industrie konnte nicht genügend Arbeitsplätze bieten.
- Die Abdankung der Leibeigenschaft brachte keine Verbesserung für die Bauern, da die Unterschiede zwischen Stadt und Land groß blieben.
- Bildung: Drei von vier Erwachsenen waren Analphabeten.
4. Die oppositionellen Kräfte
4.1 Entstehung der Opposition
- Intelligencija: Bürgerliche Intellektuelle, Studenten und Lehrer forderten Reformen.
- Wenige bedeutende Gruppen wurden gebildet, zwei Hauptströme:
- Westler: Orientierung an Westeuropa.
- Slawophilen: Rückbesinnung auf russisch-orthodoxe Kultur.
4.2 Wichtige Gruppen
- Sozialrevolutionäre: Ziel einer grundlegenden Bodenreform.
- Menschewiki: Reformen, um soziale Bedingungen zu verbessern.
- Bolschewiki: Setzten auf eine radikale Revolution und wollten sofortigen Sozialismus.
5. Wie es zur russischen Revolution kam
5.1 Der japanisch-russische Krieg
- Der militärische Verlust gegen Japan 1904/05 führte zu sozialen Spannungen, die 1905 in einer Revolution culminierten.
- Der Zar musste Zugeständnisse machen, wie die Einführung einer Duma (Parlament).
5.2 Die gesellschaftliche Lage 1917
- Versorgungsengpässe führten 1917 zu Massendemonstrationen und Streiks, insbesondere am Internationalen Frauentag.
- Das militärische Personal weigerte sich, auf die Demonstranten zu schießen, was den Sturz des Zaren zur Folge hatte.
5.3 Februarrevolution 1917
- Massen stürmten Waffenlager und Gefängnisse, der Zar dankte ab.
- Russland wurde eines der freiheitlichsten Länder mit der Forderung nach einer parlamentarischen Demokratie.
5.4 Gründung der Arbeiterräte
- Arbeiterräte entstanden in Städten und an der Front.
- Forderungen nach Friedensschluss und Veränderungen in der Arbeitsorganisation wurden laut.
6. Die Oktoberrevolution
6.1 Bolschewiki übernehmen die Macht
- Im September 1917 gewannen die Bolschewiki die Mehrheit in den Arbeiter- und Soldatenräten.
- Am 25. Oktober 1917 stürmten sie das Winterpalais und setzten die provisorische Regierung ab.
6.2 Der Rat der Volkskommissare
- Nach der Machtergreifung führte die neue Regierung sofort Verhandlungen mit den Kriegsgegnern Deutschland und Österreich-Ungarn.
7. Bürgerkrieg (1919-1921)
7.1 Bildung der Lager
- Der neue Staat sah sich Herausforderungen gegenüber, musste eine neue staatliche Infrastruktur aufbauen und den Krieg beenden.
- Gegenrevolutionäre Kräfte (die „Weißen“) entstanden, unterstützt von westlichen Mächten.
7.2 Überlegenheit der Roten Armee
- Trotz anfänglicher Rückschläge stabilisierte sich die Rote Armee, was letztlich zum Sieg der Bolschewiki im Bürgerkrieg führte.